Schlagwort-Archive: Erziehung

Der Gott des geduldigen Durchhaltens

wall-55895_1280Heute morgen fiel mir in Römer 15,5 eine interessante Beschreibung Gottes auf. In der Elberfelder Bibel liest sich das so: “der Gott des Ausharrens und der Ermunterung”. Ausharren ist nicht unbedingt ein Wort aus unserer Umgangssprache, aber man könnte es mit geduldigem Durchhalten in widrigen Umständen mit Blick auf das Ziel umschreiben. Die Zielorientierung, die Hoffnung, macht den Unterschied zu dumpfer Resignation oder Schicksalsergebenheit.

Was bedeutet das nun für mich, dass Gott der Gott des Ausharrens und der Ermunterung ist? Es gefällt mir, wie es die französische „Bible du Semeur“ übersetzt: Gott ist die Quelle der Geduld und des Trostes (Dieu, source de toute patience et de tout réconfort).  Das heißt für mich in allen Kämpfen, Anfechtungen und Widerwärtigkeiten:

  • Es ist GOTT, der mich festhält und durchträgt
  • Es ist GOTT, mir durch sein Wort Mut macht, der mich zurechtrückt, der mir eine neue Perspektive gibt
  • Es ist GOTT, der meine Tränen abwischt und mich tröstet
  • Es ist GOTT, der mir Menschen an die Seite stellt, damit wir uns gegenseitig ermutigen und ermahnen und mitziehen
  • Es ist GOTT, der mich erzieht und auch Schwierigkeiten verordnet, damit ich daran das Durchhalten und Vertrauen lerne
  • Es ist GOTT, der mich furchtsamen Schwächling mutig und standhaft macht

Also  – wohin wende ich mich, wenn ich down bin, nicht mehr kann, keinen Ausweg sehe, Angst habe? An den Gott des Ausharrens und der Ermunterung! Und wie können wir einander helfen? Indem wir Durchflussrohre für die Quelle  des Durchhaltens und des Trostes werden. Und das geht nur, wenn wir uns dazu auch zusammenfinden:

Wir wollen unbeirrbar an der Hoffnung festhalten, zu der wir uns bekennen. Denn Gott, der uns das Versprechen gegeben hat, steht treu zu seinen Zusagen. Und lasst uns aufeinander achten und uns gegenseitig zur Liebe und zu guten Taten anspornen. Deshalb ist es wichtig, unsere Zusammenkünfte nicht zu versäumen, wie es sich leider einige schon angewöhnt haben. Wir müssen uns doch gegenseitig ermutigen, und das umso mehr, je näher ihr den Tag heranrücken seht, an dem der Herr kommt. (Hebräer 10, 24.25)

Gottes Förderplan

Dass einige von uns Erdenwürmern beschließen, dass heute Nacht das Jahr 2014 endet und ein neues beginnt, ist für den Herrn aller Herren, für den ein Tag wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag sind, sicher nicht maßgeblich. Wir aber sind für unsere Orientierung in der Zeit auf diese Ab- und Einschnitte angewiesen, und nehmen sie zum Anlass, zurück und nach vorne zu schauen, und das kann durchaus was Gutes sein. Ich bin nicht so der Typ, der zum Jahreswechsel gute Vorsätze fasst – da kenne ich mich und meine beständige Unbeständigkeit zu gut … Trotzdem ist mir natürlich bewusst, dass es Änderungsbedarf bei mir gibt.

Auch wenn ich keinen Vorsatz habe, Gott hat mit Sicherheit einen, auch wenn er ihn nicht an unserem Silvester-Datum festmacht. Zu meiner beruflichen Arbeit gehört das Erstellen von Förderplänen für die geistig behinderten Menschen, die ich betreue. In regelmäßigen Abständen erheben wir den Ist-Zustand: Wo steht unser Klient? Gab es positive Entwicklungen? Hat sich eine neue Problemlage gezeigt? Ist er vielleicht sogar zurückgegangen? Und dann legen wir Förderziele fest: Wo wollen wir hin? Wie können wir ihn anleiten, um sich in ganz kleinen Schritten diesem Ziel anzunähern? Was braucht er dazu von uns? Wer kann daran mitwirken?

Gott hat auch so einen Förderplan für mich. Er weiß, wo er mit mir hinwill. Ich bin oft zu beschränkt, um seine Ziele zu erkennen. Mein Horizont ist viel zu eng, meine Vorstellungen zu vordergründig. Nicht nur das, ich kann auch meine Mängel und Macken gar nicht einschätzen, weil ich irgendwie wahrnehmungsgestört bin, wenn es um mich selbst geht. Aber das ist auch nicht so schlimm, weil er den Überblick hat. Er schickt mir Menschen (manchmal auch Bücher), die an meinem Glauben ergänzen können, was noch fehlt, was ich noch brauche an Belehrung oder Aufdeckung meiner blinden Flecken. Er schickt mir Bewährungsproben und Schwierigkeiten, damit ich anwenden kann, was ich gelernt habe. Wenn ich nicht klarkomme, analysiert er meine Schwachpunkte und bearbeitet die. Kurzum: Er hat die Sache in die Hand genommen, und ich vertraue ihm völlig, dass er mich zu einem guten Ende führen wird, wie sein Wort es verspricht: Der Gott, von dem alle Gnade kommt, hat euch berufen, mit Christus zusammen für immer in seiner Herrlichkeit zu leben. Er wird euch aufbauen, stärken, kräftigen und auf festen Grund stellen, auch, wenn ihr jetzt eine Weile leiden musstet. (1.Petrus 5,10) Der, der euch beruft, ist treu. Er wird euch auch ans Ziel bringen. (1.Thessalonicher 5,24)

Predigt-Nachlese: Die Verantwortung für die nächste Generation

Predigttext: 1.Samuel 1-4 in Auszügen

Im 1.Buch Samuel wird uns von Hanna erzählt, einer Frau, die unter ihrer Kinderlosigkeit litt. Im alten Israel war Unfruchtbarkeit ein Stigma, das eine Frau ins soziale Abseits stellte und die Altersversorgung unsicher machte. Um es ganz kurz zusammen zu fassen: Hanna bat Gott um einen Sohn und wurde als Erhörung ihres Gebets schwanger. Als nach der Geburt ihr Ehemann mit seiner anderen Ehefrau und ihren Kindern zum jährlichen Opfer nach Silo ging, beschloss sie: Wenn der Knabe entwöhnt ist, dann will ich ihn bringen, damit er vor dem Herrn erscheine und dort bleibe für immer!  Das hat sie dann auch getan. Sie brachte den kleinen Samuel in den Tempel des Herrn, wo er in der Obhut des Hohepriesters Eli aufwuchs und zu einem Diener Gottes erzogen wurde.

Diese Herzenshaltung ist für alle christlichen Eltern ein Vorbild: Mein Kind soll dem Herrn gehören und dienen sein Leben lang. ich möchte es zu einem gottesfürchtigen Menschen erziehen.

Die Arbeit an diesem Ziel ist ein gemeinsamer Auftrag für Eltern und Gemeinde. Unsere Kinder brauchen zusätzliche Vorbilder neben den Eltern, und sie müssen nicht nur unterwiesen, sondern  an ein Leben vor Gott gewöhnt werden. Es geht nicht nur um Wissen, sondern um praktisches Vormachen und Einüben.

Vorbild ist ein wichtiger Faktor, den wir nicht unterschätzen dürfen. Den Israeliten wurde gesagt: Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du auf dem Herzen tragen, und du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt oder auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst … (5.Mose 6,5-8) Welche Rolle spielt das Wort Gottes in unserem Familienleben? Suchen wir darin die Weisungen Gottes für unser Leben? Lesen wir es? Besuchen wir die Bibelstunden? Oder setzen wir aus Zeitmangel und Bequemlichkeit die Kinder lieber den falschen Stimmen der Musikindustrie und dem Evangelium der Filmindustrie aus? Verbringen wir Zeit mit unseren Kindern, um mit ihnen über Glaubensfragen zu reden und eigene Erfahrungen mit Gott mit ihnen zu teilen? Was für einen tiefen Eindruck kann es auf Kinder machen, wenn sie ihren Vater unter Tränen zu Gott flehen hören für die Errettung seiner Familie! Wenn dagegen zwischen Worten und Taten, vielleicht noch unter dem Deckmantel der Frömmigkeit, eine große Diskrepanz besteht, dann werden Kinder dem Glauben entfremdet.

Die letzte Verantwortung liegt trotzdem bei jedem Einzelnen. Samuel und Elis Söhne wuchsen im selben Umfeld auf.  Eli machte Fehler im Umgang mit seinen Söhnen, indem er ihr böses Treiben zu lange gewähren ließ, aber dass sie an ihrem gottlosen Leben festhielten war ihre eigene Entscheidung. Im starken Kontrast dazu steht die Haltung Samuels. Wie er bereit war, Eli zu gehorchen, auch wenn er dazu nachts dreimal sein Bett verlassen musste, so bereitwillig sagte er auch zu Gott: Rede, Herr, dein Knecht hört! Die Kraft, das zu tun, was Gott uns sagt, hat niemand aus sich selbst; das ist Gottes Werk. Aber wir dürfen den guten Samen in die Herzen säen, ein Vorbild sein und für unsere Kinder beten.

Mirjam, die rebellische Prophetin

Feuerbach_Mirjam_2

Feuerbach „Mirjam“

Ich, Mirjam, bin die große Schwester von Mose. Ich bin diejenige, die auf ihn aufgepasst hat, als  unsere Mutter ihn im verpichten Körbchen auf dem Nil aussetzen musste. Ich habe  ihn wieder nach Hause gebracht durch mein diplomatisches Geschick, so dass er wenigstens bis zum Abstillen bei seiner Familie bleiben konnte, Dann habe ich von fern sein Aufwachsen am Hof beobachtet und mit meiner Mutter gebetet, dass er seine Blutsbande und seinen Gott nicht ganz vergisst. Ich habe mich gefreut, als ich merkte, dass unsere Gebete erhört wurden, und er sich für sein Volk zu engagieren begann.

Dann verschwand er für viele Jahre in die Wüste Midians. Niemand wusste, ob er überhaupt noch lebte, bis zu dem Tag, als Aaron sagte: Gott hat zu mir gesprochen! Ich soll Mose entgegen gehen in die Wüste! Da waren wir alle schon nicht mehr jung und Aaron und ich gezeichnet durch ein langes Leben in der Sklaverei, und doch begann unser Puls zu rasen. Was hatte das zu bedeuten? Und plötzlich waren meine beiden Brüder die bedeutendsten Männer im Land, und jeder sprach von ihnen! Niemand konnte nicht mitbekommen, wie Gott durch sie – endlich! – sein Gericht an Ägypten vollstreckte und unsere Befreiung erwirkte. Ich war stolz auf sie.

Nie werde ich den Tag vergessen, als die Ägypter mit Mann und Maus im Schilfmeer ersoffen! Wir waren das Volk eines lebendigen Gottes, der sich zu unseren Gunsten stark machte! Der Geist Gottes erfüllte mein Herz, und ich nahm mein Tamburin und begann zu singen und den Höchsten zu preisen! Ich konnte gar nicht anders, es floss aus mir heraus, und alle Frauen schlossen sich mir an. Wir tanzten, bis wir nicht mehr konnten. Staunend erkannte ich, dass ich eine Führerin geworden war, eine Prophetin, durch die Gott sprach. Was war das mit unsrer Familie? Wir schienen alle eine besondere Beziehung zu Gott zu haben, Mose natürlich am meisten, aber wir wurden so eine Art Führungsteam.

Die Leute bewunderten Mose – manchmal. Manchmal beschimpften sie ihn auch und klagten ihn an. Immer stand er im Mittelpunkt. Bisweilen, vor allem, wenn mich weiter keiner beachtete, kam mir der Gedanke: Wo, Brüderchen, wärst du wohl ohne mich? Hätte ich dir nicht das Leben gerettet …. Ich fand, dass er sich ein bisschen aufspielte, so als wäre er Gott persönlich. Dabei gab es in seinem Leben durchaus dunkle Flecken. Seine Frau zum Beispiel … eine Ausländerin! War das etwa richtig?  Ich begann, mit Aaron darüber zu reden, dass mir das alles auf die Nerven ging. Er und ich – wir waren doch ebenfalls mit Gott verbunden. Er war Priester, ich war Prophetin. Gesprochen hatte Gott schon zu beiden von uns. Wir müssten das mal klarstellen, dass Mose auch nichts Besseres war als wir.

Wir sprachen solange darüber, bis wir genug Mut hatten, ihn öffentlich anzugreifen wegen seiner Frau. Die Frau war aber nur die Spitze des Eisbergs. Würde man erst mal den ganzen Mann ans Licht bringen, würde man sehen, dass er keine Extrawurst verdiente. Was sagte Mose dazu? Gar nichts. Heute weiß ich, dass er nie das Bedürfnis nach einer herausgehobenen Position hatte. Das war eher eine Last, die Gott ihm aufgelegt hatte – und die wir ihm gerade noch ein bisschen schwerer machten.

Dann kam Gott. Er sprach zu jedem von uns Dreien, dass wir uns vor dem heiligen Zelt einfinden sollten, und wir gingen hin. Ich war mir immer noch sicher, dass ich recht hatte … Die Wolkensäule kam herab, und Gott hieß Aaron und mich vortreten. Er war zornig! Wir hatten nicht Mose attackiert, wie wir meinten, sondern ihn. Denn er war es, der Mose in diese Position gebracht hatte. Er war es, der beschlossen hatte, mit ihm auf eine ganz andere, besondere und intime Weise zu reden. Und wir hatten uns nicht gefürchtet?

Als die Wolke weg war, sah ich meine Strafe. Ich war voller Aussatz, d.h. ich war aus der Gemeinschaft des Gottesvolkes ausgeschlossen. So schlimm war meine Sünde? ich hatte doch nur mit meinem kleinen Bruder ein ernstes Wörtchen reden wollen!

Aaron sah mich entsetzt an – er selbst hatte nichts. Ich glaube, sein Herz war nicht so stur wie meins, er sah seinen Fehler sofort ein. Er war betroffen und verzweifelt. Oh, bitte, sagte er zu Mose, wir waren verrückt und haben uns versündigt. Sie sieht ja aus wie ein totgeborenes, halb verwestes Kind! Bitte, tu was! Mose fiel sofort auf seine Knie. Er schrie zu Gott: Heile sie doch bitte! Ja, er sagte nicht: Siehste, das kommt davon! Er war selbst erschrocken über diese Maßnahme seines himmlischen Verteidigers.

Aber Gott sagte: Nein. Sieben Tage muss sie das jetzt mal ertragen. Sie hat meine Ehre verletzt. Schließt sie außerhalb des Lagers ein, und nach sieben Tagen kann sie zurückkommen. Und was soll ich sagen? Ich brauchte diese sieben einsamen, angsterfüllten Tage. Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken. Wie konnte es dazu kommen, dass ich, eine Dienerin Gottes, mich so mit ihm überwarf? Ich zeichnete die Spuren meines Weges zum Hochmut nach. Gott hatte mich begnadigt, und ich hatte mir ein Verdienst daran zugeschrieben. Er hatte mir Grenzen gesetzt, und ich war nicht mehr zufrieden damit. Ich wollte gar nicht mehr Gott dienen, ich wollte, dass er mir diente, indem er mir zu Ansehen und Ehre verhalf. Ich wurde ein Vergleicher und Fehlersucher (und fand natürlich etwas). Die nächste Stufe war Klatsch und Tratsch, um Verbündete und Rechtfertigung für meine Rebellion zu finden. Wenn Aaron dieselbe Sicht hatte, dann musste sie ja wohl stimmen. Irgendwann war ich in meinem Hochmut so selbstsicher geworden, dass ich bereit war, für meinen vermeintlich rechtmäßigen Platz zu kämpfen.

In der ganzen Zeit hatte ich mit Gott nicht über diese Sache geredet, sonst wäre es vielleicht nie so weit gekommen. Jetzt hatte ich sieben Tage Zeit, meine Scherben aufzusammeln. Keine Rechtsansprüche mehr vor Gott, nur die Bitte um Gnade. Keine große Prophetin mehr, nur eine Sünderin, die um Wiederaufnahme und Vergebung fleht.

Und ich bekam sie. Sie warteten auf mich, das ganze Volk und Mose, mein Bruder, der mich liebte  und für mich betete. Und dann zogen wir weiter.

Biblische Referenzstellen: 2.Mose 2, 2.Mose 15,20, 4.Mose 12

 

Predigt-Nachlese: Sich freuen in der Versuchung?

Predigttext: Jakobus 1,1-12

Versuchung, Prüfung, Anfechtung – ein Thema, das jeden von uns betrifft. Wir werden ungerecht behandelt, wir werden krank, wir erleiden Verluste, die Sünde lockt uns: Diese Dinge kommen in jedem Leben vor. Unsere erste Reaktion ist oft Selbstmitleid, und am besten soll unsere Umwelt da mit einstimmen. Jakobus aber schlägt hier eine ganz andere Sichtweise vor: Wir sollen diese Situationen als Bewährungsproben betrachten und uns darüber freuen!

Nun müssen wir zuerst einmal klären, von was wir überhaupt sprechen. Es gibt Prüfungen durch Leid, und es gibt Versuchungen zur Sünde. Sind das nicht zwei komplett verschiedene Dinge? Kommt nicht die Versuchung zur Sünde direkt vom Teufel? Wie kann sie dann eine Prüfung von Gott sein?

Wenn wir Hiob1,1-12 lesen, sehen wir, wie Gott die Versuchung Hiobs durch Satan autorisiert. Gott und Satan haben dabei total gegensätzliche Interessen. Gott möchte durch diese Prüfung beweisen, dass Hiob sein aufrichtiger Diener ist, der ihn nicht nur um seiner Segnungen willen liebt, sondern sogar dann an Gott festhält, wenn ihm alles genommen wird. Der Teufel dagegen möchte durch die selbe Versuchung Hiob dazu bringen, alles hinzuschmeißen und Gott abzusagen. Gott testet die Treue, Satans Ziel ist die Sünde. Wer bestimmt das Ergebnis dieser Prüfung? Hiob. Seine Reaktion war: Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen; der Name des Herrn sei gelobt!  Obwohl sogar seine Frau versuchte, ihn auf die Seite der Hölle zu ziehen: „Hältst du immer noch an deiner Gottergebenheit fest? Fluche Gott und stirb!“, blieb er dabei und sagte zu ihr: „Dummes Geschwätz! Das Gute nehmen wir von Gott an, sollten wir da nicht auch das Böse annehmen?“  Bei alldem kam kein sündiges Wort über seine Lippen (Hiob 2,9.10)

Ein anderes Beispiel dieser zwei verschiedenen Interessenslagen bezüglich ein und derselben Prüfung finden wir in der Versuchung Jesu in Matthäus 4. Jesus wird vom Geist Gottes in die Wüste geführt, um dort vom Teufel versucht zu werden. Gottes Absicht dabei ist es, die vollkommene Gerechtigkeit seines Sohnes ans Licht zu bringen. Die Absicht des Teufels ist es, Jesus zu eigenmächtigem Handeln zu bringen und einen Keil zwischen ihn und seinen Vater zu treiben. Und wiederum: Wer entscheidet das Ergebnis dieser Prüfung? Jesus!

Wie die Sache ausgeht, liegt an der Reaktion des “Prüflings”. Niemand anderes als wir ist verantwortlich, wenn wir versagen. Gott versucht niemand zum Bösen. Er ist rein und heilig und wünscht niemals, dass wir sündigen. Auch der Teufel ist nicht der wirkliche Verursacher, auch wenn er auf unseren Fall abzielt. Unsere eigene Lust, der wir nachgeben, ist der Grund. Wir sündigen, weil wir es wollen.

Warum nun testet Gott uns? Gott, der unsere Schwachheit kennt, will uns beibringen, uns ganz auf ihn zu verlassen. Er gibt uns Gelegenheiten, uns darin zu bewähren, zu lernen, in der Kraft des Heiligen Geistes der Versuchung zu widerstehen und die Prüfungen zu bestehen. Unser Glaube wächst und wird vervollkommnet, und auf die Länge reifen wir zur Standhaftigkeit. Die Erziehung Gottes, die manchmal weh tut, will uns verändern, und das ist ja das, was wir wollen. Er überfordert uns dabei nicht, denn er schafft mit der Versuchung den Ausgang. Manchmal beendet er eine Situation, manchmal führt er uns mitten hindurch. Wir sollten ihm darin vertrauen und nicht gleich in den Fluchtmodus wechseln, wenn es schwierig wird. Wenn wir den Glauben haben, der rettet, haben wir uns Gott anvertraut, dass er uns in das Bild seines Sohnes umgestaltet. Wir möchten ja zu seiner Ehre leben. und deswegen sind Prüfungen und Anfechtungen Grund zur Freude.

Es geht dabei um Alles: Um unser Zeugnis und unseren Dienst in Familie, Arbeitsstelle und Gemeinde und um unsere Beziehung zu Gott. Wie Jesus wollen wir deshalb die Prüfungen akzeptieren, auf die vor uns liegende Freude schauen, der Sünde keinen Raum geben,  und standhaft vertrauen!