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Predigt-Nachlese: Gott gibt sich zu erkennen

Predigttext: Apostelgeschichte 17,16-34

Als Paulus sich in Athen aufhielt und auf Silas und Timotheus wartete, begegneten ihm Götterbilder auf Schritt und Tritt. Die Athener waren so religiöse Menschen – und so verloren! Es brach ihm das Herz.

Er ging nicht mehr nur in die Synagoge, um mit den Juden und gottesfürchtigen Griechen zu reden, sondern er begann, auch auf dem Marktplatz Menschen in Gespräche zu verwickeln. Die Athener waren einerseits sehr stolz auf ihre Kultur, die allerdings ihre Glanzzeit schon überschritten hatte, andererseits aber auch neugierig und aufgeschlossen, immer auf Neues erpicht und diskussonsfreudig. Da gab es neben anderen Philosophen die Epikureer und die Stoiker, die das Glück auf ihre jeweilige Weise suchten – die einen durch Lebensgenuss, die anderen durch Tugend und Pflichterfüllung. Für sie war Paulus, der in keine ihrer Schubladen passte, ein komischer Vogel. Andere merkten, dass es hier irgendwie um Gott oder Götter ging. Sie alle wollten gerne seine neue Lehre ihrem Markt der Ideen zufügen, und so luden sie ihn ein, ihnen zu erklären, um was es ihm ging.

So fand sich Paulus plötzlich mitten auf dem Areopag wieder. Er knüpfte an das an, was er beobachtet hatte: Ihr sucht die Antworten an vielen falschen Orten. Ich habe eure Heiligtümer betrachtet und einen Altar gesehen, der dem unbekannten Gott geweiht war. Ich sage euch jetzt, wer das ist! Tatsächlich hatten sie so einen Altar errichtet: Falls es einen Gott geben sollte, den sie nicht kannten, wollten sie  ihn nicht kränken – wer weiß, was er ihnen sonst antat und welche Plagen er über sie brächte!

Paulus legte ihnen nicht die Schrift aus, wie er es bei den Juden immer tat, denn die kannten sie ja gar nicht und hätten nichts damit anfangen können. Aber der Gott, von denen er ihnen erzählte, ist der Gott der Bibel. Er fasste die Schöpfungsgeschichte zusammen: Dieser Gott hat alles erschaffen. Er ist größer als alles, was Menschen gemacht haben. Er braucht nichts von uns, aber wir sind nichts ohne ihn. Er ist unser Ursprung, und deswegen haben wir zugleich die Sehnsucht und die Verantwortung, ihn zu suchen und zu ihm zurück zu finden. Die ganze Menschheit ist eine Familie, und es ist nur dieser eine Gott über ihr. Menschen können ihn nicht machen und nachbilden, aber er hat sich uns offenbart.

Dann sprach Paulus von Jesus. Er hat sicher mehr gesagt, als in unserem Text steht; es handelt sich hier nur um eine Zusammenfassung. Er sprach von dem Mann den Gott gesandt hat, der starb und auferweckt wurde, und der die ganze Welt richten wird. Von dem Anspruch Gottes, sich diesem Jesus unterzuordnen, seinen alleinigen Anspruch anzuerkennen. Er lässt sich nicht zu ihren Götzen hinzufügen, er verlangt Buße: Hinkehr zu ihm, Abkehr von allen anderen Heils-Hoffnungen.

Wie immer spaltete die Botschaft von Jesus die Zuhörer. Die einen spotteten. Die anderen mussten noch mal nachdenken und brauchten erst noch mehr Information. Die dritte Gruppe antwortete mit Glauben und schloss sich Paulus an.

Wir können von Paulus lernen, wie wir das Evangelium denen weitergeben können, die keine Vorkenntnisse haben: Wir knüpfen an ihr Verständnis an. Wir erschlagen sie nicht mit Bibelversen, aber in dem, was wir sagen, halten wir uns inhaltlich an die Heilige Schrift und folgen ihrer Chronologie. Wir verkünden die Gnade und den Anspruch Jesu. Es gibt keinen Weg an ihm vorbei. Durch ihn kennen wir Gott. Wer ihn hat, hat das Leben und braucht keinen anderen Götter mehr – der  sucht sein Heil weder bei Götzen aus Holz und Stein noch bei Ruhm, Geld oder Philosophie oder gar in sich selbst.

Predigt-Nachlese: Bedrängnis und Leid als “Normalzustand” der Christen

Predigttext: Apostelgeschichte 14

Das vorige Kapitel hat von der Predigt des Evangeliums in Antiochia in Pisidien erzählt: Wie es dort einschlug und welche Feindschaft dagegen entstand. Schließlich wurden Paulus und Barnabas von dort vertrieben und zogen weiter nach Ikonion. Und natürlich gingen sie auch dort in die Synagoge und gaben die gute Nachricht von der Gnade Gottes, die alle Menschen retten will, an Juden und Griechen weiter.

Es wiederholte sich dasselbe Muster an Reaktionen, die das Evangelium bis heute immer wieder provoziert: Die einen glauben und kehren um, die anderen lehnen es nicht nur ab, sondern suchen Verbündete in ihrem Kampf gegen die Wahrheit und entfalten einen unbändigen Hass dagegen. Auch hier beeinflussten die ungläubigen Juden die Heiden , indem sie ihre Gedanken vergifteten und sie aufhetzten. Die Stadt war gespalten, aber Paulus ließ sich davon wenig beeindrucken und schon gar nicht den Mund stopfen. Gott selbst drückte seiner Botschaft den Stempel auf, indem er Zeichen und Wunder geschehen ließ. Als aber offenbar wurde, dass das Pläne bestanden, sie zu misshandeln und zu töten, beschlossen Paulus und Barnabas zu fliehen. Sie waren zwar mutig, aber nicht leichtsinnig. Sie sahen auch in diesen Geschehnissen die Führung Gottes, der sie in weitere Städte führen wollte. War das nicht immer seine “Taktik”, um das Evangelium vorwärts zu treiben von Stadt zu Stadt und in die ganze Welt? Sie hatten nicht vor, ihre Verkündigung einzustellen, sie verlagerten sie nur nach Lystra und Derbe.

In Lystra geschah ihnen nun etwas völlig Verrücktes. Ein gelähmter Mann hörte das Evangelium und fasste Vertrauen in den Herrn. Als Paulus sah, dass er Glauben hatte, befahl er ihm, sich auf seine Füße zu stellen, und der Mann wurde sofort und völlig geheilt. Das begeisterte die Volksmenge, die allerdings ganz falsche Schlüsse zog. Paulus und Barnabas konnten nur Zeus und Hermes sein, Götter, die zu ihnen herabgekommen waren! Der Zeuspriester kam mit Stieren und Kränzen an und wollte sie feiern und ihnen opfern! Da die beiden Diener Gottes der lykaonischen Sprache nicht mächtig waren, dauerte es ein Weilchen, bis sie realisierten, was die Leute da vorhatten, und natürlich waren sie blank entsetzt! Paulus klärte sie auf, dass sie nichts weiter waren als ganz normale Menschen, und dass sein Ziel war, dass sie sich von ihren Götzen bekehrten zu dem einen wahren Gott, dem Schöpfer von Himmel und Erde. Wer immer meint, dass Wunder automatisch das Evangelium fördern und Glauben bewirken, wird hier eines Besseren belehrt. Zwar lieben die Menschen die Faszination des Übernatürlichen und die Sensation, aber dadurch lieben sie noch lange nicht die Wahrheit. Die selben Leute, die Paulus und Barnabas so ekstatisch feierten, ließen sich später auch für die Verfolgung dieser Männer Gottes gern begeistern.

Eine Delegation der Juden von Antiochia und Ikonion saß nämlich Paulus und Barnabas auf den Fersen. Sie hatten sich, von fanatischem Hass getrieben, auf den weiten Weg gemacht , um dieser Botschaft und ihren Boten ein Ende zu machen. Sie schafften es, die Menge aufzuwiegeln, bis sie Paulus steinigten (das war die Strafe für “Gotteslästerung”). Als es so aussah, als sei er tot, schleiften sie ihn auf den Müll – so jemand wurde nicht beerdigt, das erledigten die Hunde. Die neuen Jünger standen um ihn herum – da stand der Totgeglaubte auf. Und was tut er? Gesteinigt fühlt der Körper sich nicht so gut an! Aber Paulus hat einen Auftrag. Er geht noch einmal in die Stadt, und wir können nur vermuten, wo er vielleicht übernachtet hat, und wen er noch einmal treffen wollte.

Denn hier in Lystra ist er einem jungen Mann begegnet, auf dessen Leben er die Hand Gottes sah, und den er später sein geistliches Kind nennt. Timotheus hat von Anfang an mitbekommen, was eine “Karriere” im Reich Gottes bedeutet. Es hat ihn nicht abgeschreckt, sondern er hat verstanden: Es werden alle, die zu Jesus Christus gehören und so leben wollen, wie es Gott gefällt, mit Verfolgung rechnen müssen. Er hat an Paulus gesehen, dass es das wert war, und dass der Herr die Kraft gibt, durchzuhalten und weiterzumachen!

Am nächsten Tag verließen die beiden Missionare die Stadt und gingen nach Derbe. Dort machten sie weiter wie gehabt! Nach einer Weile kehrten sie aber zurück in die Städte, wo sie solche Verfolgung erlitten hatten, denn ihre Arbeit war noch nicht beendet. Sie mussten die jungen Christen noch unterweisen und ermutigen, die Gemeinden auf ein gesundes Fundament stellen und Leiter einsetzen. Was sie ihnen sagten, haben sie durch ihr Leben gezeigt: Wir müssen durch manche Bedrängnis hindurch, bevor wir in Gottes Reich einkehren. Es war ihnen wichtig, dass die Gläubigen das wussten und darauf vorbereitet waren. Und wir sollten das auch wissen!

Bin ich bereit, wie Paulus ein Vorbild im Leiden, Aushalten und Treubleiben zu sein und durch Leiden andere zu ermutigen? Das ist die Frage, die mich persönlich nach dieser Predigt bewegt.

Predigt-Nachlese: Eine gute Botschaft: Die Gnade Gottes ist erschienen!

Predigttext: Apostelgeschichte 13,14-41

Nachdem durch die Verfolgung Jerusalem für die ersten Christen kein sicherer Ort mehr war, verschob sich der Ausgangspunkt der Missionierung nach Kleinasien und zu Paulus. Er war ja mit Barnabas von der Gemeinde in Antiochia in Syrien ausgesandt worden, und nachdem sie zuvor Zypern, die Heimat von Barnabas, besucht hatten, zogen sie weiter und kamen schließlich nach Antiochia in Pisidien (Es gab in der Antike um die 20 Städte dieses Namens, die nach verschiedenen Herrschern mit Namen Antiochos benannt waren). Wie gewohnt, gingen sie dort am Sabbat in die Synagoge. Nun war Paulus zwar ein schriftgelehrter Rabbi, aber vermutlich an diesem Ort niemandem bekannt. Es war aber Sitte, Gäste aufzufordern, das Wort an die Versammlung zu richten, und so geschah es auch hier. Paulus folgte dieser Einladung, und die Ansprache, die er hielt, ist die erste aufgezeichnete Predigt, die wir von ihm haben. Wir können ihm sozusagen über die Schulter schauen, wie er den Anwesenden, Juden und gottesfürchtigen Heiden, das Evangelium entfaltet,  und von ihm lernen.

Sein Startpunkt ist die Erwählung Gottes. Gott hat sich Israel ausgesucht, dieses Volk, zu dem Paulus gehörte, das er so sehr liebte, und für dessen Rettung sein Herz brannte.  Gott war es, der sie erwählte, aus Ägypten führte, sie mit unendlicher Geduld ertrug auf ihrer Wüstenreise, das Land erben ließ … und ihnen schließlich einen König gab und nach der Verwerfung Sauls in David die königlich-messianische Linie etablierte. Ehe Paulus ihnen Jesus vorstellt, legt er das Fundament mit der Darstellung des souveränen Handelns Gottes in der Geschichte. Alles ist Gottes Werk und Rettungsplan. Er kumuliert in Jesus. In IHM ist die Gnade Gottes sichtbar geworden, um allen Menschen Heil und Rettung zu bringen.  Die Schlüsselaussage ist: Aus Davids Nachkommenschaft hat  Gott nach der Verheißung für Israel Jesus als Retter erweckt (Vers 23). Jesus ist der Gipfelpunkt der Geschichte (V.17-22), die Erfüllung aller Prophetie (V. 23-37) und der, der Sünder rechtfertigt (V.38-41).

Dann spricht Paulus von der Auferweckung Jesu. Sie ist Gottes Beglaubigungsstempel auf dem Erlösungswerk durch das Kreuz, und durch die Auferstehung wird seine Kraft für uns wirksam. Jetzt kann jeder zu ihm kommen, der einsieht, dass er er keine Chance hat außer Jesus. Der Versuch, das Gesetz zu halten, hat uns nichts gebracht. Er hat nur unser Versagen deutlich gemacht. Nun bietet uns Jesus Vergebung und Schuldenfreiheit ohne Gegenleistung an.

Aber abschließend hat Paulus noch eine Warnung für uns und seine Zuhörer.  Verachtet dieses Angebot nicht! Schiebt die Wahrheit nicht beiseite! Das Evangelium fordert eine Antwort, und diese Antwort hat Konsequenzen. Gnade ist unsere einzige Möglichkeit, die Beziehung zu Gott wieder herzustellen, und wer sie ablehnt, bleibt unter Gottes Gericht.

Predigt-Nachlese: Das Haus muss voll werden!

Predigttext: Lukas 14,15-24

Jesus war am Sabbat eingeladen bei der jüdischen High Society, in das Haus eines Ober-Pharisäers. Hier waren die Experten in puncto Gesetz versammelt, die, die alles richtig machten, und denen dafür (wie sie meinten) Ehre und Wohlstand zukam. Nicht weil sie ihn so nett fanden, hatten sie ihn eingeladen, sondern weil sie darauf lauerten, dass sie ihn bei einem Fehler erwischten, den sie gegen ihn verwenden konnten.

Er beobachtete sie und stellte fest, wie sie nach den Ehrenplätzen gierten, was offenbarte, um was es ihnen ging: Image und Position. Er forderte sie heraus und zeigte ihnen, wie dumm so ein Verhalten ist. Sie hielten es für selbstverständlich, dass sie auch im Reich Gottes zu Tisch sitzen würden. Das hatten sie sich ihrer Meinung nach verdient, denn sie hielten sich an alle Gesetze und Verordnungen, im Gegensatz zu denen, die sie für Abschaum hielten, und mit denen sie nichts zu tun haben wollten.

Nun erzählte Jesus eine Geschichte. Ein Gastgeber plant ein riesiges Bankett mit vielen Gästen. Im Orient war damals eine zweistufige Einladung üblich. Wenn man ein Fest feiern wollte, lud man die Leute ein und plante dann entsprechend ihrer Zusagen, kaufte ein, schlachtete Tiere etc. Wenn dann alles soweit zubereitet war, erging die 2. Einladung: Kommt jetzt, es ist alles fertig!

In Jesu Erzählung nun bereitet der Gastgeber das Mahl für die Geladenen; als es aber so weit ist, lassen sie ihn mit fadenscheinigen Ausreden hängen. Das war gegen alle Etikette und eine große  Beleidigung. Dass es nicht nur einer ist, der absagt, lässt eine Verschwörung vermuten, um das Fest zu torpedieren und dem Gastgeber eins auszuwischen. Zudem waren die Entschuldigungen einfach lachhaft. Wer schaut ein Stück Land an, nachdem er es gekauft hat? Wer probiert die Ochsen aus nach dem Erwerb? Jeder Mensch mit Verstand würde das vorher tun. Und man heiratet normalerweise auch nicht so spontan, dass man es bei der ursprünglichen Einladung nicht schon gewusst hätte. So ist der Zorn des öffentlich zur Schau gestellten Gastgebers nur zu verständlich. Aber wenn die Geladenen auch nicht kommen – das Essen ist bereit, und Gäste wird er haben! Und seine neue Gästeliste entspricht der, die Jesus schon vorher den Pharisäern empfohlen hatte: Lahme, Blinde, Krüppel, Arme. Sie haben keinen Besitz, der sie abhalten könnte, und wenn sie etwas erschreckt und ungläubig reagieren, so werden sie herein genötigt. Der Knecht, der sie ins Haus bringt, hat das Herz seines Herrn verstanden. Er stellt fest, dass noch Plätze frei sind und sagt zu ihm: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast, aber es ist noch Platz für weitere Gäste! Und so geht die Einladung in die nächste Runde, diesmal außerhalb der Stadt, wo alle die Ausgestoßenen leben, die man im Stadtgebiet nicht haben will. Auch sie sollen genötigt werden. Ein Nein aus höflicher Zurückhaltung ist nicht akzeptabel. Das Haus muss voll werden!

Das eine sage ich euch: Keiner von denen, die ich zuerst eingeladen hatte, wird an meinen Tisch kommen! Dieses Fazit des Hausherrn drückt sowohl seinen tiefen Schmerz über die Ablehnung aus als auch seinen berechtigten Zorn über diese Kränkung. So lehnte die Elite Israels die Einladung zur Gnade Gottes durch Jesus ab. Er kam in sein Eigentum, aber sein Volk wollte nichts von ihm wissen (Johannes 1,11 NEÜ). Doch allen, die ihn aufnahmen, die an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden. (V12) Das waren die, die sich ihrer Unwürdigkeit bewusst waren, die sich nach der Gnade sehnten, die “Zöllner und Sünder”. Paulus erinnert die Korinther: Denkt einmal an das, was ihr vor eurer Berufung wart, liebe Geschwister! Da gab es nicht viele, die nach menschlichen Maßstäben weise, einflussreich oder prominent gewesen wären, sondern Gott hat das ausgewählt, was nach dem Maßstab der Welt einfältig und schwach ist – um die Weisen und Mächtigen zu beschämen. Er erwählte das, was in der Welt als niedrig und bedeutungslos gilt; das, was für sie nichts zählt, um das, was für sie zählt, zunichte zu machen (1.Korinther1,26-28 NEÜ). Und schließlich hat Gott auch die Heiden in sein Reich eingeladen, die in den Augen frommer Juden gar kein Anrecht darauf hatten, die – im Bild gesprochen – außerhalb der Stadt ein gottentfremdetes Leben führten.

Gott ist es ernst damit, dass sein Haus voll werden soll. Er wartet immer noch, bis alle seine Gäste Platz genommen haben. Er hat Geduld mit euch, denn er will nicht, dass irgendjemand ins Verderben geht, sondern dass alle Gelegenheit haben, zu ihm umzukehren  (2.Petrus 3,9 NEÜ). Wir sind seine Knechte, die alle mit  Dringlichkeit hereinnötigen sollen. Wer an den Sohn glaubt, wer ihm vertraut, hat ewiges Leben.  Das ist die Einladung. Wer dem Sohn aber nicht gehorcht, wird das ewige Leben nie zu sehen bekommen, denn Gottes Zorn wird auf ihm bleiben (Johannes 3,36 NEÜ). Das Gericht ist die ernüchternde Kehrseite von Gottes großer Barmherzigkeit.

Wirst du die Einladung annehmen?

Predigt-Nachlese: Gnade für (andere) Sünder – und unsere Reaktion

Predigttext: Apostelgeschichte 11

Warum erzählt man etwas dreimal hintereinander? Wohl weil es um sehr einschneidende Dinge geht, die alles bisher Bekannte auf den Kopf stellen.

Diese Qualität hatten die Erlebnisse, die Petrus im 10. Kapitel der Apostelgeschichte machte. Gott rückte ihm mit einer Vision sein jüdisches Reinheitsdenken zurecht, weil ER vorhatte, auch Heiden als Kinder und Erben in sein Reich aufzunehmen. So wird zuerst erzählt, wie Gott sowohl Cornelius als auch Petrus auf dieses Neue vorbereitete. Dann folgt der Bericht, wie die beiden zusammentrafen und sich gegenseitig ihre Geschichten erzählten. Schließlich verkündigte Petrus Cornelius und seinen Freunden das Evangelium, und sie glaubten ihm. Gleichzeitig fiel der Geist Gottes auf sie, und Petrus musste staunend das Handeln Gottes anerkennen und taufte sie.

Soweit – so gut! Aber in Jerusalem gab es große Aufregung unter den dortigen Christen aus der Beschneidung. “Was? Petrus hat mit unreinen Heiden gewohnt und sogar mit ihnen Tischgemeinschaft gehabt? Das ist gegen das Gesetz! “ Als Petrus dort auftauchte, machten sie ihm ordentlich Stress. Zwar hatten sie selbst die Gnade Gottes gerne angenommen, aber sie waren immer noch dem alten Stolz verhaftet, dass sie als Israeliten über die Heiden erhaben wären, durch Gehorsam gegen die Gebote von ihnen abgehoben und getrennt. Ja, Gott hatte wohl gesagt, dass er auch die Heiden retten wollte, aber selbstverständlich müssten sie dann erst mal Juden werden und sich beschneiden lassen, und dann könnten sie den Messias annehmen!

Es ist so leicht (auch für uns!), zu vergessen, dass Gnade einfach Gnade ist, und nichts was wir erworben oder verdient haben! Nicht, was wir tun, macht uns besonders – was ER getan hat, macht uns besonders! Und deshalb gibt es nicht den geringsten Grund, sich über irgend jemand zu erheben, den Gott zu sich zieht, obwohl er nicht alles einhält, was wir für wichtig erachten.

So kam es, dass Petrus seine Geschichte noch einmal präsentierte. Sechs weitere Brüder, die Zeugen dieser Geschehnisse waren, konnten seine Worte bestätigen. So setzte er es den Kritikern der Reihe nach auseinander, bis sie sich beruhigten und feststellten: „Gott hat also auch den Nichtjuden die Umkehr zum Leben ermöglicht!“

Diese Einsicht war unerlässlich, damit der Missionsbefehl ausgeführt werden konnte  “bis an die Enden der Erde”, “allen Völkern”. Nachdem das geklärt ist, greift der Chronist Lukas wieder die Geschichte der Jünger auf, die durch die Verfolgung Jerusalem verlassen mussten und sich überall hin zerstreut hatten. Einige von ihnen waren nach Antiochia gekommen, eine der bedeutendsten Städte des römischen Reiches. Wichtige Handelswege kreuzten sich hier und brachten Wohlstand mit sich. Aber auch für Götzendienst und Unmoral war sie bekannt. Und diese Jünger, deren Namen uns nicht genannt werden, wagten etwas Neues. Bis jetzt hatten sie nur anderen Juden das Evangelium weitergesagt, aber nun erzählten sie es den Heiden – und die glaubten und bekehrten sich zu Jesus!

Es waren nicht nur eine Handvoll, die die Botschaft annahmen, sondern viele! Es war ein eindeutiges Wirken des Heiligen Geistes durch die Verkündigung dieser einfachen Jünger, von denen wir noch nicht einmal wissen, wie sie heißen. Die erste heidenchristliche Gemeinde entstand, und die Nachricht davon erreichte die Gemeinde in Jerusalem. Sie schicketn Barnabas, den Bruder, der dafür bekannt war, dass er die Gabe der Ermutigung hatte, und ein Mann voller Güte und Geduld und Glauben  und Heiligem Geist war.

Barnabas sah die Gnade – und freute sich ohne Abstriche! Er “war sehr glücklich, als er sah, was durch die Gnade Gottes entstanden war. Er machte allen Mut, dem Herrn mit ganzem Herzen treu zu bleiben.”

Nicht jeder kann sich über Gnade freuen. Die gute Nachricht zieht Sünder an, verzweifelte, kaputte Menschen, die nichts Gutes vorzuweisen haben in ihrem Leben. Nichts störte die Pharisäer mehr, als dass Jesus Sünder annahm! Deswegen erzählte er ihnen die Geschichte vom verlorenen Sohn. Ehe er eine Wiedergutmachung auch nur anbieten konnte, kam der Vater ihm schon entgegengerannt und schloss ihn in die Arme. Das ist der “Skandal” der Gnade, dass sie keine Vorleistung verlangt, und es gibt immer einen “älteren Bruder”, der es nicht ertragen kann, dass all seine guten Werke ihn nicht besser positionieren als einen begnadigten Sünder. Wir wollen aufpassen, dass wir immer auf dem Boden der Gnade stehen bleiben und nicht wieder auf Werke vertrauen.

Dann können wir uns freuen, wenn Gott nicht nur uns, sondern auch anderen vergibt: “Wer ist solch ein Gott wie du, / der dem Rest seines Eigentums / die Schuld vergibt und die Vergehen verzeiht! / Du hältst nicht für immer an deinem Zorn fest, / denn du liebst es, gnädig zu sein. Er wird wieder Erbarmen mit uns haben, / er wird niedertreten unsere Schuld! / Ja, du wirfst all unsere Sünden / in die Tiefen des Meeres hinab.” (Micha 7,18.19. NEÜ)