Das fällt mir im Buch des Propheten Daniel als erstes auf, dass alle Ereignisse Gott zugeschrieben werden. In der Wahrnehmung der beteiligten Menschen sieht das oft ganz anders aus, aber das ist die Realität hinter der Realität.
Gott ist derjenige, der nicht nur König Jojakim in die Hand Nebukadnezars gibt, sondern sogar einen Teil des Schatzes aus seinem eigenen Tempel! Er verliert ihn nicht, weil ein Stärkerer ihn ihm weggenommen hat, sondern er überlässt ihn ganz bewusst dem babylonischen König, obwohl der das natürlich seinen eigenen Göttern zuschreibt. Gott “tut” diese Entweihung nichts – Israel tut sie was, und das ist seine Absicht.
Für die jungen Männer, die in die Gefangenschaft gehen, wird das Leben bitter und gefährlich, aber auch voller Erfahrungen mit einem lebendigen Gott. Sie landen am Hof eines brutalen, machtbesoffenen und irrationalen Diktators. Alles Gute, das sie mitbringen an Intelligenz und gutem Aussehen und Bildung soll umbestimmt werden zum Dienst dieses Mannes, seiner Herrschaft und seiner Götter. Ihre Sprache, ihre Ernährung, ihr Gottesdienst, ihre ganze Identität bis hin zu ihren Namen – alles soll sich ändern.
Aber Gott ist immer noch der Handelnde, was man daran sieht, dass er gibt: Die Gunst des Aufsehers, die Fähigkeit, den intellektuellen Anforderungen zu genügen, und die Offenbarung von Geheimnissen. Für seine Leute und zu seiner Ehre inszeniert er Rettungen aus Feueröfen und Löwengruben. Immer wieder müssen es auch die Ungläubigen zugeben und scheinen zutiefst beeindruckt, aber schnell vergessen sie es wieder und und kehren zu der Einbildung zurück, sie selbst bestimmten durch ihre Kraft und Macht.
Daniel überdauert Nebukadnezar; er dient Darius, dem Meder, und als die Perser mit Kyros die Herrschaft übernehmen, ist er immer noch da. Obwohl er Zeit seines Lebens äußerlich ein Abhängiger war, der zwischen Gunst und Hass von Menschen hin- und hergeworfen wurde, war er viel mehr ein Gesegneter und von Gott Geliebter und Begünstigter und eine überaus wichtige Person in Gottes Plänen mit der Welt. Er wird auferstehen und die Königsherrschaft Gottes sehen, denn er ließ sich nicht beirren, daran festzuhalten:
Gepriesen sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit! Denn sein ist beides, Weisheit und Macht. Er führt andere Zeiten und Stunden herbei; er setzt Könige ab und setzt Könige ein; er gibt den Weisen die Weisheit und den Verständigen den Verstand. Er offenbart, was tief und verborgen ist; er weiß, was in der Finsternis ist, und bei ihm wohnt das Licht! Daniel 2,21.22
