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Warum ich eine Bibel auf Papier brauche – und du vielleicht auch

Ich bin mir bewusst, wie privilegiert ich bin, dass ich mich überhaupt entscheiden kann, ob ich die Bibel digital oder analog lesen will, und dass ich sie überhaupt schriftlich und in meiner Muttersprache vorliegen habe. Viele Christen auf dieser Welt haben da gar keine Wahlmöglichkeit. Viele Sprachen haben noch gar keine Bibel, manche nur Teile davon, manche nur digitale oder Hörbibeln. Aber da ich dieses Privileg nun mal habe, bin ich auch verantwortlich, mir darüber Gedanken zu machen, wie ich das am sinnvollsten nutze.

Ich bin sehr begeistert von meiner Bibel-App. Sie enthält in Deutsch und vielen anderen Sprachen eine gute Auswahl an Übersetzungen und Kommentaren und Wörterbüchern. Man kann all diese Module kostenlos herunterladen. Ich benutze sie jeden einzelnen Tag, um Wörtern und Ausdrucksweisen auf die Spur zu kommen, und oft sind auch die Kommentare hilfreich. Und das Beste: Sie kostet nichts, und sie läuft komplett offline.

Wenn ich meine Bibelstudierzeit habe, läuft das folgendermaßen ab: Ich habe auf meiner dicken alten Schreibrand-Bibel einen NFC-Tag. Den scanne ich mit dem Handy, und dann schickt ein Kurzbefehl mein Handy in den Flugmodus und öffnet meine MyBible-App. D. h., ich kann mich jetzt ganz auf das konzentrieren, wofür ich sie eigentlich benutzen will und werde nicht von WhatsApp und E-Mails abgelenkt. Seit einiger Zeit habe ich außerdem angefangen, das Kapitel, das ich gerade lese, aufzunehmen. Zu Beginn meiner nächsten Sitzung liest mir das Handy die Aufnahme dann automatisch vor. So finde ich gleich wieder den Anschluss an das letzte Mal.

Und dann lese ich in meiner Papierbibel und kann die Handy-App ablenkungsfrei als Konkordanz, Kommentar und Wörterbuch und zum Übersetzungsvergleich benutzen, denn für diese Zwecke ist das Digitale dem Analogen einfach weit überlegen.

Warum nutze ich also überhaupt noch eine Papierbibel?

1. Wegen der Vertrautheit. Ich besitze diese Bibel jetzt seit ca. 20 Jahren. Vieles ist unterstrichen; die Ränder sind vollgeschrieben, Zettel dazwischen geklebt. Ich kenne mich darin auch optisch aus, so wie man in einem Haus, in dem man viele Jahre gewohnt hat, weiss, wo die Möbel stehen und was in welcher Schublade liegt. Wenn von einem Vers die Rede ist, weiß ich zwar oft die Versangabe nicht , aber was ich weiß: Das steht in der linken Spalte oben. Oder: Das steht rechts unten und ist gelb markiert. Das hilft mir, die Stellen schnell wiederzufinden. Oft habe ich sogar noch mehr vom Seitenlayout vor meinem inneren Auge, zum Beispiel den Kapitelbeginn mit der zugehörigen Zahl – vor allem bei Texten, die ich schon einmal auswendig gelernt habe. Meine große Bibel ist mir für unterwegs meistens zu schwer, und ich wollte auch dort auf meine gewohnte Orientierung zurückgreifen können. Und tatsächlich bin ich fündig geworden. :)

2. Wegen des Textzusammenhangs. Das Handy oder Tablet zeigt immer nur einen kleineren Ausschnitt des Textes – und der befindet sich auf dem Display jedes Mal an einer anderen Stelle. Bei meiner Papierbibel habe ich dagegen den Kontext auf zwei Seiten vor mir liegen. Außerdem kann ich schnell vor- und zurückblättern, ohne den aktuellen Text aus den Augen zu verlieren – der Finger bleibt einfach drin. Vor allem während der Predigt ist mir das wichtig, wenn ich schnell etwas nachschlagen möchte.

3. Wegen der Ablenkungsfreiheit. Ich beobachte manchmal bei anderen, die in der Gemeinde auf dem Handy mitlesen, dass sie zwischendurch doch auf WhatsApp oder wer-weiß-wo sind. Ich will das nicht beurteilen; es mag lebenswichtige Situationen geben, wo man schnell reagieren muss, aber wahrscheinlich sind die doch relativ selten. Ich denke, dass die Versuchung für mich auch groß wäre, während der Predigt „zu multitasken“ – deswegen will ich ihr diese Chance gar nicht erst geben.

Erzähle mir doch in den Kommentaren gerne, wie du das siehst und handhabst!

Bibellesen – warum und wie? (1)

„Ich freue mich über dein Wort wie einer, der große Beute macht“, sagt der Psalmist in Psalm 119,162. Da hat sich jemand mit Gottes Wort beschäftigt und ist nicht leer ausgegangen. In seinen Worten stecken Begeisterung und Entdeckerfreude über das, was er gefunden hat. 

Aber was ist vorausgegangen? Um Beute zu machen, muss ein Krieg stattgefunden haben. Da hat jemand gekämpft, und es hat sich gelohnt. Wenn er jetzt nach Hause kommt, hat er die Taschen voll und kann sogar noch was abgeben.

Aber was ist diese Beute, die er erkämpft hat? Warum lesen wir überhaupt die Bibel?

Wir sind als Menschen im Bild Gottes geschaffen worden, und vielleicht ist es euch schon mal aufgefallen, wie wichtig es für eine gute Beziehung ist, einander zu kennen. Mit einem Fremden kann ich keine echte Beziehung haben. Man lernt also jemanden kennen und hat so einen allgemeinen ersten Eindruck von einer Person und möchte die Beziehung gerne vertiefen. Um sich besser kennenzulernen, muss man sich austauschen und etwas gemeinsam tun. Und auch wir wollen von dem anderen gekannt werden, deswegen offenbaren wir uns. Weil wir Sünder sind, ist das bei uns manchmal durch Scham oder schlechtes Gewissen oder auch durch schmerzhafte Erinnerungen gebremst. Deswegen gibt es Dinge, die wir lieber unter Verschluss halten, aber eigentlich wünschen wir uns, Menschen zu haben, die wir und die uns wirklich kennen, mit denen wir unsere Gedanken und unser Leben teilen können. Nur dann kann eine echte Freundschaft entstehen.

Unser Gott will das auch. Er ist ein Gott, der sich offenbart. Das müsste er ja nicht. Er braucht uns nicht, weil er sonst so allein wäre – er ist ja Drei in Einem –, und er braucht auch nicht unseren Input und unseren Rat. Aber er will, dass wir ihn kennen, weil er eine Beziehung mit uns will. Er hat uns die Schöpfung zum Anschauen gegeben, damit wir zumindest ahnen, wie groß und schön und herrlich und mächtig er ist. Ich glaube, es freut ihn, wenn wir ihn über der Schöpfung anbeten und bewundern. Er hat uns Jesus gegeben, damit wir erkennen, dass er die Liebe ist. Und er hat uns sein ganzes Wort gegeben, damit wir mit ihm mitdenken können, seine Pläne und Ratschlüsse kennenlernen und uns mit einklinken und seinen Willen tun können. 

Als z. B. Gott Sodom und Gomorra vernichten wollte, war es ihm ein Anliegen, das Abraham mitzuteilen (1. Mose 18,17), der an anderer Stelle „Freund Gottes“ genannt wird (2. Chron. 20,7; Jes. 41,8; Jak. 2,23). Und unser Herr Jesus sagt in Johannes 15: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte, sondern Freunde.“ Und wie begründet er das? Ein Knecht empfängt nur Befehle. Er hat keine Ahnung, warum und wieso; er muss es einfach machen. Aber euch, sagt Jesus, habe ich Freunde genannt, weil ich euch alles mitgeteilt habe, was ich von meinem Vater gehört habe. 

Wir sehen also, wenn wir die Bibel lesen: Gott teilt uns sein Herz und seine Gedanken mit, ein Freund dem anderen. Es geht um Liebe. Ich kann nicht behaupten, jemand zu lieben, und dann sagen: „Deine Gedanken und Worte und Pläne sind mir ziemlich egal, die verstehe ich sowieso nicht. Ich will höchstens hören, was mich persönlich betrifft und wo du mir von Nutzen sein kannst.“ Freundschaft bedeutet: Was dich bewegt, bewegt mich. Ich will die Welt durch deine Augen sehen. Ich will einbezogen sein und an deinen Plänen mitarbeiten. 

Diese Beziehung erfordert unsere ganze Person, weswegen es ja auch heißt: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deinem ganzen Verstand und mit deiner ganzen Kraft.“ 

Wenn wir Psalm 119 lesen, dann erzählt uns der Psalmist, was er alles so mit Gottes Wort macht, weil er es liebt. Hier nur eine kleine Auswahl. Ist das bei uns auch so?

Er stellt es vor sich, er verwahrt es im Herzen, er lernt es, er glaubt es, er bedenkt es, er beobachtet es, er forscht danach, er versteht es, er hält es, er singt es, er erzählt es, er sinnt den ganzen Tag und in der Nacht darüber nach, er lechzt danach, er ersehnt es, er schämt sich nicht dafür, er vergisst es nicht, er freut sich darüber, er hält es fest, er schaut Wunder darin usw. usw. 

Er hat Gefühle für dieses Wort; sein Verstand ist voll engagiert im Erforschen und Begreifen; er gibt es weiter; er wird damit kreativ, z. B. indem er Psalmen schreibt und das Wort singt, und er gehorcht dem Wort und hält sich daran. Alles, was man über seine Beziehung zu diesem Wort sagen kann, kann man auch über seine Beziehung zu Gott sagen. Das lässt sich nicht trennen. Unsere Beziehung zu Gottes Wort ist ein Spiegel unserer Beziehung zu Gott.

Wir wissen nicht genau, wer den Psalm geschrieben hat, aber es ist klar, dass der Teil des Wortes Gottes, der ihm zur Verfügung stand, wesentlich kleiner war als das, was wir heute haben. Es war hauptsächlich das Gesetz, die Geschichten der Väter und des Volkes, jede Menge wunderbare Geschlechtsregister ;) usw. Es waren also auch Teile, die uns manchmal Mühe machen, die wir vielleicht lieber überspringen würden, und trotzdem ist er so begeistert, weil er seinen Gott, seine Gedanken, seine Gerechtigkeit und Heiligkeit und seine Güte darin findet, weil er darüber meditiert und das regelrecht verkostet, bis er den ganzen Honig rausgesaugt hat. Er liebt jedes Wort von ihm, weil er den liebt, der redet.

Es lohnt sich also. Aber vor der Beute kommt der Kampf. „Pläne kommen durch Beratung zustande, und mit weiser Überlegung führe Krieg!“, heißt es in Sprüche 20,18. Deswegen sollten wir eine wohlüberlegte Strategie entwickeln, wie wir die Bibel lesen – und uns gegen Widerstand wappnen.

Die alte Weihnachtsgeschichte neu erzählt

Josef stürmt herein. „Maria“, ruft er, „du glaubst es nicht, was die Römer schon wieder ausgeheckt haben!“

„Warum, was ist los?“, fragt sie. „Jetzt wollen sie eine Volkszählung machen. Wohl, damit sie ihre Steuern besser erheben können. Und dazu muss jeder dahin, wo die Familie herstammt, und sich da registrieren lassen. Für uns heißt das, wir müssen nach Bethlehem. Und wie immer ist es denen da oben völlig egal, was das für den einzelnen kleinen Mann bedeutet.“

Maria streicht über ihren gerundeten Bauch. „Das ist eine ganz schöne Strecke bis Bethlehem“, sagt sie bedächtig. „Ja, genau das macht mir Sorgen“, antwortet ihr Mann. „150 Kilometer in deinem Zustand! Jetzt, wo das Baby bald kommt. Wirst du das schaffen?“

Nachdenklich meint sie: „Weißt du, bis hierher hat mir Gott geholfen. Es ist ja sein Kind, das ich hier trage. Es gab so vieles, wo ich mich gefragt habe: Wie soll das werden? Aber bis jetzt ist alles gut geworden. Ich werde auch dafür die Kraft bekommen. Und außerdem – nach der Geburt müssten wir eh nach Jerusalem, um das Kind in den Tempel zu bringen. Da haben wir es dann nicht mehr weit, wenn wir schon mal in Bethlehem sind. Wir können langsam machen. Am Sabbat machen wir sowieso Pause …“ Und plötzlich, wie elektrisiert: „Bethlehem! Das ist doch sehr passend, wenn unser Kind in der Geburtsstadt Davids zur Welt kommt. Schließlich hat der Engel doch gesagt, er wird auf Davids Thron sitzen.“

„Stimmt“, sagt Josef. „Jetzt, wo du’s sagst … Ich erinnere mich dunkel, dass da auch etwas war mit einer alten Verheißung, dass der Messias in Bethlehem geboren wird.“ Der Messias. Marias Hand legt sich wieder auf den Bauch. Im Alltag vergisst sie manchmal, dass sie nicht einfach irgendeine schwangere Frau ist. Dass sie ein göttliches Kind trägt. Nach dem dramatischen Anfang ist das Leben so normal geworden. Sie hat ein Heim und einen Mann und muss sich immer wieder in Erinnerung rufen, dass dieses nicht Josefs Kind ist, sondern der Sohn des Höchsten, der Messias. Aber jetzt, mit der Erwähnung Bethlehems, schiebt sich das wieder in den Vordergrund. „Das ist ja interessant“, sagt sie. „Ja, das Kind muss in Bethlehem geboren werden. Es ist ein merkwürdiger Gedanke, aber am Ende ist es gar nicht der Kaiser von Rom, der sich das ausgedacht hat? Ich meine, natürlich hat er sich das ausgedacht, aber dahinter steckt der wahre Weltenlenker?“

Sie schauen sich an und nicken gleichzeitig. „Maria, du bist ein klasse Mädchen. Dein Gottvertrauen setzt mich immer wieder auf die richtige Spur. Ich bin schon fast nicht mehr sauer. – Lass uns packen“, sagt Josef. „Pack alles ein, was du für die Geburt und das Baby brauchst. Ich kümmere mich um Geld und Proviant, und dann starten wir so bald wie möglich.“

Sie machen sich an die Arbeit.

Viele Menschen sind auf den Straßen unterwegs. Je näher sie Bethlehem kommen, desto voller werden die Wege. Josef spürt, wie die Sorgen wieder auf ihn einstürmen. Bis jetzt ist alles gutgegangen; sie haben auch immer einen Platz zum Übernachten gefunden. Aber nun scheint es, dass alle Welt zu dieser kleinen Stadt strömt. So lernt man zwar mal die ganze weitläufige Verwandtschaft kennen. Aber kann dieses kleine Städtchen so viele Besucher fassen? Wo sollen die alle unterkommen? Wo sollen sie unterkommen? Wird er für diese zwei wunderbaren Geschöpfe sorgen können, die Gott ihm da anvertraut hat? Das ist der Anspruch, den er eigentlich an sich hat, aber er sieht seine Möglichkeiten schwinden.

Tatsächlich ist Bethlehem total überfüllt. Kein Gastzimmer ist mehr frei. Aber sie können bei den Tieren unterkommen, was auf jeden Fall besser ist als die Straße. Hier geschieht es auch, dass die Wehen einsetzen, und einige Stunden später wird Maria von einem kleinen Jungen entbunden. Glücklich und erleichtert betrachtet sie ihn, und wie alle Mütter denkt sie: „Das ist das schönste Baby der Welt! Möge er ein gesegnetes Leben haben! – Herr!“, betet sie. „Lass dieses Kind gesegnet sein! Erfülle deine Verheißungen! Lass es auf dem Thron Davids sitzen!“

Nun, im Moment kann von einem Thron nicht die Rede sein. Nachdem sie es in Windeln und Tücher gewickelt hat, ist die Frage: Wohin mit dem Kind? Auf dem Boden ist schlecht, da könnte man aus Versehen drauftreten oder ein Tier drüberlaufen. Der Futtertrog scheint ihr der sicherste Platz. Und so legt sie den Kleinen dort hinein.

Mitten in der Nacht reißt jemand die Tür auf und leuchtet hinein. „Hier ist er!“, ruft eine aufgeregte Männerstimme. Hinter ihm her poltert eine ganze Horde ungehobelter Männer herein. „Entschuldigung“, sagt der Anführer, „aber die Engel haben uns geschickt!“  „Engel?“, fragt Josef mit gerunzelter Stirn. „Ja! Wir sind Hirten und haben auf dem Feld bei unseren Schafen Wache gehalten. Da war da plötzlich ein Mann, der ganz hell strahlte. Ich wusste sofort, dass es ein Engel war. Wir hatten alle Angst, denn sowas ist uns noch nie passiert, und mir fielen sofort alle meine Sünden ein. Aber er sagte, wir sollten uns nicht fürchten. Er hätte eine gute Botschaft. Der Retter, auf den wir so lange gewartet haben, wäre heute geboren worden.“ „Genau!“, fuhr ein anderer fort. „Und dann hat er uns ein Zeichen gegeben. Er wäre hier in Bethlehem geboren und läge in Windeln in einer Futterkrippe.  Dann kamen noch mehr Engel und haben Gott gelobt und von Frieden und Wohlgefallen gesprochen, und dann sind sie wieder ab in den Himmel.“ Maria hörte stumm zu. Was für eine Geschichte! „Und nun sind wir von Stall zu Stall gezogen. Das war das erste und einzige Baby, was wir in einer Futterkrippe gefunden haben – also nehmen wir mal an, dass er das ist!“ Sie betrachten das Kind – sehr besonders sah es nicht aus. Ein ganz normales Baby halt, nur in einem sehr ungewöhnlichen Bett. „Ja“, sagte Josef, „das ist der, von dem die Engel euch erzählt haben.“ Sie stehen noch eine Weile herum, aber mehr gibt es hier nicht zu sehen oder zu sagen. Aber woanders werden sie auf interessierte Ohren treffen. Sie, die einfachen, verachteten Hirten, haben die Nachrichten des Tages. Also machen sie sich auf den Weg, um es allen zu erzählen.

Maria aber ist ganz nach innen gekehrt. „Herr“, sagt sie, „das sieht hier alles nicht so aus, wie das, was es nach deinem Wort ist. Aber immer, wenn ich mich frage, ob ich nicht vielleicht doch spinne, kommt wieder eine Bestätigung. Ich komm mir vor, als wäre tief in mir eine Schatztruhe. Da liegen all die Erfahrungen drin, die ich mit dir gemacht habe. Der Besuch des Engels bei mir, der Schrecken, die großen Worte, die er gesprochen hat. Die große Freude. Die Tatsache, dass ich tatsächlich ohne Mann schwanger geworden bin. Die Ermutigung durch Elisabeth, deren Kind im Mutterleib vor Freude gehüpft ist, als wir uns begrüßten. Dass Josef kam, nachdem er schon unsere Verlobung auflösen wollte, und mir sagte, dass er nun wisse, dass ich ihm nicht untreu geworden bin, und dass wir sofort heiraten würden. Dass der Kaiser uns gezwungen hat, nach Bethlehem zu gehen. Jetzt diese Männer, die auch wieder Engel gesehen haben … das alles kann kein Verstand erklären, und es ist doch wahr. Und immer, wenn ich anfangen werde zu zweifeln, weil ich das Leben nicht verstehe und alles so aussieht, als sei es nicht das, was es doch nach deinen Worten ist, dann werde ich meine Truhe hervorholen und meine Schätze Stück für Stück betrachten und mich vergewissern, dass du deinen Plan hast und durchführen wirst.“

„Komm“, sagt Josef, „das war alles anstrengend und aufregend. Leg dich noch ein bisschen hin, solange das Baby schläft. Wer weiß, was noch kommt.“

Die Geschichte steht in der Bibel in Lukas 2.

Längere Bibelabschnitte auswendiglernen –Tipps und Tricks

Das Auswendiglernen von längeren Abschnitten oder ganzen Büchern der Bibel hat sich in meinem Leben als ein außerordentlicher Segen erwiesen, den ich jedem anderen auch wünsche. Deswegen möchte ich gerne meine Erfahrungen teilen, was sich als praktikabel erwiesen hat.

1. Definiere ein realistisches Ziel. Für dieses Jahr hatte ich mir vorgenommen, den 1.Petrusbrief auswendigzulernen und mir ausgerechnet, dass das etwa zwei Verse pro Woche bedeutet. Das kann auch mein altes Hirn gut leisten, das zudem davon profitiert, den 1.Petrusbrief sowieso schon sehr gut zu kennen, weil ich ihn schon oft gelesen und oft gehört habe. Nachdem ich gemerkt habe, wie gut das klappt, habe ich jetzt noch mal einen Zahn zugelegt.

2. Mach eine Gewohnheit draus. Ich lerne jeden Tag, und ich wiederhole das Gelernte regelmäßig. Anders funktioniert das nicht. Ich habe einen Ablaufplan für einen “normalen” Morgen (Ausnahmen gibt es immer, aber sie müssen Ausnahmen bleiben), in den das Auswendiglernen integriert ist. Ich hake das dann in meinem Habit-Tracker in meinem Kalender ab. Jeder muss schauen, wo das in seinem Tageslauf am besten hinpasst.

3. Einfachste und wirksame Methode: Neue Verse sag ich mir mindestens zehnmal hintereinander auf, aber auf jeden Fall, bis ich sie fehlerfrei aufgesagt habe. Wahrscheinlich habe ich am nächsten Tag schon wieder Fehler drin – dann wiederhole ich dasselbe Spiel. Mehrmals die Woche sage ich den ganzen Abschnitt auf, an dem ich gerade bin.

4. Hartnäckige Verse:  Ab und zu übe ich mit der Remember Me-App, wenn irgendein Vers nicht in den Kopf will.  Da gibt es einige spielerische Übungsmethoden. Aber noch besser klappt es, eine Melodie zu erfinden, den Vers mit der Diktierfunktion des Handys aufzunehmen und dann in Dauerschleife abzuspielen und mitzusingen (z.B. bei der Morgengymnastik). So kriege ich auch die sperrigsten Verse in den Kopf, so dass die manchmal am Ende besser sitzen als alle anderen.

5. Nachdenken: Auswendiglernen ist ja kein Ziel an sich, sondern dient dazu, das Wort Gottes in meinem Herzen zu beheimaten. Es hat meditative Funktionen. Mit Meditation meine ich keine spirituellen Experimente oder Atemübungen oder ähnliches unbiblisches Zeug, sondern ein nachdenkendes Verweilen über der Gesamtaussage und den einzelnen Worten. Und wenn ich dann das  oder die Kapitel im Zusammenhang aufsage, spüre ich dem Gedankenfluss nach und kann die einzelnen Verse in den Kontext einordnen. Es ist wichtig, dass ich verstehe, was ich lerne.

image6. Wiederholen: Zum Wiederholen habe ich mir ein Raster mit fünf Spalten und so viel Zeilen wie notwendig gemacht. In jedes Feld schreibe ich nur die Anfangsbuchstaben der Worte des jeweiligen Verses. Den 5. Vers markiere ich jeweils farbig. Da ich die Bibelstellen nicht mitlerne, bekomme ich trotzdem einen ungefähren Überblick, wieviel Verse ein Kapitel hat, und wo mein Vers sich ungefähr befindet. Das sieht dann  z.B. für die ersten zwei Kapitel des 1.Petrusbriefes aus wie auf dem Foto.

Ganz ab und zu nehme ich mich dann auch mal auf, wenn ich die schon gelernten Kapitel aufsage. Dabei merkt man dann, ob man was auslässt oder sich irgendetwas Falsches eingeschliffen hat.

7. Welche Bibelübersetzung? Nimm die Übersetzung, mit der du auch die Bibel studierst. Die Verse müssen vom Wortlaut her Wiedererkennungswert für dich haben. Ich bin mit der Elberfelder Bibel aufgewachsen. Ihr Wortlaut ist mir vertraut. Würde ich jetzt eine andere Übersetzung verwenden, käme ich nur durcheinander. Es ist unglaublich, aber ich habe bei manchen Versen die Stimme meines Vaters im Ohr! Und bitte, nimm eine gute Bibelübersetzung, die sich bemüht, den Grundtext genau wiederzugeben, damit du auch was davon hast.

8. Kein falscher Ehrgeiz! Ich habe nicht vor, eine Aufführung zu geben, deswegen kann ich mit Unvollkommenheiten leben. Ich bin mir bewusst, dass ich vieles wieder vergessen werde, denn man kann nicht unbeschränkt wiederholen. Das macht aber nichts! ich lerne das jetzt so gut und genau wie möglich. Der Heilige Geist wird es benutzen, um mich zur rechten Zeit daran zu erinnern. Für mich ist es eine Art und Weise zu sagen: Herr, ich liebe dein Wort und schätze es wert! Ich verdiene mir damit keine Punkte.

9. Bete: Ich glaube, dass es dem Herrn gefällt, wenn wir sein Wort auswendiglernen, und dass er uns nur zu gerne dabei helfen wird. Mit dieser Gewissheit können wir nach jedem Scheitern wieder anfangen.

Ich kann dir versprechen: Auswendiglernen wird im Lauf der Zeit leichter. Ich liebe es und hab eigentlich vor, bis zur Demenz damit nicht mehr aufzuhören. In meinem Alter ist es außerdem die beste Hirngymnastik. Ich habe dadurch viele Zusammenhänge besser verstanden. Es “klingelt” noch viel mehr, wenn ich Bibelstellen lese, die mit dem Gelernten in Zusammenhang stehen und hilft mir, die Fäden im Word Wide Web zu verknüpfen.

Und ich würde gerne alle mit meiner Begeisterung anstecken!

Hast du noch andere Tipps und Erfahrungen? Bitte, teile sie uns in den Kommentaren mit.

 

 

Das liebe ich an Gottes Wort

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Das liebe ich an Gottes Wort, dass es mit Geschichten kommt von Menschen, die vor Tausenden von Jahren in einer völlig anderen Umwelt lebten und doch wie wir mit Sünde und Unglauben kämpften, mit widrigen Umständen, mit zwischenmenschlichen Konflikten, mit Schwäche und Zwiegespaltenheit, und in all ihrer Not durch Glauben den lebendigen Gott und seine Gnade erfuhren.
Das liebe ich an Gottes Wort, dass es mir die Schlüssel gibt zu den Fragen, die sonst ungeklärt blieben: Was ist es mit dem Zustand dieser Welt, dem Zustand meines eigenen Herzens, unserer Erlösungsbedürftigkeit, und wer macht uns frei?
Das liebe ich an Gottes Wort, dass es so realistisch ist, dass es die Wahrheit spricht ohne Schönfärberei, ohne auszuweichen, dass es die alten Wunden aufreißt und darin, wo nötig, herumstochert, dass es aber auch die Realität einer Wunden heilenden, bis zum Äußersten gehenden, blutigen, dornengekrönten Liebe zeigt.
Das liebe ich an Gottes Wort, dass darin Raum ist für Poesie und Kreativität, für Wortbilder und Sprachspiele, für Gefühle wie Trauer und Angst, Depression und inneren Aufruhr und für Liebe und Entzücken und Jubel und Lobgesang.
Das liebe ich an Gottes Wort, dass es in Briefen spricht, die tiefschürfende theologische Abhandlungen und unsere alltägliche Lebenspraxis verbinden und uns zeigen, dass bei Gott alles aus einem Guss ist.
Das liebe ich an Gottes Wort, dass Gott zuerst durch die Propheten und zuletzt durch seinen Sohn von sich selber spricht, sein Herz offenbart, was er liebt, was er hasst, was er für uns empfindet. Dass er seine Pläne und Absichten vor uns offenlegt, dass er eine Beziehung zu uns haben und uns zu seinen Freunden machen will.
Das liebe ich an Gottes Wort, dass es uns einen Ausblick gibt auf die Zukunft, auf ein Reich von Frieden und Gerechtigkeit, wo die Tränen abgewischt werden und alles Freude und Anbetung ist.

Wie liebe ich dein Gesetz! Es ist mein Nachdenken den ganzen Tag! Psalm 119, 97