Archiv der Kategorie: Apostelgeschichte

Entdeckungen in der Apostelgeschichte: Selbstzerfleischung ist keine christliche Tugend

stress-7453430_1280Wenn ich in der Apostelgeschichte lese, frage ich mich oft: Wie hätte ich in der Situation reagiert? Dann wird mir bewusst, wie überraschend sich die Reaktionen z.B. von Paulus von meinen eigenen unterscheiden.

Paulus kommt nach Jerusalem. Gott hat ihm von Ort zu Ort sagen lassen, dass er dort gefangengenommen und an die Römer ausgeliefert werden wird. Manche verstanden das als Warnung; für Paulus aber bestärkte es nur seinen Entschluss, nach Jerusalem zu gehen. Er ist aus manchen Orten geflohen, oft auf Anraten seiner christlichen Brüder, aber diesmal begibt er sich offenen Auges und ganz bewusst in die Höhle des Löwen.

Die Jerusalemer Geschwister aber haben ganz andere Probleme. Paulus soll Missverständnisse über seine Person ausräumen. Es ist schön und gut und inzwischen allgemein akzeptiert, dass er unter den anderen Völkern das Evangelium verkündigt, aber er muss das Gerücht ausräumen, dass er Juden zum Abfall vom Gesetz überredet. Deswegen soll er für vier jüdische Christen, die ein Gelübde abgelegt haben, die Kosten übernehmen. Das war ein damals üblicher Brauch, wie man weniger betuchte Glaubensgenossen bei der Erfüllung ihrer Gelübde unterstützen konnte. Damit sollte er seine Treue zum mosaischen Gesetz beweisen. Paulus stimmt zu. Hier bin ich schon etwas verunsichert. Ist das richtig, was er da macht? Ich versuche alle relevanten Bibelstellen zusammenzukratzen, aber komme zu keinem richtigen Schluss. Fest steht, dass Paulus das aus Liebe und für die Einheit der Gemeinde tut.

Aber ob richtig oder falsch: Der Schuss geht nach hinten los. Irgendwelche Juden aus Asien erkennen ihn im Tempel. Sie schließen daraus genau das Gegenteil seiner eigentlichen Motivation, nämlich, dass er den Tempel verunreinigen und entehren will, indem er Heiden dort hineinschleppt (was ein Missverständnis war). Ein fürchterliches Tohuwabohu entsteht, der Mob wird zur Lynchjustiz aufgestachelt. Die Römer greifen ein, nehmen ihn gefangen und retten so wahrscheinlich erst mal sein Leben. Dann bekommt er die Chance, zum Volk zu sprechen, um sich zu erklären. Gebannt und völlig ruhig hören sie sein beeindruckendes Zeugnis an. Aber als er dann von einer Begegnung mit dem Herrn in ihrem Jerusalemer Tempel berichtet, bei der  der Herr ihn mit dem Evangelium zu den Nationen sendet, geraten sie wieder so in Rage, dass sie seinen Tod fordern.

Spätestens hier hätte ich mir wahrscheinlich mein völliges Scheitern “eingestanden” und wäre zu dem Schluss gekommen, dass die ganze Aktion ein Fehler war, der jetzt aber auch nicht mehr rückgängig zu machen ist. Katastrophe! Und ich bin schuld.

Aber es kommt noch schlimmer. Das ganze Hin und Her kann man in Apostelgeschichte 21-23 lesen und führt hier zu weit. Jedenfalls versucht der römische Statthalter, der ja für Ruhe und Ordnung zuständig ist und mit diesen ganzen religiösen Verwicklungen nichts anfangen kann, herauszubekommen, was in aller Welt die Leute so aufregt. Irgendwas muss dieser Paulus doch gemacht haben. Er beruft also noch einmal die religiöse Führung ein, den Hohen Rat, um Paulus mit ihnen zu konfrontieren. Vielleicht bringt das mehr Licht in die Sache. Der Hohepriester hat weder mit Höflichkeit noch mit Menschenrechten oder sogar Respekt vor dem Gesetz Mose viel am Hut und lässt Paulus nach den ersten Worten auf den Mund schlagen. Darauf gibt Paulus ihm eine etwas gepfefferte Antwort. Das wiederum dient seinen Gegnern als Beweis für Paulus mangelnden Respekt vor dem Hohepriester Gottes (und damit vor dem Gesetz). Paulus, dem nicht bewusst war, mit wem er geredet hatte, entschuldigt sich.

Wäre ich das gewesen, hätte ich mir innerlich die Haare gerauft. Warum musste mir das jetzt auch noch passieren? Das ist doch ein gefundenes Fressen für die. Kann ich noch was außer Fehler machen?

Paulus aber ist ganz unbeirrt. Er versucht, sich die theologische Spaltung seiner Gegner bei seiner Verteidigung zunutze zu machen. Zuerst scheint das Erfolg zu haben, dann geht die Sache wieder schief, und die Römer müssen ihn retten. Inhaftiert bleibt er natürlich.

In all diesen Situationen scheint er kein Problem mit Selbstanklage, Selbstzerfleischung oder auch nur Unsicherheit zu haben. Und falls er nach all dem doch etwas entmutigt war, so erscheint ihm Jesus bei Nacht und bestätigt ihm, dass alles seine Richtigkeit hat. Er hat Jesus bezeugt, und das war gut! Missverständnisse, Erfolg oder Misserfolg kann Paulus Gott überlassen.  Guten Mutes soll er sein – weiter so! Alles ist Teil von Gottes souveränem Plan, und die nächste Station wird Rom sein.

Mich hat das ungeheuer ermutigt, mich weniger mit der Frage aufzuhalten, ob ich Fehler gemacht habe, und inwieweit ich für Misserfolge verantwortlich bin, Selbstzweifel wegzulegen und mich darauf zu konzentrieren, Jesus zu bezeugen und Gottes souveränem Plan zu vertrauen.

Entdeckungen in der Apostelgeschichte: Christliche Prepper

prepperWas würden wir machen, wenn uns durch einen zuverlässigen und bewährten Propheten, von dem wir wissen, dass seine Botschaften wirklich von Gott kommen, eine Hungernot angesagt würde? Wahrscheinlich hieße der nächste christliche Bestseller “Das Josefs-Prinzip”  (der würde dann den “Daniel-Plan” verdrängen) und würde uns anweisen, in den fetten Jahren Vorräte anzulegen, um die mageren durchzustehen, was sich ja prinzipiell auch nicht unvernünftig anhört und schon mal bewährt hat.

Tatsächlich gab es eine solche Situation mal; sie wird uns in der Apostelgeschichte im 11. Kapitel berichtet:

Während dieser Zeit kamen einige Propheten von Jerusalem herab nach Antiochia.
Einer von ihnen hieß Agabus. Einmal stand er auf und sagte – vom Geist Gottes geführt – eine schwere Hungersnot über die ganze römische Welt voraus, die dann auch unter Kaiser Klaudius eintrat. Apg 11,27.28 (NEÜ)

Aber die Christen in Antiochia reagierten anders, als wir es erwarten würden. Sie dachten nicht zuerst an sich, sondern an die Glaubensbrüder in Jerusalem, von denen sie wussten, dass sie sehr arm waren. Dafür gab es verschiedene Gründe, aber einer davon war die Verfolgung, denn als Christen waren sie aus dem sozialen Netzwerk der Juden ausgeschlossen. (Ähnliches passiert auch heute, z.B. sind die Christen in Notgebieten oft von Hilfslieferungen ausgeschlossen, wenn diese über die Moscheen verteilt werden.) Die Gemeinde in Antiochia beschloss also, zusammenzulegen und Paulus und Barnabas Geld mitzugeben, das die Ältesten in Jerusalem an die bedürftigen Jerusalemer Geschwister verteilen sollten. Da die vorausgesagte Hungersnot  – wie wir aus der Geschichte wissen – erst zwei Jahre nach dieser Prophezeiung eintrat, konnten die Christen in Jerusalem sich so tatsächlich noch auf die Hungersnot vorbereiten.

Wie “preppen” wir, wenn wir eine Katastrophe kommen sehen? Zuerst für uns und unsere Familie oder für andere?

Entdeckungen in der Apostelgeschichte: Die Kurzbiografie von Jesus

Scrabble tiles spelling out the word JESUS correctly without any figureDie Apostelgeschichte enthält ja mehrere große Predigten, aber in Apostelgeschichte 10 wird das Evangelium zum ersten Mal vor einer Gruppe von  Heiden gepredigt. Ich fand es interessant, wie kurz Petrus das Leben von Jesus zusammenfasst und dabei doch alles Wesentliche sagt, was jeder Mensch wissen und glauben muss, um gerettet zu werden. Das kann auch für uns ein Leitfaden sein.

Hier also die wesentlichen Punkte seiner Jesus-Kurzbiografie, den er vorstellt als “aller Herr”:

  • Er stammt aus Nazareth.
  • Er wurde von Gott mit Heiligem Geist und Kraft gesalbt.
  • Er zog umher und tat den Menschen Gutes.
  • Gott war mit ihm; deshalb heilte er alle, die vom Teufel überwältigt waren.
  • Sein Wirkungsbereich war das Land der Juden und Jerusalem, und die Apostel waren dabei und haben alles mitverfolgt.
  • Er wurde durch Kreuzigung umgebracht.
  • Gott hat ihn am 3. Tag auferweckt; nicht das ganze Volk, aber viele Augenzeugen haben ihn danach gesehen und sogar mit ihm gegessen und getrunken.
  • Gott hat ihn zum Richter der Lebenden und der Toten eingesetzt.
  • Jetzt kann man durch ihn Vergebung der Sünden bekommen, wenn man an ihn glaubt.

Entdeckungen in der Apostelgeschichte: Frauen spielen eine Rolle

together-5928481_1280Was mir beim ersten Durchlesen auffiel war, dass Frauen als Verfolgte erwähnt werden, und ich habe mich gefragt, warum. Sonst ist so oft nur von “Brüdern” als Oberbegriff die Rede, Aber schon bald nach Ausbruch der allgemeinen Verfolgung heißt es: 

Saulus aber verwüstete die Gemeinde, drang überall in die Häuser ein, schleppte Männer und Frauen fort und brachte sie ins Gefängnis.

Der gleiche Sachverhalt wird in Apg 9,2 und 22,4 beschrieben. Dabei geht es immer um Paulus, und soll wahrscheinlich auch die Wut und Brutalität verdeutlichen, mir der er die Christen jagte. Aber es zeigt eben auch, dass da Frauen waren mit einem selbständigen Glauben, die treu zu ihrem Herrn standen und genau wie die Männer die Verantwortung für ihren Standpunkt übernahmen.

Was auch neu ist: Frauen werden getauft. Im Judentum war das Bundeszeichen die Beschneidung, was Männern vorbehalten war. Jetzt konnten Frauen ihren eigenen und ganz persönlichen Glauben bezeugen (hier in Samarien und hier in Philippi wird es speziell erwähnt).

Und Frauen empfangen den Heiligen Geist. Zusammen mit den Aposteln haben Frauen betend auf den Heiligen Geist gewartet, sie waren dabei, als er ausgegossen wurde und Töchter und Söhne, Knechte und Mägde weissagten.

Sie spielen nie eine Sonderrolle und auch keine führende Rolle. Sie sind Teil der Gemeinde und durch ihre Unterstützung wesentlich für das Reich Gottes. Sie zeichnen sich durch gute Werke und Wohltätigkeit aus wie Tabitha, sie stellen ihre Häuser der Gebetsversammlung der Gemeinde zur Verfügung wie Maria, sind gastfrei wie Lydia, die auch die erste Anlaufstelle für Paulus und Silas ist, als sie aus dem Gefängnis entlassen sind. Prisca unterstützt ihren Mann in der Förderung von Apollos, dessen Potential sie erkennen, dem aber noch wichtige Informationen fehlen. Sie sind ein großartiges Team für den Bau des Reiches Gottes, das sich in allem sehr einig gewesen zu sein scheint.

Entdeckungen in der Apostelgeschichte: Errettung = hier raus und da rein!

Apostel geschichte - 1Manchmal hat man ja den Eindruck, dass es bei Christen, wenn sie davon sprechen, dass man „gerettet“ werden muss, nur darum geht, nicht in die Hölle zu kommen. Aber die Apostel scheinen mir, wenn sie von Rettung sprachen, noch ein etwas anderes Konzept gehabt zu haben. Es geht darum zu sehen, wo die ganze Welt hingeht, und dass ich herausmuss aus diesem Kontext, weil ich sonst samt ihr verloren bin. „Lasst euch retten aus diesem verkehrten Geschlecht!“, ruft Petrus seine Zuhörer auf. Ich muss also ganz und gar brechen mit diesem „verkehrten Geschlecht“. Ich habe zu denen gehört, die Jesus in Worten und Taten verworfen haben und brauche Vergebung meiner Sünden. Aber ich muss auch „hinzugetan“ werden, nämlich zu einem neuen Volk von  Jesusjüngern – raus aus dem verkehrten Geschlecht und rein ins Reich Gottes. Sichtbar wird das durch die Taufe, bei der ich mein altes Leben im Wasser lasse und zum neuen Leben mit Christus aufstehe.

Übrigens – retten lässt man sich, man kann es selbst nicht bewerkstelligen. Paulus sagt es später einmal so:

Der Vater hat uns tüchtig gemacht, teilzuhaben am Erbe der Heiligen im Licht.
Er hat uns errettet aus der Herrschaft der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe, (Kolosser 1,12.13)

Auch hier: Raus aus dem Reich der Finsternis, rein ins Licht, rein ins Reich des Sohnes Gottes. Wir können nicht gerettet werden, wenn wir Gottes Urteil über diese Welt nicht anerkennen, dem wir nur dadurch entkommen, dass wir unsere Sünde anerkennen, die Vergebung durch Jesus annehmen und dem Reich der Finsternis kündigen.