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Predigt-Nachlese: Biblischer Gemeindebau

Predigttext: Apostelgeschichte 11,21-30

Durch das Zeugnis einiger Männer, die sich wegen der Verfolgung in Jerusalem überall hin zerstreut hatten, waren in Antiochia viele Menschen mit nicht-jüdischem Hintergrund zum Glauben an Jesus gekommen. Daraufhin bekamen sie Besuch von Barnabas, der sie ermutigte, sich unbeirrt fest zu Jesus zu halten. Durch seinen Dienst wurden noch mehr Menschen zu Jüngern, und so brauchte Barnabas Verstärkung und machte sich auf den Weg nach Tarsus, um Paulus (Saulus) zu suchen. Er kannte ihn ja aus der gemeinsamen Zeit in Jerusalem, von wo Paulus damals fliehen musste, weil sich die Hellenisten durch sein freimütiges  Auftreten zu Mordplänen provoziert gesehen hatten. Paulus zu suchen, war kein ganz leichtes Unterfangen, denn er war immer unterwegs, aber Barnabas fand ihn und brachte ihn mit nach Antiochia.

Die beiden teilten ein Herzensanliegen:. Überall, wohin sie kamen, hatten sie ein und die selbe Botschaft für die Gläubigen: Haltet fest an der Gnade Gottes! Es liegt kein leichter Weg vor euch, aber bleibt standhaft im Glauben! Das war für Paulus nicht nur Theorie; er hatte jede Menge praktische Erfahrung damit! Was wird uns denn empfohlen, um Krisen und Bedrängnisse durchzustehen?

Die Jünger in Antiochia kamen nun ein ganzes Jahr lang in der Gemeinde zusammen. Über den Ort wird nichts gesagt, aber darüber, was dort stattfand. Sie wurden aus dem Wort Gottes gelehrt, ermahnt und ermutigt. Paulus und Barnabas taten das, was auch die Apostel in Jerusalem getan hatten: Sie konzentrierten sich ohne Unterlass aufs Gebet und den  Dienst der Verkündigung. Sie entwarfen keine Programme für sucherfreundliche Gottesdienste, Freizeitgestaltung oder Konzerte. Sie gebrauchten das Wort Gottes, um zu lehren, zu überführen und den Weg zu weisen, und dadurch wurden die Jünger zu einem Leben nach Gottes Willen ausgerüstet.

Die Frucht ihrer Arbeit wurde in der Gemeinde sichtbar. Die Gläubigen waren so geprägt durch Christus, dass ihre Umwelt ihnen den Namen “Christen” – die zu Christus Gehörenden – gab. Diese Bezeichnung schloss auch Spott und schlechte Behandlung  mit ein, aber sie trugen sie als Ehrennamen. Es kristallisierten sich unter ihnen Leiter heraus. Und sie hatten nicht nur einen Kopf voll Bibelwissen, sondern zeigten praktische Liebe! Als der Prophet Agabus eine Hungersnot voraussagte, beschlossen sie, den Geschwistern in Jerusalem finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen (Diese Hungersnot trat 44-46 AD ein). Nun halfen die Christen aus den Heiden den jüdischen Glaubensbrüdern, die ihnen am Anfang mit Zweifeln und Misstrauen begegnet waren! Jeder gab, was er konnte. Nichts zeigt deutlicher, was Gott an den Herzen getan hat, als wenn das Portemonnaie sich ohne Druck von außen für Notleidende öffnet! Der Geist Gottes macht liebevoll und großzügig aus Dankbarkeit, so dass wir Freude am Geben haben.

in Epheser 4 beschreibt Paulus noch mal das biblische Gemeinde-Wachstumsprogramm: Gott gibt die Mitarbeiter und geistlichen Gaben. Wie er nach Antiochia genau die Richtigen schickte, so tut er das auch heute noch – schließlich geht es um seine Gemeinde. Das Ziel dabei ist, die Heiligen zum Dienst zu befähigen und sie in der Wahrheit standfest und gegen Irrtümer immun zu machen. Dazu muss die Wahrheit in Liebe weitergegeben werden, und die Christen müssen belehrt werden, ihr Leben durch Gott verändern zu lassen, den alten Menschen abzulegen und den neuen Menschen anzuziehen, der nach Gottes Bild erschaffen ist und dessen Kennzeichen Gerechtigkeit und Heiligkeit sind, die sich auf die Wahrheit gründen. Dann wirkt Christus als das Haupt die Selbst-Auferbauung der Gemeinde durch die Liebe.

Zwei Opfer und ein Mord: Kain und Abel

Manche Geschichten in der Bibel beunruhigen uns wegen dem, was sie nicht erzählen. Im Fall von Kain und Abel bewegt uns die Frage: Warum nahm Gott das Opfer von Abel an, aber das von Kain nicht?

Die Welt war noch jung und das Wissen um Gott noch frisch, als diese beiden geboren wurden. Als Kain zur Welt kam, scheint Eva vor Stolz und Optimismus fast zu platzen: “Ich habe einen Mann erworben mit dem Herrn!” Dieser Junge, fand sie, war eine tolle Errungenschaft – Kain bedeutet: Erworbenes, Gewinn. Und dann kommt Nummer Zwei, und sie nennt ihn Abel: Hauch, Nichtigkeit. War er vielleicht klein und schwächlich?  Oder hat sich ihre Perspektive zwischenzeitlich verändert? Wir wissen es nicht. Fest steht, sie hat diese Namen nicht aus dem Buch der schönsten Vornamen ausgewählt, sondern sie wollte damit etwas aussagen über ihre Kinder. Kannst du dir vorstellen, wie sie sie zu Tisch rief? “He, Gewinn und Nichtigkeit, kommt rein! Das Essen ist fertig!” Ob diese Namen nicht ihre Beziehung zueinander und ihr Bild von sich selbst prägten?

Sie schlugen verschiedene Laufbahnen ein: Kain als Ackerbauer und Abel als Schafhirte. ich habe mich gefragt, warum jemand Schafe züchtete zu einer Zeit, als noch gar kein Fleisch gegessen wurde, denn wenn ich es recht verstehe, wurde Fleisch als Nahrung erst nach der Sintflut eingeführt. Vermutlich dienten die Tiere also nur als Milchquelle und lieferten Felle oder Wolle zur Bekleidung. Der Sündenfall hatte die Scham mit sich gebracht und die Notwendigkeit, für Bedeckung zu sorgen. Abels Schafe waren eine Erinnerung daran. Natürlich wurde auch Kain immer wieder an die große Katastrophe erinnert, wenn er sich mit Disteln und Dornen abplagte, aber er überwand sie durch die Kraft seiner Arme und trotzte dem Erdboden die Feldfrucht ab.

Beiden Brüdern  war Gott nicht egal, und sie sehnten sich nach seinem Wohlgefallen. Deshalb brachten sie auch beide ein Opfer. Kain brachte Gott etwas dar von dem, was er angebaut hatte, und Abel nahm etwas von den Erstgeborenen seiner Herde und schlachtete es für Gott. Wie sie auf die Idee kamen, so etwas zu tun, wird uns nicht gesagt; es scheint irgendwie im Menschen drin zu stecken, durch ein Opfer mit Gott in Beziehung zu treten. Und nun steht im Hebräerbrief (11,4): Durch den Glauben brachte Abel Gott ein besseres Opfer dar als Kain. Gott nahm Abels Opfer an, um zu zeigen, dass er in seinen Augen gerecht gesprochen war. Im Umkehrschluss heißt das: Kain brachte sein Opfer nicht durch Glauben dar! Aber er glaubte doch, oder bringen etwa Ungläubige Opfer für Gott?! Es scheint also zwei Arten Glauben zu geben! Und es scheint Opfer zu geben, die Gott akzeptiert, und solche, die er nicht akzeptiert. Dem einen Opfernden sagt Gott: Ich nehme dich an, du bist vor mir gerecht! und dem anderen zeigt er die kalte Schulter. Dabei hat der so hart dafür gearbeitet!

Was war das denn für ein Glaube, durch den Abel das bessere Opfer brachte? Glaube ist das feste Vertrauen auf Gottes Versprechen, obwohl man nichts davon sieht. Die Glaubens-Menschen, von denen im 11. Kapitel des Hebräerbriefs die Rede ist, kennen den unsichtbaren Gott. Sie rechnen mit seinen Zusagen und bauen ihr ganzes Leben darauf. Welche Zusage von Gott kannte Abel denn überhaupt? Wohl doch die, die Gott seinen Eltern gegeben hatte: Dass ein Erlöser kommen sollte, der die Schlange überwinden würde! Wer das glaubt, erkennt an, dass er einen Erlöser braucht, dass er sonst verloren ist, und Abel, der nichtige Hauch, hatte damit kein Problem. Er kam zu Gott als ein  versöhnungsbedürftiger Sünder und empfing Gnade. Denn das ist Gottes “Grundgesetz”: „Gott widersetzt sich den Hochmütigen, nur den Demütigen erweist er Gnade“ (1. Petrus 5,5) . Obwohl das nicht ausdrücklich so gesagt wird, kann man annehmen, dass Abel durch diesen Glauben auch die Einsicht gewann, dass nur ein Schlachtopfer ihm Zugang zu Gott geben konnte, denn ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung (Hebräer 10,22).

Nun wurde Kain aber zornig! Wenn einer unverdient Gnade empfängt, während der, der sich abmüht, leer ausgeht – das ist schwer zu verkraften. Kain ist da nicht der Einzige – er kann  mit allen Pharisäern und Selbstgerechten dieser Welt einen Verein gründen. Gott sah die schwarze Lava in seinem Herzen aufsteigen, und in seiner Freundlichkeit versuchte er, ihn zur Einsicht und Umkehr zu bringen, aber Kain ignorierte ihn. Die Katastrophe nahm ihren Lauf: Er lockte seinen Bruder aufs Feld und erschlug ihn. Auch das hat sich seither vieltausendfach wiederholt. Wer auf Gottes Ermahnung zur Umkehr nicht hört, dessen Herz wird hart und härter, bis er Dinge tut, die man nicht mehr ungeschehen machen kann.

Gott lässt den Mord zu, wie er auch den Mord an Seinem Sohn zuließ und wie er die Verfolgung von Christen in Vergangenheit und Gegenwart nicht verhindert hat. Aber während Abels Blut Kain vor Gott anklagte, bewirkt Jesu Blut Vergebung für alle, die ihre Bedürftigkeit demütig zugeben können.

Bist du Kain oder Abel?

Predigt-Nachlese: Vom Verfolger zum Verfechter

Predigttext: Apostelgeschichte 9,1-22

Wenn Saulus irgendetwas hasste, dann diese Anhänger des Jesus-Weges! Sie waren Ketzer und mussten verschwinden! Das war sein Lebenszweck, mit dem er meinte, Gott zu dienen. Wie ein wildes Tier wütete er gegen die junge Gemeinde, spürte die Gläubigen auf, bedrohte sie, zwang sie, Jesus abzusagen, und setzte sich dafür ein, dass sie der Todesstrafe zugeführt wurden. Auch bei Stephanus hatte er für die Hinrichtung gestimmt und der Steinigung beigewohnt. Aber tief in seinem Herzen mag ihn dieser triumphale Tod doch beeindruckt haben. Hatte dieser Mann wirklich den Himmel offen gesehen? War vielleicht doch etwas dran an diesem Jesus, dass Menschen bereit waren, dafür ihr Leben zu geben? Hatten sie nicht Frieden, während in seinem eigenen Herzen der Hass tobte? Aber wenn ihm je Zweifel kamen an der Richtigkeit seines Tuns, so unterdrückte er sie mit aller Macht.

Er war klug und religiös sehr gebildet. Gamaliel, bei dem er sein theologisches Wissen erworben hatte, war eine anerkannte Kapazität auf dem Gebiet der Schriftgelehrtheit. Er konnte mit Sicherheit viel Passagen des Alten Testamentes auswendig. Unter den Pharisäern ragte er heraus mit seiner Hingabe an das Gesetz. Nun war er mit einer Vollmacht des Hohen Priesters unterwegs nach Damaskus, um dort in den Synagogen die Jesusjünger aufzuspüren, zu verhaften und nach Jerusalem zu bringen. Die Bevölkerung von Damaskus bestand zu etwa 12% aus Juden, und die aus Jerusalem vertriebenen Christen hatten ihnen das Evangelium gebracht, das sich jetzt auch dort ausbreitete.

Als treuer Jude sehnte er sich nach dem Messias, aber für ihn stand fest, dass dieser Jesus das nicht sein konnte. Es gab keinen Ansatzpunkt in seinem Leben dafür, dass er seine Meinung jemals ändern könnte. Doch nun ergreift Gott selbst die Initiative. Mitten in der Reisegruppe, die zur Ausrottung der Sache Jesu unterwegs ist, fast schon am Ziel, umstrahlt ihn ein Licht, und er wird zu Boden geworfen, und Jesus fragt ihn: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Seine Weggenossen merken zwar, dass sich da etwas Außergewöhnliches und Übernatürliches abspielt, aber was genau, das kriegen sie nicht mit. Als Saulus aufsteht, ist er blind und muss geführt werden.

Er hat Jesus, das Licht der Welt, gesehen, das Licht, das ihm, gemäß der Lehre der Rabbiner, schon aus 1. Mose 1 als der verheißene Messias bekannt war, genau den, den Stephanus auch geschaut hat, als sich der Himmel über ihm öffnete. Und er hat die erste Begegnung mit der Wahrheit, die er später wie kein anderer verkündigen sollte: Dass der Auferstandene eins ist mit seiner Gemeinde – er ist das Haupt, und sie ist sein Leib. Sie hat teil an seinen Leiden, und was ihr angetan wird, gilt eigentlich ihm.

Er ist drei Tage blind, konfrontiert mit der Wahrheit über Jesus – und seiner eigenen Finsternis. Sein ganzes Leben ist zusammengebrochen; was er für gut hielt, und worauf er seine Rechtfertigung vor Gott gründete, war nichts  als Dreck und ein furchtbares Missverständnis. Er hat den falschen Kampf gekämpft- nicht nur war alles nichts wert, sondern er erweist sich als Feind des Gottes, dem er zu dienen glaubte.

Er betet, er bereut, er fleht um Gnade. Und Jesus schickt ihm Hananias, der einige Erklärungen braucht, bis er versteht, was da geschehen ist mit seinem Todfeind. “Geh nur hin! Denn gerade ihn habe ich als Werkzeug für mich ausgewählt. Er soll meinen Namen bei Nichtjuden und ihren Königen genauso bekannt machen wie bei den Israeliten.  Ich werde ihm zeigen, wie viel er nun für meinen Namen leiden muss.“

Was muss es für Saulus bedeutet haben, als dieser Mann zu ihm kam und zu ihm sagte: “Saul, mein Bruder! Der Herr hat mich geschickt – Jesus, der dir auf dem Weg hierher erschienen ist. Du sollst wieder sehen können und mit dem Heiligen Geist erfüllt werden.“ In diesen Worten und dem Auflegen der Hände durch Hananias zeigt sich ihm die ganze Vergebung Gottes. Er wird aufgenommen in die Gemeinschaft der Heiligen, die er hatte umbringen wollen.  Er erhält sein Augenlicht zurück und lässt sich taufen.

Die tiefe Erfahrung der Gnade, die sich ihm völlig grundlos zugewendet hat trotz seiner großen Schuld, lässt ihn sofort zu einem Verkündiger und Verfechter dieses wunderbaren Evangeliums werden. Jetzt kann er brauchen, was er gelernt hat. Nicht nur äußerlich sieht er wieder, vor allem erkennen seine Herzensaugen nun im ganzen Alten Testament Jesus als den Messias, und alles fügt sich zu einem schlüssigen Bild zusammen. Jetzt kann er seinen jüdischen Brüdern beweisen, dass Jesus der Christus ist. Jesus ist das Zentrum seines Lebens geworden, sein Herr, dessen Willen er tun will, der Inhalt seiner Verkündigung, die Offenbarung Gottes: Denn der Gott, der einst aus der Finsternis Licht leuchten ließ, hat das Licht auch in unseren Herzen aufstrahlen und uns die Herrlichkeit Gottes im Angesicht von Jesus Christus erkennen lassen. (1.Korinther 4,6)

Predigt-Nachlese: Religiosität oder Christus- Glaube?

Normalerweise schreibe ich die Predigt-Nachlese am liebsten, wenn alles noch frisch in meinem Kopf ist. Das hat diese Woche umständehalber nicht geklappt. Als ich nun heute den Text in Apostelgeschichte 7,51-60 und 8,1-8 mitsamt meinen Notizen nochmal durchging, hat sich mir vor allem aufgedrängt, wie sich in diesem Abschnitt der Unterschied zwischen Religiosität und echtem Glauben darstellt. Die Personen, an denen man das studieren kann, sind auf der einen Seite der sog. Hohe Rat und Saulus, und auf der anderen Seite Stephanus und Philippus. Ich hab das mal wie folgt geordnet:

Religiosität Christus-Glaube
Was wird verehrt? Die Verehrung gilt einem Regelwerk und letztlich dem eigenen Ich, das in seinem Stolz meint, Gott durch das Einhalten von Gesetzen beeindrucken zu können

 

Die Verehrung gilt dem Gott, der der Urheber des Alten Testamentes ist, und seinem Christus.
Zustand des Herzens Das “unbeschnittene Herz” ist trotz aller äußeren Frömmigkeit hart gegen die Wahrheit und rebelliert, wenn der Heilige Geist überführt Das Herz ist bereit, die Wahrheit anzuerkennen, Vergebung anzunehmen und Buße zu tun

 

Einstellung zum Wort Gottes Geistliche Blindheit hindert sie, das Alte Testament zu verstehen Für sie spricht das ganze Alte Testament  von Christus; Josef und Moses z.B. sind  Bilder auf den verworfenen Retter; die Prophezeiungen sind eindeutig

 

Einstellung gegenüber dem Gegner Hass, Verfolgung und Mord Vergebung und Segen

 

Resultate Verwüstung, Gefangenschaft und Tod Heilung und Befreiung, geistliche Fruchtbarkeit, große Freude

 

Ein Seitenwechsel ist möglich, wie man an Saulus sieht, der später Jesus begegnet und zum Paulus wird. Und wie kommt man von hier nach da? Indem man erkennt, dass man vor Gott ein verlorener Sünder ist, der sich selbst nicht helfen kann. Wenn Stolz und Selbstgerechtigkeit zerbrochen sind, dann ist die gute Botschaft, dass Jesus für meine Sünden gestorben ist, wie Wasser für einen Verdurstenden. Da stürzt man sich drauf, und dann wird es nicht anders sein als es in Vers 8 heißt: Es herrschte große Freude in der Stadt.

Predigt-Nachlese: Stephanus vor seinen Anklägern

Predigttext: Apostelgeschichte 6,7 –7,36

Die internen Probleme, die in der ersten Gemeinde auftauchten, stellten kein Hindernis für ihr Wachstum dar. Sie wurden angegangen, boten eine Gelegenheit zum Dazulernen und zur  Verbesserung der Struktur. Viele Priester kamen zum Glauben. Es ist ein Vorteil, mit dem Alten Testament vertraut zu sein, dem Symbolismus der Opfer, der Stiftshütte, des Tempels. Alles im Gesetz weist auf die Notwendigkeit eines endgültigen Opfers hin. Sie erkannten in Jesus das Lamm Gottes und ihren Messias und wurden wahre Söhne Abrahams.

Aber es gab natürlich auch die andere Seite, z.B. die aus der Synagoge der Libertiner. Sie legten sich mit Stephanus an, der einigen Einfluss auf das Volk hatte. Obwohl er als Diakon berufen wurde, um seinen Glaubensgeschwistern in praktischer Weise zu dienen, hatte er auch andere Gaben, und Gott gebrauchte ihn, um im Namen Jesu Zeichen und Wunder zu tun. Dass sie gegen seine Weisheit und geistliche Vollmacht nicht die Oberhand gewinnen konnten, regte sie nur um so mehr auf, und ihr Hass brachte sie dazu, ihn zu verleumden und falsch anzuklagen.

Doch als er vor dem Hohen Rat stand, und sie ihn ansahen, sahen sie ganz deutlich, dass Gott hinter ihm stand. Wenn es heißt, dass sie sein Gesicht sahen “wie eines Engels Angesicht”, so spiegelte sich darin die Herrlichkeit und Autorität Gottes. Und im Auftrag Gottes verkündet er ihnen beides, Gericht und Gnade. Er geht zurück in die Geschichte Israels und beginnt bei Abraham. Am Beispiel Josefs und Moses zeigt er ihnen, dass schon ihre Väter mit Unverständnis und Ablehnung reagierten, wenn Gott ihnen einen Retter sandte. Ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass sie, die Söhne, jetzt auch in ihrer geistlichen Blindheit den Messias verpassen? Mit dem Wort Gottes versucht er, sie zu überführen von der ererbten Rebellion in ihren Herzen, die sie hindert, Jesus als den Christus zu erkennen.

Aber sie wollen Gott nicht Recht geben. Die Wahrheit löst nur unbändigen Hass in ihnen aus. Wer mit der Wahrheit Gottes konfrontiert wird, muss sich entscheiden, und es gibt nur zwei Alternativen: Man erkennt sie an und kehrt um, oder man macht sein Herz hart und stößt sich selbst noch weiter in die Entfremdung von Gott.

Sie stürzen auf Stephanus los und steinigen ihn zu Tode, und er bittet Gott um Vergebung für sie. Er hat ihnen das alles nicht gesagt, weil er ihnen das Gericht wünscht, sondern weil er sie mit Gott versöhnen und zusammenbringen will – und der Weg dahin führt immer über die Erkenntnis der eigenen Schuld.

Mit dabei ist Saulus, der spätere Apostel Paulus. Er ist ein glühender Christenhasser, und wird sich in der darauffolgenden Zeit als Verfolger der Gemeinde noch besonders profilieren – bis sich der letzte Wunsch des Stephanus an ihm erfüllen und er eine völlige Kehrtwende machen und die Staffel aufnehmen und selber in den “Dienst der Versöhnung” eintreten wird, den Gott den Seinen aufgetragen hat.