Die Apostelgeschichte enthält ja mehrere große Predigten, aber in Apostelgeschichte 10 wird das Evangelium zum ersten Mal vor einer Gruppe von Heiden gepredigt. Ich fand es interessant, wie kurz Petrus das Leben von Jesus zusammenfasst und dabei doch alles Wesentliche sagt, was jeder Mensch wissen und glauben muss, um gerettet zu werden. Das kann auch für uns ein Leitfaden sein.
Hier also die wesentlichen Punkte seiner Jesus-Kurzbiografie, den er vorstellt als “aller Herr”:
Er stammt aus Nazareth.
Er wurde von Gott mit Heiligem Geist und Kraft gesalbt.
Er zog umher und tat den Menschen Gutes.
Gott war mit ihm; deshalb heilte er alle, die vom Teufel überwältigt waren.
Sein Wirkungsbereich war das Land der Juden und Jerusalem, und die Apostel waren dabei und haben alles mitverfolgt.
Er wurde durch Kreuzigung umgebracht.
Gott hat ihn am 3. Tag auferweckt; nicht das ganze Volk, aber viele Augenzeugen haben ihn danach gesehen und sogar mit ihm gegessen und getrunken.
Gott hat ihn zum Richter der Lebenden und der Toten eingesetzt.
Jetzt kann man durch ihn Vergebung der Sünden bekommen, wenn man an ihn glaubt.
Warum lehnen so viele Menschen die Botschaft des Kreuzes ab?
Weil das Kreuz unser Todesurteil zeigt. Das Kreuz zeigt, was wir verdient haben. Wir haben die Rechtsforderung Gottes nicht erfüllt. Ob wir nun das Gesetz Gottes kennen und in allen Einzelheiten wissen, wo wir versagt haben, oder ob es nur unser natürliches Gewissen ist, das uns verurteilt – wir wissen es alle, dass wir gesündigt haben. Deswegen wollen wir ja ständig Ausgleich schaffen durch gute Taten, uns bessern oder uns zumindest nach außen weiß anstreichen. Aber Gott, der unsere Sünden genauer gesehen hat als wir selbst und bei dem sie in Büchern verzeichnet und fürs Gericht aufbewahrt sind, zeigt uns durch das Kreuz: Das hast du verdient. Alles. Die Schmerzen, die öffentliche Zurschaustellung deiner Schmach und Schande, die Gottverlassenheit. Erkennst du es an? Stimmst du zu? Dann rechne ich dir das Opfer des einen Reinen und Sündlosen zu und erkläre dich für gerecht.
Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm zur Gerechtigkeit Gottes würden. 2.Korinther 5,21
… das tat Gott, indem er seinen Sohn sandte in der gleichen Gestalt wie das Fleisch der Sünde und um der Sünde willen und die Sünde im Fleisch verurteilte, damit die vom Gesetz geforderte Gerechtigkeit in uns erfüllt würde …Römer 8,3.4
Aber das Zugeben, das Anerkennen unserer absoluten Aussichtslosigkeit und Fluch-Würdigkeit und Verlorenheit, das fällt uns so schwer. Und dass dann ein anderer für unsere Sünden geradesteht, dass wir uns gar nicht selbst retten können, das bricht unseren Stolz.
Weil das Kreuz uns alle gleich macht. Wir hoffen immer noch auf den Vergleich: Ich übertreibe zwar manchmal, aber ich lüge nicht (außer wenn’s unbedingt sein muss). Ich mache zweideutige Witze und riskier schon mal einen Blick, aber ich bin doch meinem Partner treu. Ich hasse manche Menschen, aber ich bring niemand um. Ich bin auf jeden Fall besser als XY. Ich setze mich für andere ein. ich liebe meine Familie. Aber es gibt kein Todesurteil „light“ am Kreuz. Es gibt keine Variante für „Halbgerechte“, keine für „über dem Durchschnitt-Gerechte“. Es ist auch völlig egal, ob unsere Sünde gesellschaftlich anerkannt oder total verpönt ist. Wir haben es alle verdient, weil Gott nicht nur unser Verhalten sieht, sondern auch unsere tiefsten Motivationen. Deswegen nehmen die, die das Kreuz für sich annehmen, jeden anderen, der das auch tut, freudig in die Arme, egal, wie er früher gelebt hat. Sie erkennen bei ihm die gleiche Gnade, die sie selbst empfangen haben.
Wisst ihr denn nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht: Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Weichlinge, noch Knabenschänder, weder Diebe noch Habsüchtige, noch Trunkenbolde, noch Lästerer, noch Räuber werden das Reich Gottes erben. Und solche sind etliche von euch gewesen; aber ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerechtfertigt worden in dem Namen des Herrn Jesus und in dem Geist unseres Gottes! 1.Korinther 6,9-11
Weil das Kreuz die Welt verurteilt. Die damalige Menschheit, repräsentiert durch die jüdische Obrigkeit und die römische Besatzungsmacht, hat durch die Kreuzigung Jesu eine klare Absage an Gottes Reich und König gemacht. „Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrscht“, riefen die Leute. „Ich will nicht, dass er meine Karriere stört“, dachte Pilatus, auch wenn ihm nicht wohl dabei war. Sie haben ihn sehr eindeutig verworfen. Aber man kann Jesus auch dadurch verwerfen, dass man ungestört weitersündigen will. Sogar die Kirche, die ihn offiziell als Herrn anerkennt, kann ihn verwerfen, wenn sie trotzdem dem Zeitgeist oder der Habsucht dient. Worte allein sind keine Umkehr. Wer dem Gekreuzigten anhängen will, muss bereit sein, die Ablehnung der Welt mit ihm zu teilen. An Pfingsten predigt Petrus:
So lasst uns nun zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers, und seine Schmach tragen! Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Hebräer 13,13.14
Das Kreuz ist der Inbegriff der Liebe und Gnade Gottes. Es macht uns klein in unseren eigenen Augen. Und dann macht es uns wieder „groß“: Wir werden Gottes Kinder und Erben. Einer meiner Lieblingsverse in der Bibel (den ich fast jeden Morgen singe) sagt es so:
Ihm, der uns geliebt hat und uns von unseren Sünden gewaschen hat durch sein Blut, und uns zu Königen und Priestern gemacht hat für seinen Gott und Vater — Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Offenbarung 1,5.6
Als Kain seinen Bruder Abel erschlagen hatte, findet Gott ihn und fragt ihn, wo sein Bruder ist. Kains Antwort: Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein?, ist zum sprichwörtlichen Inbegriff für alles Leugnen unserer Schuld und Verantwortung geworden.
Es ist nicht so, dass Gott die Antwort auf seine Frage nicht selbst wüsste. Er wollte Kain nur eine Chance zum Bekenntnis geben. Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde! muss Kain hören.Man kann Gott nicht entkommen.
Kein Mord in dieser Welt verhallt ungehört. Gott “hört” die Stimme von zu Unrecht vergossenem Blut, und es schreit nach Rache, weil der Mensch im Bild Gottes geschaffen ist. Die Tötung eines Menschen ist ein Angriff auf seinen Schöpfer.
Viele Jahre nach Kains Brudermord geschieht ein anderer, noch dramatischerer Mord. Gottes eigener Sohn Jesus wird schuldlos zum Tod verurteilt und umgebracht. Auch sein Blut “redet”. Im Hebräerbrief lesen wir:
Ihr seid zu Jesus gekommen, dem Vermittler eines neuen Bundes, und zu dem Reinigungsblut, das viel besser redet als das Blut Abels (12,24).
Was spricht das Blut Jesu? Es spricht nicht von Rache, sondern von Vergebung und Reinigung von Schuld. Er hat sich freiwillig hingegeben, damit unsere Schuld vor Gott weggenommen werden kann. Keine Schuld ist zu groß. Was wir tun müssen ist: Zu ihm kommen, unsere Schuld bekennen, im Glauben um ein neues Leben bitten. Mord, Diebstahl, Ehebruch, Hurerei und Perversionen, Hass und Neid, Lüge und Betrug, Okkultismus und Esoterik und was es sonst so an Verstößen gegen Gottes Gesetz in unserem Leben gibt und gab – auch wenn du meinst, es sei längst Gras drüber gewachsen – Gott hat es gesehen, und du wirst dafür von ihm zur Rechenschaft gezogen werden. Der einzige Ausweg ist, das Blut Jesu für dich sprechen zu lassen, das uns vor Gott Vergebung erwirkt. Komm heute zu ihm, denn du weißt nicht, ob du morgen noch die Gelegenheit dazu hast.
Wenn wir behaupten, ohne Schuld zu sein, betrügen wir uns selbst und verschließen uns der Wahrheit. Wenn wir unsere Sünden eingestehen, zeigt Gott, wie treu und gerecht er ist: Er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von jedem begangenen Unrecht. 1.Johannes 1,8.9
Denn das Volk, das in der Dunkelheit lebt, sieht ein helles Licht. Und über den Menschen in einem vom Tode überschatteten Land strahlt ein heller Schein. Jesaja 9,1
Die Epheser, an die Paulus seinen Brief schrieb, waren keine Juden. Sie gehörten nicht zu dem Volk, das Gott sich im Alten Testament aus allen Völkern ausgewählt hatte, um ihm sein Gesetz und seine Verheißungen zu geben. Doch nun war Jesus gestorben und auferstanden, und nichtjüdische Menschen hatten die Botschaft von der Versöhnung mit Gott gehört und angenommen. Der Zaun, der feindselig zwischen Juden und Heiden gestanden hatte, war niedergerissen. Die Heiden, die immer draußen gestanden hatten, waren plötzlich drin.
Vielen Juden gefiel das nicht. Sie konnten sich nicht vorstellen, wie Menschen zu Gottes Volk gehören konnten, ohne sich erst zum Judentum zu bekehren, ohne sich beschneiden zu lassen und die Last des Gesetzes auf sich zu nehmen. Das bedrohte ihre einzigartige Stellung, die sie bei Gott zu haben meinten. Das bedrohte auch ihre Vorstellung davon, dass man bei Gott nur dann akzeptiert würde, wenn man sich bemühte, das Gesetz zu halten.Deswegen entwickelten sie diese extreme Feindseligkeit gegen Paulus. Deswegen saß er jetzt im Gefängnis.
Von dort schreibt er den Ephesern. Ich bin, sagt er, eigentlich der Gefangene Christi für euch. Lasst euch dadurch nicht entmutigen und anfechten! ich halte es für ein Vorrecht!
Es ist mir ein ungeheures Privileg, dass Gott mir, dem Allergeringsten unter den Heiligen, diese Sache offenbart hat. Es war ein Geheimnis, aber jetzt hat Gott gezeigt, was schon immer in seinem Herzen war: Er wollte die gläubigen Juden und die gläubigen Heiden zusammenfassen. Die Nichtjuden dürfen Miterben und Teilhaber an den Verheißungen sein. Er macht aus beiden einen Leib, seine Gemeinde. Das Mittel zu dieser Einheit ist das Evangelium, das allen Menschen, egal wer sie sind und von wo sie kommen, die Gnade Gottes anbietet, wenn sie zu Gott umkehren.
Wie diese Gnade ein Herz verändert, hat Paulus an sich erfahren. Früher hatte er die Christen und die Heiden gehasst. Jetzt steht er mit ihnen auf dem selben Boden als begnadigter Sünder und liebt sie so sehr, dass er gerne um ihretwillen im Gefängnis ist! Auch wenn seine Sehnsucht lebenslang dahin ging, dass sein eigenes Volk seinen Messias erkennen würde, so wusste er sich doch ganz besonders beauftragt, die Heiden in Gottes Reich zu führen. Er war mit Freuden ihr Diener. Er leidet für sie, und er betet für sie.
Er betet, wie er betet, weil er Gott kennengelernt hat: Seinen Charakter, sein Herz, seine Treue, seine Pläne. Sein Wunsch ist, dass Christus durch den Glauben in ihren Herzen wohnt, dass sie in seiner Liebe wurzeln und unerschütterlich fest stehen, dass sie ihn immer besser kennenlernen. Am Ende seiner Bitten kann er nur in Lobpreis ausbrechen. Welch ein Gott! Er gibt uns mehr, als wir brauchen, als wir bitten und uns vorstellen können! Eine gute Weise auch für uns, unsere Gebete abzuschließen:
Ihm gehört alle Ehre in der Gemeinde und durch Christus Jesus für alle Zeit und Ewigkeit! Amen.
Nachdem Paulus den Ephesern so viel darüber geschrieben hat, was es bedeutet, erlöst zu sein, betet er für sie. Information ist gut, aber sie muss vom Kopf ins Herz und ins Leben! Deshalb bittet er um den Geist der Weisheit und der Offenbarung. Sie (und wir) brauchen eine fortwährende Erinnerung daran, was wir schon haben. Christus ist genug. Wir brauchen keine höheren Offenbarungen, keine tieferen Erfahrungen, keine zusätzlichen Gesetze, keine überschwenglichen Emotionen und keine psychologische Lebenshilfe. Uns ist alles geschenkt, was wir zu einem Leben in Gottesfurcht brauchen, und was man uns sonst noch andrehen will, ist nur Betrug und von Übel! Stattdessen sollen wir unsere Wurzeln tief in Christus hineingraben und fest auf dem Grund stehen, der uns unter die Füße gelegt wurde.
In diesem Prozess des Erkennens, Verstehens und In-Besitz-Nehmens wird unser Denken und unser Leben verändert. Dazu brauchen wir den Heiligen Geist, denn er ist es, der uns erinnert und lehrt und uns beständig unserer Zugehörigkeit zu Christus versichert.
Und nicht nur unsere Segnungen sollen wir erkennen, sondern auch die Größe der Kraft Gottes. Im Vers 19 wird diese Kraft in vier verschiedenen Ausdrücken beschrieben:
die überwältigende Größe seiner Kraftwirkung (dunamis) an uns , die wir glauben, gemäß der Wirksamkeit (energeia) der Macht (kratos) seiner Stärke (ischus)
Wie zeigt sich nun diese göttliche Kraft, und was bewirkt sie in uns?
Das Evangelium, das Wort vom Kreuz, ist die Kraft Gottes zur Rettung für jeden der glaubt. Mit dieser Kraft ausgerüstet, können wir der Welt die gute Botschaft bringen!
Wir können uns in all dem auf die Kraft und Größe unseres Retters Jesus Christus verlassen. Niemand ist ihm überlegen, niemand macht seine Absichten für uns zunichte. In ihm sind wir sicher. In diesem Vertrauen können wir uns ihm ganz zur Verfügung stellen. Das ist die Schnittstelle von Erkenntnis und einem Leben in dankbarer Hingabe, das sich so äußert:
Liebe muss echt sein, ohne Heuchelei! Verabscheut das Böse, haltet am Guten fest! Seid einander in herzlicher geschwisterlicher Liebe zugetan! Übertrefft euch in gegenseitigem Respekt! Werdet im Fleiß nicht nachlässig, lasst den Geist Gottes in euch brennen und dient so dem Herrn! Freut euch, weil ihr Hoffnung habt, bleibt standhaft in Bedrängnis, seid treu im Gebet! (Römer 12, 9-12