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Predigt-Nachlese: Von Melite nach Rom

Predigttext: Apostelgeschichte 28

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Via Appia Antica, von Stefano Constanini, Creative Commons Lizenz

Paulus hat es mit den anderen geretteten Schiffbrüchigen auf die Insel Melite verschlagen. Es ist kalt und es regnet. Die Einwohner sind sehr freundlich, nehmen sie auf und machen ein Feuer. Paulus hilft beim Reisig-Zusammenlesen. Als er das Holz auf das Feuer legt, schießt eine Giftschlange heraus und verbeißt sich in seine Hand.

Die Eingeborenen ziehen sofort ihre Schlüsse: Der ist bestimmt ein Mörder! Muss ja auch einen Grund haben, dass er als Gefangener nach Rom gebracht wird! Jetzt ist er aus dem Meer gerettet worden, aber der gerechten Strafe kann er nicht entfliehen! (Sie bestätigen damit übrigens Römer 2: Auch Heiden, die nie mit dem Gesetz des Alten Testamentes in Berührung gekommen sind, haben ein Bewusstsein von falsch und richtig.)

Paulus bleibt ganz gelassen. Er weiß, dass ihn das nicht umbringen kann, denn Gott hat ihm gesagt, dass er nach Rom kommt. Er jammert auch nicht: Das jetzt auch noch! Hab ich nicht genug mitgemacht? Er schüttelt das Tier einfach ins Feuer, und ihm passiert nichts. Das verwundert die Menschen jetzt vollends. Dieser Mann ist ein Mysterium! Am Ende ist er einer der Götter!

Paulus allerdings weiß, dass er nichts ist als ein begnadigter Sünder, der auf diese Insel gebracht wurde, um dort den Namen seines Retters groß zu machen. Als Publius, der Oberste der Insel, sie als Gäste aufnimmt, betet er für dessen schwerkranken Vater. Weil seine Heilung sich herumspricht, kommen all die Kranken und bitten um Gebet und werden gesund. Eine wunderbare Gelegenheit für Paulus, Jesus zu verkündigen! Drei Monate haben sie Zeit, um aus diesen neuen Gläubigen Jünger zu machen. Ihre Dankbarkeit zeigen die Inselbewohner, indem sie dafür sorgen, dass es ihnen für die Weiterfahrt an nichts mangelt.

Nun geht es endlich nach Rom. Die Brüder dort haben schon gehört, dass Paulus kommt. Sie gehen ihm mehr als zwei Tagereisen weit entgegen und geben dem Gefangenen Geleit wie einem siegreichen General! Ihre Liebe ist für Paulus eine große Ermutigung. Er wird hier nicht alleine kämpfen müssen.

In Rom hat Paulus große Möglichkeiten. Seine Untersuchungshaft erlaubt ihm, – zwar unter ständiger Anwesenheit eines Wachsoldaten – eine eigene Wohnung zu haben, wo er nach Belieben Leute empfangen kann. Er lädt die jüdische Führung zu sich ein, die auch ganz neugierig sind, mehr von ihm über diese “Sekte” zu erfahren, von der sie nur wissen, dass sie überall heiß diskutiert und abgelehnt wird. Paulus erklärt ihnen an Hand des Alten Testamentes, wer Jesus ist und wie sein Reich aussieht. Einige lassen sich überzeugen, andere nicht. Zwei Jahre kann er ungestört das Wort Gottes lehren und vor allem Briefe schreiben: Noch heute profitieren wir von seinen Briefen an die Epheser, Kolosser und Philipper. Auch der Brief an Philemon stammt aus dieser Zeit. Er weiß jede Situation für die Verkündigung des Evangeliums und den Aufbau der Gemeinden zu nutzen und verschwendet keine Energien auf Selbstmitleid.

Wir wissen, dass Paulus nach diesen zwei Jahren freigesprochen, aber später wieder verhaftet und hingerichtet wurde. In allen Umständen blieb er seinem Lebensmotto treu:

Dass durch mein Leben Christus in allem geehrt wird, ob ich nun lebe oder sterbe. Denn Christus ist mein Leben.

Predigt-Nachlese: Würden doch alle wie ich!

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Predigttext: Apostelgeschichte 25 und 26

Würden doch alle wie ich!

Der Mann, der das ausruft, ist gefangen und gefesselt. Aber er weiß, dass er das größte Glück besitzt, weil seine Sünden vergeben sind, und er Gott seinen Vater nennen kann. Und er wünscht diese Freude jedem, Freunden und Feinden, und auch dem König Agrippa, vor dem er zum Verhör erschienen ist.

Paulus hatte sich auf den Kaiser in Rom berufen, als er merkte, dass er in Gefahr stand, den jüdischen Führern ausgeliefert zu werden, bei denen Festus Pluspunkte sammeln wollte. Willst du dich in Jerusalem verantworten? hatte Festus ihn gefragt. Nein, da würde ihm kein Recht werden, das war ihm klar, dann lieber nach Rom! So bleibt er also in Gewahrsam, bis eine Möglichkeit gefunden würde, ihn zum Cäsar zu senden.

Nun ist es etwas schwierig, jemand ohne überzeugende Anklagepunkte in ein Berufungsverfahren zu schicken. Da trifft es sich gut, dass Festus hohen Besuch bekommt, den er um eine Stellungnahme und Rat bitten kann. König Agrippa der Zweite und seine Schwester Berenike sind seine Gäste, und ja, Agrippa ist neugierig: Ich würde diesen Mann gern kennenlernen und hören, was er zu sagen hat.

Und dann steht der treue Zeuge Jesu vor ihm und seinem ganzen Tross im Gerichtssaal und bekommt die Gelegenheit, zu reden. Ich schätze mich glücklich, dass ich mich vor dir verteidigen kann, beginnt Paulus. Wirklich? Weiß er nicht, dass der Urgroßvater dieses Mannes die Kinder von Bethlehem hat abschlachten lassen, sein Großvater Johannes, den Täufer, auf dem Gewissen hat, und sein Vater Jakobus hinrichten ließ? Erwartet er etwa Gerechtigkeit von ihm?  – Nein, Paulus ist nicht naiv, aber er sieht eine Chance für Agrippa! Er wird heute das Evangelium hören und die Gelegenheit bekommen, sich zu Christus zu bekehren.

Bei Agrippa muss Paulus nicht bei Null anfangen. Er weiß viel aus der Heiligen Schrift. Er ist zwar In Rom erzogen worden, aber in allen jüdischen Gebräuchen und Streitfragen wohl bewandert. Genau genommen ist er von Rom als Oberaufsicht über den Tempel eingesetzt. Paulus erzählt ihm nun von seinem eigenen Leben: Wie fromm er war und doch so verloren, weil er Jesus bekämpft hat. Die bösen Dinge, die er den Gläubigen getan hat. Wie der Auferstandene ihm begegnet ist und sein Leben auf den Kopf gestellt hat. Von dem Auftrag, den er bekommen hat. Und ja, für alle Menschen und auch für Agrippa gilt das Angebot, umzukehren und aus der Finsternis zum Licht und aus der Gewalt Satans zu Gott zu kommen!  Vergebung der Sünden und ein ewiges Erbe – dafür hat Christus gelitten und stellvertretend unsere Strafe auf sich genommen. Es gab Gnade für den Sünder Paulus wie es auch Gnade für den Sünder Agrippa geben kann.

Festus ist das alles ein bisschen zuviel. Paulus, du hast den Verstand verloren! Dass Christen verrückt sind, ist keine unübliche Anklage, um die Ablehnung unserer Botschaft zu rechtfertigen. Aber wir könnten gar nicht vernünftiger sein, denn das, was wir glauben, steht auf der festen Grundlage uralter Verheißungen! Paulus wendet sich wieder an den König: Agrippa, glaubst du den Propheten? Ich weiß doch, dass du glaubst!  Agrippa, so herausgefordert, antwortet etwas nervös: Du überredest mich noch, ein Christ zu werden!

Ach, wie gerne täte Paulus das!  Es ist sein tiefster Herzenswunsch, dass alle würden wie er, nur ohne diese Fesseln! Aber Agrippa übergeht diesen Ruf an sein Herz. Der Mann ist interessant und seine Lebensgeschichte berührend, da ist was dran – aber werden wie er? Die Kosten sind ihm zu hoch. Er geht zur Tagesordnung über.

Eine tragische Geschichte! Gott bietet Versöhnung an, es geht um Himmel oder Hölle, Licht oder Finsternis, Leben im  Reich Gottes oder im Machtbereich Satans. Wer nicht wählt, wählt auch – es gibt keinen neutralen Boden. Lass das nicht deine Geschichte sein! Weise deinen Erlöser nicht ab! Wenn ihr heute die Stimme Gottes hört, verschließt euch seinem Reden nicht! (Hebräer 3,15)

Bild: Nikolai Korniliewitsch Bodarewskie [Public domain], via Wikimedia Commons

Predigt-Nachlese: Der sicherste Platz der Welt

…ist im Zentrum des Willens Gottes.

chicks-706486_1280Predigttext: Apostelgeschichte 23,12-35

Diese Erfahrung darf Paulus auch machen. Nach den Turbulenzen der letzten Tage, die ihn mehrmals an den Rand des Todes gebracht haben, begegnet ihm der Herr in der Nacht im Gefängnis und ermutigt ihn. Das hier ist noch nicht das Ende, weder seines Lebens noch seines Dienstes. Er hat nach seiner Bekehrung auf der Straße nach Damaskus einen Auftrag  und eine Berufung empfangen. Dieser Lauf ist noch nicht vollendet, und bis dahin ist sein Leben trotz aller Feindseligkeiten unzerstörbar.

Jetzt gibt ihm Jesus noch mal eine ganz konkrete Zusage: Du wirst in Rom für mich Zeugnis ablegen. Und er gibt seinem Knecht die Anerkennung, nach der seine Seele dürstet: …. so wie du in Jerusalem für mich gezeugt hast … Mag Paulus seine Versuche, seine Volksgenossen von Jesus zu überzeugen, vielleicht als Fehlschlag werten – Jesus sieht das anders.

Nun weiß Paulus zwar, dass er nach Rom kommen wird. Dass sich das noch zwei Jahre hinziehen wird, kann er aber nicht ahnen. Aber er braucht auch nicht ins Morgen zu schauen – es ist der allmächtige und souveräne Gott, der sein Leben führt. Dieser Gott sieht auch, dass sich schon der nächste Mordanschlag zusammenbraut, und hat schon Vorsorge getroffen, um ihn zu vereiteln. Der Hass der Gegner, deren religiöser Eifer sich mit Morden und Lügen gut zu vereinbaren scheint, hat im Lauf der Geschichte bis in unsere Zeit immer wieder Nachahmer gefunden. 40 Fanatiker haben sich mit einem Eid verschworen, nichts zu essen und zu trinken, bis sie Paulus getötet haben – einen Eid, dem sie nicht Genüge tun können! Denn ihr heimtückischer Plan kommt ans Licht durch den Neffen des Paulus, dem die Sache irgendwie zu Ohren gekommen ist, und der den zuständigen Befehlshaber darüber informiert. Was für Zufälle Gott hier arrangiert, um seinen Knecht zu beschützen!

Der Befehlshaber Claudius Lysias beschließt sofort, Paulus zu seinem Vorgesetzten Felix zu überstellen, ehe die Mörder zuschlagen können. Er lässt ihn von 200 (!) Soldaten begleiten und schickt einen Brief mit, in dem er einerseits die objektive Unschuld des Paulus feststellt, andererseits den Schwarzen Peter der endgültigen Entscheidung (mit dem Potential, die Juden gewaltig zu verärgern) an Felix weiterreicht.

Felix lässt ihn im Palast des Herodes aufbewahren, bis seine Ankläger kommen. Es ist zu vermuten, dass es Paulus dort – abgesehen vom Verlust seiner Freiheit – nicht schlecht geht. Das ist ein Zeichen der Fürsorge Gottes für seinen arg gebeutelten Diener. Er weiß, wann er mit Schlägen und Steinigungen innerlich zurecht kommen kann und wann er ein bisschen Ruhe braucht.

Für Paulus sind allerdings weder die guten noch die schlechten Erfahrungen das, was über seine Bereitschaft zur Nachfolge entscheidet. Leiden ist nicht nur ihn selbst, sondern für alle Kinder Gottes, ein unabdingbarer Bestandteil des Weges mit Jesus. Das hat er immer ganz klar gesagt. Aber genauso sicher ist, dass Jesus immer an der Seite der Seinen sein wird mit seiner Gegenwart, seiner Fürsorge und seinem Trost. Das Ziel des Glaubenslaufs liegt aber weder im Wohlergehen noch im Leiden, sondern in der Verherrlichung Gottes und in der Verkündigung des Evangeliums. Diesem Ziel alle Eigeninteressen unterzuordnen, hat uns Paulus vorgemacht.

Predigt-Nachlese: Liebe macht aus Katastrophen Gelegenheiten

Predigttext: Apostelgeschichte 21,47 – 22,16

chains-19176_1280 Paulus war mit einigen nichtjüdischen Brüdern nach Jerusalem gekommen. Sie brachten den Jerusalemer Christen Geld, das die Glaubensgeschwister in Griechenland und Mazedonien für sie gesammelt hatten. Er freute sich an diesem Ausdruck der Einheit zwischen den Christus-Gläubigen aus den Juden und aus den Heidenvölkern. Durch dieses miteinander Teilen sagten sie: Wir gehören zusammen als der eine Leib Christi. Dieses Zusammenwachsen lag Paulus sehr am Herzen!

Das hinderte ihn aber nicht daran, ein paar jüdischen Brüdern bei der Erfüllung ihrer Gelübde beizustehen, wie Jakobus ihn gebeten hatte. Dabei wurde er nun von Juden aus Asien im Tempel gesehen. Der zentrale Tempelbezirk war für Heiden gesperrt; sie durften sich nur im sogenannten “Vorhof der Heiden” aufhalten. Nun meinte jemand, der Paulus zuvor mit Trophimus, einem Nichtjuden aus Ephesus, in der Stadt gesehen hatte, Paulus habe Heiden in den Tempel gebracht  – ein Frevel! Im wegen des Passafestes überfüllten Jerusalem kam es dann ganz schnell zur Zusammenrottung eines aufgebrachten Mobs. Dieser Mensch, von dem sowieso das Gerücht ging, er predige gegen das Volk, das Gesetz und den Tempel, hatte sich erdreistet, das Heiligtum zu verunreinigen? Blasphemie! Er war des Todes! Sie schnappten ihn, schlugen ihn und wollten ihn umbringen.

Was wohl in Paulus vorging? Hier war Stephanus unter sehr ähnlichen Beschuldigungen aus der Stadt geschleift und gesteinigt worden. Damals war er, Paulus, auf der Seite der Mörder gewesen … jetzt war er auf der Seite Jesu.

Die Römer überwachten das Geschehen rund um den Tempel von der Burg Antonia aus. Daher konnte auch jetzt der Chiliarch mit seinen Soldaten schnell eingreifen. Er ließ Paulus dem wütenden Mob entreißen, gefangen nehmen und fesseln – so wie Agabus es voraus gesagt hatte! Unter dem Geschrei der mordgierigen Menge wurde Paulus zum Lager gebracht. Aber ehe Paulus dort in Sicherheit gesetzt werden konnte, hatte er eine Bitte. Erlaube mir doch, zu dem Volk zu reden!

Paulus sieht – mitten in der Katastrophe seiner Gefangennahme – in dieser feindseligen Menge  Menschen, die so sind, wie er früher war. Nur die Gnade, die Begegnung mit dem Auferstandenen, hatte aus ihm einen anderen gemacht. Aber diese Leute hier waren seine “Brüder nach dem Fleisch”, von denen er im Römerbrief (9,2.3) schreibt:

Mein Herz ist von tiefer Traurigkeit erfüllt, und es quält mich unablässig, wenn ich an die Angehörigen meines Volkes denke, an meine Brüder und Schwestern, mit denen ich durch die gemeinsame Abstammung verbunden bin. Für sie hätte ich es auf mich genommen, verflucht und für immer von Christus getrennt zu sein.

Er sieht hier keine Feinde, sondern Menschen, die das Evangelium brauchen – und eine wunderbare Gelegenheit zur Verkündigung!

Tatsächlich bekommt er die Erlaubnis dazu, und das Volk wird sogar ruhig. Obwohl er normalerweise Griechisch sprach, spricht er sie auf  Hebräisch an. Liebe Brüder und Väter! …Ich bin ein Jude wie ihr. Und er erzählt ihnen seine Geschichte, wer er war, und wie er wurde, der er ist. Ein Schüler des berühmten Rabbis Gamaliel, ein strenger Pharisäer und Christenverfolger – bis Jesus ihm begegnete. Die Herrlichkeit Jesu ließ ihn erblinden, so dass er seine geistliche Blindheit erkannte. Von da an war alles anders. Er bekannte in der Taufe, dass ihm, dem “Super-Pharisäer”, dem vermeintlich Gerechten, die Gerechtigkeit Gottes und die Beschneidung des Herzens gefehlt hatte, und dass er sie in Jesus gefunden hatte.

Er sagt ihnen die ganze Wahrheit, weil er sie liebt, obwohl sie ihn nicht hören wollen. Sie wollen nicht auf einer Stufe stehen mit den Heiden als rettungsbedürftige Sünder.

Was können wir von Paulus lernen?

  • Er lehnt sich gegen Schwierigkeiten nicht auf, sondern nimmt sie an als Plan Gottes.
  • Er sieht in Katastrophen Gelegenheiten für das Evangelium und Herausforderungen für sein Vertrauen.
  • Die Liebe lässt ihn Brücken suchen zu seinen Feinden.
  • Wenn er über sich selbst spricht, dann zur Verherrlichung seines Herrn Jesus Christus!

Predigt-Nachlese: Zielorientiert laufen

Predigttext: Apostelgeschichte 21,1-17

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Ich will meinen Lauf mit Freuden vollenden, hatte Paulus den Ältesten von Ephesus gesagt. Gott hatte ihm einen Dienst aufgetragen,  nämlich durch Verkündigung und durch das Zeugnis seines ganzen Lebens das Evangelium von der Gnade Gottes bekannt zu machen. Diesem Ziel ordnet er alles andere unter. Sein Herr und Erlöser ist es ihm wert! Die Liebe und Vergebung Gottes hatte aus einem hassgetriebenen Verfolger der Gemeinde einen Menschen gemacht, der die Jesus-Jünger  über alles liebte und sein Leben für sie hingab.

Nachdem er sich in einem tränenreichen Abschied von den Ältesten von Ephesus förmlich losgerissen hat, ist Tyrus seine nächste Station. Er weiß, dass es dort Jünger gibt. Wer die Gemeinde gegründet hat, wissen wir nicht, aber vermutlich sind es Gläubige auf der Flucht vor der Verfolgung gewesen – auf der Flucht vor ihm in seinem alten Leben als erbitterter Feind der Gemeinde Jesu. Jetzt hat er nichts Wichtigeres zu tun, als diese Jünger zu suchen, um sie zu ermutigen, und er findet sie auch und bleibt sieben Tage bei ihnen. Der Heilige Geist hat ihnen etwas gezeigt, was Paulus auch schon weiß: Dass er in Jerusalem in große Schwierigkeiten kommen wird. Weil sie ihn lieben, ermahnen sie ihn, doch dort nicht hinzugehen. Als er weiterziehen muss, begleiten sie ihn bis ans Ufer, wo sie niederknien und beten und so Abschied nehmen. Wo Kinder Gottes aufeinandertreffen, ist sofort dieses Band tiefer geistlicher Gemeinschaft geknüpft.

Die nächste Stadt auf seiner Reiseroute ist Ptolemäus – auch dort begrüßt er die Brüder – und dann geht es weiter nach Cäsarea. Hier trifft er den Evangelisten Philippus und seine vier weissagenden Töchter, die ihn ein paar Tage bei sich aufnehmen. In dieser Zeit besucht sie Agabus. Agabus ist schon als Prophet bekannt; er hatte die Hungersnot unter Klaudius vorausgesagt. (Er hat übrigens die Kennzeichen eines echten Propheten: Was er sagte, traf ein.) Ähnlich wie manche Propheten im Alten Testament stellt er das, was er sagt, bildlich dar: Er bindet sich mit Paulus Gürtel Hände und Füße und sagt: So spricht der Heilige Geist: Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem so binden und in die Hände der Heiden ausliefern!  Alle, die dabei sind, fangen an, auf Paulus einzureden. Er soll doch bitte nicht nach Jerusalem gehen! Sie können sich vermutlich nichts anderes vorstellen, als dass dies eine Warnung ist. Aber Paulus sieht das anders. Es soll ihn nicht abhalten, sondern vorbereiten. Und es gibt ihm auch die Gelegenheit, seinen Leuten zu demonstrieren, dass Schwierigkeiten nicht dazu da sind, umgangen zu werden, sondern dass er ganz bewusst da hinein geht, um sein Ziel zu erreichen. Schon ganz am Anfang seines Glaubensleben war ja Ananias bezüglich Paulus gesagt worden:  Dieser ist mir ein auserwähltes Werkzeug, um meinen Namen vor Heiden und Könige und vor die Kinder Israels zu tragen! Denn ich werde ihm zeigen, wie viel er leiden muss um meines Namens willen. (Apostelgeschichte 9,15.16) Bei seinem Auftrag war Leiden inklusive, aber er hatte ihn angenommen und es nie bereut. Es war alles so im Plan Gottes. Das müssen schließlich auch seine besorgten Freunde akzeptieren.

Wir wissen, dass Paulus auch später nicht ins Wanken gekommen ist. Aus dem Gefängnis haben seine Worte das Gewicht der Erfahrung, wenn er den Ephesern schreibt: Als einer, der für den Herrn im Gefängnis ist, ermahne ich euch: Lebt so, wie es der Berufung entspricht, die an euch erging. Seid euch der eigenen Niedrigkeit bewusst und begegnet den anderen freundlich, habt Geduld miteinander und ertragt euch gegenseitig in Liebe. Bemüht euch sehr darum, die Einheit, die der Geist Gottes gewirkt hat, im Verbund des Friedens zu bewahren. Ihr seid ja ein Leib; in euch lebt der eine Geist und ihr habt die eine Hoffnung bei eurer Berufung bekommen.

Er ermutigt uns, auch unser Rennen zielorientiert zu laufen, in der Einheit und Gemeinschaft, die uns Gott in seiner Gemeinde durch seinen Geist schenkt, und uns von nichts erschrecken und abbringen zu lassen.