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Faith Hack: Notizen sammeln mit dem Zettelkasten

Früher habe ich, wenn ich ein biblisches Thema studieren wollte, in der ganzen Bibel vor und zurück nach den entsprechenden Antworten gesucht. Oft habe ich dann ein Buch zu dem Thema gelesen (heute sucht man eher auf YouTube) und die dort angeführten Bibelstellen studiert.

Dann ist es mir, vor allem bei kontroversen Nebenthemen, oft passiert, dass ich beim fortlaufenden Bibellesen auf Stellen gestoßen bin, die irgendwie nicht ins Bild passten und dann „passend gemacht werden“ mussten, damit nicht das ganze System zusammenbrach. Also konsultierte man die Experten, die das Ganze wieder ins Lot brachten, indem sie die entsprechenden Stellen auf dem Hintergrund ihres Systems erklärten und einpassten.

Irgendwann hat mich Sprüche 13,11 ermutigt, mir Zeit zu lassen mit den festen Standpunkten in Nebenfragen, die ich dann doch wieder revidieren muss: „Schnell erworbener Besitz wird schnell weniger; wer aber händeweise sammelt, vermehrt ihn.“ Ich sammle jetzt „händeweise“, und zwar mit meinem Zettelkasten.

Der Begriff „Zettelkasten“ kommt eigentlich aus der akademischen Welt, aber meiner ist schlichter und funktioniert folgendermaßen:

Ich lese die Bibel fortlaufend (d. h. ich lese immer abwechselnd ein Buch im Neuen und eins im Alten Testament, aber ohne irgendetwas zu überspringen) und mache mir täglich Notizen. Das kann alles Mögliche sein: Wortstudien, Verslisten, eigene Gedanken oder auch Fragen oder Zitate aus Kommentaren, alles, was mir beim Lesen so kommt. Hier mal ein ungeschöntes Beispiel:

Oben rechts notiere ich den Referenzvers. Der dient eigentlich hauptsächlich dem Wiederfinden, denn meist betrifft der Inhalt viel mehr als nur den einen Vers. Das Thema, um das es geht, markiere ich grün. Ich beschreibe jeden Zettel nur auf der Vorderseite, damit ich immer gleich sehe, um was es geht, und gebe ihm eine Überschrift. – Und so geht es weiter:

Ich habe ein paar Schuhkartons mit Registern für alle Bücher und Kapitel der Bibel (und einer Sektion A für „Allgemeines“ zum jeweiligen Buch) versehen. Dort ordne ich meine Notizen der Reihe nach ein. Auch Predigtnotizen kommen dort gleich an den richtigen Ort und fliegen nicht irgendwo herum. Wenn ich das nächste Mal das entsprechende Bibelbuch lese, kann ich sie mitverarbeiten. Die angemarkerten Themen sammle ich auf Referenzkarten im Kasten „Themen und Begriffe“. Wenn ich irgendwelche Themen unabhängig von einem speziellen Vers bearbeitet habe, finden sie auch dort ihren Platz. Dieser Kasten ist alphabetisch geordnet. Wenn ich mich dann mit einem Thema näher befassen will, kann ich so sehen, was ich schon dazu gesammelt habe.

Das System hat sich so nach und nach entwickelt, und für mich ist es wirklich hilfreich. Ich habe den Eindruck, meine Freude am Studium des Wortes ist damit noch mehr gewachsen. Und alles ist an einem Platz und sortiert: irgendwelche Erkenntnisse zwischendurch, die Vorbereitung für den Hauskreis, Predigtnotizen – nichts geht verloren und man weiß, wo es geblieben ist (nicht in 1000 halbvollen Notizbüchern). Ein paar Zettel und einen Stift kann man in jeder Tasche dabei haben.

Ist es nicht besser, das Ganze digital zu machen? Das geht auf jeden Fall (z. B. mit Obsidian) und hat auch einige Vorteile (wie z. B. Mobilität oder noch effektiveres Taggen und Verlinken). Ich hab das auch eine Zeitlang versucht, aber 1. kann ich besser denken, wenn ich von Hand schreibe, 2. hat mein Zettelkasten in der Nähe meines Schreibtisches einen sehr starken Aufforderungscharakter für mich, weil er halt auch physisch sichtbar wächst und das einfach Spaß macht, und 3. lädt er auch dazu ein, durchzublättern und damit zu interagieren.

Vielleicht ist das auch etwas für dich?

Bibellesen – warum und wie (2) im vollen Alltag einer Mutter?(Gastbeitrag von Barbara Escobar)

Weil das bei mir selbst schon so lange her ist, dass ich mich kaum erinnern kann, wie ich das mit dem Bibellesen gemacht habe, als meine Kinder noch sehr klein waren, habe ich Barbara, eine liebe Schwester aus meiner Gemeinde, mal gefragt, wie sie das macht. Ich weiß, dass sie das Wort Gottes liebt. Sie hat 4 kleine Kinder und erwartet in Kürze das fünfte. Sie leitet den Mutter-Kind-Kreis der Gemeinde, beherbergt einmal in der Woche einen Frauenhauskreis bei sich und dient öfters im Kindergottesdienst. Sie ist also nicht unterbeschäftigt. Sie hat mir erlaubt, ihre Antwort mit euch zu teilen, in der Hoffnung, dass es der einen oder anderen Mutter hilft und Mut macht.

„Ich kann gerne erzählen, wie ich es aktuell mache und was mir im Alltag hilft. Ich weiß aber nicht, ob das anderen Müttern hilft, die vielleicht ganz andere Persönlichkeiten haben als ich. Deshalb wollte ich auch ein paar allgemeine Erkenntnisse aufschreiben, die mir in erster Linie zu einer richtigen Einstellung verhelfen. Und wie man das dann konkret im Alltag umsetzt, kann ja tatsächlich ganz unterschiedlich aussehen.

Wie ich es mache: Im Moment stehe ich tatsächlich einfach superfrüh auf, um die ersten Stunden des Tages ganz meine Ruhe zu haben. Das war in der Vergangenheit auch immer der beste Zeitpunkt am Tag. Es hat nicht immer geklappt, vor allem wenn sich nach einem neuen Baby alles ändert und die Nächte unterbrochen sind und mein Schlaf schlecht ist.
Ich denke, man muss auch kein Frühaufsteher sein, ich bin das eigentlich ganz und gar nicht. Aber die Not machte mich diszipliniert, weil ich einfach gemerkt habe, dass ich Zeit mit dem Herrn so sehr brauche! Jetzt hängt ja nicht nur mein Leben davon ab, sondern auch die grundlegende Prägung meiner Kinder!
Ich habe eine Zeitlang abends viel Tee getrunken, damit ich morgens, wenn der Wecker klingelt, einfach auf die Toilette musste. Da fiel es mir leichter, gleich aufzubleiben. Im Moment setze ich abends ein Brot an, welches morgens in den Ofen muss, und auch rechtzeitig so abgekühlt, dass ich den Kindern davon die Schulbrote machen kann. Dann habe ich morgens genug Zeit zum Duschen und eine Stunde für das Wort und Gebet. Es hilft außerdem, dass ich einen Leseplan habe, und morgens nicht erst noch überlegen muss, was ich lese. Dann bin ich Teil von einer WhatsApp-Gruppe mit ein paar Frauen, die alle das Gleiche lesen, und wir tauschen uns regelmäßig darüber aus, was uns wichtig wurde aus dem Text und manchmal auch, wie es uns geht und wofür wir füreinander beten können.

Außerdem hilft es mir sehr, eine Verpflichtung in irgendeiner Form zu haben, also für den Hauskreis oder Andachten für den Mama-Treff oder für den Kindergottesdienst einen Bibeltext vorbereiten zu müssen.
Generell fällt es mir schwer, mich ins Chaos zu setzen, um Bibel zu lesen. Ich möchte dann immer zuerst alles „fertig“ machen. Aber es ist nie fertig :). (Morgens ist alles noch ordentlich, weil ich abends aufräume und außerdem zwischen 21 und 21:45 Uhr ins Bett gehe.) In Zeiten mit kleinem Baby hat es mir sehr geholfen, einen bestimmten Ort zu haben, von dem aus ich den Ausblick in eine ordentliche Ecke der Wohnung hatte, eine Kerze anzuzünden und einen Tee zu machen, und zwar am Vormittag, wenn das Baby schlief. Und dann ein Andachtsbuch oder einen Psalm zu lesen. Und übrigens habe ich diese Momente von 10–30 Minuten IMMER bekommen, wenn ich morgens dafür gebetet habe, dass es klappt!
Grundsätzlich habe ich es erst mit Kindern gelernt, ständig im Alltag im Gespräch mit dem Herrn zu sein: wenn ich morgens meinen Tag plane, Ihm das direkt hinzulegen, auch so banale Sachen zu fragen wie: „Herr, was soll ich heute kochen?“, und beim Wäschefalten und Badputzen Podcasts und Predigten zu hören.
Allgemein hilft es mir, gelernt zu haben, dass Stille Zeit und Bibelstudium als Mutter mit Kindern im Haus nicht damit zu vergleichen ist, wie man es vorher machen konnte. Kinder können jederzeit unterbrechen. Auch wenn ich von meiner Seite fleißig und diszipliniert alles vorbereitet habe. Und das ist ok. Man darf da nicht aufgeben, sondern muss sich dessen bewusst sein, dass der Herr genau diese Momente gebraucht, um uns praktisch leben zu lehren, was wir schon mit dem Kopf studiert haben. Kurz: Heiligung :)
Es ist auch ok, wenn es Tage gibt, an denen man es nicht schafft, Bibel zu lesen. Der Herr nutzt Nachrichten von Freunden, den täglichen Vers von der App, Musik, die im Alltag läuft, um zu mir zu sprechen. Man darf es nur nicht schleifen lassen. Man kann von zwei Seiten vom Pferd fallen: zu verbissen auf Biegen und Brechen die Zeit erzwingen – das geht nicht und endet im Frust, den am Ende noch die Kinder abbekommen. Oder resigniert aufgeben und faul werden unter dem Vorwand, dass es wegen der Kinder eben nicht geht. Ja, es gibt so Tage. Aber wer sehr ehrlich zu sich ist, findet auch heraus, ob er bequem ist oder es wirklich die Umstände gerade unmöglich machen, Bibel zu lesen.
Eine Bibel kann aber auch offen in der Küche liegen, und statt dem Handy kann man zwischendurch einen Vers darin lesen. Ja, es ist nicht das konzentrierte Bibelstudium. Aber das muss es auch nicht! Diese Phasen im Leben kommen früh genug wieder.

Wenn meine Kinder morgens wach werden, bevor ich fertig bin mit Lesen, nehmen sie sich ein Buch und sitzen leise bei mir. Wenn sie nicht leise sind, müssen sie zurück in ihr Bett. Das wollen sie nicht und deshalb sind sie leise :) und ich liebe es, wenn sie mich mit dem Wort sehen! Oft kann ich mich dann nicht mehr richtig konzentrieren, aber dann bete ich in dem Moment einfach für die Kinder, die sich gerade an mich kuscheln, und genieße dieses Geschenk in vollen Zügen! Die Harmonie in diesen Momenten spüren die Kleinsten schon, und es macht ihnen die Bibel und Jesus lieb, einfach wegen meiner Ausstrahlung, die durch die Einstellung kommt, dass ich gesegnet und nicht gestört bin durch die Kinder in dem Moment.
Wie schade, wenn man sich die Kinder vom Hals schafft, damit man Bibel lesen kann. Ziel verfehlt? Es spricht bestimmt nichts dagegen, sich mal einen Babysitter zu organisieren, wenn man eine Deadline hat für eine Andacht oder einen Vortrag! Aber es sollte von der regelmäßigen Zeit mit dem Herrn im Alltag unterschieden werden.
Am Ende ermutigt mich immer sehr der Vers aus Jesaja 40,11, dass der Herr die Mutterschafe sanft leitet. Er weiß um die Schwierigkeiten und Herausforderungen, und darin darf ich ruhen.“

Was ich an diesem Zeugnis so bemerkenswert finde: Da ist keine Gesetzlichkeit drin nach dem Motto: Der Herr segnet mich nur, wenn ich Stille Zeit mache, wie eine Leistung, mit der ich sein Wohlgefallen verdienen muss. Sondern die Erkenntnis: „Ich brauche das.“ Zweitens die Annahme der gegenwärtigen Lebenssituation im Wissen, dass jede Lebensphase ihre eigenen Chancen und Schwierigkeiten hat. Drittens, dass sie einen Plan strategisch und diszipliniert verfolgt, auch wenn der vielleicht nicht
jeden Tag klappt. Viertens, dass Gemeinschaft und Dienst eine anspornende Wirkung haben, wie diese WhatsApp-Gruppe, der Hauskreis oder der Mama-Treff. Es gibt einen Motivationsschub, wenn man die Beute mit anderen teilen kann. So wird
das Lob Gottes vermehrt.

Bibellesen – warum und wie? (1)

„Ich freue mich über dein Wort wie einer, der große Beute macht“, sagt der Psalmist in Psalm 119,162. Da hat sich jemand mit Gottes Wort beschäftigt und ist nicht leer ausgegangen. In seinen Worten stecken Begeisterung und Entdeckerfreude über das, was er gefunden hat. 

Aber was ist vorausgegangen? Um Beute zu machen, muss ein Krieg stattgefunden haben. Da hat jemand gekämpft, und es hat sich gelohnt. Wenn er jetzt nach Hause kommt, hat er die Taschen voll und kann sogar noch was abgeben.

Aber was ist diese Beute, die er erkämpft hat? Warum lesen wir überhaupt die Bibel?

Wir sind als Menschen im Bild Gottes geschaffen worden, und vielleicht ist es euch schon mal aufgefallen, wie wichtig es für eine gute Beziehung ist, einander zu kennen. Mit einem Fremden kann ich keine echte Beziehung haben. Man lernt also jemanden kennen und hat so einen allgemeinen ersten Eindruck von einer Person und möchte die Beziehung gerne vertiefen. Um sich besser kennenzulernen, muss man sich austauschen und etwas gemeinsam tun. Und auch wir wollen von dem anderen gekannt werden, deswegen offenbaren wir uns. Weil wir Sünder sind, ist das bei uns manchmal durch Scham oder schlechtes Gewissen oder auch durch schmerzhafte Erinnerungen gebremst. Deswegen gibt es Dinge, die wir lieber unter Verschluss halten, aber eigentlich wünschen wir uns, Menschen zu haben, die wir und die uns wirklich kennen, mit denen wir unsere Gedanken und unser Leben teilen können. Nur dann kann eine echte Freundschaft entstehen.

Unser Gott will das auch. Er ist ein Gott, der sich offenbart. Das müsste er ja nicht. Er braucht uns nicht, weil er sonst so allein wäre – er ist ja Drei in Einem –, und er braucht auch nicht unseren Input und unseren Rat. Aber er will, dass wir ihn kennen, weil er eine Beziehung mit uns will. Er hat uns die Schöpfung zum Anschauen gegeben, damit wir zumindest ahnen, wie groß und schön und herrlich und mächtig er ist. Ich glaube, es freut ihn, wenn wir ihn über der Schöpfung anbeten und bewundern. Er hat uns Jesus gegeben, damit wir erkennen, dass er die Liebe ist. Und er hat uns sein ganzes Wort gegeben, damit wir mit ihm mitdenken können, seine Pläne und Ratschlüsse kennenlernen und uns mit einklinken und seinen Willen tun können. 

Als z. B. Gott Sodom und Gomorra vernichten wollte, war es ihm ein Anliegen, das Abraham mitzuteilen (1. Mose 18,17), der an anderer Stelle „Freund Gottes“ genannt wird (2. Chron. 20,7; Jes. 41,8; Jak. 2,23). Und unser Herr Jesus sagt in Johannes 15: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte, sondern Freunde.“ Und wie begründet er das? Ein Knecht empfängt nur Befehle. Er hat keine Ahnung, warum und wieso; er muss es einfach machen. Aber euch, sagt Jesus, habe ich Freunde genannt, weil ich euch alles mitgeteilt habe, was ich von meinem Vater gehört habe. 

Wir sehen also, wenn wir die Bibel lesen: Gott teilt uns sein Herz und seine Gedanken mit, ein Freund dem anderen. Es geht um Liebe. Ich kann nicht behaupten, jemand zu lieben, und dann sagen: „Deine Gedanken und Worte und Pläne sind mir ziemlich egal, die verstehe ich sowieso nicht. Ich will höchstens hören, was mich persönlich betrifft und wo du mir von Nutzen sein kannst.“ Freundschaft bedeutet: Was dich bewegt, bewegt mich. Ich will die Welt durch deine Augen sehen. Ich will einbezogen sein und an deinen Plänen mitarbeiten. 

Diese Beziehung erfordert unsere ganze Person, weswegen es ja auch heißt: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deinem ganzen Verstand und mit deiner ganzen Kraft.“ 

Wenn wir Psalm 119 lesen, dann erzählt uns der Psalmist, was er alles so mit Gottes Wort macht, weil er es liebt. Hier nur eine kleine Auswahl. Ist das bei uns auch so?

Er stellt es vor sich, er verwahrt es im Herzen, er lernt es, er glaubt es, er bedenkt es, er beobachtet es, er forscht danach, er versteht es, er hält es, er singt es, er erzählt es, er sinnt den ganzen Tag und in der Nacht darüber nach, er lechzt danach, er ersehnt es, er schämt sich nicht dafür, er vergisst es nicht, er freut sich darüber, er hält es fest, er schaut Wunder darin usw. usw. 

Er hat Gefühle für dieses Wort; sein Verstand ist voll engagiert im Erforschen und Begreifen; er gibt es weiter; er wird damit kreativ, z. B. indem er Psalmen schreibt und das Wort singt, und er gehorcht dem Wort und hält sich daran. Alles, was man über seine Beziehung zu diesem Wort sagen kann, kann man auch über seine Beziehung zu Gott sagen. Das lässt sich nicht trennen. Unsere Beziehung zu Gottes Wort ist ein Spiegel unserer Beziehung zu Gott.

Wir wissen nicht genau, wer den Psalm geschrieben hat, aber es ist klar, dass der Teil des Wortes Gottes, der ihm zur Verfügung stand, wesentlich kleiner war als das, was wir heute haben. Es war hauptsächlich das Gesetz, die Geschichten der Väter und des Volkes, jede Menge wunderbare Geschlechtsregister ;) usw. Es waren also auch Teile, die uns manchmal Mühe machen, die wir vielleicht lieber überspringen würden, und trotzdem ist er so begeistert, weil er seinen Gott, seine Gedanken, seine Gerechtigkeit und Heiligkeit und seine Güte darin findet, weil er darüber meditiert und das regelrecht verkostet, bis er den ganzen Honig rausgesaugt hat. Er liebt jedes Wort von ihm, weil er den liebt, der redet.

Es lohnt sich also. Aber vor der Beute kommt der Kampf. „Pläne kommen durch Beratung zustande, und mit weiser Überlegung führe Krieg!“, heißt es in Sprüche 20,18. Deswegen sollten wir eine wohlüberlegte Strategie entwickeln, wie wir die Bibel lesen – und uns gegen Widerstand wappnen.

Längere Bibelabschnitte auswendiglernen –Tipps und Tricks

Das Auswendiglernen von längeren Abschnitten oder ganzen Büchern der Bibel hat sich in meinem Leben als ein außerordentlicher Segen erwiesen, den ich jedem anderen auch wünsche. Deswegen möchte ich gerne meine Erfahrungen teilen, was sich als praktikabel erwiesen hat.

1. Definiere ein realistisches Ziel. Für dieses Jahr hatte ich mir vorgenommen, den 1.Petrusbrief auswendigzulernen und mir ausgerechnet, dass das etwa zwei Verse pro Woche bedeutet. Das kann auch mein altes Hirn gut leisten, das zudem davon profitiert, den 1.Petrusbrief sowieso schon sehr gut zu kennen, weil ich ihn schon oft gelesen und oft gehört habe. Nachdem ich gemerkt habe, wie gut das klappt, habe ich jetzt noch mal einen Zahn zugelegt.

2. Mach eine Gewohnheit draus. Ich lerne jeden Tag, und ich wiederhole das Gelernte regelmäßig. Anders funktioniert das nicht. Ich habe einen Ablaufplan für einen “normalen” Morgen (Ausnahmen gibt es immer, aber sie müssen Ausnahmen bleiben), in den das Auswendiglernen integriert ist. Ich hake das dann in meinem Habit-Tracker in meinem Kalender ab. Jeder muss schauen, wo das in seinem Tageslauf am besten hinpasst.

3. Einfachste und wirksame Methode: Neue Verse sag ich mir mindestens zehnmal hintereinander auf, aber auf jeden Fall, bis ich sie fehlerfrei aufgesagt habe. Wahrscheinlich habe ich am nächsten Tag schon wieder Fehler drin – dann wiederhole ich dasselbe Spiel. Mehrmals die Woche sage ich den ganzen Abschnitt auf, an dem ich gerade bin.

4. Hartnäckige Verse:  Ab und zu übe ich mit der Remember Me-App, wenn irgendein Vers nicht in den Kopf will.  Da gibt es einige spielerische Übungsmethoden. Aber noch besser klappt es, eine Melodie zu erfinden, den Vers mit der Diktierfunktion des Handys aufzunehmen und dann in Dauerschleife abzuspielen und mitzusingen (z.B. bei der Morgengymnastik). So kriege ich auch die sperrigsten Verse in den Kopf, so dass die manchmal am Ende besser sitzen als alle anderen.

5. Nachdenken: Auswendiglernen ist ja kein Ziel an sich, sondern dient dazu, das Wort Gottes in meinem Herzen zu beheimaten. Es hat meditative Funktionen. Mit Meditation meine ich keine spirituellen Experimente oder Atemübungen oder ähnliches unbiblisches Zeug, sondern ein nachdenkendes Verweilen über der Gesamtaussage und den einzelnen Worten. Und wenn ich dann das  oder die Kapitel im Zusammenhang aufsage, spüre ich dem Gedankenfluss nach und kann die einzelnen Verse in den Kontext einordnen. Es ist wichtig, dass ich verstehe, was ich lerne.

image6. Wiederholen: Zum Wiederholen habe ich mir ein Raster mit fünf Spalten und so viel Zeilen wie notwendig gemacht. In jedes Feld schreibe ich nur die Anfangsbuchstaben der Worte des jeweiligen Verses. Den 5. Vers markiere ich jeweils farbig. Da ich die Bibelstellen nicht mitlerne, bekomme ich trotzdem einen ungefähren Überblick, wieviel Verse ein Kapitel hat, und wo mein Vers sich ungefähr befindet. Das sieht dann  z.B. für die ersten zwei Kapitel des 1.Petrusbriefes aus wie auf dem Foto.

Ganz ab und zu nehme ich mich dann auch mal auf, wenn ich die schon gelernten Kapitel aufsage. Dabei merkt man dann, ob man was auslässt oder sich irgendetwas Falsches eingeschliffen hat.

7. Welche Bibelübersetzung? Nimm die Übersetzung, mit der du auch die Bibel studierst. Die Verse müssen vom Wortlaut her Wiedererkennungswert für dich haben. Ich bin mit der Elberfelder Bibel aufgewachsen. Ihr Wortlaut ist mir vertraut. Würde ich jetzt eine andere Übersetzung verwenden, käme ich nur durcheinander. Es ist unglaublich, aber ich habe bei manchen Versen die Stimme meines Vaters im Ohr! Und bitte, nimm eine gute Bibelübersetzung, die sich bemüht, den Grundtext genau wiederzugeben, damit du auch was davon hast.

8. Kein falscher Ehrgeiz! Ich habe nicht vor, eine Aufführung zu geben, deswegen kann ich mit Unvollkommenheiten leben. Ich bin mir bewusst, dass ich vieles wieder vergessen werde, denn man kann nicht unbeschränkt wiederholen. Das macht aber nichts! ich lerne das jetzt so gut und genau wie möglich. Der Heilige Geist wird es benutzen, um mich zur rechten Zeit daran zu erinnern. Für mich ist es eine Art und Weise zu sagen: Herr, ich liebe dein Wort und schätze es wert! Ich verdiene mir damit keine Punkte.

9. Bete: Ich glaube, dass es dem Herrn gefällt, wenn wir sein Wort auswendiglernen, und dass er uns nur zu gerne dabei helfen wird. Mit dieser Gewissheit können wir nach jedem Scheitern wieder anfangen.

Ich kann dir versprechen: Auswendiglernen wird im Lauf der Zeit leichter. Ich liebe es und hab eigentlich vor, bis zur Demenz damit nicht mehr aufzuhören. In meinem Alter ist es außerdem die beste Hirngymnastik. Ich habe dadurch viele Zusammenhänge besser verstanden. Es “klingelt” noch viel mehr, wenn ich Bibelstellen lese, die mit dem Gelernten in Zusammenhang stehen und hilft mir, die Fäden im Word Wide Web zu verknüpfen.

Und ich würde gerne alle mit meiner Begeisterung anstecken!

Hast du noch andere Tipps und Erfahrungen? Bitte, teile sie uns in den Kommentaren mit.

 

 

Slowfood-Bibellesen

Ich lese die Bibel jetzt seit 51 Jahren immer wieder durch. Was ich dabei gelernt habe, dazu habe ich vor einigen Jahren schon mal eine kleine Serie von Tipps gepostet. Nun wollte ich mal etwas Neues ausprobieren, und das nenne ich “Slowfood- Bibellesen”, weil es sehr langsam geht, aber sich als geistlich sehr “nahrhaft” für mich erwiesen hat.

Wenn du die Bibel noch nie ganz durchgelesen hast, dann verschaffe dir erst einmal  einen Überblick über die Gesamtaussage der Heiligen Schrift. Aber wenn du das schon mehrmals getan hast, kannst du das Slowfood-Bibellesen ja mal ausprobieren für noch mehr Gewinn.

Was du brauchst:

  • eine gute, relativ genaue Bibelübersetzung. Meine Empfehlung wäre: Schlachter-, Elberfelder oder Menge- Übersetzung.
  • je nach Größe des Bibelbuchs, das du lesen möchtest, ein Heft oder eine Kladde, am besten im Stil eines Bullet Journals mit gepunktetem Papier (muss aber nicht sein, und schon gar nicht muss es etwas Teures sein). Man braucht dann nämlich für die Linien kein Lineal. Für das Matthäusevangelium habe ich ein Journal von 230 Seiten fast vollbekommen. Jetzt lese ich das Buch Ruth, und da das nur 4 Kapitel hat, wird ein Heft wohl reichen.
  • ein Bibellexikon und Kommentare sind nützlich, gibt es aber inzwischen auch online. Für den Laptop empfehle ich das kostenlose Programm e-sword, das man auch offline nutzen kann; für das Handy nutze ich gerne die meiner Ansicht beste Bibel-App MyBible. Ich habe ein Android-Handy, aber die App gibt es auch für andere Plattformen.
  • täglich mindestens eine halbe Stunde Zeit und ab und zu auch mal mehr.

Die ersten 2 Seiten bleiben frei für ein Inhaltsverzeichnis. Die Seiten werden durchnummeriert. Was ins Inhaltsverzeichnis kommt, erkläre ich gleich noch.

Ich teile mir die aktuellen Seiten in 3 Bereiche, wie auf dem Foto zu sehen ist. In die schmale Außenspalte kommt oben die Kapitelnummer. In die breite Spalte schreibe ich nun Vers für Vers mit eigenen Worten. Darunter ziehe ich eine gestrichelte Linie durch bis in die schmale Spalte, damit ich die Anmerkungen, Parallelstellen etc. immer gleich dem Vers zuordnen kann. Für diese Sachen ist die schmale Außenspalte da. In die trage ich Parallelstellen ein, die ich gefunden habe, Worterklärungen  und Hashtags, wenn ich Themen durch das ganze Buch verfolgen will. In Matthäus hatte ich z.B. die Hashtags #Reich, # Jünger,#Zitat AT, #böse Geister, #Wunder, #Gericht, #Frucht – um nur einige zu nennen. Immer, wenn eine erfüllte Verheißung vorkam, hab ich dort einen kleinen Kreis mit Häkchen drin gemacht; dort habe ich auch vermerkt, wenn etwas Sondergut von Matthäus ist  und notiert, wie Jesus jeweils dargestellt wird.

Die unterste Zeile ist für alles andere: Zusammenfassungen, Erklärungen, die oben nicht reinpassen usw.

Ab und zu will man sich in ein Thema auch mal mehr vertiefen. Dafür nutze ich dann einfach die nächste freie Seite und halte im Inhaltsverzeichnis fest, wo ich sie wiederfinde. Das Inhaltsverzeichnis ist also nicht für die Kapitel – die kommen ja sowieso hintereinander -, sondern für besondere Themen, Exkurse, Mindmaps usw.

Was ist nun der Vorteil des Ganzen? Man liest genauer und tiefer. Das Aufschreiben jedes einzelnen Verses hat etwas Meditatives; dadurch, dass man eigene Worte benutzt, kann man gar nicht anders, als sich mit jedem Vers auseinanderzusetzen. Man kann das, was man aufgeschrieben hat, nicht so leicht vergessen und seine Gedanken in Kleingruppen besser teilen. Jeder kann das System nach seinen Bedürfnissen anpassen, und man kann es auch von Buch zu Buch variieren. Ich werde sicher im Lauf der Zeit auch noch Erfahrungen sammeln und einiges ändern.

Hast du Lust bekommen, es auszuprobieren?

Nachtrag: jemand hat mich darauf hingewiesen, dass das e-sword-Programm und die MyBible App nur auf Englisch vorhanden wären. Tatsächlich kann man bei beidem die Menüführung auf Deutsch umstellen. In e-sword kann man dann aber nur deutsche Bibeln runterladen; alles andere ist englisch. In der MyBible App aber gibt es unter dem Menüpunkt Module einige Kommentare, Wörterbücher, Andachten etc.

Außerdem zu empfehlen, aber nur online verfügbar: Bibeln hier und eine reiche Auswahl an Kommentaren und Predigten hier.

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