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Predigt-Nachlese: Religiosität oder Christus- Glaube?

Normalerweise schreibe ich die Predigt-Nachlese am liebsten, wenn alles noch frisch in meinem Kopf ist. Das hat diese Woche umständehalber nicht geklappt. Als ich nun heute den Text in Apostelgeschichte 7,51-60 und 8,1-8 mitsamt meinen Notizen nochmal durchging, hat sich mir vor allem aufgedrängt, wie sich in diesem Abschnitt der Unterschied zwischen Religiosität und echtem Glauben darstellt. Die Personen, an denen man das studieren kann, sind auf der einen Seite der sog. Hohe Rat und Saulus, und auf der anderen Seite Stephanus und Philippus. Ich hab das mal wie folgt geordnet:

Religiosität Christus-Glaube
Was wird verehrt? Die Verehrung gilt einem Regelwerk und letztlich dem eigenen Ich, das in seinem Stolz meint, Gott durch das Einhalten von Gesetzen beeindrucken zu können

 

Die Verehrung gilt dem Gott, der der Urheber des Alten Testamentes ist, und seinem Christus.
Zustand des Herzens Das “unbeschnittene Herz” ist trotz aller äußeren Frömmigkeit hart gegen die Wahrheit und rebelliert, wenn der Heilige Geist überführt Das Herz ist bereit, die Wahrheit anzuerkennen, Vergebung anzunehmen und Buße zu tun

 

Einstellung zum Wort Gottes Geistliche Blindheit hindert sie, das Alte Testament zu verstehen Für sie spricht das ganze Alte Testament  von Christus; Josef und Moses z.B. sind  Bilder auf den verworfenen Retter; die Prophezeiungen sind eindeutig

 

Einstellung gegenüber dem Gegner Hass, Verfolgung und Mord Vergebung und Segen

 

Resultate Verwüstung, Gefangenschaft und Tod Heilung und Befreiung, geistliche Fruchtbarkeit, große Freude

 

Ein Seitenwechsel ist möglich, wie man an Saulus sieht, der später Jesus begegnet und zum Paulus wird. Und wie kommt man von hier nach da? Indem man erkennt, dass man vor Gott ein verlorener Sünder ist, der sich selbst nicht helfen kann. Wenn Stolz und Selbstgerechtigkeit zerbrochen sind, dann ist die gute Botschaft, dass Jesus für meine Sünden gestorben ist, wie Wasser für einen Verdurstenden. Da stürzt man sich drauf, und dann wird es nicht anders sein als es in Vers 8 heißt: Es herrschte große Freude in der Stadt.

Predigt-Nachlese: Glauben oder Werke?

Text: Galater 2, Römer 3, 19-31

Der Brief von Paulus an die Galater ist “schwer verdaulich.” Der Apostel ist so ganz und gar nicht begeistert von dem, was sich da unter ihnen ausgebreitet hat, dass ihm die sonst üblichen freundlichen Worte fehlen. Er kann sie nicht loben. Er sieht, wie sie den Rückwärtsgang einlegen: Das, was sein altes Leben bestimmt hat, bevor er Christus begegnete, das wollen sie jetzt wieder einführen!

Die Frage, die sie falsch beantwortet hatten, ist diese: Wenn wir vor Gott dem Richter stehen – was bewirkt unseren Freispruch? Er hatte ihnen die richtige Antwort  verkündigt, und jetzt ist sie ihnen nicht mehr genug. Sie wollen das Gesetz wieder einführen. Schließlich muss der Mensch doch auch was beitragen, um vor Gott gut dazustehen, oder?

Ein völlig hoffnungsloser Ansatz, meint Paulus. Haben wir das nicht schon erfolglos ausprobiert? Wir wissen, dass kein Mensch vor Gott bestehen kann, wenn er versucht das Gesetz zu halten. Bestehen kann er nur durch den Glauben an Jesus Christus. Darum haben wir ja Christus vertraut, um durch den Glauben an ihn bei Gott angenommen zu werden – und nicht durch Erfüllung des Gesetzes. Kein Mensch kann durch Gesetzeserfüllung die Gerechtigkeit erreichen, die vor Gott gilt.

Als im 15. und 16. Jahrhundert diese lang verschüttete Wahrheit wieder entdeckt und am durchdringendsten durch Martin Luther proklamiert wurde, haben viele sie mit ihrem Blut besiegelt – denken wir an John Wyclif, Johannes Hus, die Hugenotten und viele andere.  Der Teufel kann diese Wahrheit nicht leiden! Wer sie über Bord wirft, spuckt auf das Opfer dieser Menschen.

Hat nun das Gesetz gar keinen Sinn und keine Funktion? Für was ist es denn dann überhaupt gegeben worden?

Das Gesetz führt dazu, dass man seine Sünde erkennt, sagt Paulus in Römer 3,20. Es stopft uns unser “Ich bin ein guter Mensch und besser als die andern”-Großmaul. Es überführt uns davon, dass wir verloren sind und einen Retter brauchen. Wir erkennen, wie dunkel unsere Nacht ist – umso heller scheint uns Jesus und sein Evangelium der Gnade.

Nicht dass wir durch unsere Schuld vor Gott zum Tod verurteilt sind, ist unser Problem – denn dafür starb Jesus an unserer Stelle –, sondern dass wir meinen, gut genug zu sein und keinen Retter zu brauchen, es selber zu schaffen, stolz auf uns sein zu können. Um uns da zu desillusionieren, hält uns das Gesetz Gottes einen heilsamen Spiegel vor. Kann man da noch selbst auf etwas stolz sein? fragt der Apostel. Das ist ausgeschlossen. Wir sind völlig auf die Gnade geworfen, die Gott uns durch Jesus anbietet. Wir können nichts tun. Wir sind wurzeltief schlecht.

Aber halt! Steht nicht im Jakobusbrief: Der Glaube ohne Werke ist tot?  Durchaus, aber man muss diese Aussage im Zusammenhang lesen. Wenn wir echten Glauben haben, wird sich das in unserem Leben auswirken. Die Bibel hat ein Wort dafür: Frucht. Wer sich mit seiner ganzen Existenz auf Jesus als seinen Retter verlässt, dessen Leben verändert sich. Wie eine Rebe am Weinstock nichts “tut” als eben eine Rebe zu sein, nämlich verbunden mit dem Stamm und aus der Kraft dieses Stammes lebend, so kommt die Kraft des Christen aus Jesus und sein Leben bringt immer mehr hervor, was Gott gefällt (vgl. Johannes 15). Nicht, indem wir versuchen, gut und besser zu werden, kommen wir dahin, sondern indem wir die Nähe Jesu suchen, uns auf ihn verlassen, auf ihn hören.

Euer Leben wird dann als Frucht alle Art von guten Werken hervorbringen, und ihr werdet Gott immer besser verstehen. (Kolosser 1,10)

 

Predigt-Nachlese: Kein anderes Evangelium!

Predigttext: Galater 1,1-10

Während der Philipperbrief nur so vibriert von der Freude des Apostels Paulus über die Gemeinde, schlägt der Brief an die Galater einen ganz anderen Ton an. In die dortigen Gemeinden waren Judaisten eingedrungen und hatten die Gläubigen erfolgreich verwirrt. Ihre Lehre war im Wesentlichen: So einfach ist das mit der Gnade Gottes nicht! Wenn du Christ werden willst, dann werde erst mal Jude, lass dich beschneiden, halte die Gebote, die Sabbate und Festzeiten! Darüber war Paulus im höchsten Maß alarmiert.

Im 1. Vers führt er sich ein als einen von Gott berufenen und autorisierten Apostel. Er war ja nicht Teil der Zwölf, die Jesus persönlich ausgesucht hatte, als er auf der Erde war, und doch wurde auch er nicht von Menschen, sondern von Gott in diesen Dienst eingesetzt. Dieses Prinzip gilt übrigens für alle geistlichen Ämter: Gott beruft und begabt, und normalerweise werden diese Gaben in der Gemeinde sichtbar, von reifen Leitern gefördert und begleitet und  zum Dienst eingesetzt. Kein Bibelschul- oder Universitätsabschluss ist eine geistliche Qualifikation, die jemand zum Hirten einer Gemeinde macht!

Was Paulus den Galatern wünscht, ist Gnade und Frieden. Ihr Verwerfen der freien Gnade zugunsten des Gesetzes hatte Unfrieden unter sie gesät. Wo nicht mehr die Gnade regiert, kommt es zu eifersüchtigem Vergleichen: Wer von uns ist besser?  Gnade von Gott, dem Vater – das ist die Sicht von Gott, die die Galater brauchen! Wer Gott als Vater kennt, der muss sich nicht beweisen und nicht fürchten; er kann sich ganz abhängig machen, weil er sich beschützt, versorgt, geliebt und getragen weiß. Das freilich entbindet uns nicht vom Gehorsam gegen unseren HERRN Jesus Christus. Er hat uns durch sein Blut erkauft und uns seine Liebe so sehr bewiesen, dass wir uns ihm freiwillig unterordnen, weil wir ihm vertrauen. Wir wissen, dass er es viel besser macht, als wenn wir auf unserem “Selbstbestimmungsrecht” bestehen!

Wenn nun Jesus durch sein Blut eine vollkommene Erlösung erwirkt hat- warum wendet ihr euch einem anderen “Evangelium” zu? fragt Paulus. Warum habt ihr es verbogen in ein Arbeiten für eure Erlösung?

Jetzt wird er richtig scharf im Ton: “Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch etwas anderes als Evangelium verkündigen würden als das, was wir euch verkündigt haben, der sei verflucht!” Und er wiederholt seine Aussage, um ihr Nachdruck zu verleihen. Dass Paulus oder die Apostel oder ein Engel Gottes je etwas anderes verkündigen würden, ist natürlich hypothetisch und soll nur unterstreichen, wie unveränderlich das Evangelium ist. Dass allerdings der Satan sich als Engel des Lichts verkleidet, steht nicht nur geschrieben, sondern hat auch tatsächlich zu falschen Engelerscheinungen und “Neuoffenbarungen” geführt. So entstand u.a. der Islam und die Lehre der Mormonen. Hier wird aber klar bezeugt, dass es keine neuen Offenbarungen über den Weg zum Heil geben kann; das Wort Gottes ist abgeschlossen und für immer die unveränderliche Grundlage unseres Glaubens. Wir können es auch nicht anpassen an menschliche Meinungen oder Wünsche. Alles darin gilt immer noch: Gott ist Richter und Retter; er verspricht uns Rettung aus Glauben auf Grund des Opfers Jesu- und nicht Wohlstand  und unbegrenzte Gesundheit. Seine Meinung über das was Sünde ist, hat er auch noch nie geändert, auch wenn unsere Kultur z.B. Homosexualität und Unzucht (neben vielem anderen) anders bewertet als er. Wir sind als Diener Gottes unseren Mitmenschen die Wahrheit schuldig, aber wir sagen sie – wie Gott selbst auch- aus Liebe, und weil wir uns wünschen, dass sie umkehren und heil werden. Wir können uns nicht danach richten, was jemand nun gerne hören will, und aus Menschengefälligkeit die Wahrheit abändern oder unter den Teppich kehren. Sie hängt auch nicht davon ab, ob wir sie verstehen oder ob sie uns behagt; wir müssen uns ihr anpassen und nicht umgekehrt.

So ist der Galaterbrief kein “netter”, aber ein unvermeidlicher Brief, durch den unser liebender himmlischer Vater uns vor Irrwegen schützen will.

Das tat er für mich

Wolltest du meine Fehler beachten,
müsst ich verzweifeln, doch du bist mir gut.
Du hast beschlossen, ein Lamm mir zu schlachten,
das mich erlöst durch sein Blut.

Jesus, du stelltest dich zur Verfügung,
du warst bereit, das Lamm Gottes zu sein,
gabst auf den Himmel und jede Vergnügung,
um Gott gehorsam zu sein.

Ludst meine Lasten dir auf deinen Rücken.
All meine Sünden und all meinen Fluch –
du warst bereit, dich darunter zu bücken,
wie prophezeit durch das Buch.

Gottes Zorn hat sich auf dich entladen,
gänzlich verlassen hingst dort du am Holz,
trugst meinen ganzen verzweifelten Schaden.
Das zerbricht all meinen Stolz.

Nun ist der schwere Vorhang zerrissen!
Ich hüpf vor Gott wie ein fröhliches Kind,
hab durch dein Blut ein ganz reines Gewissen,
Leben, das nie mehr zerrinnt.

Du und ich, uns kann jetzt nichts mehr trennen,
denn ohne dich kann ich gar nicht mehr sein.
Ich möchte dich vor den Menschen bekennen:
Ich bin für immer dein.

Predigt-Nachlese: Der Heilige Geist in Aktion

Predigttext: Apostelgeschichte 2,14-39

Was für eine wunderbare Situation, wenn Gott die volle Aufmerksamkeit aller Anwesenden hat! Es waren gerade bemerkenswerte Dinge passiert: Ein Brausen wie von einem gewaltigen Sturmwind, die Erscheinung von Feuerzungen auf den Gläubigen, und schließlich der Lobpreis Gottes in allen Sprachen der Zuhörer, deren aber die Sprechenden eigentlich nicht mächtig sein konnten, da sie einfache (heute würde man sagen: “bildungsferne”) Leute waren. Die Menschen waren erschreckt und verwirrt. Was in aller Welt war das alles? Was hatte das zu bedeuten? Ein paar Spötter hatten gleich eine Erklärung parat: Die sind hier wohl um die Uhrzeit schon betrunken!

So viele fragende Menschen, die dem Wirken Gottes beiwohnen, ohne es zu verstehen und einordnen zu können! Petrus erkennt die Gelegenheit, und erhebt sich spontan und predigt die erste christliche Predigt in der Geschichte (und alle weiteren müssen sich an ihr messen lassen). Ist das der Mann, der vor kurzem noch vor einem Dienstmädchen zitterte und log? Jetzt erfüllt ihn der Heilige Geist so ganz und gar, dass für Angst einfach kein Platz mehr bleibt.

Das Sprachenreden hat inzwischen aufgehört. Es war nur das Intro, um der Verkündigung von Christus den Weg in die Herzen zu ebnen. Es gibt Petrus die Möglichkeit, das Erfahrene durch die Heilige Schrift zu interpretieren: Leute, das ist das, was der Prophet Joel vorausgesagt hat. Wir sind in die Zeit der Erfüllung der messianischen Verheißungen eingetreten. Voller Kühnheit steht Petrus vor diesen Menschen, die noch vor ein paar Wochen an der Kreuzigung seines Herrn beteiligt gewesen sind, und weist an Hand des Alten Testamentes nach: Dieser Mann war der von Gott gesandte König.

Niemand kommt auf die Idee, dass die Nüchternheit dieser “Bibelarbeit” etwa den Geist dämpfen würde. Nein, jetzt tritt der Heilige Geist erst richtig in Aktion! Er gibt Petrus die Autorität zu fordern:

“So soll nun jedermann in Israel sicher wissen, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat!”

Das ist nicht mehr der alte Petrus mit den guten Absichten und der schlechten Performance…..das ist Gott selbst in ihm, der hier durch ihn redet. Und wir können das Wirken des Heiligen Geistes beobachten, wie er genau das tut, was Jesus versprochen hat:

Die Wahrheit bohrt sich in die Herzen, und es gibt kein Ausweichen mehr. Sie erkennen, dass sie für das, was sie getan haben, dem Gericht Gottes verfallen sind. Sie können nicht weiterleben wie bisher! Und sie fragen: Was sollen wir tun?

Petrus sagt nicht: Werdet religiös, schließt euch der Kirche an, tut gute Werke! Er befiehlt ihnen: Seht ein, dass ihr Sünder seid! Lasst eure Selbstgerechtigkeit, euren Stolz, euer falsches Weltbild sausen! Bekennt eure Sünden, und euch wird vergeben! Bindet euer Leben an diesen Jesus und zeigt durch die Taufe, dass ihr unwiderruflich auf seinem Weg gehen wollt!

An diesem Tag nehmen 3000 Menschen seine Worte an, werden in ihrem Herzen erneuert, so wie Hesekiel es im Alten Testament beschrieben hat, und lassen sich taufen.

Seit Pfingsten ist das die Botschaft der Gemeinde Jesu. Der Heilige Geist selbst bezeugt sie durch uns, und alle Manifestationen des Geistes dienen immer dem einen Ziel: Dass Menschen Jesus als Herrn und Retter erkennen und von ihren Sünden überführt und verändert werden. Damit diese Botschaft ihre Wirkung entfaltet, brauchen wir mehr als menschliche Kraft. Wir müssen uns – immer wieder neu – vom Heiligen Geist erfüllen lassen.