Letzten Sonntag konnte ich nicht in meiner Heimatgemeinde sein, deshalb hörte ich mir irgendwann die Predigt online an. Es ging um Hananias und Saphira, die den Heiligen Geist belogen haben, weil sie besser scheinen wollten als sie waren. Diese Geschichte ist wirklich dazu angetan, uns mit Furcht vor Gottes Heiligkeit zu erfüllen, denn Gott ließ sie auf der Stelle tot umfallen. Damit machte er ein für allemal klar, wie er über ein solches Verhalten denkt.
Nachdem ich mir das angehört hatte, sagte ich zum Herrn: “Ich will kein Heuchler sein! Mach mich frei davon!” Ich denke mal, das startete Gottes Antivirenprogramm. Es lief über meine Festplatte (und ich vermute, es läuft immer noch) und fand alte infizierte Dateien! Als ich heute morgen aufwachte, poppte die erste Meldung auf! Ich erinnerte mich an eine Situation, die Jahre zurück liegt, als eine Freundin mir erzählte, wie Gott ihr in einer bestimmten Situation geholfen hatte, und mir für meine Gebete dankte. Das Problem war: Ich hatte gar nicht gebetet! Ich hatte es schlichtweg vergessen! Aber ich sagte nichts, weil ich ihre Illusionen über meine Freundschaft und über mein geistliches Leben nicht zerstören wollte.
An diesen Fall erinnere ich mich konkret, aber ich weiß, dass mir Ähnliches nicht nur einmal passiert ist. Leute unterstellen mir Gutes, und ich widerspreche nicht, obwohl ich es besser weiß. Zwar habe ich es nicht geplant wie Hananias und Saphira, aber ich habe es auch nicht korrigiert.
Diese Heuchelei muss gelöscht werden! befiehlt das Antivirenprogramm Gottes. Ananias und Saphira wollten ihre Sünde nicht zugeben. “Wenn wir behaupten, wir hätten nicht gesündigt, machen wir Gott zum Lügner.” Das war ihr Tod. “Doch wenn wir unsere Sünden bekennen, zeigt Gott sich treu und gerecht: Er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht.” “Das Blut seines Sohnes Jesus macht uns von jeder Sünde rein.” (1.Johannes 1,7-10)
Gott, wo bist du? fragen Menschen immer wieder angesichts von Hunger, Leid, Krieg, Amokläufen, Vergewaltigungen, Naturkatastrophen, Flüchtlingsströmen, dem Tod von unschuldigen Kindern….. Wenn es einen Gott der Liebe gibt, warum tut er nichts dagegen? Warum lässt er meine Mutter sterben, die ich noch so gebraucht hätte? Warum wurde ich als wehrloses Kind missbraucht und trage mein Leben lang diese Wunden? Wo war Gott, als das passiert ist?
Längst ehe wir solche Fragen stellen konnten, hat Gott uns eine andere Frage gestellt. Nachdem er den Menschen geschaffen hatte, kam er eines Tages in den Garten Eden, um Gemeinschaft mit seinen Menschen zu haben. Aber sie waren nicht da, und so rief er: “Adam (Mensch), wo bistdu?”
Da kam der Mensch aus seinem Versteck gekrochen und sagte: “Ich habe dich gehört, da habe ich mich versteckt. Ich fühle mich nackt, und dein Blick macht mir Angst, und ich schäme mich.”
Gott wusste sofort, was passiert war. Die Menschen hatten ihm das Vertrauen entzogen und seine Hausordnung gebrochen, und nun war die Beziehung zerstört. Sie würden seinen Garten verlassen müssen, und nichts würde jemals mehr sein, wie es war. Er hatte die Menschen verloren.
Danach haben wir Menschen uns ein Leben in einem System ohne Gott gebaut, mit mal mehr, mal weniger Ordnung und Moral. Und in diesem System herrscht der, der uns zuerst zur Sünde verführt hat, der Feind Gottes, für den diese unsere Entfremdung zwischen uns und unserem Schöpfer Motivation und Lebenszweck ist. Wenn dann das Vakuum in unserem Herzen uns plagt, so füllt er es mit allen möglichen Fakes, und ob das nun Religionen und Moral und Kultur oder Hardcore-Sünden sind, ist eigentlich nebensächlich.
So sind wir nun, wie die Bibel es ausdrückt, ”ohne Hoffnung und ohne Gott in der Welt”, verloren, allein und wehrlos.
Aber das ist nicht das Ende der Geschichte. Gott ist uns suchen gekommen in der Person Jesu. Er sagt von sich: “Der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“ Er hat einen hohen Preis dafür bezahlt.
Gott gibt uns noch einmal die Chance, ihm unser Vertrauen zu schenken, indem wir uns ganz auf das verlassen, was Jesus für uns getan hat. Und dann brauchen wir niemals mehr zu fragen: “Gott, wo bist du?” Dann ist er bei uns, in unseren Herzen, und egal, was passiert, wir sind nie mehr allein und verlassen.
“Evangelium” bedeutet “gute Nachricht”. Aber bevor wir die gute Nachricht zu hören bekommen, müssen wir uns zuerst mit der schlechten auseinandersetzen, und die lautet: Die Seele, welche sündigt, die soll sterben! So lässt es Gott durch Hesekiel ausrichten (Hes. 18,20).
Gott nimmt Sünde außerordentlich ernst. Aber was versteht er darunter? Schauen wir uns seine Definition in 1.Johannes 3,4 an: Die Sünde ist die Gesetzlosigkeit.
Bei einer tödlichen Krankheit werden zuerst die Befunde erhoben und vorgelegt. Danach kann die Behandlung eingeleitet werden. So müssen auch wir unsere geistliche Gesundheit an den Normalwerten des Standards Gottes messen, an seinen Geboten.
Lieben wir Gott über alle Dinge? Ist er die Nummer 1 in unserem Leben, seine Ehre unsere höchste Priorität? Er ist ein eifersüchtiger Gott, nicht bereit, mit Götzen zu konkurrieren oder mit den falschen Gottesbildern, die unser Hirn sich zusammenspinnt. Ein modernes Götzenbild ist zum Beispiel das eines Gottes, der Liebe ohne Heiligkeit ist, der alles toleriert und sich nach unseren Maßstäben richtet. Auch wenn wir Gottes Namen missbrauchen, kommen wir unter sein Gericht. Mord, Verachtung der Eltern, Ehebruch – diese Dinge hasst Gott, und zwar schon ihre Wurzeln in unseren Herzen. Es ist nicht nötig, dass wir sie ausführen; es ist genug, dass wir in Gedanken mit ihnen spielen und uns heimlich wünschen, wir könnten es tun. Gott ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens. Auch Stehlen und Lügen fängt nicht erst bei Bankraub und Meineid an, sondern z.B. bei einem illegalen Download und Übertreibungen. Und das neidische Schauen auf das, was ein anderer hat, ist Auflehnung gegen die Zuteilungen Gottes in meinem Leben.
Wenn wir dann unseren geistlichen Befund erhoben haben, stellen wir fest, dass wir zum Tod verurteilt sind, denn keiner von uns ist schuldlos. Und jetzt kommt die gute Nachricht zum Zug: Christus hat am Kreuz unsere Strafe getragen. Wenn wir unser Vertrauen auf seine Stellvertretung setzen, werden wir von Gott gerecht gesprochen, und er gibt uns die Kraft seines Geistes, die uns zu einem neuen Leben befähigt.
Wir haben einen Gott, der die Sünde hasst, und auch wir sollten die Sünde hassen.
Denn du bist nicht ein Gott, dem Gesetzlosigkeit gefällt; wer böse ist, darf nicht bei dir wohnen. Die Prahler bestehen nicht vor deinen Augen; du hasst alle Übeltäter. Psalm 5,5.6
Hasst das Böse und liebt das Gute! Amos 5,15
Die Furcht des Herrn bedeutet, das Böse zu hassen; Stolz und Übermut, den Weg des Bösen und einen verkehrten Mund hasse ich. Sprüche 8,13
Aber dieses hast du, dass du die Werke der Nikolaiten (eine Irrlehre) hasst, die auch ich hasse. Offenbarung 2,6
Aber genauso wahr ist die unwahrscheinliche Liebe Gottes, der für die, die sich gegen ihn aufgelehnt haben, seinen einzigen Sohn gab:
Gott aber beweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Römer 5,8
Wie wir mit ihm das Böse hassen sollen, sollen wir auch wie er unsere Feinde lieben. Und natürlich sollen wir wie er Gerechtigkeit und Barmherzigkeit lieben und die Kinder Gottes, deren Herzen an ihm hängen und die seinen Willen tun wollen.
Und wie können wir das? Das Maß unsrer Liebe hat damit zu tun, ob wir die Schwere unserer eigenen Sünde erkannt haben. Liebe wächst in mir, wenn ich erkenne, wie viel mir vergeben wurde. Wem viel vergeben ist, der liebt viel.
Ich bin Gott so dankbar, dass er nicht toleriert, was unsere Beziehung zerstört, dass er dagegen einen Weg gefunden hat, durch seinen Sohn meine Sünden zu vergeben! Das ist wirklich eine gute Nachricht!
Das Laubhüttenfest ist vorbei, aber Jerusalem ist immer noch voll, und Jesus lehrt im Tempel. Menschen beginnen, an ihn zu glauben. Jesus aber reagiert nicht, wie wir oft, mit Begeisterung, sondern er lädt seine Zuhörer ein, zu prüfen, ob sie tatsächlich seine Jünger sind.
“Wenn ihr in meinem Wort bleibt, dann seid ihr wirklich meine Jünger,” sagt er ihnen. “Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.”
Auf seine erste Aussage gehen sie gar nicht ein, aber dass sie freigemacht werden sollen, das finden sie provozierend. Frei von was, bitte? Sind sie nicht Kinder Abrahams, im Besitz einer einzigartigen Beziehung zum lebendigen Gott? “Wir sind nie jemandes Sklaven gewesen,” protestieren sie (und scheinen so diverse Unterdrücker in ihrer Geschichte auszublenden – ganz aktuell die römische Besatzung). Geistlich fühlen sie sich frei.
“Doch,” sagt Jesus,”ihr seid Sklaven, Sklaven der Sünde nämlich. Deshalb gehört ihr auch nicht zum Haushalt Gottes; ihr seid keine Mitglieder der Familie und ohne Erbrecht. Ihr braucht jemand, der euch befreit, nämlich den Sohn. Ich weiß, dass ihr biologische Nachkommen Abrahams seid, aber eure geistliche Abstammung von ihm stelle ich in Frage, denn ihr wollt mich töten.”
Sie widersprechen nicht. Eine harte Rede gegenüber Menschen, die dabei sind, sich ihm anzuschließen, aber sie trifft offensichtlich. Sie haben wohl nicht damit gerechnet, dass sie so in Frage gestellt werden, wenn sie beginnen ihm zu glauben. Aber diese Feststellung, dass sie gebunden sind, die lehnen sie ab.
“Wir haben verschiedene Väter,” macht Jesus ihnen klar. “Jeder von uns tut das, was er bei seinem Vater gelernt hat. Und Abrahams Kinder könnt ihr nicht sein, denn Abraham hat anders gehandelt als ihr.”
Nun regen sie sich richtig auf. Sogar Gott ist ihr Vater! Mit ihnen und ihrer Abstammung ist alles in Ordnung! Der Gott Israels ist doch der, der ihnen ihre Identität gibt!
Jesus wird noch deutlicher: “Wäre Gott euer Vater, so würdet ihr mich lieben. Er hat mich gesandt. Aber ihr versteht ja noch nicht einmal meine Sprache! Ihr könnt mein Wort nicht ertragen! Euer Wesen zeigt, wer euer Vater ist: Lüge und Mord war schon immer die Eigenart des Teufels, und genau das kommt auch aus euch hervor. Wer aus Gott ist, der hört die Worte Gottes. Darum hört ihr nicht, weil ihr nicht aus Gott seid.”
Unsere Reaktion auf das Wort Gottes ist der ultimative Vaterschaftstest. Kinder Gottes nehmen es an und halten es fest.
Nun werden aus Menschen, die vorgaben, ihm zu glauben, Angreifer. “Du hast einen Dämon,” geifern sie. “Du bist wie die Samariter, die von der richtigen Religion abgefallen sind.” Jesus widerspricht, aber diskutiert nicht mit ihnen darüber. Statt dessen setzt er noch eins drauf: Er verspricht denen, die sein Wort bewahren, ewiges Leben.
Das geht zu weit! So was kann ja wohl nur Gott versprechen! Was bildet dieser Typ sich eigentlich ein? Schließlich ist er nur ein ganz normaler Zimmermann. Will er sich vielleicht über Abraham und die Propheten erheben? Die sind alle gestorben, und er verteilt hier ewiges Leben? “Was machst du aus dir selbst?”
“Ich kann nicht lügen,” sagt Jesus, “Gott ist mein Vater. Ihr sagt, er ist euer Gott. Aber er ehrt mich. Ihr kennt ihn gar nicht. Ich kenne ihn. Und was Abraham betrifft: Der freute sich auf mein Kommen und hat mich schon gesehen.”
Lebte Abraham nicht vor einigen tausend Jahren? Und dieser Mann war noch nicht mal 50! Wie sollte Abraham ihn wohl gesehen haben? Sie äußern ihre Zweifel über diese Verrücktheit.
“Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich,” antwortet ihnen Jesus, und jetzt war jedem Juden klar, was für einen Anspruch er hier erhob. Er stellte sich selbst vor als der “Ich bin” des Alten Testamentes, den Gott von Ewigkeit, den Gott Abrahams, ihren Gott. Und genau das war ihnen so unerträglich, dass sie begannen Steine aufzuheben, um ihn zu steinigen. Aber seine Zeit war noch nicht gekommen – er würde sein Leben nach dem ewigen Plan am Kreuz lassen und nicht jetzt. Er entwich und ließ sie ihre Mordpläne weiter schmieden.
Bis heute scheiden sich am Ja zur Gottheit Jesu und am Ja zu seinem ganzen Wort die Geister. Hier gibt es kein neutrales Terrain, wo man sich bedeckt halten könnte. Der Weg zu diesem Ja und zur Jüngerschaft führt durch die Diagnose Jesu: Er zeigt mir, dass ich von Natur ein Kind des Teufels bin, und er bietet mir Befreiung an, Aufnahme ins Haus des Vaters. Er, der Sohn, macht wirklich frei.
Nach diesem langen dunklen Winter kommt endlich mal die Sonne raus, und wir merken, wie sehr wir danach gehungert haben. Plötzlich fühlen wir wieder Leben in uns einströmen, auf allen Gesichtern liegt ein Lächeln, und wenn wir auch mal schwitzen, weil wir am Morgen mit einer viel zu dicken Jacke losgezogen sind, so ist es uns doch lieber als diese ewige Friererei.
Der Mensch ist Licht-affin. Lichtmangel kann depressiv machen, den einen mehr, den anderen weniger. Auch z.B. unsere Immunabwehr und unsere Knochenfestigkeit hängen vom Sonnenlicht ab. Vergangene Generationen haben das wahrscheinlich noch mehr wahrgenommen als wir, denn unsere Wohnungen und Städte sind von künstlichem Licht erfüllt, was die dunkle Jahreszeit erträglicher macht.
Der Mensch braucht aber nicht nur das physikalische Licht. Noch viel gravierender ist der Lichtmangel unserer Seelen. Und da zeigt sich eine merkwürdige Eigenart von uns: Wir sind lichtscheu. Denn Licht ist zwar ein Lebenselixier, aber es deckt auch auf und macht die Dinge sichtbar, die wir lieber verborgen halten wollen. Und dann machen wir das Kunstlicht an: ein bisschen Zivilisation, ein bisschen Kultur, ein bisschen Nettigkeit, ein bisschen Moral. Damit kommen wir ein Weilchen über die Runden.
Aber irgendwann holen uns die Mangelerscheinungen ein. Die Fragen nach dem Sinn des Lebens und das Bohren des Gewissens lassen sich nicht mehr wegdrücken.
Jesus bietet uns sein Licht an. Es braucht ein bisschen Mut, sich von ihm anleuchten zu lassen, denn man wird nie mehr derselbe sein wie vorher. Das so sorgfältig geschminkte Selbstbild wird zerbrechen müssen, genauso wie die Scheinbeziehungen, die uns Trost gegeben haben. Aber dafür gewinnen wir das Leben, sprudelnde Freude, innere Heilung, Befreiung von unserer Last. Wir werden neu geboren und können die Finsternis hinter uns lassen. Und je gründlicher dieser Zerbruch ist, desto tiefer wird unsere Gemeinschaft mit denen sein, die sich auch auf dieses Licht einlassen und darin leben.
Die Bibel sagt es so:
“Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis.Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit.Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.Wenn wir sagen, wir haben nicht gesündigt, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns.” (1.Johannes 1, 5-10)