Predigt-Nachlese: Stephanus vor seinen Anklägern

Predigttext: Apostelgeschichte 6,7 –7,36

Die internen Probleme, die in der ersten Gemeinde auftauchten, stellten kein Hindernis für ihr Wachstum dar. Sie wurden angegangen, boten eine Gelegenheit zum Dazulernen und zur  Verbesserung der Struktur. Viele Priester kamen zum Glauben. Es ist ein Vorteil, mit dem Alten Testament vertraut zu sein, dem Symbolismus der Opfer, der Stiftshütte, des Tempels. Alles im Gesetz weist auf die Notwendigkeit eines endgültigen Opfers hin. Sie erkannten in Jesus das Lamm Gottes und ihren Messias und wurden wahre Söhne Abrahams.

Aber es gab natürlich auch die andere Seite, z.B. die aus der Synagoge der Libertiner. Sie legten sich mit Stephanus an, der einigen Einfluss auf das Volk hatte. Obwohl er als Diakon berufen wurde, um seinen Glaubensgeschwistern in praktischer Weise zu dienen, hatte er auch andere Gaben, und Gott gebrauchte ihn, um im Namen Jesu Zeichen und Wunder zu tun. Dass sie gegen seine Weisheit und geistliche Vollmacht nicht die Oberhand gewinnen konnten, regte sie nur um so mehr auf, und ihr Hass brachte sie dazu, ihn zu verleumden und falsch anzuklagen.

Doch als er vor dem Hohen Rat stand, und sie ihn ansahen, sahen sie ganz deutlich, dass Gott hinter ihm stand. Wenn es heißt, dass sie sein Gesicht sahen “wie eines Engels Angesicht”, so spiegelte sich darin die Herrlichkeit und Autorität Gottes. Und im Auftrag Gottes verkündet er ihnen beides, Gericht und Gnade. Er geht zurück in die Geschichte Israels und beginnt bei Abraham. Am Beispiel Josefs und Moses zeigt er ihnen, dass schon ihre Väter mit Unverständnis und Ablehnung reagierten, wenn Gott ihnen einen Retter sandte. Ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass sie, die Söhne, jetzt auch in ihrer geistlichen Blindheit den Messias verpassen? Mit dem Wort Gottes versucht er, sie zu überführen von der ererbten Rebellion in ihren Herzen, die sie hindert, Jesus als den Christus zu erkennen.

Aber sie wollen Gott nicht Recht geben. Die Wahrheit löst nur unbändigen Hass in ihnen aus. Wer mit der Wahrheit Gottes konfrontiert wird, muss sich entscheiden, und es gibt nur zwei Alternativen: Man erkennt sie an und kehrt um, oder man macht sein Herz hart und stößt sich selbst noch weiter in die Entfremdung von Gott.

Sie stürzen auf Stephanus los und steinigen ihn zu Tode, und er bittet Gott um Vergebung für sie. Er hat ihnen das alles nicht gesagt, weil er ihnen das Gericht wünscht, sondern weil er sie mit Gott versöhnen und zusammenbringen will – und der Weg dahin führt immer über die Erkenntnis der eigenen Schuld.

Mit dabei ist Saulus, der spätere Apostel Paulus. Er ist ein glühender Christenhasser, und wird sich in der darauffolgenden Zeit als Verfolger der Gemeinde noch besonders profilieren – bis sich der letzte Wunsch des Stephanus an ihm erfüllen und er eine völlige Kehrtwende machen und die Staffel aufnehmen und selber in den “Dienst der Versöhnung” eintreten wird, den Gott den Seinen aufgetragen hat.

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