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Predigt- Nachlese: Paulus, ein Vorbild in der Nachfolge Jesu

Predigttext: Apostelgeschichte 18,12-23

Paulus hat den Korinthern mal geschrieben: Nehmt mich zum Vorbild, so wie ich Christus zum Vorbild nehme! Sie hatten ja reichlich Gelegenheit gehabt, ihn zu beobachten. Und wir sind in der glücklichen Lage, sein Leben und Beispiel in der Apostelgeschichte und in seinen Briefen verfolgen zu können.

Nachdem der Herr Paulus aus seinem Entmutigungsloch herausgeholt und durch feste Zusagen und einen klaren Auftrag wieder auf die Füße gestellt hatte, konnte Paulus relativ ungestört 18 Monate lang das Evangelium verkündigen. Das war die bisher längste Zeit in ein und derselben Stadt auf dieser 2. Missionsreise. Aus allen vorherigen Städten hatte man ihn bald verjagt. Am Ende dieser anderthalb Jahre ging aber auch in Korinth der Ärger los. Die Juden klagten ihn vor dem Prokonsul Gallio an, dass er eine illegale Religion verbreite. Gallio wies ihre Anklage ab. Für ihn war das Christentum eine jüdische Splittergruppe, und das Judentum war offiziell eine “religio licita”, eine genehmigte Religion. Diese internen Streitigkeiten der Juden gingen ihm auf die Nerven; das sollten sie gefälligst unter sich regeln. Er trieb sie förmlich vor dem Richterstuhl weg. Sosthenes, der Vorsteher der Synagoge, wurde vor seinen Augen verprügelt, aber er kümmerte sich nicht darum. Übrigens taucht dieser Sosthenes später als “Bruder”  wieder auf. Er hatte sich offensichtlich bekehrt, und war damit schon der zweite Synagogenvorsteher in Korinth, der zum Glauben kam!

Anschließend konnte Paulus noch eine ganze Weile in Korinth weiterarbeiten. Dann wurde es Zeit, weiter zu ziehen. Nachdem er ein Nasiräergelübde eingelöst hatte – vielleicht aus Dankbarkeit für Gottes Handeln in Korinth – reiste er mit seinen guten Freunden und Mitarbeitern Priscilla und Aquila ab nach Ephesus. Schon früher hatte es ihn dorthin gezogen, aber damals hatte Gott es nicht erlaubt. Obwohl er in Korinth nach der Ablehnung durch die Juden gesagt hatte, er werde sich jetzt zu den anderen Völkern wenden, suchte er auch hier zuerst die Synagoge auf. Sein Herz brannte für sein eigenes Volk, dem die Verheißungen Gottes galten, und er konnte es nicht aufgeben. Er fand dort auch ein positives Echo, konnte aber nicht bleiben, und versprach, später zurückzukehren. Er baute aber sozusagen einen Stützpunkt auf, indem er Aquila und Priscilla dort zurückließ. Er selbst musste nach Jerusalem, wo er die dortige Gemeinde besuchte. Dann machte er sich auf den Weg zurück in seine sendende Gemeinde in Antiochia und von dort zu Besuchen in all die Gemeinden, die er in Galatien und Phrygien gegründet hatte. Er hatte ein Hirtenherz – er musste sicherstellen, dass seine “Schafe” gut versorgt waren, geistlich wuchsen, auf festem Grund standen und geeignete Leiter hatten. Obwohl ihm in all diesen Städten Schwierigkeiten und Gefahren drohten, ließ er sich nicht von Leidensfurcht und -müdigkeit, sondern von seiner Liebe zu den Kindern Gottes bestimmen.

Wir können von ihm lernen, was Nachfolge Christi bedeutet. Die Stoßrichtung beschreibt er so: Ihr sollt nicht euren eigenen Vorteil suchen, sondern den des anderen!  Wir haben Verantwortung füreinander; bei allem, was wir tun und lassen, sollten wir das Wohl der Glaubensgeschwister im Blick haben. Wir leben nicht mehr unabhängig und für uns selbst. Gott hat uns nicht nur zu Trophäen seiner Gnade gemacht, sondern auch zum Dienst befreit und “Werke” für uns vorbereitet, die wir in seiner Kraft tun dürfen. Wir sollen unser erlöstes Leben nicht vergeuden, sondern ein Verständnis dafür entwickeln, was Gott von uns will, wie wir ihm dienen können sowohl in der Gemeinde als auch in der Welt. Unser Glaube und unsere Hoffnung sollen sich zeigen, indem wir mit Lob und Dank übersprudeln und nicht mit Auflehnung und Quengeln auf die Prüfungen Gottes reagieren. So können wir der Welt das Evangelium verkündigen und demonstrieren in diesen “bösen Tagen”.

Predigt-Nachlese: Für die Herde Gottes sorgen

Heute habe ich meine Notizen versemmelt; habe ich sie nicht gespeichert oder versehentlich gelöscht – ich weiß es nicht. Insofern ist das hier eine echte Predigt-Nachlese – nur das, was von der Predigt auf meinen “Boden” gefallen und liegengeblieben ist.

Predigttext: Apostelgeschichte 14,21-27

Nichts konnte Paulus von seinem Auftrag abbringen, das Evangelium zu verkünden und Menschen zu Jüngern zu machen. Obwohl er dort nicht nur härteste Opposition, sondern sogar Steinigung erlebt hatte, zog es Paulus  mit Barnabas  nach Lystra, Ikonion und Antiochia zurück, um die jungen Christen im Glauben zu stärken. Das hier gebrauchte griechische Wort für episterizo bedeutet so viel wie befestigen, unterstützen. Sie taten das durch Unterweisung in der Wahrheit, aber auch durch Ermahnung. Vermittlung von Wissen genügt nicht, man muss auch zeigen, wie es umgesetzt wird und den Anstoß zum Gehorchen und Tun geben. Ferner wollten sie sie auf Schwierigkeiten und Bedrängnisse vorbereiten. Sie mussten wissen, dass das ganz normal war, wenn ihnen das widerfahren sollte, dass jeder, der Jesus nachfolgt, durch schwere Zeiten gehen muss. Die Bekehrung ist oft der Beginn vieler Kämpfe. Hat man vorher nach Gutdünken in den Tag hineingelebt, bricht jetzt der Krieg zwischen Licht und Finsternis in und um uns aus! Wir erleben Versuchungen und Opposition, die wir vorher nicht kannten. Das sollte uns nicht verwirren und zum Aufgeben verleiten. Die Erlösung von allem Leiden bleibt dem Himmel vorbehalten, und wir sind auf dem Weg dorthin!

Ehe sie weiterzogen setzten sie in jeder Gemeinde Älteste ein. Älteste, was sind das für Leute? Das sind Männer, die durch den Heiligen Geist die Last und die Befähigung erhalten haben, die Herde Gottes zu weiden, d.h. zu ernähren, zu beschützen und zu leiten. Dieses Leiten hat nicht den Charakter von Herrschaft über die anvertrauten Menschen, sondern wird von Paulus mit Elternschaft verglichen: Wir sind behutsam mit euch umgegangen wie eine Mutter, die liebevoll für ihre Kleinen sorgt. Wir hatten euch so sehr ins Herz geschlossen, dass wir bereit waren, euch nicht nur die gute Botschaft von Gott weiterzugeben, sondern unser eigenes Leben mit euch zu teilen. Ihr erinnert euch doch noch an unsere Mühe und Anstrengung, liebe Geschwister, dass wir – als wir euch die gute Botschaft Gottes predigten – Tag und Nacht gearbeitet haben, um niemand von euch zur Last zu fallen. Ihr selbst könnt es bestätigen, und auch Gott ist unser Zeuge, wie unser Verhalten in jeder Hinsicht korrekt und tadellos war und von der Ehrfurcht zu Gott bestimmt wurde. Ihr wisst ja, dass wir uns um jeden Einzelnen von euch gekümmert haben wie ein Vater um seine Kinder, und dass wir euch ermahnt, ermutigt und beschworen haben so zu leben, dass es Gott Ehre macht; dem Gott, der euch dazu beruft, an seiner Herrschaft und an seiner Herrlichkeit teilzuhaben. (1.Thessalonicher 2,7-12 NEÜ) Es geht um Liebe, um Fürsorge, um Vorbild, um Arbeit, Mühe und Anstrengung, darum, in Liebe die Wahrheit zu sagen und Fehlverhalten zurechtzurücken – und all das mit Barmherzigkeit, Festigkeit, Freundlichkeit und Geduld. Die Herde ist ihnen von dem „Oberhirten“ anvertraut,  ihm werden sie Rechenschaft darüber ablegen, wie sie ihren Auftrag ausgeführt haben, und von ihm werden sie Lohn empfangen.

Paulus und Silas hatten gegeben, was sie konnten, und nun mussten sie die Geschwister loslassen und in Gottes Hände zurücklegen. Sie konnten sich dabei auf den verlassen, der das gute Werk, das er anfängt, auch weiterführt und zur Vollendung bringt. Nach aller Mühe und allem Einsatz war es doch letztlich der Herr, der die Verantwortung für diese Gläubigen übernommen hatte.

Sie selbst kehrten zurück zu ihrer sendenden Gemeinde. Unterwegs verkündeten sie noch das Wort Gottes, wo immer sie vorbeikamen. In Antiochia lösten sie große Freude aus mit dem Bericht über all das, was Gott getan hatte. Nicht sich selbst schrieben sie ein Verdienst zu, nicht für sich wollten sie Ehre – sie sahen IHN als den Handelnden an. Ihr Auftrag, zu dem die Gemeinde die Gnade Gottes auf sie herabgefleht hatte, war erfüllt.

Predigt-Nachlese: Biblischer Gemeindebau

Predigttext: Apostelgeschichte 11,21-30

Durch das Zeugnis einiger Männer, die sich wegen der Verfolgung in Jerusalem überall hin zerstreut hatten, waren in Antiochia viele Menschen mit nicht-jüdischem Hintergrund zum Glauben an Jesus gekommen. Daraufhin bekamen sie Besuch von Barnabas, der sie ermutigte, sich unbeirrt fest zu Jesus zu halten. Durch seinen Dienst wurden noch mehr Menschen zu Jüngern, und so brauchte Barnabas Verstärkung und machte sich auf den Weg nach Tarsus, um Paulus (Saulus) zu suchen. Er kannte ihn ja aus der gemeinsamen Zeit in Jerusalem, von wo Paulus damals fliehen musste, weil sich die Hellenisten durch sein freimütiges  Auftreten zu Mordplänen provoziert gesehen hatten. Paulus zu suchen, war kein ganz leichtes Unterfangen, denn er war immer unterwegs, aber Barnabas fand ihn und brachte ihn mit nach Antiochia.

Die beiden teilten ein Herzensanliegen:. Überall, wohin sie kamen, hatten sie ein und die selbe Botschaft für die Gläubigen: Haltet fest an der Gnade Gottes! Es liegt kein leichter Weg vor euch, aber bleibt standhaft im Glauben! Das war für Paulus nicht nur Theorie; er hatte jede Menge praktische Erfahrung damit! Was wird uns denn empfohlen, um Krisen und Bedrängnisse durchzustehen?

Die Jünger in Antiochia kamen nun ein ganzes Jahr lang in der Gemeinde zusammen. Über den Ort wird nichts gesagt, aber darüber, was dort stattfand. Sie wurden aus dem Wort Gottes gelehrt, ermahnt und ermutigt. Paulus und Barnabas taten das, was auch die Apostel in Jerusalem getan hatten: Sie konzentrierten sich ohne Unterlass aufs Gebet und den  Dienst der Verkündigung. Sie entwarfen keine Programme für sucherfreundliche Gottesdienste, Freizeitgestaltung oder Konzerte. Sie gebrauchten das Wort Gottes, um zu lehren, zu überführen und den Weg zu weisen, und dadurch wurden die Jünger zu einem Leben nach Gottes Willen ausgerüstet.

Die Frucht ihrer Arbeit wurde in der Gemeinde sichtbar. Die Gläubigen waren so geprägt durch Christus, dass ihre Umwelt ihnen den Namen “Christen” – die zu Christus Gehörenden – gab. Diese Bezeichnung schloss auch Spott und schlechte Behandlung  mit ein, aber sie trugen sie als Ehrennamen. Es kristallisierten sich unter ihnen Leiter heraus. Und sie hatten nicht nur einen Kopf voll Bibelwissen, sondern zeigten praktische Liebe! Als der Prophet Agabus eine Hungersnot voraussagte, beschlossen sie, den Geschwistern in Jerusalem finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen (Diese Hungersnot trat 44-46 AD ein). Nun halfen die Christen aus den Heiden den jüdischen Glaubensbrüdern, die ihnen am Anfang mit Zweifeln und Misstrauen begegnet waren! Jeder gab, was er konnte. Nichts zeigt deutlicher, was Gott an den Herzen getan hat, als wenn das Portemonnaie sich ohne Druck von außen für Notleidende öffnet! Der Geist Gottes macht liebevoll und großzügig aus Dankbarkeit, so dass wir Freude am Geben haben.

in Epheser 4 beschreibt Paulus noch mal das biblische Gemeinde-Wachstumsprogramm: Gott gibt die Mitarbeiter und geistlichen Gaben. Wie er nach Antiochia genau die Richtigen schickte, so tut er das auch heute noch – schließlich geht es um seine Gemeinde. Das Ziel dabei ist, die Heiligen zum Dienst zu befähigen und sie in der Wahrheit standfest und gegen Irrtümer immun zu machen. Dazu muss die Wahrheit in Liebe weitergegeben werden, und die Christen müssen belehrt werden, ihr Leben durch Gott verändern zu lassen, den alten Menschen abzulegen und den neuen Menschen anzuziehen, der nach Gottes Bild erschaffen ist und dessen Kennzeichen Gerechtigkeit und Heiligkeit sind, die sich auf die Wahrheit gründen. Dann wirkt Christus als das Haupt die Selbst-Auferbauung der Gemeinde durch die Liebe.

Predigt-Nachlese: Am Herrn festhalten!

Predigttext: Apostelgeschichte 11,18-26

Das passiert, wenn Menschen Jesus kennenlernen und Feuer und Flamme sind: Sie müssen es einfach jedem erzählen, der es hören will! So kam es, dass diese Männer aus Zypern und Kyrene die gute Nachricht auch an die götzendienerischen Heiden in Antiochia weitergaben, was vor ihnen noch keiner getan hatte. Und siehe da! Die Botschaft schlug ein und viele vertrauten auf Jesus als ihren Retter. Um diese “frischen” Gläubigen zu befestigen und zu lehren, wurde Barnabas aus Jerusalem geschickt, der dann den Paulus noch dazu holte.  Er machte allen Mut, dem Herrn mit ganzem Herzen treu zu bleiben … Ein ganzes Jahr lang waren sie mit der Gemeinde zusammen und unterwiesen viele Menschen im Glauben.

Um als Gläubige wirklich stabil zu werden, müssen wir wissen, was Gott uns eigentlich versprochen hat. Wenn wir falsche Erwartungen hegen und denken, wir haben jetzt einen Anspruch auf “das perfekte Leben”, weil wir alles für Jesus aufgegeben haben, dann werden wir uns irgendwann enttäuscht und deprimiert und vielleicht sogar zornig auf Gott wiederfinden.

Deswegen ist es wichtig, auf schwierige Zeiten vorbereitet zu sein. Uns ist nicht die Erfüllung unserer Wünsche verheißen, sondern Vergebung und Freiheit von der Macht der Sünde, um Gott zu dienen. Gott hat unser Gutes im Sinn, nämlich seinem Sohn ähnlich zu werden, und aus genau diesem Grund versagt er uns in seiner Weisheit viele Erhörungen unserer irdisch orientierten Gebete um den guten Job, die perfekte Beziehung, um Wohlstand und Gesundheit. Was er uns aber verspricht: Dass er uns in jeder Not genug ist, dass er uns nie aufgeben und verlassen wird, und dass der “zweite Tod” keine Macht über uns hat. Und das kann unsere Herzen mitten in Schwierigkeiten mit unsagbarer Freude erfüllen. Die Gottseligkeit mit Genügsamkeit aber ist ein großer Gewinn, heißt es in 1.Timotheus 6,6.

Treue zu Gott bedingt nicht immer einen guten Ausgang unserer Bedrängnisse, wie wir in Hebräer 11,35-39 (NEÜ) lesen: Andere dagegen, die auch Gott vertrauten, wurden zu Tode gefoltert. Sie wollten lieber sterben, als sich von Gott loszusagen und auf diese Weise freizukommen. Sie wollten eine bessere Auferstehung erhalten. Wieder andere ertrugen Spott und Auspeitschungen, Ketten und Gefängnis. Sie wurden gesteinigt, sie wurden zersägt und mit dem Schwert hingerichtet. Heimatlos zogen sie umher, in Schaf- und Ziegenfelle gehüllt, Not leidend, bedrängt, misshandelt …Als die drei Freunde Daniels in Nebukadnezars Ofen geworfen wurden, weil sie sein Bild nicht anbeten wollten, sagten sie: “Wenn es so sein soll — unser Gott, dem wir dienen, kann uns aus dem glühenden Feuerofen erretten, und er wird uns bestimmt aus deiner Hand erretten, o König! Und auch wenn es nicht so sein soll, so wisse, o König, dass wir deinen Göttern nicht dienen und auch das goldene Bild nicht anbeten werden, das du aufgestellt hast! “ (Daniel 3,17.18 NEÜ)

Gottes Pläne für unser Leben übersteigen unsere Vorstellungskraft, aber sie haben immer zwei Ziele: Seine Ehre und Verherrlichung und unser ultimatives Wohl. Und damit wir auch in Schwierigkeiten an seinen Verheißungen festhalten und ihn gerade dadurch verherrlichen können, hat er uns jede Menge Hilfe an die Hand gegeben.

  • Er hat uns freien Zutritt zu sich selbst  gegeben.
  • Er hat uns einen Vertreter gegeben, Jesus selbst, der als unser Hohepriester vor Gott steht, für uns eintritt und bittet.
  • Er hat uns sein Wort gegeben. An seinen festen Versprechungen können wir uns immer wieder aufrichten, Trost und Kraft schöpfen.
  • Und er hat uns die Gemeinschaft der Gläubigen gegeben, die für uns lebensnotwendig ist. Wir brauchen die Gemeinde, die Lehre durch Wort und Tat, die Ermutigung, das Gebet, das miteinander Tragen unserer Lasten – und auch die Ermahnung, wenn wir in Gefahr stehen, abzurutschen und mit der Welt zu flirten. Jeder hat seine schwachen Stellen und Momente und ist auf die anderen angewiesen.

So können wir Durststrecken überstehen, indem wir uns immer fester an Jesus klammern. Aber es ist wichtig, dass wir von Anfang an wissen, dass die Nachfolge Jesu kein Wellness-Programm ist. Das Ziel ist, dass wir Gott verherrlichen:

Denn die Gnade Gottes ist jetzt sichtbar geworden, um allen Menschen die Rettung zu bringen. Sie erzieht uns dazu, die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden zu verleugnen und besonnen, gerecht und mit Ehrfurcht vor Gott in der heutigen Welt zu leben, als Menschen, die auf die beglückende Erfüllung ihrer Hoffnung warten und auf das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Jesus Christus. Er hat sich für uns ausgeliefert, damit er uns von aller Gesetzlosigkeit loskaufen und sich ein reines Volk schaffen könne, das darauf brennt, Gutes zu tun. (Titus 2,11-14 NEÜ)

Predigt-Nachlese: Gnade für (andere) Sünder – und unsere Reaktion

Predigttext: Apostelgeschichte 11

Warum erzählt man etwas dreimal hintereinander? Wohl weil es um sehr einschneidende Dinge geht, die alles bisher Bekannte auf den Kopf stellen.

Diese Qualität hatten die Erlebnisse, die Petrus im 10. Kapitel der Apostelgeschichte machte. Gott rückte ihm mit einer Vision sein jüdisches Reinheitsdenken zurecht, weil ER vorhatte, auch Heiden als Kinder und Erben in sein Reich aufzunehmen. So wird zuerst erzählt, wie Gott sowohl Cornelius als auch Petrus auf dieses Neue vorbereitete. Dann folgt der Bericht, wie die beiden zusammentrafen und sich gegenseitig ihre Geschichten erzählten. Schließlich verkündigte Petrus Cornelius und seinen Freunden das Evangelium, und sie glaubten ihm. Gleichzeitig fiel der Geist Gottes auf sie, und Petrus musste staunend das Handeln Gottes anerkennen und taufte sie.

Soweit – so gut! Aber in Jerusalem gab es große Aufregung unter den dortigen Christen aus der Beschneidung. “Was? Petrus hat mit unreinen Heiden gewohnt und sogar mit ihnen Tischgemeinschaft gehabt? Das ist gegen das Gesetz! “ Als Petrus dort auftauchte, machten sie ihm ordentlich Stress. Zwar hatten sie selbst die Gnade Gottes gerne angenommen, aber sie waren immer noch dem alten Stolz verhaftet, dass sie als Israeliten über die Heiden erhaben wären, durch Gehorsam gegen die Gebote von ihnen abgehoben und getrennt. Ja, Gott hatte wohl gesagt, dass er auch die Heiden retten wollte, aber selbstverständlich müssten sie dann erst mal Juden werden und sich beschneiden lassen, und dann könnten sie den Messias annehmen!

Es ist so leicht (auch für uns!), zu vergessen, dass Gnade einfach Gnade ist, und nichts was wir erworben oder verdient haben! Nicht, was wir tun, macht uns besonders – was ER getan hat, macht uns besonders! Und deshalb gibt es nicht den geringsten Grund, sich über irgend jemand zu erheben, den Gott zu sich zieht, obwohl er nicht alles einhält, was wir für wichtig erachten.

So kam es, dass Petrus seine Geschichte noch einmal präsentierte. Sechs weitere Brüder, die Zeugen dieser Geschehnisse waren, konnten seine Worte bestätigen. So setzte er es den Kritikern der Reihe nach auseinander, bis sie sich beruhigten und feststellten: „Gott hat also auch den Nichtjuden die Umkehr zum Leben ermöglicht!“

Diese Einsicht war unerlässlich, damit der Missionsbefehl ausgeführt werden konnte  “bis an die Enden der Erde”, “allen Völkern”. Nachdem das geklärt ist, greift der Chronist Lukas wieder die Geschichte der Jünger auf, die durch die Verfolgung Jerusalem verlassen mussten und sich überall hin zerstreut hatten. Einige von ihnen waren nach Antiochia gekommen, eine der bedeutendsten Städte des römischen Reiches. Wichtige Handelswege kreuzten sich hier und brachten Wohlstand mit sich. Aber auch für Götzendienst und Unmoral war sie bekannt. Und diese Jünger, deren Namen uns nicht genannt werden, wagten etwas Neues. Bis jetzt hatten sie nur anderen Juden das Evangelium weitergesagt, aber nun erzählten sie es den Heiden – und die glaubten und bekehrten sich zu Jesus!

Es waren nicht nur eine Handvoll, die die Botschaft annahmen, sondern viele! Es war ein eindeutiges Wirken des Heiligen Geistes durch die Verkündigung dieser einfachen Jünger, von denen wir noch nicht einmal wissen, wie sie heißen. Die erste heidenchristliche Gemeinde entstand, und die Nachricht davon erreichte die Gemeinde in Jerusalem. Sie schicketn Barnabas, den Bruder, der dafür bekannt war, dass er die Gabe der Ermutigung hatte, und ein Mann voller Güte und Geduld und Glauben  und Heiligem Geist war.

Barnabas sah die Gnade – und freute sich ohne Abstriche! Er “war sehr glücklich, als er sah, was durch die Gnade Gottes entstanden war. Er machte allen Mut, dem Herrn mit ganzem Herzen treu zu bleiben.”

Nicht jeder kann sich über Gnade freuen. Die gute Nachricht zieht Sünder an, verzweifelte, kaputte Menschen, die nichts Gutes vorzuweisen haben in ihrem Leben. Nichts störte die Pharisäer mehr, als dass Jesus Sünder annahm! Deswegen erzählte er ihnen die Geschichte vom verlorenen Sohn. Ehe er eine Wiedergutmachung auch nur anbieten konnte, kam der Vater ihm schon entgegengerannt und schloss ihn in die Arme. Das ist der “Skandal” der Gnade, dass sie keine Vorleistung verlangt, und es gibt immer einen “älteren Bruder”, der es nicht ertragen kann, dass all seine guten Werke ihn nicht besser positionieren als einen begnadigten Sünder. Wir wollen aufpassen, dass wir immer auf dem Boden der Gnade stehen bleiben und nicht wieder auf Werke vertrauen.

Dann können wir uns freuen, wenn Gott nicht nur uns, sondern auch anderen vergibt: “Wer ist solch ein Gott wie du, / der dem Rest seines Eigentums / die Schuld vergibt und die Vergehen verzeiht! / Du hältst nicht für immer an deinem Zorn fest, / denn du liebst es, gnädig zu sein. Er wird wieder Erbarmen mit uns haben, / er wird niedertreten unsere Schuld! / Ja, du wirfst all unsere Sünden / in die Tiefen des Meeres hinab.” (Micha 7,18.19. NEÜ)