Die Predigt handelte heute von der Auferstehung des Lazarus. Zum Hauptstrom der Geschichte habe ich aus dem Archiv den Post “Gottes perfektes Timing” ausgegraben, der vieles wiedergibt, was wir heute gehört haben. Bitte nachlesen! Ich möchte aber einiges hinzufügen, was mich heute besonders berührt hat.
Ich kenne diese Erfahrung so gut, die Martha und Maria gemacht haben: Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung und keine Vorstellung, was Gott jetzt noch tun könnte. Man weiß, man sollte auf Jesus schauen, aber was heißt das überhaupt konkret? Klar kann er alles. Das wusste Martha auch: “Ich weiß, dass er auferstehen wird am letzten Tag.” Aber jetzt? Was kann jetzt noch kommen?
Ich finde es so wunderbar, dass Jesus den Schwestern keinen Vorwurf macht, weil sie das trotz ihres Glaubens an ihn gerade nicht sehen können. Dass er Mitleid mit ihnen hat und ihre Not mitfühlt. Er hält sogar Marthas unqualifizierten Einwurf aus, als er befiehlt, das Grab zu öffnen: “Herr, er riecht schon!” Er handelt trotzdem in Vollmacht und offenbart ihnen dadurch die Kraft und Barmherzigkeit des Vaters, dessen Abdruck und Abglanz er ist.
So ist mein Gott! Wenn ich keine Perspektive mehr habe, hat er immer noch was “im Ärmel”. Er ist niemals ratlos. Er ändert die Situation, oder er ändert mich und meinen Blick auf die Situation. Und das alles tut er aus lauter Gnade, denn wenn es von meinem theologischen Verständnis oder meiner Glaubenskraft abhinge, dann wäre ich verloren! Aber er hat mich nie im Stich gelassen, und er wird das nie tun! Er hat es versprochen.
Und noch ein Gedanke hat mich sehr ermutigt: Zu wissen, dass Jesus die Auferstehung und das Leben ist, gibt mir auf jegliche “Katastrophen” dieses Lebens eine ganz andere Sicht. Denn ich bin mit ihm so fest eins und verbunden, dass mein ewiges Leben sicher ist. Was immer kommen mag – so schlimm kann es nie werden, dass ich das verliere! Ich werdesein, wo er ist!
Dass man Gott gehorchen muss, steht außer Frage. Eben weil er Gott ist, hat er Anspruch darauf.
Es gibt aber zwei Arten von Gehorsam. Man kann gehorchen wie ein Sklave: Er muss. Er fügt sich ins Unvermeidliche. Die Furcht vor Strafe lässt ihn ständig zittern. So zu gehorchen, ist freudlos und schwerer als Holzhacken. Es geht eigentlich gar nicht, deswegen betrügt man ständig, bevorzugt sich selbst.
Oder man kann aus kindlichem Vertrauen gehorchen. Da ist ein Größerer und Stärkerer, der weiß es besser als ich. Der meint es gut mit mir und wird mir nichts Böses tun. Auch wenn das Gehorchen vielleicht weh tut, ist es das Beste für mich. Er verlangt von mir keine sinnlosen Sachen. Das war der Gehorsam Abrahams, als Gott ihn bat, seinen Sohn zu opfern. Er war sich sicher, dass das nicht einfach Schikane war, sondern dass Gott sich was dabei dachte. Leicht war es trotzdem nicht.
Wenn Kinder so vertrauen und gehorchen, machen sie ihre Eltern glücklich. Mit Gott und uns ist das nicht anders. Wie wir gehorchen, sagt etwas darüber aus, was wir von Gott halten. Sklavischer Gehorsam zeigt ihn als fordernden Tyrannen, Gehorsam aus Vertrauen als einen liebenden Vater.
Der Geist, den ihr empfangen habt, macht euch ja nicht wieder zu Sklaven, dass ihr wie früher in Furcht leben müsstet. Nein, ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Kindern Gottes macht, den Geist, in dem wir „Abba!“, Vater, zu Gott sagen. (Römer 8,15)
“Wir sind frei vom Gesetz,” sagen die Liberalen ,”wir können tun und lassen, was wir wollen, und die Gnade ist uns sicher.” “Von wegen,” sagen die Konservativen, “Jesus hat gesagt, dass am Gesetz kein Abstrich gemacht werden darf! Er ist gekommen, um das Gesetz zu erfüllen! So leicht können wir es uns nicht machen.”
Wer hat nun recht?
Alle Christen sind sich eigentlich einig, dass wir Sünder sind und das Gesetz Gottes nicht halten können. Deswegen ist Jesus gestorben. Wir kommen zu ihm und bitten um Vergebung. Aber dann – wie geht es weiter? Müssen wir uns danach nicht anstrengen, jetzt besser zu leben?
Nachdem nun unser Gott-loses, ichsüchtiges Leben (in biblischer Terminologie der alte Mensch oder das Fleisch mit seinen Begierden und Lüsten) am Kreuz hingerichtet ist, gibt Gott uns seinen Geist für ein neues Leben. So wie der Tod Jesu unser Tod war, so wird jetzt sein Leben unser Leben. Jesus wird also kein “Zubehör” in unserem Leben, sondern der, von dem alles ausgeht und der alles bestimmt. In der Praxis unseres Lebens ist das zuerst eine Grundentscheidung und dann ein wachstümlicher Prozess: Immer weniger Ich und immer mehr Er.
Dabei besteht immer die Gefahr, vor der uns der Galaterbrief warnen will: Dass wir vergessen, dass sowohl unsere Errettung als auch unsere Heiligung nicht unser Werk sind. Wir können Gott nichts bringen; wir sind immer auf der Empfängerseite und zu 100% auf den Tod Jesu für uns und sein Leben in uns angewiesen.
Sie mag vielleicht 14 oder 15 Jahre alt gewesen sein, fast noch ein Kind an der Schwelle zum Erwachsensein und nach der Sitte ihrer Zeit schon verlobt. Da kommt der Engel mit seiner aufwühlenden Botschaft zu ihr, die wie ein Erdbeben all die vorgezeichneten Bahnen ihres Lebens plötzlich in Fragezeichen verwandelt. Sie wird schwanger werden, aber nicht durch einen Menschen, sondern durch den Heiligen Geist. Sie wird den Sohn des Höchsten, den Messias, zur Welt bringen. In kurzer Zeit durchläuft sie alle erdenklichen Gemütszustände: Bestürzung, Verwirrung, Ergebung, Freude! Und die demütige Frage: Warum ich? Wie komme ich, Maria, unbedeutend, arm und sündig, zu der Erfüllung aller Verheißungen an mein Volk?
Aber Gott lässt seine jugendliche Dienerin geistlich und emotional nicht allein mit dieser Sache. Er stellt ihr jemand zur Seite, eine ältere Verwandte, die ihr in der Erfahrung der Wunder Gottes ein kleines Stück voraus ist, genaugenommen um 6 Monate. Aber wie hart das Leben sein kann, wie man sich an Gott klammern und ihn auch in den dunklen Tälern und ausweglosen Fragen kennenlernen kann, darin hat Elisabeth schon viel länger Übung.
So schickt der Engel selbst Maria auf die lange Reise zu ihr ins Gebirge. Gott weiß, wie diese beiden einander brauchen! Die ersten 5 Monate ihrer ungewöhnlichen Schwangerschaft hat Elisabeth sich aus der menschlichen Gesellschaft zurückgezogen. Wunder brauchen ein bisschen Platz in der Stille, damit das Bewusstsein sich an die neue Realität anpassen kann. Zudem verspürt sie keine Lust, dieses Wunder zum Objekt von Klatsch und Tratsch zu machen. Aber die Stille ist auch ein bisschen zu still. Dem Mann, der das Erlebnis mit ihr teilt, hat es die Sprache verschlagen, er kann ihr höchstens das eine oder andere Wort auf ein Schiefertäfelchen kritzeln und sich ansonsten mit Gesten verständigen, aber das wird man schnell müde. Um so mehr Zeit hat sie, um mit Gott zu reden.
Als mit Maria das junge und blühende Leben bei ihr durch die Tür tritt, hüpft das Baby in ihrem Bauch. Ihr ungeborenes Kind erkennt und begrüßt seinen ungeborenen Herrn und Erlöser! (So viel zur Frage, ab wann die Leibesfrucht Person ist!) Spontan wird ihr eine Offenbarung Gottes zuteil, die ihren Verstand füllt und übersteigt: Maria ist die Mutter ihres Herrn! Die ältere Frau grüßt die jüngere mit tiefem Respekt – um deswillen, der in ihr heranwächst und den sie beide jetzt schon über alles lieben.
Elisabeth und ihr hüpfendes Baby – sie geben Maria die Ermutigung, die sie gerade noch braucht: Ja, ja und ja! Es hat alles seine Richtigkeit! “Wie glücklich bist du, dass du geglaubt hast! Denn was der Herr dir sagen ließ, wird sich erfüllen!” Dann gibt es eine Freudenexplosion in Marias Herzen, und der Lobpreis wird regelrecht herausgeschleudert: Was für ein Gott! Was für eine Gnade! Was für eine Barmherzigkeit! Was für ein Stehen zu seinen Versprechungen!
Ihrer beider Leben sind so klein und die Gnade Gottes so groß! Sie werden noch viel Zeit miteinander verbringen und sich das immer wieder gegenseitig zusprechen. Dieser Gott wird auch die schwierigen Fragen lösen, die noch vor Maria stehen: Was wird Josef dazu sagen? Wie wird ihre Familie reagieren? Nach 3 Monaten ist sie so weit, im Vertrauen auf Gott den Heimweg anzutreten. Elisabeth, da bin ich sicher, begleitet sie im Gebet.
Nichts kann Herzen so zusammenschmieden wie die Gnade. Weil sie unverdient ist, kennt sie keine Konkurrenz, keine Altersunterschiede, keine Machtkämpfe. Sie beschäftigt uns mit Verwunderung und Dankbarkeit und stellt uns alle auf die selbe Grundlage. Sie ist das beste Mittel gegen Kleinlichkeit und Generationenkonflikte, so dass wir keinen Anspruch haben, als einander zu dienen. Sie lässt uns miteinander den Einen lieben, der all unsere Liebe verdient.
Anfang Januar hatte ich online einen Tisch bestellt, der innerhalb von 10 Tagen mit DHL kommen sollte. Nach 10 Tagen wurde ich benachrichtigt, dass es noch mal 10 Tage dauern könnte. Nach insgesamt etwa 4 Wochen erhielt ich dann die lang ersehnte Meldung: „Morgen zwischen 13.30 und 18.00 Uhr kommt ihre Lieferung.“ Ich freute mich und dankte Gott, dass ich um 13 Uhr Feierabend haben würde und daheim sein könnte, denn es war ein Nachnahme-Paket.
Ich weiß nicht, was mich am nächsten Morgen geritten hat, aber ich betete: “Herr, was immer heute passiert – ich will nicht darüber meckern.” Um 11 Uhr, mitten bei der Arbeit, erhalte ich eine SMS: Wir haben versucht, ihr Paket zuzustellen, aber sie waren nicht da. Es liegt ab dem folgenden Werktag in der Filiale für sie bereit.
Mir fiel sofort mein Gebet von morgens ein! Okay, Herr, ich will nicht meckern! Nun hab ich ein Problem, aber du hast bestimmt eine Lösung. Was soll ich machen? Jemand um Hilfe bitten? – Am Wochenende wollte mein Sohn mich besuchen, dann würde ich ihn fragen. Die Filiale hebt das Ding ja 7 Tage auf. Aber mein Sohn kam nicht. Er war krank geworden und hatte vergessen, mir Bescheid zu sagen.
Am nächsten Tag hatte ich frei und nahm mir einen Leihwagen, um das Paket abzuholen. Das Problem war, dass es zu schwer war. Jedenfalls behauptete das die Frau in der Postfiliale. Ich durfte leider nicht in den Raum, wo es gelagert war, um es selbst zu probieren. Aber ich könnte eine Neuzustellung beantragen, sagte sie mir. Diese Aussicht machte mich dann wieder vergnügt, und ich nutzte das geliehene Auto, um endlich mal meine zwei Waschkörbe voll Elektromüll zu entsorgen.
Ich beantragte also online die Neuzustellung, bekam auch eine Bestätigungsmail und bat für den entsprechenden Tag meine Schwiegertochter, meine Wohnung zu hüten, während ich zur Arbeit musste Sie war auch so lieb, das zu tun. Was nicht kam, war mein Paket. Ein Anruf bei DHL ergab, dass sie einen Fehler gemacht hatten. Es gab keinen Grund dafür, dass sie das Paket nicht zugestellt hatten, und die Aufbewahrungsfrist war nun abgelaufen. Ich solle der Möbelfirma schreiben, dass DHL die Verantwortung und das Porto übernehmen würde.
Ich habe nicht gemeckert. Ich bin natürlich kein Freund von Schlamperei und schlechter Organisation. Aber ich glaube an einen Gott, dem es durchaus ein Kleines gewesen wäre, das alles klappen zu lassen. Ich hatte mit ihm diesbezüglich ziemlich intensive Unterhaltungen. Ich habe ihm immer wieder gesagt, dass ich ihm vertraue. Ich habe ihn gefragt, ob ich irgendwie einen Fehler gemacht habe. Ich habe ihn dran erinnert, dass ich auch im alltäglichen Kleinkram auf ihn angewiesen bin. Ich bin drauf gekommen, dass ich den Tisch wahrscheinlich gar nicht brauche, aber ich weiß ja noch nicht, ob der Lieferant nicht am Ende drauf besteht, ihn mir noch mal zu schicken. Kurzum, den Sinn des Ganzen habe ich nicht wirklich erkannt. Vielleicht zeigt er sich noch, vielleicht auch nicht. Aber das ist auch egal.
Natürlich ist diese Geschichte eigentlich kaum wert, erzählt zu werden – es handelt sich um ein eher unbedeutendes Problem. Sie hat mich aber viel darüber nachdenken lassen, wieso Gott uns sagen lässt: Tut alles ohne Murren und Zweifel! (Philipper 2,13)
Was sagt das über ihn aus und über unsere Beziehung zueinander?
Wir glauben an einen souveränen Gott – das ist manchmal schwierig, wenn die Dinge uns gegen den Strich gehen oder aus unsrer Sicht keinen Sinn ergeben. Murren kann man nur über jemand, den man für verantwortlich hält. Man murrt, weil man zweifelt, dass Gott gut ist und gute Absichten hat. Könnte es sein, dass es ihn nicht interessiert? Oder dass er uns ärgern will? Wir können nicht von einem guten Gott reden, der seinen einzigen Sohn für uns geopfert hat, und von einem Vater, der uns liebt und jedes Haar auf unserem Kopf gezählt hat, und gleichzeitig meckernd und schimpfend durch die Welt laufen. Murren verdirbt unser Zeugnis. Wenn wir das Murren und Zweifeln sein lassen, weil wir ihm vertrauen, erweisen wir uns als Kinder Gottes mit “Leuchtkraft”. (Philipper 2,15)
Ich hoffe, dass ich bei der nächsten Herausforderung daran denke.