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Über Ruth

Ich folge Jesus Christus - er ist mein Herr, mein Erlöser und mein Leben.

Warum ich eine Bibel auf Papier brauche – und du vielleicht auch

Ich bin mir bewusst, wie privilegiert ich bin, dass ich mich überhaupt entscheiden kann, ob ich die Bibel digital oder analog lesen will, und dass ich sie überhaupt schriftlich und in meiner Muttersprache vorliegen habe. Viele Christen auf dieser Welt haben da gar keine Wahlmöglichkeit. Viele Sprachen haben noch gar keine Bibel, manche nur Teile davon, manche nur digitale oder Hörbibeln. Aber da ich dieses Privileg nun mal habe, bin ich auch verantwortlich, mir darüber Gedanken zu machen, wie ich das am sinnvollsten nutze.

Ich bin sehr begeistert von meiner Bibel-App. Sie enthält in Deutsch und vielen anderen Sprachen eine gute Auswahl an Übersetzungen und Kommentaren und Wörterbüchern. Man kann all diese Module kostenlos herunterladen. Ich benutze sie jeden einzelnen Tag, um Wörtern und Ausdrucksweisen auf die Spur zu kommen, und oft sind auch die Kommentare hilfreich. Und das Beste: Sie kostet nichts, und sie läuft komplett offline.

Wenn ich meine Bibelstudierzeit habe, läuft das folgendermaßen ab: Ich habe auf meiner dicken alten Schreibrand-Bibel einen NFC-Tag. Den scanne ich mit dem Handy, und dann schickt ein Kurzbefehl mein Handy in den Flugmodus und öffnet meine MyBible-App. D. h., ich kann mich jetzt ganz auf das konzentrieren, wofür ich sie eigentlich benutzen will und werde nicht von WhatsApp und E-Mails abgelenkt. Seit einiger Zeit habe ich außerdem angefangen, das Kapitel, das ich gerade lese, aufzunehmen. Zu Beginn meiner nächsten Sitzung liest mir das Handy die Aufnahme dann automatisch vor. So finde ich gleich wieder den Anschluss an das letzte Mal.

Und dann lese ich in meiner Papierbibel und kann die Handy-App ablenkungsfrei als Konkordanz, Kommentar und Wörterbuch und zum Übersetzungsvergleich benutzen, denn für diese Zwecke ist das Digitale dem Analogen einfach weit überlegen.

Warum nutze ich also überhaupt noch eine Papierbibel?

1. Wegen der Vertrautheit. Ich besitze diese Bibel jetzt seit ca. 20 Jahren. Vieles ist unterstrichen; die Ränder sind vollgeschrieben, Zettel dazwischen geklebt. Ich kenne mich darin auch optisch aus, so wie man in einem Haus, in dem man viele Jahre gewohnt hat, weiss, wo die Möbel stehen und was in welcher Schublade liegt. Wenn von einem Vers die Rede ist, weiß ich zwar oft die Versangabe nicht , aber was ich weiß: Das steht in der linken Spalte oben. Oder: Das steht rechts unten und ist gelb markiert. Das hilft mir, die Stellen schnell wiederzufinden. Oft habe ich sogar noch mehr vom Seitenlayout vor meinem inneren Auge, zum Beispiel den Kapitelbeginn mit der zugehörigen Zahl – vor allem bei Texten, die ich schon einmal auswendig gelernt habe. Meine große Bibel ist mir für unterwegs meistens zu schwer, und ich wollte auch dort auf meine gewohnte Orientierung zurückgreifen können. Und tatsächlich bin ich fündig geworden. :)

2. Wegen des Textzusammenhangs. Das Handy oder Tablet zeigt immer nur einen kleineren Ausschnitt des Textes – und der befindet sich auf dem Display jedes Mal an einer anderen Stelle. Bei meiner Papierbibel habe ich dagegen den Kontext auf zwei Seiten vor mir liegen. Außerdem kann ich schnell vor- und zurückblättern, ohne den aktuellen Text aus den Augen zu verlieren – der Finger bleibt einfach drin. Vor allem während der Predigt ist mir das wichtig, wenn ich schnell etwas nachschlagen möchte.

3. Wegen der Ablenkungsfreiheit. Ich beobachte manchmal bei anderen, die in der Gemeinde auf dem Handy mitlesen, dass sie zwischendurch doch auf WhatsApp oder wer-weiß-wo sind. Ich will das nicht beurteilen; es mag lebenswichtige Situationen geben, wo man schnell reagieren muss, aber wahrscheinlich sind die doch relativ selten. Ich denke, dass die Versuchung für mich auch groß wäre, während der Predigt „zu multitasken“ – deswegen will ich ihr diese Chance gar nicht erst geben.

Erzähle mir doch in den Kommentaren gerne, wie du das siehst und handhabst!

Wie der Mann der Schmerzen beim Aufstehen hilft

Gastbeitrag von Naomi Vedder

Es ist kurz nach sechs, ich liege noch im Bett und will nicht aufstehen. Ich will einfach nicht. Mein Kopf schmerzt fürchterlich, ich habe mich seit vier Uhr hin und her gewälzt und versucht eine günstige Schlafposition zu finden, bei der Kopf, Schulter und Arm möglichst schmerzfrei liegen. Es ist mir nicht recht gelungen. Jetzt ist es Zeit aufzustehen, aber ich bin müde und nicht erholt und ich will nicht. Die letzten Nächte waren auch nicht viel besser. Eigentlich sind die Nächte schon länger nicht mehr erholsam, und auch tags plagen mich oft Schmerzen.


Früher habe ich mich in solchen Situationen oft meinen negativen Gedanken hingegeben, bin tief traurig und deprimiert in den Tag gestartet, aber eigentlich habe ich gelernt, dass ich den trüben Gedanken keinen Raum geben darf. Aber warum aufstehen? In mir kämpft es, der Kopf schmerzt. Eben war ich schon mal auf zur Toilette. Ein Blick auf mein Handy sagt mir, dass meine diabeteskranke Tochter auch keinen guten Start in den Tag haben wird. Der Zucker ist viel zu hoch, meldet mir die App. Wir sind uns heute Nacht um vier im Flur begegnet – ich auf dem Weg zur Toilette, sie offensichtlich auf der Suche nach Kohlehydraten, denn da war der Blutzucker viel zu niedrig. Blöde Krankheit, die einem nicht mal nachts Ruhe gönnt. Aber das waren dann wohl zu viele Kohlehydrate, sodass jetzt gegengesteuert werden muss … Schmerz, Krankheit, Leid, ich bin’s leid! Ich bin genervt und will jammern. Mein Arm tut jetzt schon so lange weh … und kein Arzt kann mir sagen, wann und wie das jemals wieder aufhört.
Auf einmal muss ich an Joni denken. Joni Eareckson Tada, die Frau, die jetzt schon viel länger im Rollstuhl sitzt, als ich überhaupt lebe. Über 50 Jahre Rollstuhl, täglich chronische Schmerzen und obendrauf eine Krebserkrankung … diese Frau ist mein Vorbild. Ihr Glaube und ihr Festhalten am Herrn trotz aller Not und Leid ermutigen mich oft und spornen mich an. Festhalten, weitermachen, nicht hängen lassen.

Aber ich bin nicht Joni, und ich will heute Morgen einfach nicht. In mir tobt ein Kampf! Da plötzlich schießt mir ein Wort in den Kopf: Mann der Schmerzen! Mann der Schmerzen … wie geht das nochmal weiter? Er war ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut. Ich muss weinen. Ich merke, dass Gott selbst mich daran erinnert hat, dass Jesus ein Mann der Schmerzen war. Das tröstet mich so sehr. Es ist Trost vom Vater selbst. Jesus war ein Mann der Schmerzen. Das ist sein Name. Er weiß genau was Schmerzen sind. Ich bin keine Frau der Schmerzen, so schlimm ist es nicht, aber Jesus ist ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut. Das heißt, er kennt und versteht auch alles andere, was mich gerade wirklich belastet und worüber ich heute zwischen 4 und 6 Uhr morgens nachgedacht habe. Mit Leiden vertraut. Ich gehe in die Küche, mein Mann braucht auf der Arbeit ja trotzdem was zu essen heute. Ich bin ermutigt aufzustehen. Unterwegs schnappe ich mir mein iPad und gebe „Mann der Schmerzen“ ein. Mir werden noch andere Bibelstellen vorgeschlagen, z.B. Psalm 88,4: „Denn meine Seele ist gesättigt vom Leiden …“
Mir laufen die Tränen. Danke, Herr Jesus, danke, danke! Das ist mein Herr, das ist mein Gott! Er kennt mich, er versteht mich und er hat selbst alles durchlebt, aber ohne Sünde! Was für ein Trost! Das ist mein Wort des Tages – Mann der Schmerzen! – Ich werde gleich nochmal genauer nachlesen, was die bekannte Jesaja-Stelle sagt. Mein Blick fällt auf mein Lesezeichen. Da stehen lauter Jesus-Namen drauf: Jesus, Menschensohn, Immanuel, das Wort, Friedefürst, Messias, Freund der Sünder, guter Hirte … Ich drehe das Lesezeichen um. Da steht es: Mann der Schmerzen! Was für ein Trost! Ich lese dazu 1. Petrus 2, 21 im Kontext; die Stelle habe ich mir in meiner Bibel bei Jesaja 53 notiert.

Wenn ihr aber für Gutestun leidet und es geduldig ertragt, das ist Gnade bei Gott. Denn dazu seid ihr berufen, weil auch Christus für uns gelitten und uns ein Vorbild hinterlassen hat, damit ihr seinen Fußstapfen nachfolgt. »Er hat keine Sünde getan, es ist auch kein Betrug in seinem Mund gefunden worden«; als er geschmäht wurde, schmähte er nicht wieder, als er litt, drohte er nicht, sondern übergab es dem, der gerecht richtet. Er hat unsere Sünden selbst an seinem Leib getragen auf dem Holz, damit wir, den Sünden gestorben, der Gerechtigkeit leben mögen; durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie Schafe, die in die Irre gehen; jetzt aber habt ihr euch bekehrt zu dem Hirten und Hüter eurer Seelen.“

Ja, Herr Jesus ich will mein Leiden, klein oder groß, gern von dir annehmen und du wirst mir darin beistehen. Es gehört dazu. Du hast gelitten, wir werden leiden. Ich werde das gleich mit meiner Freundin teilen. Die hatte gestern einen Fibromyalgie-Schub vom Feinsten, einen schrecklichen Tag. Aber mit dieser Perspektive rückt das alles in ein anderes Licht. Mich tröstet das viel mehr als der WhatsApp Status, den ich neulich gesehen habe: „Gott ist der Heiler, er hat uns Heilung zugesagt, lasst uns Heilung aussprechen über… „
Ja, natürlich ist unser Gott ein Gott, der heilt. Das bezweifle ich nicht, aber bei mir hat er heute Morgen nicht den Körper geheilt, sondern die Seele. Meine Kopfschmerzen lassen etwas nach, während ich tippe, die im Ellbogen werden stärker. Aber meine Seele ist beruhigt, getröstet, ermutigt. Ich weiß, wofür ich aufgestanden bin. Für Jesus, wegen Jesus und durch Jesus. Sein Leiden hat mich aus dem Bett geholt, seine Schmerzen werden mich für den Tag befähigen. Er hat ja fürwahr meine Krankheit getragen und meine Schmerzen auf sich geladen; und er wurde um meiner Übertretungen willen durchbohrt, wegen meiner Missetaten zerschlagen; die Strafe lag auf ihm, damit ich Frieden hätte, und durch seine Wunden bin ich geheilt worden. So steht es in Jesaja 53. Das macht mich so froh!


Auf meinem Schreibtisch liegen die Kärtchen mit den Versen aus Jesaja 12, die ich gerade versuche auswendig zu lernen. Der Vers 3 lautet: „Und ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Quellen des Heils, und werdet sagen zu jener Zeit: Dankt dem Herrn, ruft seinen Namen an, verkündigt unter den Völkern seine Taten, erinnert daran, dass sein Name hoch erhaben ist!“
Ja, das ist mein Auftrag für heute: daran erinnern, dass sein Name hoch erhaben ist. Der Name Mann der Schmerzen gehört auch dazu. Das ist auch ein Teil seines Namens. Durch seine Wunden wurde ich geheilt und habe Frieden. Herrlich!

Jesaja 12,5: „Singt dem Herrn, denn er hat Herrliches getan; das soll bekannt werden auf der ganzen Erde!“

Faith Hack: Notizen sammeln mit dem Zettelkasten

Früher habe ich, wenn ich ein biblisches Thema studieren wollte, in der ganzen Bibel vor und zurück nach den entsprechenden Antworten gesucht. Oft habe ich dann ein Buch zu dem Thema gelesen (heute sucht man eher auf YouTube) und die dort angeführten Bibelstellen studiert.

Dann ist es mir, vor allem bei kontroversen Nebenthemen, oft passiert, dass ich beim fortlaufenden Bibellesen auf Stellen gestoßen bin, die irgendwie nicht ins Bild passten und dann „passend gemacht werden“ mussten, damit nicht das ganze System zusammenbrach. Also konsultierte man die Experten, die das Ganze wieder ins Lot brachten, indem sie die entsprechenden Stellen auf dem Hintergrund ihres Systems erklärten und einpassten.

Irgendwann hat mich Sprüche 13,11 ermutigt, mir Zeit zu lassen mit den festen Standpunkten in Nebenfragen, die ich dann doch wieder revidieren muss: „Schnell erworbener Besitz wird schnell weniger; wer aber händeweise sammelt, vermehrt ihn.“ Ich sammle jetzt „händeweise“, und zwar mit meinem Zettelkasten.

Der Begriff „Zettelkasten“ kommt eigentlich aus der akademischen Welt, aber meiner ist schlichter und funktioniert folgendermaßen:

Ich lese die Bibel fortlaufend (d. h. ich lese immer abwechselnd ein Buch im Neuen und eins im Alten Testament, aber ohne irgendetwas zu überspringen) und mache mir täglich Notizen. Das kann alles Mögliche sein: Wortstudien, Verslisten, eigene Gedanken oder auch Fragen oder Zitate aus Kommentaren, alles, was mir beim Lesen so kommt. Hier mal ein ungeschöntes Beispiel:

Oben rechts notiere ich den Referenzvers. Der dient eigentlich hauptsächlich dem Wiederfinden, denn meist betrifft der Inhalt viel mehr als nur den einen Vers. Das Thema, um das es geht, markiere ich grün. Ich beschreibe jeden Zettel nur auf der Vorderseite, damit ich immer gleich sehe, um was es geht, und gebe ihm eine Überschrift. – Und so geht es weiter:

Ich habe ein paar Schuhkartons mit Registern für alle Bücher und Kapitel der Bibel (und einer Sektion A für „Allgemeines“ zum jeweiligen Buch) versehen. Dort ordne ich meine Notizen der Reihe nach ein. Auch Predigtnotizen kommen dort gleich an den richtigen Ort und fliegen nicht irgendwo herum. Wenn ich das nächste Mal das entsprechende Bibelbuch lese, kann ich sie mitverarbeiten. Die angemarkerten Themen sammle ich auf Referenzkarten im Kasten „Themen und Begriffe“. Wenn ich irgendwelche Themen unabhängig von einem speziellen Vers bearbeitet habe, finden sie auch dort ihren Platz. Dieser Kasten ist alphabetisch geordnet. Wenn ich mich dann mit einem Thema näher befassen will, kann ich so sehen, was ich schon dazu gesammelt habe.

Das System hat sich so nach und nach entwickelt, und für mich ist es wirklich hilfreich. Ich habe den Eindruck, meine Freude am Studium des Wortes ist damit noch mehr gewachsen. Und alles ist an einem Platz und sortiert: irgendwelche Erkenntnisse zwischendurch, die Vorbereitung für den Hauskreis, Predigtnotizen – nichts geht verloren und man weiß, wo es geblieben ist (nicht in 1000 halbvollen Notizbüchern). Ein paar Zettel und einen Stift kann man in jeder Tasche dabei haben.

Ist es nicht besser, das Ganze digital zu machen? Das geht auf jeden Fall (z. B. mit Obsidian) und hat auch einige Vorteile (wie z. B. Mobilität oder noch effektiveres Taggen und Verlinken). Ich hab das auch eine Zeitlang versucht, aber 1. kann ich besser denken, wenn ich von Hand schreibe, 2. hat mein Zettelkasten in der Nähe meines Schreibtisches einen sehr starken Aufforderungscharakter für mich, weil er halt auch physisch sichtbar wächst und das einfach Spaß macht, und 3. lädt er auch dazu ein, durchzublättern und damit zu interagieren.

Vielleicht ist das auch etwas für dich?

Bibellesen – warum und wie (2) im vollen Alltag einer Mutter?(Gastbeitrag von Barbara Escobar)

Weil das bei mir selbst schon so lange her ist, dass ich mich kaum erinnern kann, wie ich das mit dem Bibellesen gemacht habe, als meine Kinder noch sehr klein waren, habe ich Barbara, eine liebe Schwester aus meiner Gemeinde, mal gefragt, wie sie das macht. Ich weiß, dass sie das Wort Gottes liebt. Sie hat 4 kleine Kinder und erwartet in Kürze das fünfte. Sie leitet den Mutter-Kind-Kreis der Gemeinde, beherbergt einmal in der Woche einen Frauenhauskreis bei sich und dient öfters im Kindergottesdienst. Sie ist also nicht unterbeschäftigt. Sie hat mir erlaubt, ihre Antwort mit euch zu teilen, in der Hoffnung, dass es der einen oder anderen Mutter hilft und Mut macht.

„Ich kann gerne erzählen, wie ich es aktuell mache und was mir im Alltag hilft. Ich weiß aber nicht, ob das anderen Müttern hilft, die vielleicht ganz andere Persönlichkeiten haben als ich. Deshalb wollte ich auch ein paar allgemeine Erkenntnisse aufschreiben, die mir in erster Linie zu einer richtigen Einstellung verhelfen. Und wie man das dann konkret im Alltag umsetzt, kann ja tatsächlich ganz unterschiedlich aussehen.

Wie ich es mache: Im Moment stehe ich tatsächlich einfach superfrüh auf, um die ersten Stunden des Tages ganz meine Ruhe zu haben. Das war in der Vergangenheit auch immer der beste Zeitpunkt am Tag. Es hat nicht immer geklappt, vor allem wenn sich nach einem neuen Baby alles ändert und die Nächte unterbrochen sind und mein Schlaf schlecht ist.
Ich denke, man muss auch kein Frühaufsteher sein, ich bin das eigentlich ganz und gar nicht. Aber die Not machte mich diszipliniert, weil ich einfach gemerkt habe, dass ich Zeit mit dem Herrn so sehr brauche! Jetzt hängt ja nicht nur mein Leben davon ab, sondern auch die grundlegende Prägung meiner Kinder!
Ich habe eine Zeitlang abends viel Tee getrunken, damit ich morgens, wenn der Wecker klingelt, einfach auf die Toilette musste. Da fiel es mir leichter, gleich aufzubleiben. Im Moment setze ich abends ein Brot an, welches morgens in den Ofen muss, und auch rechtzeitig so abgekühlt, dass ich den Kindern davon die Schulbrote machen kann. Dann habe ich morgens genug Zeit zum Duschen und eine Stunde für das Wort und Gebet. Es hilft außerdem, dass ich einen Leseplan habe, und morgens nicht erst noch überlegen muss, was ich lese. Dann bin ich Teil von einer WhatsApp-Gruppe mit ein paar Frauen, die alle das Gleiche lesen, und wir tauschen uns regelmäßig darüber aus, was uns wichtig wurde aus dem Text und manchmal auch, wie es uns geht und wofür wir füreinander beten können.

Außerdem hilft es mir sehr, eine Verpflichtung in irgendeiner Form zu haben, also für den Hauskreis oder Andachten für den Mama-Treff oder für den Kindergottesdienst einen Bibeltext vorbereiten zu müssen.
Generell fällt es mir schwer, mich ins Chaos zu setzen, um Bibel zu lesen. Ich möchte dann immer zuerst alles „fertig“ machen. Aber es ist nie fertig :). (Morgens ist alles noch ordentlich, weil ich abends aufräume und außerdem zwischen 21 und 21:45 Uhr ins Bett gehe.) In Zeiten mit kleinem Baby hat es mir sehr geholfen, einen bestimmten Ort zu haben, von dem aus ich den Ausblick in eine ordentliche Ecke der Wohnung hatte, eine Kerze anzuzünden und einen Tee zu machen, und zwar am Vormittag, wenn das Baby schlief. Und dann ein Andachtsbuch oder einen Psalm zu lesen. Und übrigens habe ich diese Momente von 10–30 Minuten IMMER bekommen, wenn ich morgens dafür gebetet habe, dass es klappt!
Grundsätzlich habe ich es erst mit Kindern gelernt, ständig im Alltag im Gespräch mit dem Herrn zu sein: wenn ich morgens meinen Tag plane, Ihm das direkt hinzulegen, auch so banale Sachen zu fragen wie: „Herr, was soll ich heute kochen?“, und beim Wäschefalten und Badputzen Podcasts und Predigten zu hören.
Allgemein hilft es mir, gelernt zu haben, dass Stille Zeit und Bibelstudium als Mutter mit Kindern im Haus nicht damit zu vergleichen ist, wie man es vorher machen konnte. Kinder können jederzeit unterbrechen. Auch wenn ich von meiner Seite fleißig und diszipliniert alles vorbereitet habe. Und das ist ok. Man darf da nicht aufgeben, sondern muss sich dessen bewusst sein, dass der Herr genau diese Momente gebraucht, um uns praktisch leben zu lehren, was wir schon mit dem Kopf studiert haben. Kurz: Heiligung :)
Es ist auch ok, wenn es Tage gibt, an denen man es nicht schafft, Bibel zu lesen. Der Herr nutzt Nachrichten von Freunden, den täglichen Vers von der App, Musik, die im Alltag läuft, um zu mir zu sprechen. Man darf es nur nicht schleifen lassen. Man kann von zwei Seiten vom Pferd fallen: zu verbissen auf Biegen und Brechen die Zeit erzwingen – das geht nicht und endet im Frust, den am Ende noch die Kinder abbekommen. Oder resigniert aufgeben und faul werden unter dem Vorwand, dass es wegen der Kinder eben nicht geht. Ja, es gibt so Tage. Aber wer sehr ehrlich zu sich ist, findet auch heraus, ob er bequem ist oder es wirklich die Umstände gerade unmöglich machen, Bibel zu lesen.
Eine Bibel kann aber auch offen in der Küche liegen, und statt dem Handy kann man zwischendurch einen Vers darin lesen. Ja, es ist nicht das konzentrierte Bibelstudium. Aber das muss es auch nicht! Diese Phasen im Leben kommen früh genug wieder.

Wenn meine Kinder morgens wach werden, bevor ich fertig bin mit Lesen, nehmen sie sich ein Buch und sitzen leise bei mir. Wenn sie nicht leise sind, müssen sie zurück in ihr Bett. Das wollen sie nicht und deshalb sind sie leise :) und ich liebe es, wenn sie mich mit dem Wort sehen! Oft kann ich mich dann nicht mehr richtig konzentrieren, aber dann bete ich in dem Moment einfach für die Kinder, die sich gerade an mich kuscheln, und genieße dieses Geschenk in vollen Zügen! Die Harmonie in diesen Momenten spüren die Kleinsten schon, und es macht ihnen die Bibel und Jesus lieb, einfach wegen meiner Ausstrahlung, die durch die Einstellung kommt, dass ich gesegnet und nicht gestört bin durch die Kinder in dem Moment.
Wie schade, wenn man sich die Kinder vom Hals schafft, damit man Bibel lesen kann. Ziel verfehlt? Es spricht bestimmt nichts dagegen, sich mal einen Babysitter zu organisieren, wenn man eine Deadline hat für eine Andacht oder einen Vortrag! Aber es sollte von der regelmäßigen Zeit mit dem Herrn im Alltag unterschieden werden.
Am Ende ermutigt mich immer sehr der Vers aus Jesaja 40,11, dass der Herr die Mutterschafe sanft leitet. Er weiß um die Schwierigkeiten und Herausforderungen, und darin darf ich ruhen.“

Was ich an diesem Zeugnis so bemerkenswert finde: Da ist keine Gesetzlichkeit drin nach dem Motto: Der Herr segnet mich nur, wenn ich Stille Zeit mache, wie eine Leistung, mit der ich sein Wohlgefallen verdienen muss. Sondern die Erkenntnis: „Ich brauche das.“ Zweitens die Annahme der gegenwärtigen Lebenssituation im Wissen, dass jede Lebensphase ihre eigenen Chancen und Schwierigkeiten hat. Drittens, dass sie einen Plan strategisch und diszipliniert verfolgt, auch wenn der vielleicht nicht
jeden Tag klappt. Viertens, dass Gemeinschaft und Dienst eine anspornende Wirkung haben, wie diese WhatsApp-Gruppe, der Hauskreis oder der Mama-Treff. Es gibt einen Motivationsschub, wenn man die Beute mit anderen teilen kann. So wird
das Lob Gottes vermehrt.

Bibellesen – warum und wie? (1)

„Ich freue mich über dein Wort wie einer, der große Beute macht“, sagt der Psalmist in Psalm 119,162. Da hat sich jemand mit Gottes Wort beschäftigt und ist nicht leer ausgegangen. In seinen Worten stecken Begeisterung und Entdeckerfreude über das, was er gefunden hat. 

Aber was ist vorausgegangen? Um Beute zu machen, muss ein Krieg stattgefunden haben. Da hat jemand gekämpft, und es hat sich gelohnt. Wenn er jetzt nach Hause kommt, hat er die Taschen voll und kann sogar noch was abgeben.

Aber was ist diese Beute, die er erkämpft hat? Warum lesen wir überhaupt die Bibel?

Wir sind als Menschen im Bild Gottes geschaffen worden, und vielleicht ist es euch schon mal aufgefallen, wie wichtig es für eine gute Beziehung ist, einander zu kennen. Mit einem Fremden kann ich keine echte Beziehung haben. Man lernt also jemanden kennen und hat so einen allgemeinen ersten Eindruck von einer Person und möchte die Beziehung gerne vertiefen. Um sich besser kennenzulernen, muss man sich austauschen und etwas gemeinsam tun. Und auch wir wollen von dem anderen gekannt werden, deswegen offenbaren wir uns. Weil wir Sünder sind, ist das bei uns manchmal durch Scham oder schlechtes Gewissen oder auch durch schmerzhafte Erinnerungen gebremst. Deswegen gibt es Dinge, die wir lieber unter Verschluss halten, aber eigentlich wünschen wir uns, Menschen zu haben, die wir und die uns wirklich kennen, mit denen wir unsere Gedanken und unser Leben teilen können. Nur dann kann eine echte Freundschaft entstehen.

Unser Gott will das auch. Er ist ein Gott, der sich offenbart. Das müsste er ja nicht. Er braucht uns nicht, weil er sonst so allein wäre – er ist ja Drei in Einem –, und er braucht auch nicht unseren Input und unseren Rat. Aber er will, dass wir ihn kennen, weil er eine Beziehung mit uns will. Er hat uns die Schöpfung zum Anschauen gegeben, damit wir zumindest ahnen, wie groß und schön und herrlich und mächtig er ist. Ich glaube, es freut ihn, wenn wir ihn über der Schöpfung anbeten und bewundern. Er hat uns Jesus gegeben, damit wir erkennen, dass er die Liebe ist. Und er hat uns sein ganzes Wort gegeben, damit wir mit ihm mitdenken können, seine Pläne und Ratschlüsse kennenlernen und uns mit einklinken und seinen Willen tun können. 

Als z. B. Gott Sodom und Gomorra vernichten wollte, war es ihm ein Anliegen, das Abraham mitzuteilen (1. Mose 18,17), der an anderer Stelle „Freund Gottes“ genannt wird (2. Chron. 20,7; Jes. 41,8; Jak. 2,23). Und unser Herr Jesus sagt in Johannes 15: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte, sondern Freunde.“ Und wie begründet er das? Ein Knecht empfängt nur Befehle. Er hat keine Ahnung, warum und wieso; er muss es einfach machen. Aber euch, sagt Jesus, habe ich Freunde genannt, weil ich euch alles mitgeteilt habe, was ich von meinem Vater gehört habe. 

Wir sehen also, wenn wir die Bibel lesen: Gott teilt uns sein Herz und seine Gedanken mit, ein Freund dem anderen. Es geht um Liebe. Ich kann nicht behaupten, jemand zu lieben, und dann sagen: „Deine Gedanken und Worte und Pläne sind mir ziemlich egal, die verstehe ich sowieso nicht. Ich will höchstens hören, was mich persönlich betrifft und wo du mir von Nutzen sein kannst.“ Freundschaft bedeutet: Was dich bewegt, bewegt mich. Ich will die Welt durch deine Augen sehen. Ich will einbezogen sein und an deinen Plänen mitarbeiten. 

Diese Beziehung erfordert unsere ganze Person, weswegen es ja auch heißt: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deinem ganzen Verstand und mit deiner ganzen Kraft.“ 

Wenn wir Psalm 119 lesen, dann erzählt uns der Psalmist, was er alles so mit Gottes Wort macht, weil er es liebt. Hier nur eine kleine Auswahl. Ist das bei uns auch so?

Er stellt es vor sich, er verwahrt es im Herzen, er lernt es, er glaubt es, er bedenkt es, er beobachtet es, er forscht danach, er versteht es, er hält es, er singt es, er erzählt es, er sinnt den ganzen Tag und in der Nacht darüber nach, er lechzt danach, er ersehnt es, er schämt sich nicht dafür, er vergisst es nicht, er freut sich darüber, er hält es fest, er schaut Wunder darin usw. usw. 

Er hat Gefühle für dieses Wort; sein Verstand ist voll engagiert im Erforschen und Begreifen; er gibt es weiter; er wird damit kreativ, z. B. indem er Psalmen schreibt und das Wort singt, und er gehorcht dem Wort und hält sich daran. Alles, was man über seine Beziehung zu diesem Wort sagen kann, kann man auch über seine Beziehung zu Gott sagen. Das lässt sich nicht trennen. Unsere Beziehung zu Gottes Wort ist ein Spiegel unserer Beziehung zu Gott.

Wir wissen nicht genau, wer den Psalm geschrieben hat, aber es ist klar, dass der Teil des Wortes Gottes, der ihm zur Verfügung stand, wesentlich kleiner war als das, was wir heute haben. Es war hauptsächlich das Gesetz, die Geschichten der Väter und des Volkes, jede Menge wunderbare Geschlechtsregister ;) usw. Es waren also auch Teile, die uns manchmal Mühe machen, die wir vielleicht lieber überspringen würden, und trotzdem ist er so begeistert, weil er seinen Gott, seine Gedanken, seine Gerechtigkeit und Heiligkeit und seine Güte darin findet, weil er darüber meditiert und das regelrecht verkostet, bis er den ganzen Honig rausgesaugt hat. Er liebt jedes Wort von ihm, weil er den liebt, der redet.

Es lohnt sich also. Aber vor der Beute kommt der Kampf. „Pläne kommen durch Beratung zustande, und mit weiser Überlegung führe Krieg!“, heißt es in Sprüche 20,18. Deswegen sollten wir eine wohlüberlegte Strategie entwickeln, wie wir die Bibel lesen – und uns gegen Widerstand wappnen.