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Stimmst du dem Kreuz zu?

agree-1728448_1920Warum lehnen so viele Menschen die Botschaft des Kreuzes ab?

Weil das Kreuz unser Todesurteil zeigt. Das Kreuz zeigt, was wir verdient haben. Wir haben die Rechtsforderung Gottes nicht erfüllt. Ob wir nun das Gesetz Gottes kennen und in allen Einzelheiten wissen, wo wir versagt haben, oder ob es nur unser natürliches Gewissen ist, das uns verurteilt – wir wissen es alle, dass wir gesündigt haben. Deswegen wollen wir ja ständig Ausgleich schaffen durch gute Taten, uns bessern oder uns zumindest nach außen weiß anstreichen. Aber Gott, der unsere Sünden genauer gesehen hat als wir selbst und bei dem sie in Büchern verzeichnet und fürs Gericht aufbewahrt sind, zeigt uns durch das Kreuz: Das hast du verdient. Alles. Die Schmerzen, die öffentliche Zurschaustellung deiner Schmach und Schande, die Gottverlassenheit. Erkennst du es an? Stimmst du zu? Dann rechne ich dir das Opfer des einen Reinen und Sündlosen zu und erkläre dich für gerecht.

Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm zur Gerechtigkeit Gottes würden. 2.Korinther 5,21

… das tat Gott, indem er seinen Sohn sandte in der gleichen Gestalt wie das Fleisch der Sünde und um der Sünde willen und die Sünde im Fleisch verurteilte, damit die vom Gesetz geforderte Gerechtigkeit in uns erfüllt würde … Römer 8,3.4

Aber das Zugeben, das Anerkennen unserer absoluten Aussichtslosigkeit und Fluch-Würdigkeit und Verlorenheit, das fällt uns so schwer. Und dass dann ein anderer für unsere Sünden geradesteht, dass wir uns gar nicht selbst retten können, das bricht unseren Stolz.

Weil das Kreuz uns alle gleich macht. Wir hoffen immer noch auf den Vergleich: Ich übertreibe zwar manchmal, aber ich lüge nicht (außer wenn’s unbedingt sein muss). Ich mache zweideutige Witze und riskier schon mal einen Blick, aber ich bin doch meinem Partner treu. Ich hasse manche Menschen, aber ich bring niemand um. Ich bin auf jeden Fall besser als XY. Ich setze mich für andere ein. ich liebe meine Familie. Aber es gibt kein Todesurteil „light“ am Kreuz. Es gibt keine Variante für „Halbgerechte“, keine für „über dem Durchschnitt-Gerechte“. Es ist auch völlig egal, ob unsere Sünde gesellschaftlich anerkannt oder total verpönt ist. Wir haben es alle verdient, weil Gott nicht nur unser Verhalten sieht, sondern auch unsere tiefsten Motivationen. Deswegen nehmen die, die das Kreuz für sich annehmen, jeden anderen, der das auch tut, freudig in die Arme, egal, wie er früher gelebt hat. Sie erkennen bei ihm die gleiche Gnade, die sie selbst empfangen haben.

Wisst ihr denn nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht: Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Weichlinge, noch Knabenschänder, weder Diebe noch Habsüchtige, noch Trunkenbolde, noch Lästerer, noch Räuber werden das Reich Gottes erben.  Und solche sind etliche von euch gewesen; aber ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerechtfertigt worden in dem Namen des Herrn Jesus und in dem Geist unseres Gottes! 1.Korinther 6,9-11

Weil das Kreuz die Welt verurteilt. Die damalige Menschheit, repräsentiert durch die jüdische Obrigkeit und die römische Besatzungsmacht, hat durch die Kreuzigung Jesu eine klare Absage an Gottes Reich und König gemacht. „Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrscht“, riefen die Leute. „Ich will nicht, dass er meine Karriere stört“, dachte Pilatus, auch wenn ihm nicht wohl dabei war. Sie haben ihn sehr eindeutig verworfen. Aber man kann Jesus auch dadurch verwerfen, dass man ungestört weitersündigen will. Sogar die Kirche, die ihn offiziell als Herrn anerkennt, kann ihn verwerfen, wenn sie trotzdem dem Zeitgeist oder der Habsucht dient. Worte allein sind keine Umkehr. Wer dem Gekreuzigten anhängen will, muss bereit sein, die Ablehnung der Welt mit ihm zu teilen. An Pfingsten predigt Petrus:

Lasst euch retten aus diesem verkehrten Geschlecht! Apostelgeschichte 2,20

Und im Hebräerbrief werden wir aufgefordert:

So lasst uns nun zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers, und seine Schmach tragen!  Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Hebräer 13,13.14

Das Kreuz ist der Inbegriff der Liebe und Gnade Gottes. Es macht uns klein in unseren eigenen Augen. Und dann macht es uns wieder „groß“: Wir werden Gottes Kinder und Erben.  Einer meiner Lieblingsverse in der Bibel (den ich fast jeden Morgen singe) sagt es so:

Ihm, der uns geliebt hat und uns von unseren Sünden gewaschen hat durch sein Blut, und uns zu Königen und Priestern gemacht hat für seinen Gott und Vater — Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Offenbarung 1,5.6

Stimmst du dem Kreuz zu?

Das schwierige Hier und Jetzt und der Blick auf das Ziel

Photo by <a href="https://unsplash.com/@yosef_fxum?utm_source=unsplash&utm_medium=referral&utm_content=creditCopyText">Yosef Futsum</a> on <a href="https://unsplash.com/s/photos/goal?utm_source=unsplash&utm_medium=referral&utm_content=creditCopyText">Unsplash</a>Ich habe gerade eine Biografie Hudson Taylors gelesen. Was mich am meisten beeindruckt hat – neben dem Glauben dieses Mannes – , war sein großes Durchhaltevermögen trotz all des Widerstandes aus den Reihen seiner Mitgläubigen und der häufigen Machtkämpfe und Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Mission. Das alles kann man nur aushalten, wenn man 1. Gott vertraut, dass sich sein Plan trotzdem erfüllt, und 2. einen Blick weit darüber hinaus hat, eine Hoffnung und ein Ziel.

Nun ist mir heute in meiner stillen Zeit das gleiche Motiv wieder begegnet. Ich bin mit meiner Bibellese gerade im Lukasevangelium bei dem letzten Passafest, das Jesus mit seinen Jüngern feiert.

Sie sind die Menschen, die Gott ihm gegeben hat, die er so sehr liebt, in die er Tag und Nacht investiert hat, mit denen er Großes vorhat. Er hat sich von ganzem Herzen danach gesehnt, dieses Passa zum letzten Mal in dieser Welt mit seinen Freunden zu feiern. Er sieht klar, was vor ihm liegt:  die volle Entladung von finsterstem Hass, Verleumdung, falsche Anklage, offener Rechtsbruch, Folter, Tod und Schande. Wenn man jemals Freunde bräuchte, dann jetzt. Er weiß auch, dass einer von ihnen sein Verräter sein wird, aber das weiß er schon länger. Aber nun … fangen diese Freunde, mit denen er gerade versucht hat, über diesen Verrat und seinen Tod zu sprechen, einen Streit an: Wer unter uns ist denn der Wichtigste? Wer ist hier der Chef? Und nachdem Jesus ihnen geduldig und mit Beispiellektion noch einmal erklärt hat, wie sie eigentlich denken und handeln sollten, sagt er ihnen, wo er diese Chaoten in der Zukunft sieht: Auf zwölf Thronen in seinem Reich als Richter über die zwölf Stämme Israels.

Aber im Hier und Jetzt wird Petrus ihn erst mal verleugnen. Diesen Nazarener? Kenn ich nicht. Keine Ahnung, hab ich nichts mit zu tun! Was sagt Jesus ihm? Das wirst du tun, aber du wirst zurückkommen zu mir und deinen Brüdern eine große Hilfe sein.

Dann hat Jesus noch einen großen Kampf auszufechten. Er muss sich gegen seine Angst ganz dem Willen des Vaters übergeben, und auch wenn er das nur allein tun kann, so wäre es doch schön, wenn seine Freunde mit ihm wachen würden. Aber sie sind einfach nur schwache Menschen, sie schaffen es nicht. Die Depression umfängt ihre Seele, und sie flüchten vor der harten und unausweichlichen Realität in den Schlaf, statt sich ihr zu stellen. Sie verstehen nicht, wie man geistlich kämpft, sie verstehen sich nur auf fleischliches Kämpfen, und den Schaden, den Petrus mit seiner “Hilfe” anrichtet, muss Jesus dann auch noch reparieren.

Und ach! ich erkenne mich so sehr selbst in ihnen, und ich erkenne meine Brüder und Schwestern. Wir neigen ja dazu, wenn Leute uns auf die Nerven gehen, ihre Echtheit anzuzweifeln und von “sogenannten Gläubigen” zu sprechen (nur wir sind immer echte Gläubige). Jesus tut das nicht (Judas ist eine Ausnahme). Nein, er verordnet ihnen ein Reich, er betet für den schwachen Petrus, er macht aus Petrus’ blödsinniger Verteidigungsaktion ein Heilungswunder, und er geht seinen Weg geradeaus und allein und liebt sie trotzdem. Er sieht durch alle Offensichtlichkeiten hindurch: Von nun an wird der Sohn des Menschen sitzen  zur Rechten der Macht Gottes (Lukas 22,69).

In Hebräer 12,1-3 wird uns das Geheimnis des Durchhaltens so beschrieben:

… lasst uns mit Ausdauer laufen in dem Kampf, der vor uns liegt,  indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen das Kreuz erduldete und dabei die Schande für nichts achtete, und der sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat.  Achtet doch auf ihn, der solchen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht müde werdet und den Mut verliert!

Es ist vollbracht!

aaron-burden-9npCsdGQ4qU-unsplashAus Jesaja 53: Er war verachtet und von den Menschen verlassen, ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut, wie einer, vor dem man das Gesicht verbirgt. Er war verachtet, und wir haben ihn nicht geachtet. Jedoch unsere Leiden – er hat sie getragen, und unsere Schmerzen – er hat sie auf sich geladen. Wir aber, wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt. Doch er war durchbohrt um unserer Vergehen willen, zerschlagen um unserer Sünden willen. Die Strafe lag auf ihm zu unserm Frieden, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden. Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen eigenen Weg; aber der HERR ließ ihn treffen unser aller Schuld.

Aus dem Tagebuch von Petrus (3)

Eine Nacherzählung

Teil 1 und Teil 2

4. Eintrag

Heute ist Donnerstag. Wir haben Passah gefeiert, nur wir zwölf aus dem engsten Kreis und Jesus. Beim Essen fängt Jesus auf einmal an zu sagen: „Einer von euch wird mich ausliefern.“ Uns sank allen das Herz in die Hose. Einer von uns? Jeder von uns fragte: „Ich doch nicht? Wer könnte so etwas tun?“ Aber Jesus sagte nur: „Einer von euch Zwölfen, die hier mit mir essen. Zwar muss das alles mit mir passieren, was passieren wird, aber wehe demjenigen, der das tut. Besser wäre er nie geboren.“

Beim Essen sagte er dann: „Jetzt wird sich das erfüllen, was in der Heiligen Schrift vorhergesagt wurde: Der Hirte wird geschlagen, und die Schafe werden sich zerstreuen. Heute Nacht werdet ihr alle nicht zu mir halten. Aber wenn ich wieder auferweckt worden bin, werde ich euch in Galiläa treffen.“ Und dann wandte er sich zu mir und sagte: „Der Teufel wird euch alle durchschütteln wie das Korn auf der Tenne. Aber ich habe schon für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhört. Und wenn du wieder zu mir zurückkommst, dann sollst du deine Brüder stärken.“ Also wirklich! dachte ich. Was denkt er denn von mir? Bin ich ihm nicht ein treuer Freund gewesen? Hab ich nicht alles für ihn aufgegeben? Bin ich etwa ein Deserteur, der abhaut, wenn´s brenzlig wird? Ich würde ihn verteidigen bis aufs Blut! „Wenn keiner mehr zu dir hält“, sagte ich ihm, „auf mich kannst du dich verlassen. Ich bin bereit ins Gefängnis zu gehen oder zu sterben, aber dich verlassen – das kommt nicht infrage!“ Die anderen sagten auch Ähnliches, aber mich schaute Jesus ruhig an und sagte: „Ehe der Hahn zweimal gekräht hat, wirst du mich dreimal verleugnen.“

Rede du nur, dachte ich, ich werd´s dir beweisen.

Dann sagte Jesus, er wolle beten und nahm uns mit nach Gethsemane, das ist so ein Garten, wo wir öfters sind und manchmal sogar übernachten. Die anderen sollten sich hinsetzen, und Jakobus und Johannes und ich sollten mit ihm kommen. „Wartet hier auf mich, wenn ich bete. Passt auf!“, sagte er. Er war extrem ängstlich und beunruhigt und ging ein wenig weiter und warf sich auf die Erde, um zu beten. Und dann sind wir drei einfach eingeschlafen. All diese düsteren Reden, die Verwirrung, seine Angst – wir waren von all dem so fertig, wir konnten einfach nicht mehr. Nach so etwa einer Stunde hat er mich dann geweckt; das war mir ganz schön peinlich. „Schläfst du?“, fragte er. „Hast du es keine Stunde ausgehalten, mit mir zu wachen? Ihr solltet lieber wachen und beten, denn der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“ Und dann ging er wieder beten, und wir schliefen wieder ein, und so ging das dreimal. Schließlich sagte er: „Dann schlaft mal weiter! Kommt, wir müssen gehen. Es ist soweit – ich werde jetzt ausgeliefert.“

Und dann kam Judas mit den Schergen des Hohepriesters, alle bewaffnet bis an die Zähne, und Judas – also ER war es! – kam auf ihn zu und küsste ihn. In dem Moment haben wir verstanden, was die Stunde geschlagen hatte, und ich dachte: „Jetzt gilt´s!“ und nahm das Schwert, mit dem ich mich vorsichtshalber bewaffnet hatte, und schlug dem einen das Ohr ab. „Es reicht“, sagte Jesus da, und berührte sein Ohr und heilte es! Da wusste ich nicht mehr, was ich da noch sollte. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass er gar nicht wollte, dass wir ihn verteidigen. Einfach nur zugucken, wie er verhaftet wird? Kein Widerstand? Uns einfach mitverhaften lassen wie die Lämmer, die man zum Schlachten führt? Wir nahmen alle die Beine in die Hand und suchten das Weite.

Und ließen ihn allein.

Ich glaube, ich war noch nie in meinem Leben so verwirrt. Ich musste mich orientieren, wissen, wie das weitergeht. Das Herz blutete mir. Er ist nicht nur mein Messias, er ist ja auch mein Freund. Ich hänge an ihm. Ich habe Johannes gefragt; der hat irgendwie Vitamin B, und so durfte ich in den Hof des Hohenpriesters, denn ich wollte beobachten, was jetzt passiert. Ich fror wie verrückt. Es war kalt, aber ich fror auch von innen heraus, und ich wollte nicht allein sein, aber auch nicht auffallen, und so setzte ich mich zu den Dienern ans Feuer. Wir alle beobachteten gebannt, was sich da abspielte. Er stand da, und sie schleppten lauter Zeugen gegen ihn an, die sie wahrscheinlich gekauft hatten, aber sie hatten sie nicht gut vorbereitet, und so widersprachen sie sich gegenseitig. Jesus sagte gar nichts dazu. Schließlich fragte ihn der Hohepriester: „Bist du der Messias, der Sohn des Hochgelobten?“ Und Jesus antwortete: „Der bin ich! und ihr werdet den Menschensohn an der rechten Seite des Allmächtigen sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen.“ Jetzt! dachte ich, jetzt muss doch der Himmel seine Engel schicken und ihn da rausholen! Aber nichts dergleichen geschah, sondern alle schrien: „Man muss ihn töten!“ und begannen ihn anzuspucken und mit den Fäusten ins Gesicht zu schlagen.

Ich war völlig zerstört. Wer war dieser Mann? Hatte ich mich getäuscht? Hatte ich ihn nicht leuchten gesehen auf jenem Berg? Hatte ich nicht Gottes Stimme gehört? Wo war Gott jetzt?

Da kam eine von den Frauen, die für den Hohepriester arbeiteten, und sah mich scharf an. „Du gehörst doch auch zu dem Nazarener Jesus!“ Ich konnte nur mit Mühe mein Zittern beherrschen. „Nein, sagte ich, „ich doch nicht. Ich habe keine Ahnung von was du redest.“ Ich ging vorsichtshalber in den Vorhof. Aber dort war ein anderes Mädchen – hatten die sich abgesprochen? –, und sie sagte zu denen, die da herumstanden: „Der gehört auch zu diesem Jesus!“ „Nein, verdammt!“, erwiderte ich, „ich kenne den noch nicht einmal!“ dusan-smetana-Fxg394rc6JQ-unsplashDa fingen die anderen auch an: „Klar gehörst du dazu! Dein Akzent verrät dich!“ „Verflucht noch mal, nein! Ich schwör´s!“ Da krähte der Hahn zum zweiten Mal. Und Jesus drehte sich um und schaute mich an. Mit einem Blick voller Schmerz und voller Liebe, mit einem „Ich habe für dich gebetet“-Blick. Ich verließ den Hof und weinte und weinte und weinte. Ich hatte versagt. Ich hatte ihn verletzt. Ich war so ein selbstsicheres Großmaul gewesen, aber er kannte mich. Er hatte mir schon im Voraus vergeben. So viel Liebe!

Und jetzt würden sie ihn umbringen, und ich war allein, so allein wie noch nie. Der Hirte war geschlagen und die Schafe zerstreut, wie er gesagt hatte.

Aus dem Tagebuch von Petrus (2)

Eine Nacherzählung biblischer Ereignisse; der Beginn steht hier


3.Eintrag:

yousef-espanioly-Wd9JdX7a7ls-unsplashHeute Abend passierte dann wieder etwas sehr Beunruhigendes. Wir waren bei Simon eingeladen. Lazarus, den Jesus von den Toten auferweckt hat, war auch da, und Marta hatte mal wieder lecker gekocht und uns das Essen aufgetragen. Da kommt auf einmal eine Frau herein mit einer wertvollen Flasche Salböl in der Hand, entkorkt die Flasche und gießt das Zeug Jesus über den Kopf. Wir waren alle erstmal total perplex, was das sollte – dann fing Judas an, sich aufzuregen. Er meinte, das wäre doch jetzt die totale Verschwendung; sie hätte das Zeug lieber spenden sollen, da hätte man 300 Denare für bekommen und damit einen Haufen arme Menschen ernähren können. Judas weiß immer, was etwas wert ist; schließlich führt er unsere Kasse. 300 Denare – uns blieb der Mund offenstehen: Dafür muss ein Arbeiter fast ein Jahr schuften! Was die Frauen alles so mit sich herumtragen! Wir waren alle geneigt, uns Judas anzuschließen – das war ja nun ein völliger Blödsinn, das Jesus überzukippen! Aber Jesus nahm sie in Schutz: „Lasst sie in Ruhe! Wenn ihr den Armen helfen wollt, könnt ihr das immer tun. Aber mich habt ihr nicht mehr lange. Sie hat getan, was sie konnte, sie hat mich schon zum Begräbnis gesalbt.“ Begräbnis – bumm! Da war er wieder, der dunkle Schatten! Er kann einfach nicht aufhören damit. Ich glaube, Judas war gekränkt, dass er nicht Recht bekam. Er verließ kurz danach das Haus.

Fortsetzung folgt