Manchmal hat man ja den Eindruck, dass es bei Christen, wenn sie davon sprechen, dass man „gerettet“ werden muss, nur darum geht, nicht in die Hölle zu kommen. Aber die Apostel scheinen mir, wenn sie von Rettung sprachen, noch ein etwas anderes Konzept gehabt zu haben. Es geht darum zu sehen, wo die ganze Welt hingeht, und dass ich herausmuss aus diesem Kontext, weil ich sonst samt ihr verloren bin. „Lasst euch retten aus diesem verkehrten Geschlecht!“, ruft Petrus seine Zuhörer auf. Ich muss also ganz und gar brechen mit diesem „verkehrten Geschlecht“. Ich habe zu denen gehört, die Jesus in Worten und Taten verworfen haben und brauche Vergebung meiner Sünden. Aber ich muss auch „hinzugetan“ werden, nämlich zu einem neuen Volk von Jesusjüngern – raus aus dem verkehrten Geschlecht und rein ins Reich Gottes. Sichtbar wird das durch die Taufe, bei der ich mein altes Leben im Wasser lasse und zum neuen Leben mit Christus aufstehe.
Übrigens – retten lässt man sich, man kann es selbst nicht bewerkstelligen. Paulus sagt es später einmal so:
Der Vater hat uns tüchtig gemacht, teilzuhaben am Erbe der Heiligen im Licht.
Er hat uns errettet aus der Herrschaft der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe, (Kolosser 1,12.13)
Auch hier: Raus aus dem Reich der Finsternis, rein ins Licht, rein ins Reich des Sohnes Gottes. Wir können nicht gerettet werden, wenn wir Gottes Urteil über diese Welt nicht anerkennen, dem wir nur dadurch entkommen, dass wir unsere Sünde anerkennen, die Vergebung durch Jesus annehmen und dem Reich der Finsternis kündigen.
Depressionen erscheinen uns oft als sinnloses Leiden.
Man kann sich kaum vorstellen, wozu das gut sein soll.
Deshalb habe ich meine Tochter, Naomi Vedder, gebeten, ihre Erfahrungen mit uns zu teilen.
Ich wurde gebeten, etwas darüber zu schreiben, was ich durch die Depression oder in der Depression gelernt habe. Was hat die Depression in meinem Leben aufgedeckt, und wie kann ich jetzt – etwa 7 Jahre später – sagen, dass die Depression mir zum Segen wurde?
Dazu möchte ich unbedingt vorwegschicken, dass die schwere depressive Phase bei mir nicht allzu lange gedauert hat und in Verbindung mit Anzeichen eines Burnout daher kam. Es gibt viele verschiedene Ursachen für Depressionen, und nicht alle meine Erfahrungen lassen sich auf andere übertragen oder sind für andere hilfreich. Ich weiß, dass meine Leiden im Vergleich zu denen anderer möglicherweise harmlos waren, und dass es Glaubensgeschwister gibt, die über viele Jahre hinweg in tiefster Dunkelheit ausharren.
Ich bin keine Fachfrau in Sachen Depression. Ich gebe lediglich meine ganz persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse weiter. Eventuell können sie dem einen oder anderen eine Hilfe und Ermutigung sein – das würde mich freuen.
Ich versuche zu erzählen, was ich über Gott und mich selbst gelernt habe, und was die Depression bei mir aufgedeckt hat.
In dem Buch „Depression – Die hartnäckige Dunkelheit“ von Edward T. Welch wird ein Kapitel mit dem Titel überschrieben: AUF DIE DEPRESSION HÖREN. Dieses Buch war mir in meiner Depression der treuste Begleiter. Ich fühlte mich verstanden und herausgefordert, wenn ich darin las, und es hat mich ermutigt, nicht aufzugeben und mehr nach dem „Wozu“ als nach dem „Warum“ zu fragen.
So habe ich also versucht, nicht ständig zu fragen, warum ich nun in diese schreckliche Lage geraten bin, und wie ich schnellstmöglich wieder da rauskomme, sondern auch: „Was will Gott mir möglicherweise durch diese Depression zeigen, was muss ich lernen, und wozu kann die Depression mir dienen?“
Und Gott hat mein Fragen gehört und Stück für Stück einige Dinge in meinem Leben aufgedeckt, die mir vorher gar nicht so bewusst waren.
In Stichpunkten war das vor allem Stolz und Hochmut, Menschenfurcht, ein falsches Gottesbild und ein falsches Selbstbild, Vollkommenheitsstreben und teilweise falsche Prioritäten. Was ich damit im Einzelnen meine, versuche ich im Folgenden zu erklären.
Erst als ich deprimiert und erschöpft am Boden lag, merkte ich, dass es für mich über das gute und gesunde Maß hinaus wichtig war, was Menschen von mir dachten und über mich sagten. Um allen zu gefallen und es allen recht zu machen, habe ich mich sehr angestrengt und verbogen, habe Tag und Nacht geschuftet und mein Bestes gegeben. Aber es war zu viel. Mit fast 40 Jahren war ich nicht mehr imstande, meinen eigenen Anforderungen und denen der Menschen um mich herum gerecht zu werden. So geriet ich in übermäßigen Stress und Leistungsdruck. Alle sollten mit mir zufrieden sein: Ehemann, Kinder, Eltern, Gemeinde, Arbeitgeber, Nachbarn … Gott … und am schwierigsten – ich selbst!
Letzten Endes musste ich feststellen, dass ich bereit war, zu heucheln oder Druck auf andere auszuüben, um es allen recht zu machen. Es wurde offenbar, dass ich sehr stark von Menschenfurcht geprägt bin. Man kann sagen, dass ich bereit war zu sündigen, weil ich Menschen mehr fürchtete als Gott.
Der Leser kann sich selbst fragen, ob das auch bei ihm der Fall ist. Ich bin überzeugt davon, dass ein solches Denken und Handeln Sünde ist und Buße und Umkehr erfordert. Es kann dich selbst und andere zerstören, und vor allem ehrt es Gott nicht.
Selten waren meine ersten Gedanken „Was denkt Gott darüber?“. Öfter, eher unbemerkt in meinem Inneren, fragte ich mich: „Was denkt Schwester / Bruder XY darüber? Was denken die Nachbarn … ?“ Dazu möchte ich die Bibel zitieren: Menschenfurcht stellt eine Falle; wer aber auf den HERRN vertraut, ist in Sicherheit (Sprüche 29,25).
Es kommt nicht darauf an, ob Menschen gut von mir denken und ich alles tue, was sie wollen, es kommt darauf an, den Willen des Vaters zu tun (Matthäus 7,21). Bei mir verbarg sich dahinter der zu starke Wunsch, angenommen zu sein, anerkannt zu sein, geliebt und beliebt zu sein. Wie gesagt, über das gesunde Maß hinaus. Es ist nicht möglich, es allen Menschen immer recht zu machen. Wir müssen lernen auszuhalten, dass nicht alle immer mit uns einverstanden sind, auch nicht, wenn wir das Richtige tun. Es kann auch schon mal zu Ablehnung kommen und dazu, dass man uns nicht begeistert zujubelt oder uns dankbar ist oder unser Tun lobt. Das müssen wir lernen auszuhalten. Jesus selbst ging es auch so. Auch Jesus hat „Nein“ gesagt, hat nicht allen geholfen und hat keineswegs von allen Zuspruch bekommen. Es gibt da viele Situationen, nachzulesen in den Evangelien. Eigentlich ist es nur wichtig, was Gott über unser Tun denkt. Ihm zu gefallen, soll unser Wunsch sein. Tatsächlich ist es aber oft so, dass das, was wir tun, um Gott zu erfreuen, und das, was wir tun, um Menschen zu gefallen, zwei ganz verschiedene Sachen sind.
Ich definierte mich sehr stark über das, was ich tat und leistete, und musste in der Depression, als ich viele Dinge (vor allem „geistliche Dienste“) nicht mehr tun konnte, fragen, was ich eigentlich noch wert bin, wenn ich nicht die (von mir) gewünschte Leistung erbringen kann. Es stellte sich heraus, dass es aus meiner Sicht nicht Gott war, der mir meinen Wert gab, sondern ich selbst und meine Taten und Leistungen meinen Wert bestimmten.
Ich war mir absolut nicht sicher, ob Gott mich liebt. Denn ich glaubte irrtümlich, er müsse mich aufgrund von irgendetwas in oder an mir lieben. Ich hatte nicht begriffen, dass er mich sowieso schon geliebt hat, ehe ich geboren wurde – und lange bevor ich irgendetwas Gutes tun hatte können und etwas Schlechtes hatte bekennen können. Er liebte mich, und Jesus starb für mich, lange bevor ich an ihn glaubte.
Ich begriff auch, dass ich nichts an dieser Liebe ändern kann. Gott würde mich nicht mehr lieben, wenn ich etwas für ihn tat – er hat mich bereits mit maximaler Liebe geliebt, das hat er durch Jesu Tod am Kreuz für mich bewiesen. Er liebt mich nicht mehr oder weniger, weil ich Gutes oder Schlechtes tue. Gott der Vater sieht mich durch Jesus Christus, und in seinen Augen bin ich gerecht.
2.Timotheus 1,9: Er hat uns ja errettet und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht aufgrund unserer Werke, sondern aufgrund seines eigenen Vorsatzes und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben wurde. Das heißt, ob ich depressiv und kraftlos bin oder aktiv und voller Energie mitarbeite, das ändert nichts an der Sicht, die Gott auf mich hat. Er hat schon entschieden, was er über mich denkt, und das hängt viel weniger von mir selbst ab, als ich dachte. Das zu begreifen, hat mir geholfen zu glauben und zu verstehen, dass es keine Verdammnis mehr gibt, für die, die in Christus sind. Römer 8,1: So gibt es jetzt keine Verdammnis mehr für die, welche in Christus Jesus sind, die nicht gemäß dem Fleisch wandeln, sondern gemäß dem Geist. Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.
Ich hatte also bis dahin ein falsches Gottesbild. Ich dachte, Gott wäre so wie ich und andere Menschen. Aber Gott ist ganz anders! Unser Denken über Gott muss geprägt sein von Gott und seinem Wort. Wenn du in einer Depression steckst, ist dein Gottesbild oft verschoben. Es ist gut, wenn andere dir helfen zu sehen, wie Gott wirklich ist und wie er über dich denkt. Sichere Aussagen dazu finden sich eigentlich nur in der Bibel. Alles andere ist schwammig und hilft nicht, wenn du im “Tal des Todesschattens” sitzt und sowieso an allem zweifelst. In solchen Momenten brauchst du absolut zuverlässige Aussagen. Gefühle, Gedanken oder Meinungen zu der Frage „Wie ist Gott?“ helfen da nicht weiter.
Ein weiteres Thema würde ich „Kraft und Schwäche“ nennen. Dabei geht es mehr um mein Selbstbild, als um mein Gottesbild. Vor der Depression gehörte ich eher zu den starken Frauen. Das wollte ich auch so. Schwäche widerte mich regelrecht an, und ich tat alles dafür, nicht schwach zu sein oder schwach zu erscheinen. (Das war auch sehr schwierig für unsere Ehe, am Rande bemerkt.)
Gott hat eine andere Sicht darauf als wir Menschen. Für uns ist Kraft etwas Attraktives, und wir werten sie eher als ein Zeichen für Segen und Fülle. Gott aber findet menschliche Schwachheit nicht so problematisch. Es ist vielmehr eine Möglichkeit, ihm die Ehre zu geben. Denn dadurch, dass wir schwach sind, kann sich seine Kraft oft erst richtig zeigen. 2.Korinther 12,9: Meine Kraft … ist in den Schwachen mächtig /… kommt in Schwachheit zur Vollendung /… wird in Schwachheit vollkommen. Wir würden Gott gern mit Kraft und Gesundheit und unseren Fähigkeiten ehren. Was aber, wenn er in unserer Schwachheit, Krankheit und Unfähigkeit verehrt werden möchte? Sagen wir ja, auch zur Depression, die uns für eine bestimmte Zeit von Gott verordnet ist, dann ist das eine Möglichkeit zu zeigen, dass wir an einen allmächtigen Gott glauben, der auch mit uns keine Fehler macht? Ich verstehe immer mehr, dass es Gott wohlgefällig ist, wenn seine Kinder sich in Schwachheit, Krankheit und Not an ihn klammern, ohne den Ausweg oder das Ende der Sache absehen zu können. Das verherrlicht und ehrt Gott, denn wie könnte man Vertrauen besser ausdrücken und zeigen, als eben so? Ist das nicht Glaube? Eine Wirklichkeit dessen, was man hofft, ein Überzeugtsein von Tatsachen, die man nicht sieht? (Hebräer 11,1). Insofern ist jeder, der im dunklen Tal des Todesschattens an Gott festhält, ein Glaubender, der den Herrn verherrlicht, und ich denke, das gefällt ihm.
Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überragende Kraft von Gott sei und nicht von uns. Wir werden überall bedrängt, aber nicht erdrückt; wir kommen in Verlegenheit, aber nicht in Verzweiflung; wir werden verfolgt, aber nicht verlassen; wir werden niedergeworfen, aber wir kommen nicht um; wir tragen allezeit das Sterben des Herrn Jesus am Leib umher, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib offenbar wird.
Paulus weiterhin über Schwachheit:
Es wird gesät in Unehre und wird auferweckt in Herrlichkeit; es wird gesät in Schwachheit und wird auferweckt in Kraft (1.Korinther 15,43).
Wenn ich mich rühmen soll, so will ich mich meiner Schwachheit rühmen (2.Korinther 11,30).
Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft wird in der Schwachheit vollkommen! Darum will ich mich am liebsten vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft des Christus bei mir wohne (2.Korinther 12,9).
So, denke ich, sollen wir unsere Schwachheit (Depression) annehmen und versuchen zu tun, was wir mit Gottes Kraft tun können. An manchen Tagen wird seine Kraft nur reichen, um aufzustehen und unsere Familie mit dem Nötigsten zu versorgen oder zur Arbeit zu gehen und gegen die finsteren Gedanken in unserem Kopf anzukämpfen. Dann dürfen wir am Ende des Tages Gott danken, dass er uns dafür in unserer Schwachheit genug Kraft gegeben hat. Jeder Tag, an dem wir noch leben und noch hier sind, ist ein Tag, an dem wir abends sagen können: „Danke Herr, du hast es heute wieder mit mir geschafft!“ Zur Zeit der Depression war ich in der häuslichen Krankenpflege tätig. Ich kann mich an Tage erinnern, an denen ich auf den Fahrten von einem Patienten zum nächsten geheult habe. Ich war verzagt und traurig und schwach. Manchmal habe ich ein Lied unter Tränen gesungen. Dann bin ich in die Häuser der Kunden gegangen, habe sie versorgt. Gott hat mir die Kraft gegeben, und im Auto habe ich wieder geweint. Das war nicht die Art, wie ich mir das vorgestellt hatte, aber ich muss sagen, dass Gott mir genau die Kraft gegeben hat, die nötig war.
Ich denke, es ist klug und weise, wenn wir auch in der Depression Gott bitten, uns zu zeigen, ob es Sünde in unserem Leben gibt, die wir noch zu bereinigen haben.
Da möchte ich das ganz große Thema Vergebung ansprechen. Wenn mich Niedergeschlagenheit und Traurigkeit in Beschlag nehmen, ist es gut, nach Wut und den Ursachen der Wut in meinem Leben zu suchen. Bekomme ich vielleicht gerade nicht, was ich will, und bin deshalb wütend? Bin ich verzweifelt, weil ich meine, mir steht etwas Bestimmtes zu, und ich erhalte es nicht?
Zum Beispiel Liebe von meinem Partner oder meiner Familie, Respekt von meinen Kindern, Ehre von meinen Kollegen, Freundlichkeit von meinen Nachbarn oder was auch immer. Wenn Menschen uns nicht so behandeln, wie wir es uns wünschen und wie es vielleicht auch richtig wäre, dann kann es uns tief innen verletzen, ärgern und auch wütend machen. Manchmal erkennen wir es gar nicht und werden deprimiert, ohne genau sagen zu können, warum.
Viele von uns müssen mit Dauerverletzung leben, werden über Jahre hinweg immer wieder an den gleichen Stellen gekränkt, verletzt, geschädigt. Das kann sehr leicht zu Depressionen führen, und wir brauchen Gottes Gnade, um damit richtig umgehen zu können und immer wieder zu vergeben. Das ist eine übermenschliche und unnatürliche Handlung, die wir aus uns selbst heraus weder tun wollen, noch tun können. Mit Gottes Hilfe und durch das Vorbild von Jesus Christus ist es aber möglich. Wir vergeben, weil uns vergeben wurde. Ich durfte lernen, das, was mir immer wieder angetan wurde, auch immer wieder zu vergeben. Das war mit Sicherheit auch eine wichtige Lektion.
Hierfür ist es elementar wichtig, das Evangelium wirklich zu verstehen, zu glauben und uns selbst – gerade in der Depression – immer wieder zuzusprechen. Nur durch das Wissen, dass Jesus Christus am Kreuz für meine Schuld gestorben ist, begraben wurde, auferstanden ist und jetzt für mich bei Gott, dem Vater, eintritt, nur dadurch weiß ich sicher, dass mir ein für alle Mal vergeben ist, und kann selbst immer wieder vergeben und in innerer Freiheit leben.
Ich habe versucht, mein Leben und meine Beziehungen wirklich zu durchforsten und zu schauen, ob ich irgendjemandem, irgendwo in einem versteckten Winkel meines Herzens noch nicht vergeben habe, etwas nachtrage, ein bisschen Bitterkeit konserviere … um wirklich froh und frei zu werden, ist es wichtig, dass wir alles vergeben, auch die kleinen alltäglichen Kränkungen, erst recht die großen, tiefen Verletzungen. Leider stelle ich immer wieder bei mir fest, dass ich binnen kürzester Zeit aus Unversöhnlichkeit heraus depressiv verstimmt werden kann. Wenn man nun also eine große unvergebene Last über Jahre mit sich herumträgt, ist eine Depression, denke ich, unvermeidlich. Egal wie lange das Geschehene her ist und wie schlimm es gewesen ist, egal wie viel „Gras über die Sache gewachsen ist“ – wenn du noch nicht vergeben hast, tu es am besten sofort. Dabei kann es hilfreich sein, die Sache vor einem andern Gläubigen auszusprechen und mit ihm gemeinsam zu beten.
Wer nicht bereit ist komplett und vorbehaltlos zu vergeben, ist dazu verdammt, gefoltert zu werden von Wut, Bitterkeit, Hass, Traurigkeit etc. So verstehe ich Matthäus 18, 21-35.
Umgekehrt hilft es mir auch, wenn ich immer wieder meine eigene Schuld vor Gott und Menschen bekenne und um Vergebung bitte. Schiebe ich das vor mir her, geht es mir oft tagelang elend. Die Depression kann helfen, uralte, aber unbereinigte Schuld aufzudecken oder überhaupt sensibel zu werden für die absolute Wichtigkeit der Vergebung. Wir lesen es bei David in den Psalmen, wie sehr er unter der Schuld gelitten hat, und wie sie ihn krank gemacht hat (Psalm 32).
Die Depression hat mein Gottesbild verändert.
Eben durch diese Unfähigkeit zu tun und zu leisten, wie ich es gewohnt war, musste ich mich ganz neu mit meiner Identität, meinem Selbstbild, auseinandersetzen. Wer bin ich eigentlich? Wie sieht Gott mich? In seiner Gnade hat Gott mein falsches Denken über ihn und mich aufgedeckt. Ich habe das oben bereits erwähnt. Das war so heilsam. Ich habe wohl zum ersten Mal im Leben Gottes tiefe Liebe für mich wirklich angenommen und geglaubt. Gottes bedingungslose Liebe. Gottes opferbereite Liebe. Ich bin immer noch am Lernen und Verstehen. Es gibt wohl wenig, was mir schwerer fällt zu glauben, als dass Gott mich wirklich liebt, mag, will, gut findet … mit allem, was er so an mir gemacht hat. Dazu war mir die Depression eine große Hilfe. Ich durfte ihm auch meine ganze Verzweiflung sagen, sie vor ihm aussprechen. Das habe ich mir bei Hiob abgeschaut. Ich dachte mir: Wenn Hiob das sagen durfte, und Gott es hat in die Bibel schreiben lassen, dann kann ich das ja auch machen. So habe ich Gott alles gesagt, was ich dachte und fühlte. Gott hat das ausgehalten und mich weitergeliebt und mir auch gezeigt, wo ich einfach nur Unrecht habe. Obwohl man meinen könnte, dass eine Depression dazu führt, dass man Angst vor Gott bekommt oder ihn als einen strafenden, lieblosen Gott erlebt, der einen leiden lässt, ist bei mir genau das Gegenteil passiert. Ich durfte Gott kennenlernen als meinen liebenden Vater und meinen aufopferungsvollen Herrn Jesus. Gerade im allertiefsten Moment, als ich nicht mehr leben wollte, als ich aus Gottes Hand springen und alles hinter mir lassen wollte, weil ich mir sicher war, dass ich es nicht mehr aushalte, da hat Gott mich fühlen und erfahren lassen, dass sein Wort wahr ist – auch in meinem Leben. Das werde ich wohl nie vergessen. Er hat mich einfach festgehalten. ER hat mich bewahrt, ER hat mich vor mir selbst beschützt. ER hat MICH gehalten, als ich ihn loslassen wollte. Johannes 10, 27-28: …und niemand wird sie aus meiner Hand reißen … und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters reißen … Das war ein schrecklicher Moment, ein ganz schrecklicher, aber im Rückblick ein wunderbares Erleben der Gnade Gottes.
Wie kann ich Gott selbst in der Depression verherrlichen? Die kurze Antwort lautet: Ausharren!
Und ihn bitten, die Depression zu benutzen, um etwas Schönes aus dir zu machen, Dreck rauszuspülen. Achtung! Ich möchte mit diesem Text nicht sagen, dass Depressionen immer unmittelbar mit einer offensichtlichen Sünde in unserem eigenen Leben zu tun haben. Es gibt viele Ursachen, weshalb man depressiv wird. Nicht selten ist es die Sünde anderer Menschen, die an uns schuldig geworden sind und unsere nicht heilsame Reaktion darauf, die uns deprimiert und niederdrückt bis hin zur Verzweiflung. Unser Leben hier auf der Erde ist geprägt von Sünde und Schuld, unserer oder die unserer Mitmenschen. Solange wir in dieser gefallenen Welt leben, wird es mit Sicherheit Depressionen geben. Ich nehme an, sie werden mehr und nicht weniger. Gründe dafür gibt es genug. Aber wir haben einen Gott, der damit umgehen kann. Das ist sehr tröstlich. Ich denke, Depressionen gab es schon zur biblischen Zeit – auch wenn sie damals nicht so genannt wurden, finden wir die Symptome in der Bibel. Einige Beispiele:
Ich bekomme nicht meinen Willen oder nicht das, wovon ich meine, dass es mir zusteht: Ahab und Jona
Ich habe gesündigt und möchte es nicht zugeben: David
Ich bin erschöpft vom Dienst für den Herrn: Elia, vielleicht auch Paulus
Ich bin Opfer von absolut ungerechter Behandlung und kann nichts dagegen tun: David
Fragen, die für mich wichtig waren:
Warum versuche ich, immer alles perfekt zu machen, warum versuche ich, es immer allen recht zu machen? Warum ist es mir so wichtig, was Menschen über mich denken?
Glaube ich, dass Gott mich liebt? Wer bin ich eigentlich, und wer oder was gibt mir Wert?
Wie werde ich meine zermürbende Schuld und die Anklagen los?
Welchen Sinn hat mein Leben, wenn ich nie wieder aus diesem Zustand heraus komme?
Wir befinden uns in der Zeit nach der Himmelfahrt Jesu. Während in Jerusalem das Erntefest gefeiert wurde, wurde der Heilige Geist auf die Jünger ausgegossen, die zusammen waren, um zu beten und zu warten. Diese erste Ausgießung des Geistes war ziemlich dramatisch. Sie wurde auch von der Umwelt wahrgenommen: Die Menschen hörten ein Geräusch wie von einem gewaltigen Sturm, und als sie zusammenkamen, um zu schauen, was da los war, hörten sie die Jünger in vielen verschiedenen Fremdsprachen reden, die keiner von ihnen gelernt hatte. In Jerusalem hielten sich, vor allem zu Festzeiten, Juden und auch Proselyten (zum Judentum konvertierte Heiden) aus aller Herren Länder auf, und diese Menschen waren bass erstaunt, als sie diese Leute, die offensichtlich alle aus Galiläa stammten, verstanden! Und was sie in diesen Sprachen von sich gaben, war das Rühmen der großen Taten Gottes! Das, in Verbindung mit dem Sturmgeräusch, war gleichzeitig spannend und gruselig und ganz eindeutig übernatürlich; nur konnten sie sich keinen Reim darauf machen. Ein paar Hartgesottene spotteten, aber die meisten waren einfach nur aufgewühlt.
Deswegen ergreift Petrus das Wort. Er erklärt ihnen, dass sich hier vor ihren Augen und Ohren ein Phänomen ereignet, das schon im Alten Testament vorausgesagt war. Er führt die entsprechenden Bibelstellen an, die sie sicher zum großen Teil kennen. Und dann sagt er ihnen, dass das hier alles mit Jesus zu tun hat. Vermutlich war kaum einer dabei, der nicht mitbekommen hatte, dass man vor einigen Wochen kurz vor dem Passafest einen Mann namens Jesus gekreuzigt hatte. Petrus erklärte nun, dass dieser Jesus auferstanden war (diese Gerüchte waren ihnen sicher auch schon zu Ohren gekommen), dass er der Messias war, dass er jetzt bei Gott und zu höchster Macht und Ehre erhoben war und das, was sie hier gerade selbst gehört und gesehen hatten, durch ihn ausgegossen worden war. Und er endet mit einer ziemlich drastischen Feststellung: “So soll nun das ganze Haus Israel mit Gewissheit erkennen, dass Gott Ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat, eben diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt!” (Apostelgeschichte 2,36).
Diese Männer hatten sich bis hierher mit ihrem Volk und ihren Obersten identifiziert. So ähnlich musste man sich vielleicht als Deutscher nach dem Krieg fühlen, als Filme und Dokumentationen eindeutig bewiesen, welche Gräuel unser Volk verübt hat. Man erkennt plötzlich, was “wir” getan haben, und dass es da eine kollektive Verantwortung gibt, der ich nicht ausweichen kann, und die Konsequenzen nach sich ziehen muss. So ist auch hier der Beweis angetreten worden, dass sie wirklich den Sohn Gottes gekreuzigt haben, dass sie verantwortlicher Teil einer Gesellschaft sind, die unter Gottes Gericht steht.
Und so fragen sie: “Was sollen wir tun? Gibt es noch einen Ausweg für uns? Oder sind wir jetzt verdammt?”
“Es gibt Rettung”, sagt Petrus. “Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden; so werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.” Das bedeutet: Wechselt die Seite. Wenn ihr eingesehen habt, dass ihr auf der falschen Seite wart, dann stellt euch jetzt öffentlich durch die Taufe auf die Seite des Christus. Bekennt euch zu ihm. Gott vergibt euch diese Schuld, ja, mehr noch: Ihr werdet völlig aufgenommen in die neue messianische Gemeinschaft, die den heiligen Geist empfängt. “Lasst euch retten aus diesem verkehrten Geschlecht!” (Apostelgeschichte 2,37-40).
Etwa 3000 Menschen reagierten an diesem Tag mit dem öffentlichen Bekenntnis zu Jesus, wohl wissend, dass sie sich damit gegen die Mehrheitsgesellschaft und ihre Obrigkeit stellten und das heftige Konsequenzen haben konnte. Aber ihnen waren die Augen geöffnet worden für die Realität, dass Jesus Christus der Messias war, dass er der Herr war und letzten Endes der Sieger sein würde. Sie konnten das unmöglich leugnen. Und so machten sie Gebrauch von der Gnade der Vergebung, die ihnen so freigiebig gewährt wurde. Sie mussten nichts tun, nichts zurückzahlen, nicht büßen für ihren Irrtum – sie durften einfach zur richtigen Seite wechseln.
Was bedeutet das für uns? Wir alle gehören von Geburt an zu einer Welt, die Jesus als Sohn Gottes und Herrn ablehnt. Mal tut sie das durch Worte, mal durch Taten. Durch unsere Sünden haben wir ihn mit gekreuzigt. Und diese Welt steht – auch wenn sie das zu ignorieren versucht – unter Gottes Gericht. Wenn wir das erkennen und zugeben können, wird es unser größter Wunsch sein, die Gnade, die uns angeboten wird, anzunehmen und auf die Seite des Siegers zu wechseln. Die Welt wird darüber – genau wie damals – im Allgemeinen wenig begeistert sein.
Dies ist Teil 2 einer Serie, in der ich versuchen möchte, mit verschiedenen Bildern anhand biblischer Aussagen und Geschichten zu zeigen, was Bekehrung ist.
Das Wort “Bekehrung” war das Rätsel meiner Kinder- und Jugendjahre. Bekehrung, so hatte ich gehört, war notwendig, um in den Himmel zu kommen. Manche beschrieben sie als “180 Grad-Wendung”, andere als “zum Kreuz kommen”. Ich konnte mir nichts drunter vorstellen. Da das Kreuz für mich nicht sichtbar war, dachte ich, man müsste so eine Art Fantasiereise nach Golgatha machen, würde dort irgendwie geheimnisvoll ergriffen und verändert. In Büchern und Heftchen weinten die Leute immer sehr über ihre Sünden und begannen dann ein neues, gutes Leben. Meine Sünden (zumindest manche) taten mir auch Leid, aber mehr wegen der sozialen Folgen – und ja, auch wegen der Angst, in die Hölle zu kommen oder allein auf dieser Welt zurückzubleiben, falls Jesus wiederkam. Wenn man aber wissen wollte, “wie Bekehrung ging”, hieß es, man solle seine Sünden bekennen und um Vergebung bitten. Und dann müsse man einfach glauben, dass man jetzt bekehrt und in Sicherheit sei.
Ich versuchte es (aus Angst vor der Hölle). Es funktionierte nicht. Ich war nicht verändert. Ich war immer noch egoistisch und arrogant, lesesüchtig und ungehorsam und hatte so manches zu verheimlichen. Irgendwann beschloss ich, dass diese ganze Geschichte entweder nur was für bestimmte Auserwählte war, zu denen ich offensichtlich nicht gehörte, oder dass es diesen Gott gar nicht gab und ich irgendwie mein Leben selbst in die Hand nehmen musste. Und zu dem Zeitpunkt war dieser Wunsch sowieso übermächtig geworden, mein Leben nach meinen eigenen Wünschen und zu meiner eigenen Ehre zu gestalten, so dass ich mehr als willig war, mit dem Zeitgeist zu schwimmen, verstaubte Moralvorstellungen und Restriktionen über Bord zu werfen und mehr oder weniger mein eigener Gott zu werden.
Erst mal ging das aber nicht so einfach wegen der Strenge meiner Eltern, für die ich ihnen immer noch dankbar bin. Ich mag mir kaum ausmalen, was für unwiderrufliche Übel ich mir sonst selbst angetan hätte. In all dem war ich unglücklich und depressiv, weil das Leben keinen Sinn hatte.
Und dann geschah ein Wunder. Der Herr trat in mein Leben, offenbarte mir seine Liebe, zeigte mir, dass er schon weiß, dass ich mich nicht ändern kann und dass er es tun wird. Ein mächtiges Vertrauen durchflutete meine Seele, eine große Leichtigkeit, als diese Last, meine Erlösung selbst bewirken zu müssen, von meinen Schultern genommen war. Denn genauso hatte ich “Bekehrung” immer verstanden: Du musst was tun. Du musst was bekennen. Du musst was glauben. Du musst dein Leben ändern.
Und nun stand ich da und staunte. Ich war ein neuer Mensch. Ich wollte bekennen, aber nicht um für meine Sünden zu büßen, sondern um die Gnade Gottes zu rühmen, der so einen rebellischen Menschen liebt, und auch, weil ich keine “Störung” wollte in diesem neuen Liebesverhältnis. Ich wollte Änderung und vertraute mich begeistert diesem wunderbaren Pädagogen an, den ich in meinem himmlischen Vater gefunden hatte. Ich gab die Verantwortung für mein Leben in die Hände dessen ab, der den besten Plan hatte. Und auf einmal “funktionierte” es – nicht, dass ich plötzlich sündlos und fehlerfrei war, aber dass ich das überhaupt von Herzen wollte, und nicht aus Angst vor der Hölle, sondern aus Liebe. Ja, ich stand da und staunte und dachte: “Es ist passiert. Du bist bekehrt. Er hat es gemacht. Das geht nie mehr weg, und es ist wunderbar. Du bist zuhause angekommen.”
Seitdem beschäftigt mich die Frage immer wieder mal: Was ist Bekehrung eigentlich – im Kern? Denn die Bibel fordert Menschen auf: “Tut Buße und bekehrt euch.” Was ist damit gemeint? Ist es ein “Werk”, das man tun muss? Wieso kann man zu etwas aufgefordert werden, was man gar nicht kann und daran das ewige Schicksal geknüpft werden? Ich kann ja nicht nur von meiner Erfahrung ausgehen.
Vor einiger Zeit kam mir die Idee, mal zu studieren, wie die Bibel, besonders in den Apostelbriefen, Bekehrungen beschreibt. Auch kann man in den Evangelien und in der Apostelgeschichte “Fallstudien” machen. Damit will ich mich demnächst hier beschäftigen.
David war alt geworden, und jedem war klar, dass es Zeit war für einen Thronfolger. Eigentlich stand der auch schon lange fest, weil David Bathseba versprochen hatte, dass es ihr Sohn Salomo sein sollte. Aber mit einem ans Bett gebundenen König, der nicht selbst aktiv wird, sieht ein anderer seiner Söhne, Adonja, seine Chance, den Thron im Handstreich zu erobern. Er hat einige wichtige Leute, wie den altgedienten Heerobersten Joab und den Priester Zadok für sein Vorhaben gewinnen können, und so organisiert er eine große Krönungsparty, zu der er gewisse Leute nicht einlädt, und von der sein Vater nichts ahnt, und setzt darauf, dass er unumkehrbare Tatsachen schaffen kann.
Es klappt nicht. Bathseba und der gute alte Prophet und treue Freund Nathan informieren David, und Salomo wird sofort zum König gesalbt und inthronisiert, noch ehe Adonjas Party zu Ende ist. Er sieht, dass er keine Chance hat und sich nun in einer sehr gefährlichen Situation befindet. Er lässt Salomo schwören, dass er ihm nichts tun wird, und Salomo verspricht es, solange er sich loyal verhält.
Und dann haben David und Salomo ein sehr interessantes Übergabegespräch, das mich heute morgen beschäftigt hat.
David hat in seinem Leben einiges an Feinden gehabt, auch in seiner eigenen Familie und in seinem nahen Umfeld. Während er mit äußeren Feinden wenig Federlesens gemacht hat, hat er sich gegen persönliche Feinde kaum selbst verteidigt. Dass er sich immer geweigert hat, Saul anzugreifen, sondern darauf gewartet hat, dass Gott das in die Hand nimmt, sind bekannte Geschichten. Als sein böser Sohn Absalom ihn entthront und verjagt, ist seine größte Sorge, dass “dem Jungen” nichts passiert, und als Absalom stirbt, ist er untröstlich.
Als er vor Absalom fliehen musste, warf Simei mit Steinen nach ihm und beschimpfte ihn. Derselbe Mann warf sich vor ihm nieder und entschuldigte sich kriecherisch, als David nach Absaloms Tod wieder zurückkehrte. Mit dieser Wendung hatte er nicht gerechnet. David schwor ihm großzügig, ihn am Leben zu lassen.
Und dann war da Joab. David fühlte sich ihm verpflichtet, denn er war ein Verwandter und ziemlich von Anfang an an seiner Seite. Als David seinen Ehebruch mit einem Mord vertuschen wollte, war Joab sein getreuer “partner in crime”. Joab war tüchtig und fähig, aber auch karrieregeil und bereit, jeden Rivalen ohne moralische Bedenken auszuschalten. Er ordnete sich David nicht unter. David litt unter ihm, aber strafte sein Verhalten nie wirklich. David hatte selbst schlimme Dinge getan, und ich vermute, das schwächte seine Position gegenüber Joab. David hatte seine Sünde bereut – für Joab gab es nie wirklich etwas zu bereuen. Er strotzte von Selbstbewusstsein.
Und nun gibt David die Staffel weiter an seinen Sohn Salomo. Und er weiß: Wenn Salomos Thron feststehen soll, dann ist die Zeit der Geduld und Gnade für seine Feinde abgelaufen. Dann müssen die Übeltäter gerichtet werden. Und so empfiehlt er Salomo, weise zu sein und sowohl Simei als auch Joab trotz ihres hohen Alters zu richten. Sie sollen nicht friedlich sterben, als seien sie Gerechte gewesen. Sie haben eine lange Gnadenfrist gehabt für eine echte Sinnesänderung, aber nun muss Gerechtigkeit geübt werden. Salomo sagt es später im Buch der Sprüche so:
Man entferne die Schlacken vom Silber, so gelingt dem Goldschmied ein Gefäß! Man entferne den Gottlosen vom König, so wird sein Thron durch Gerechtigkeit fest stehen.(Sprüche 25,4+5)
David hatte das Reich gegen äußere Feinde verteidigt, aber Salomos sollte ein Friedensreich regieren. Deswegen musste sein Thron unangefochten sein.
Irgendwie erinnert mich dieses Übergabegespräch daran, dass die Zeit für Geduld und Gnade auch bei Gott ein Verfallsdatum hat. Wir leben jetzt in einer Ära, wo Gott vieles erträgt und den Menschen Zeit zur Umkehr gibt, wie in 2.Petrus 3,9 steht:
… er ist langmütig gegen uns, weil er nicht will, dass jemand verlorengehe, sondern dass jedermann Raum zur Buße habe.
Aber diese Zeit und dieser “Raum zur Umkehr” haben ein Ende. Jesus wird wiederkommen und dann, wie Salomo, ein Friedensreich aufrichten, das auf Gericht gegründet ist. Gott wird ihm seine Feinde unterwerfen.
Nun hat zwar Gott über die Zeiten der Unwissenheit hinweggesehen, jetzt aber gebietet er allen Menschen überall, Buße zu tun, weil er einen Tag festgesetzt hat, an dem er den Erdkreis in Gerechtigkeit richten wird durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat und den er für alle beglaubigte, indem er ihn aus den Toten auferweckt hat. (Apostelgeschichte 17,30-31).
Verlass dich nicht auf ein Morgen, das es vielleicht nicht geben wird. Schließe aus der Geduld Gottes nicht auf Straflosigkeit! Kehr heute um und nimm Gottes Vergebung in Jesus an. Jesus ist entweder dein Retter – oder dein Richter.