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Ich will nicht meckern (2)

Nein, dies ist nicht die Fortsetzung der Geschichte der Odyssee meines Tisches. Die gibt es noch nicht. Es handelt sich vielmehr um Lektion 2.

Nach dem Sonntagsgottesdienst unserer Gemeinde gibt es immer noch die Gelegenheit, bei einer Tasse Kaffee oder Tee zu plaudern und die Gemeinschaft ein bisschen zu verlängern. Einige Leute müssen dann natürlich auch wieder aufräumen und spülen, und meistens bin ich dabei. Mir macht Hausarbeit Spaß, und weil ich gewöhnlich nichts Dringendes zu tun habe, kann ich auch gut etwas länger bleiben. Ich dachte immer, ich tue das für den Herrn, und ihm gefällt das.

Dachte ich. Denken vermutlich auch die anderen.

Wie gesagt, ich mache das eigentlich gerne. Aber am Sonntag merkte ich auf einmal, dass ich die ganze Zeit innerlich am Meckern und Schimpfen bin – auf all die Gedankenlosen, die nur drei Schlückchen aus ihrer Tasse nippen, sie irgendwo rumstehen lassen und nach Hause gehen, ohne sich zu überlegen, wie ein Stapel halbvoller Tassen die Treppe hoch in die Küche kommt. Denken die eigentlich, hier gibt´s eine Putzfrau? Grrr….

Und dann spricht plötzlich das Wort Gottes mitten in meinen inneren Monolog hinein: Seid gastfrei gegeneinander ohne Murren!

Uff! Ich kann vielleicht noch darüber verhandeln, ob meine Geschwister in dem Fall meine Gäste sind, aber dass ich gerade am Murren bin, das ist unübersehbar. Und das nicht erst seid heute. Und der Heilige Geist spricht zu meinem Herzen: Dein Dienst ist wertlos, wenn du ihn so tust. Du dienst gar nicht. Du stellst dich nicht drunter, sondern drüber.

Was kann ich sagen? Ich kann nicht widersprechen, weil es stimmt. Ich kann den Herrn nur um Vergebung und um eine neue Einstellung bitten.

Das war Lektion 2, und ach, ich fürchte, da kommt noch mehr.

Predigt-Nachlese: Echter und falscher Glaube – was ist der Unterschied?

Predigttext: Apostelgeschichte 8,9-25

Ein kleiner Rückblick: Nach der Steinigung von Stephanus entsteht eine heftige Christenverfolgung, so dass die Gläubigen zum großen Teil gezwungen sind, Jerusalem zu verlassen (die Apostel bleiben allerdings dort). Überall  wo sie hinkommen, verkündigen sie die gute Botschaft. Philippus, der in Jerusalem einer der Diakone gewesen war, kommt nach Samaria und predigt dort. Menschen werden geheilt, Dämonen werden ausgetrieben, und viele glauben an das, was Philippus ihnen verkündigt. Die Stadt wird erfüllt von der Freude, die die Vergebung der Sünde begleitet.

Die Gemeinde Jesu explodiert förmlich – aber wie Jesus vorausgesagt hat, sprosst das erste Unkraut zwischen dem Weizen auf.

Wo das Evangelium verkündigt wird, erzwingt es Entscheidungen. Da gibt es die, die es annehmen, die im Licht Gottes erkennen, dass sie völlig verloren sind und Gottes Vergebung annehmen, und deren Herz durch den Heiligen Geist verändert wird. Dann finden sich solche, die es offen und feindselig ablehnen. Aber oft gibt es noch eine 3. Gruppe, religiöse Menschen, die Jesus “noch dazunehmen”, ohne ihren Stolz und ihre Selbstgerechtigkeit aufzugeben, die einfach einen frommen Mantel darüberziehen. Sie glauben auch, aber dieser Glaube rettet sie nicht.

Ein solcher Mann war Simon. Im synkretistischen Mischvolk der Samariter genoss er großes Ansehen durch Zauberei. Die Leute verehrten ihn als “die große Kraft Gottes”. Er war eine beeindruckende und einflussreiche Persönlichkeit.

Nun hörten diese Leute das Evangelium und kamen zum Glauben und ließen sich taufen. Und auch Simon schwamm mit auf dieser Welle. Er war beeindruckt, wurde getauft und hielt sich zu Philippus. Die Frage, die ihn dabei bewegte, war: Was kann ich aus dieser neuen Religion für mich rausholen? Wie kann ich damit meine Macht und meinen Einfluss erweitern? Was bringt sie meinem Portemonnaie? (Falls nun zufällig jemand lebende Beispiele in dieser Kategorie der Motive einfallen: die gibt es. Wir müssen uns vor ihrem Wohlstandsevangelium genauso hüten wie vor den Abgründen unseres eigenen Herzens.)

Da er die Finsternis in sich nicht erkannte und niemals Buße darüber getan hatte, dass er sein Leben lang eine Lüge über sich selbst gelebt hatte, führten ihn die Wunder, die er bei Philippus sah, auf eine falsche Fährte. Er dachte: Dieser Mann kennt die Tricks, die mir in meiner Kiste noch fehlen. Wie komm ich da dran? – Er hielt Philippus für einen Kollegen.

Als schließlich Petrus und Johannes aus Jerusalem kamen, um für die neuen Gläubigen zu beten, dass sie den Heiligen Geist empfingen (und dadurch die Bestätigung Gottes, dass nicht nur Juden, sondern auch Samariter in das neue Volk Gottes aufgenommen wurden), war er völlig fasziniert und machte ihnen ein Angebot: Verkauft mir diese Macht, die ihr habt! Was wollt ihr dafür haben?

Ach, er wusste nicht, dass Gott nichts verkauft! Wir haben auch nichts, was Gott gebrauchen könnte! Wir sind im Gegenteil aus seiner Sicht so bankrott, wie man nur sein kann, und können noch nicht mal unsere Schulden bezahlen und seinen gerechten Forderungen Genüge tun! Aber Gott schenkt aus freien Stücken, allerdings nur in leere Hände. Und dass er leere Hände hatte, das war Simon leider nicht klar.

Wie bei ihm, so ist bei jedem von uns, der Stolz, die Einbildung, wir hätten Gott was zu bringen oder könnten ihn irgendwie beeindrucken mit unseren jämmerlichen Werken, das größte Hindernis, seine Gnade als Geschenk zu empfangen.

Petrus reagiert entsprechend: „Zur Hölle mit dir und deinem Geld!Glaubst du wirklich, du kannst die Gabe Gottes kaufen? Nein, du hast keinen Anteil daran und kein Recht darauf, denn du bist nicht aufrichtig vor Gott! Ändere deine Einstellung, wende dich von deiner Bosheit ab und bete zum Herrn. Vielleicht vergibt er dir deine bösen Absichten. Ich sehe ja, dass deine Gedanken völlig vergiftet sind und du im Bösen verstrickt bist.“

Ziemlich lahm antwortet ihm Simon: “Betet ihr für mich!” Aber Buße kann niemand stellvertretend für einen anderen tun. Nach der außerbiblischen Überlieferung verfolgte Simon seinen Weg weiter und wurde ein Begründer der synkretistischen Irrlehre der Gnosis.

Während Philippus von Gott an einen anderen Dienstplatz versetzt wurde, predigten die beiden Apostel auf dem Rückweg nach Jerusalem in vielen samaritischen Dörfern das Evangelium.

Simon ist für uns eine Warnung. Glaube und Glaube können zwei grundverschiedene Dinge sein. Der echte Glaube ist ein Werk Gottes. Wir können ihn nicht machen. Wir können nichts dafür tun. Wir können nur dem Spiegel, den sein Wort uns vorhält, recht geben und  zustimmen, dass wir durch und durch verdorben und verloren sind. Dann verspricht er uns: Ich werde euch reinigen, ich werde euch einen neuen Geist geben, ich werde euer Herz erneuern, dass ihr meinen Willen gerne tut.

Predigt-Nachlese: Religiosität oder Christus- Glaube?

Normalerweise schreibe ich die Predigt-Nachlese am liebsten, wenn alles noch frisch in meinem Kopf ist. Das hat diese Woche umständehalber nicht geklappt. Als ich nun heute den Text in Apostelgeschichte 7,51-60 und 8,1-8 mitsamt meinen Notizen nochmal durchging, hat sich mir vor allem aufgedrängt, wie sich in diesem Abschnitt der Unterschied zwischen Religiosität und echtem Glauben darstellt. Die Personen, an denen man das studieren kann, sind auf der einen Seite der sog. Hohe Rat und Saulus, und auf der anderen Seite Stephanus und Philippus. Ich hab das mal wie folgt geordnet:

Religiosität Christus-Glaube
Was wird verehrt? Die Verehrung gilt einem Regelwerk und letztlich dem eigenen Ich, das in seinem Stolz meint, Gott durch das Einhalten von Gesetzen beeindrucken zu können

 

Die Verehrung gilt dem Gott, der der Urheber des Alten Testamentes ist, und seinem Christus.
Zustand des Herzens Das “unbeschnittene Herz” ist trotz aller äußeren Frömmigkeit hart gegen die Wahrheit und rebelliert, wenn der Heilige Geist überführt Das Herz ist bereit, die Wahrheit anzuerkennen, Vergebung anzunehmen und Buße zu tun

 

Einstellung zum Wort Gottes Geistliche Blindheit hindert sie, das Alte Testament zu verstehen Für sie spricht das ganze Alte Testament  von Christus; Josef und Moses z.B. sind  Bilder auf den verworfenen Retter; die Prophezeiungen sind eindeutig

 

Einstellung gegenüber dem Gegner Hass, Verfolgung und Mord Vergebung und Segen

 

Resultate Verwüstung, Gefangenschaft und Tod Heilung und Befreiung, geistliche Fruchtbarkeit, große Freude

 

Ein Seitenwechsel ist möglich, wie man an Saulus sieht, der später Jesus begegnet und zum Paulus wird. Und wie kommt man von hier nach da? Indem man erkennt, dass man vor Gott ein verlorener Sünder ist, der sich selbst nicht helfen kann. Wenn Stolz und Selbstgerechtigkeit zerbrochen sind, dann ist die gute Botschaft, dass Jesus für meine Sünden gestorben ist, wie Wasser für einen Verdurstenden. Da stürzt man sich drauf, und dann wird es nicht anders sein als es in Vers 8 heißt: Es herrschte große Freude in der Stadt.

Predigt-Nachlese: Glauben oder Werke?

Text: Galater 2, Römer 3, 19-31

Der Brief von Paulus an die Galater ist “schwer verdaulich.” Der Apostel ist so ganz und gar nicht begeistert von dem, was sich da unter ihnen ausgebreitet hat, dass ihm die sonst üblichen freundlichen Worte fehlen. Er kann sie nicht loben. Er sieht, wie sie den Rückwärtsgang einlegen: Das, was sein altes Leben bestimmt hat, bevor er Christus begegnete, das wollen sie jetzt wieder einführen!

Die Frage, die sie falsch beantwortet hatten, ist diese: Wenn wir vor Gott dem Richter stehen – was bewirkt unseren Freispruch? Er hatte ihnen die richtige Antwort  verkündigt, und jetzt ist sie ihnen nicht mehr genug. Sie wollen das Gesetz wieder einführen. Schließlich muss der Mensch doch auch was beitragen, um vor Gott gut dazustehen, oder?

Ein völlig hoffnungsloser Ansatz, meint Paulus. Haben wir das nicht schon erfolglos ausprobiert? Wir wissen, dass kein Mensch vor Gott bestehen kann, wenn er versucht das Gesetz zu halten. Bestehen kann er nur durch den Glauben an Jesus Christus. Darum haben wir ja Christus vertraut, um durch den Glauben an ihn bei Gott angenommen zu werden – und nicht durch Erfüllung des Gesetzes. Kein Mensch kann durch Gesetzeserfüllung die Gerechtigkeit erreichen, die vor Gott gilt.

Als im 15. und 16. Jahrhundert diese lang verschüttete Wahrheit wieder entdeckt und am durchdringendsten durch Martin Luther proklamiert wurde, haben viele sie mit ihrem Blut besiegelt – denken wir an John Wyclif, Johannes Hus, die Hugenotten und viele andere.  Der Teufel kann diese Wahrheit nicht leiden! Wer sie über Bord wirft, spuckt auf das Opfer dieser Menschen.

Hat nun das Gesetz gar keinen Sinn und keine Funktion? Für was ist es denn dann überhaupt gegeben worden?

Das Gesetz führt dazu, dass man seine Sünde erkennt, sagt Paulus in Römer 3,20. Es stopft uns unser “Ich bin ein guter Mensch und besser als die andern”-Großmaul. Es überführt uns davon, dass wir verloren sind und einen Retter brauchen. Wir erkennen, wie dunkel unsere Nacht ist – umso heller scheint uns Jesus und sein Evangelium der Gnade.

Nicht dass wir durch unsere Schuld vor Gott zum Tod verurteilt sind, ist unser Problem – denn dafür starb Jesus an unserer Stelle –, sondern dass wir meinen, gut genug zu sein und keinen Retter zu brauchen, es selber zu schaffen, stolz auf uns sein zu können. Um uns da zu desillusionieren, hält uns das Gesetz Gottes einen heilsamen Spiegel vor. Kann man da noch selbst auf etwas stolz sein? fragt der Apostel. Das ist ausgeschlossen. Wir sind völlig auf die Gnade geworfen, die Gott uns durch Jesus anbietet. Wir können nichts tun. Wir sind wurzeltief schlecht.

Aber halt! Steht nicht im Jakobusbrief: Der Glaube ohne Werke ist tot?  Durchaus, aber man muss diese Aussage im Zusammenhang lesen. Wenn wir echten Glauben haben, wird sich das in unserem Leben auswirken. Die Bibel hat ein Wort dafür: Frucht. Wer sich mit seiner ganzen Existenz auf Jesus als seinen Retter verlässt, dessen Leben verändert sich. Wie eine Rebe am Weinstock nichts “tut” als eben eine Rebe zu sein, nämlich verbunden mit dem Stamm und aus der Kraft dieses Stammes lebend, so kommt die Kraft des Christen aus Jesus und sein Leben bringt immer mehr hervor, was Gott gefällt (vgl. Johannes 15). Nicht, indem wir versuchen, gut und besser zu werden, kommen wir dahin, sondern indem wir die Nähe Jesu suchen, uns auf ihn verlassen, auf ihn hören.

Euer Leben wird dann als Frucht alle Art von guten Werken hervorbringen, und ihr werdet Gott immer besser verstehen. (Kolosser 1,10)

 

Härte und Güte

In unsrer Bibelstunde sind wir seit einiger Zeit in den Samuel-Büchern und damit im Leben Davids unterwegs.

Gottes Handeln an David stellt vieles auf den Kopf, was man sich so unter einem gütigen und gnädigen Gott vorstellt, und doch ist es gerade David, der diese Güte immer wieder in seinen Liedern besingt.

Gott vergibt David eine große Schuld – ganz und komplett. Ihre gestörte Beziehung wird geheilt und ist innig, als sei nie etwas gewesen. Doch lässt er ihn mit großer Härte die Konsequenzen seiner Sünde erfahren. Er droht es ihm an, und er führt es auch aus. Davids Leben wird nie wieder richtig gut. Zwar erlebt er Gottes Hilfe wieder und wieder, aber genauso wird sein Herz an der empfindlichen Stelle der engsten Beziehungen ständig gebrochen. Wie passt das zusammen? Warum tut Gott das, wenn er doch vergeben hat? Wenn er Davids Sünde vergessen und in die Tiefe des Meeres geworfen hat – warum muss er David dann dauernd daran erinnern? Warum muss David die ganze Misere auskosten, die er angerichtet hat?

Unser Problem ist, dass wir eine falsche Vorstellung von Liebe haben. Wir denken, Gott hat so eine Affenliebe zu uns wie wir selbst zu unseren Kindern, denen wir gern jeden Stein aus dem Weg räumen würden.

Als ich vor 16 Jahren meine Arbeit unter geistig behinderten Menschen begann, musste ich als erstes lernen, nicht zu helfen. Ich kam mit der Vorstellung, dass man diesen armen Menschen doch alles durchgehen lassen und sie von hinten bis vorne bedienen müsse. Glücklicherweise habe ich Kollegen, die begnadete Erzieher sind, und die mir vormachten, wie es geht: herzliche Beziehung, ein Förderplan und unerbittliche Konsequenz. Meine anfänglichen Zweifel wurden überwunden, als ich die Erfolge bei Menschen sah, die alle anderen aufgegeben hatten. Ich verstand: Liebe ist nicht unbedingt “lieb sein”. Liebe ist, für den anderen ein gutes Ziel haben und dafür sogar mal das eigene Harmoniebedürfnis hintenan zu stellen. Natürlich ist dieses unser berufliches Handeln menschlich, unvollkommen und mit Gottes Liebe gar nicht zu vergleichen, aber gewisse Parallelen gibt es doch.

Bewirken denn die Konsequenzen der Sünde irgendetwas Zielführendes in unserem Leben? Bei mir schon. Sie halten alles in der richtigen Proportion: Gott groß, mich klein. Nur mit der richtigen Sicht kann man richtig leben.

  • Sie halten mich auf dem Boden der Tatsachen. Wann immer es mir zu Kopf steigen will,  mit Gott befreundet zu sein, erinnern sie mich daran, dass das nicht daran liegt, dass ich so eine tolle Type bin.
  • Sie halten mich abhängig von Gott, weil ich damit allein nicht zurecht kommen kann.
  • Sie treiben mir jeden Gedanken aus, dass  Gnade ein Rechtsanspruch sein könnte.
  • Sie helfen mir, Gott mehr zu lieben als seine Gaben.
  • Sie verhindern, dass für die Menschen um mich herum das Bild Gottes verdunkelt wird, oder dass sie ihn aus den falschen Motiven suchen.
  • Sie halten mich in der Gemeinschaft der Glaubenden demütig und transparent und offensichtlich hilfsbedürftig. Sie befreien mich von allem geistlichen Elite-Denken.
  • Sie machen die barmherzige Hilfe Gottes um so herrlicher.

Wahrscheinlich bewirken sie noch viel mehr als das, was mir jetzt so einfällt. Was sie nicht tun: Sie beeinträchtigen oder verhindern unsere Beziehung zu Gott nicht. Mitten in seinem Erziehungshandeln lässt er uns seine tiefe Liebe spüren, seine Hilfe zukommen, offenbart uns sein Herz, baut mit uns eine immer engere Beziehung.

Was für ein Gott!