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Predigt-Nachlese: Der Blick in den Spiegel

Predigttext: Jakobus 1,9-27

file0001814974274Das Kernthema des Jakobusbriefs ist in Jak.1,22 zusammengefasst:

Seid aber Täter des Wortes und nicht bloß Hörer, die sich selbst betrügen.

Unser Glaube, wenn er echt ist, muss sich in der Tat bewähren. In den vorhergehenden Versen werden wir aufgefordert, uns zu freuen, wenn unser Glaube in Schwierigkeiten erprobt wird. Diese Prüfungen zeigen uns unser eigenes Herz – dass wir ohne Gott nicht sind und nichts können – und erziehen uns zu einem bewährten, erwachsenen Christsein.

Der arme Bruder soll sich seines Reichtums bewusst sein und der reiche seiner Vergänglichkeit. Durch Christus sind wir zu Kindern und Erben gemacht und Anwärter auf die ewige Herrlichkeit. Reichtum in dieser Welt ist nicht per se etwas Schlechtes, wenn es uns klar ist, wie flüchtig er ist, und dass er uns anvertraut ist, um damit Gutes  zu tun. Gefährlich ist er, wenn er uns die Abhängigkeit von Gott vergessen lässt. Deswegen weist Jakobus uns darauf hin: Ob reich oder arm – wir sind nichts in uns selbst.

Versuchung gibt uns die Gelegenheit zur Bewährung. Wir sollen aber wissen, dass Gott uns nicht zum Bösen versucht.  Er ist ein guter Gott – nicht wie die heidnischen Götter, die ein böses Spiel mit den Menschen treiben und versuchen, sie reinzulegen. Kein Schatten fällt auf seinen vollkommen reinen Charakter. Sein Ziel ist nie, uns auf einen falschen Weg zu locken, Allerdings lockt und verführt uns unsere eigene Lust zur Sünde. Die Folge der Sünde ist geistlicher Tod, aber Umkehr ist immer möglich!

Ein Punkt, wo wir mit der Sünde schnell bei der Hand sind, ist der Zorn. Zorn führt zu nichts Positivem.Wie schnell kommen uns doch zornige, verletzende Worte über die Lippen. Immer wieder warnt uns Jakobus vor leichtfertigem, ungezügeltem Gebrauch unserer Zunge. Vor dem Reden sollte stets das geduldige Zuhören stehen.

Was das Hören des Wortes Gottes betrifft, so gibt es allerdings eine Gefahr, nämlich die, es wirkungslos an uns ablaufen zu lassen. Das ist so, sagt Jakobus, als ob du morgens in den Spiegel guckst und siehst, dass du ganz fürchterlich  zerzaust und schmutzig und verquollen bist. Und dann sagst du nur “okay” und gehst so aus dem Haus. Dafür ist ein Spiegel nicht da. Er zeigt dir, wie du aussiehst, damit du was daran änderst! Gott hält uns den Spiegel vor, damit wir darauf reagieren und unser Leben ändern. Wenn nach dem Spiegel nichts passiert, dann ist Selbstbetrug die Ursache! Jesus stellt die Frage:

 Was nennt ihr mich aber »Herr, Herr« und tut nicht, was ich sage?

Das ist tatsächlich ein sehr unlogisches Verhalten und etwa genauso verrückt, wie ein Haus auf Sand zu bauen, wo es der nächste Wolkenbruch wegschwemmt.

Ein verändertes Herz zeigt sich in dem, was wir tun, z.B. so.

Eine reine und makellose Frömmigkeit vor Gott, dem Vater, ist es, Waisen und Witwen in ihrer Bedrängnis zu besuchen und sich von der Welt unbefleckt zu bewahren.

Es geht nicht darum, durch das was man tut, vor Gott gerecht zu werden. Es geht auch nicht um (unmögliche) Perfektion. Es geht darum, Selbstbetrug und religiöse Heuchelei aufzugeben und das Leben von Gott reinigen zu lassen. Jakobus will uns zur Selbsterkenntnis bringen und uns zu Jesus treiben, der uns von innen heraus neu machen kann, damit wir das tun können, was Gott gefällt.

 

Stark bleiben, wenn andere uns blockieren

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Wenn einer sagt, dass die anderen schuld sind, ziehen wir ja schon innerlich eine Augenbraue hoch. Aber in Kalebs Fall stimmte das hundertprozentig! Es war eindeutig die Dummheit und der Unglaube der anderen, die ihm 40 Jahre zusätzliche Wüstenwanderung einbrachten. Wären die anderen nicht gewesen, säße er längst im Gelobten Land im Schatten seines eigenen Feigenbaums, schlürfte den Most seines eigenen Weinstocks, hätte sein Haus, seinen Acker, seine Weiden … statt dessen war er ständig am Auf- und Abbauen, Wege, Wasser und ein bisschen Gras suchen – und musste sich auch noch das Gemecker und Gejammer derer mit anhören, die diese Situation verursacht hatten!

Er war einer der wenigen, die das Land je gesehen hatten. Zu Zwölft hatten sie es 40 Tage erkundet. Es gab dort all das, was ihnen in der Wüste fehlte: saftige Früchte, fette Wiesen für das Vieh und Blumen in Fülle, um Bienen zu halten und Honig zu ernten. Zwar würden die derzeitigen Bewohner ihnen das Land nicht freiwillig überlassen, aber Gott hatte ja versprochen, sie vor ihnen auszutreiben – also dürfte das kein Problem sein! Doch so dachten leider nur er und Josua – alle anderen waren durch die Bank der Meinung, dass das zwar ein tolles Land war, aber leider nicht für sie. Unbesiegbar, diese Kanaaniter! Gott, so schlossen sie, hatte sie ins offene Messer laufen lassen! Er hatte sie aus Ägypten gerettet, um sie jetzt hier an der Grenze hilflos stehen zu lassen! Am besten gingen sie zurück dahin, wo sie hergekommen waren!

Kaleb war fassungslos. Konnte hier keiner mehr logisch denken? Warum sollte Gott so etwas tun? Welche Beleidigung für ihren Erretter und sein großzügiges Geschenk einer perfekten Heimat! Aber als er das sagte, stand er einer geschlossenen Front gegenüber. Sie hätten ihn und Josua fast gesteinigt.

Und natürlich zog Israel  damit Gottes Zorn auf sich. Er verurteilte das Volk dazu, noch 40 Jahre durch diese elende Wüste zu wandern. Diese ganze Generation sollte, mit Ausnahme von Kaleb und Josua, dort sterben und das verheißene Land niemals sehen. Erst ihre Kinder würden es kennen lernen. Kaleb aber wurde versprochen, dass ihm und seinen Nachkommen der Teil des Landes einmal gehören würde, den er erkundet hatte.

40 Jahre noch! Bis dahin würde er ein alter Mann sein … 40 Jahre, die er hätte genießen können! Aber wir hören nicht, dass Kaleb murrt über sein Schicksal. Er hält die Verheißung einfach fest: Es wird länger dauern als geplant, aber er wird das Land sehen, das seinen Kindern die Heimat sein wird.

In 40 Jahren wird aus dem begeisterten Adrenalin-Glauben seiner Jugend ein wüstenerprobter Ausdauer-Glaube, einen, den seine Tochter Achsa und sein jüngerer Bruder Otniel beobachten und von dem sie lernen, um ihn später in ihrem eigenen Leben nachzuahmen. Als wir wieder von Kaleb hören, sagt er:

Das ist jetzt 45 Jahre her, und Jahwe hat mich tatsächlich am Leben erhalten, wie er es mir damals in der Wüste durch Mose versprochen hatte. Heute bin ich 85 Jahre alt und noch genauso stark wie damals als Kundschafter. Ich kann immer noch kämpfen und in den Krieg ziehen. Gib mir nun dieses Gebirge, von dem Jahwe geredet hat. Du hast damals selbst gehört, dass die Anakiter dort in großen stark befestigten Städten wohnten. Vielleicht steht Jahwe mir bei, dass ich sie vertreiben kann. Er hat es mir ja zugesagt.

Die Wüste und die Länge der Zeit haben seinen Glauben nicht kleingekriegt! Er bekommt, was ihm versprochen wurde. Gott ist immer noch seine Kraft und der, auf dessen Hilfe er vertraut. Statt in Frust und Bitterkeit über seine Brüder zu schmoren, hat er sich geduldig unter Gottes Führung gebeugt, und sein Glaube ist wie Gold aus dem Feuer aller Prüfungen herausgeflossen.

Ich finde Kaleb sehr beeindruckend. Ich wünsche mir seine Unbeirrbarkeit, sein Festhalten an Gott, sein Rechnen mit der Erfüllung aller Verheißungen, egal, wer wo querschießt, blockiert und schuld ist. Denn Gott kommt immer ans Ziel.

Hier steht die Geschichte in der Bibel: 4.Mose 13 und 14, Josua 14 und 15

Gottes Förderplan

Dass einige von uns Erdenwürmern beschließen, dass heute Nacht das Jahr 2014 endet und ein neues beginnt, ist für den Herrn aller Herren, für den ein Tag wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag sind, sicher nicht maßgeblich. Wir aber sind für unsere Orientierung in der Zeit auf diese Ab- und Einschnitte angewiesen, und nehmen sie zum Anlass, zurück und nach vorne zu schauen, und das kann durchaus was Gutes sein. Ich bin nicht so der Typ, der zum Jahreswechsel gute Vorsätze fasst – da kenne ich mich und meine beständige Unbeständigkeit zu gut … Trotzdem ist mir natürlich bewusst, dass es Änderungsbedarf bei mir gibt.

Auch wenn ich keinen Vorsatz habe, Gott hat mit Sicherheit einen, auch wenn er ihn nicht an unserem Silvester-Datum festmacht. Zu meiner beruflichen Arbeit gehört das Erstellen von Förderplänen für die geistig behinderten Menschen, die ich betreue. In regelmäßigen Abständen erheben wir den Ist-Zustand: Wo steht unser Klient? Gab es positive Entwicklungen? Hat sich eine neue Problemlage gezeigt? Ist er vielleicht sogar zurückgegangen? Und dann legen wir Förderziele fest: Wo wollen wir hin? Wie können wir ihn anleiten, um sich in ganz kleinen Schritten diesem Ziel anzunähern? Was braucht er dazu von uns? Wer kann daran mitwirken?

Gott hat auch so einen Förderplan für mich. Er weiß, wo er mit mir hinwill. Ich bin oft zu beschränkt, um seine Ziele zu erkennen. Mein Horizont ist viel zu eng, meine Vorstellungen zu vordergründig. Nicht nur das, ich kann auch meine Mängel und Macken gar nicht einschätzen, weil ich irgendwie wahrnehmungsgestört bin, wenn es um mich selbst geht. Aber das ist auch nicht so schlimm, weil er den Überblick hat. Er schickt mir Menschen (manchmal auch Bücher), die an meinem Glauben ergänzen können, was noch fehlt, was ich noch brauche an Belehrung oder Aufdeckung meiner blinden Flecken. Er schickt mir Bewährungsproben und Schwierigkeiten, damit ich anwenden kann, was ich gelernt habe. Wenn ich nicht klarkomme, analysiert er meine Schwachpunkte und bearbeitet die. Kurzum: Er hat die Sache in die Hand genommen, und ich vertraue ihm völlig, dass er mich zu einem guten Ende führen wird, wie sein Wort es verspricht: Der Gott, von dem alle Gnade kommt, hat euch berufen, mit Christus zusammen für immer in seiner Herrlichkeit zu leben. Er wird euch aufbauen, stärken, kräftigen und auf festen Grund stellen, auch, wenn ihr jetzt eine Weile leiden musstet. (1.Petrus 5,10) Der, der euch beruft, ist treu. Er wird euch auch ans Ziel bringen. (1.Thessalonicher 5,24)

Wie Beten uns verändert

Ich möchte heute mal keine Zusammenfassung der Predigt geben, sondern die Gedanken niederschreiben, die mir während und nach der Predigt so durch den Kopf gingen zum Thema Beten und Gebetserhörung. Der Predigttext war u.a. Lukas 1.

ich stelle mir so die junge frischvermählte Elisabeth vor, voller Optimismus und Erwartung eines normalen Ablaufs ihres Lebens. Sie war verheiratet – jetzt würde bald eine fröhliche Kinderschar die Bude füllen! Aber es dauerte und dauerte. Was war mit ihr los? Irgendwann begann sie die Fragen der Verwandten und Freunde zu hassen: “Und bei euch? Noch nichts unterwegs?” Nein, noch nichts … Nun, ich (Ruth) habe zwar Kinder, aber ich habe auch Defizite in meinem Leben. Es gibt Fragen, vor denen ich zurückscheue, weil sie in diesen Defiziten bohren. Ich habe mir den Verlauf meines Lebens auch gradlinig und normal vorgestellt, und es ist anders gekommen. Manche Gesprächsthemen möchte ich am liebsten umschiffen.

Irgendwann merkt Elisabeth, dass es nicht läuft, wie es laufen sollte. Sie fängt an zu beten. Sie fühlt sich isoliert. Alle Freundinnen reden nur noch von Windeln und Babyjäckchen und Stillproblemen … sie passt nicht dazu. Sie hat nichts dazu zu sagen. Zuhause ist es still, und raus mag sie eigentlich auch nicht mehr. Sie betet, sie betet mit Zacharias … aber der Himmel ist auch still, Jahr um Jahr um Jahr. Viele lange, leise Jahre. Jahre, in denen sie immer wieder vor Gott kniet und fragt: Warum? Warum verwehrst du mir diesen Segen? Habe ich gesündigt? Und ja, natürlich hat sie gesündigt, da fällt ihr viel ein. Sie hat keinen Anspruch auf Fruchtbarkeit. Zusammen mit Zacharias durchforscht sie die Schrift. Was sagt Gott zu ihrem Zustand? Gibt es eine Antwort auf das Warum? Sie schöpft Hoffnung, wenn sie an Sarah denkt oder Hanna oder Rebecca, Frauen, denen Gott nach Jahren der Unfruchtbarkeit gnädig war … Sie lernt Gott besser kennen durch diese ganze Auseinandersetzung mit dem Thema, aber auch ihr eigenes Herz und ihre Gnadenbedürftigkeit. Und ein ganz anderes und umfassenderes Gebet drängt sich immer mehr in den Vordergrund: Sende uns den Retter, den Trost Israels, den Messias! Wir brauchen IHN und nur IHN!

Ob sie jemals aufhörten, um ein Kind zu beten, wissen wir nicht. Man kann es fast annehmen. Irgendwann war sie durch mit den Wechseljahren. Manchmal muss man sich mit dem Nein abfinden. Aber das “größere” Gebet Dein Reich komme! – das würden sie niemals aufgeben, bis sie stürben oder die Erfüllung der Verheißungen sähen.

Und Gott fasst es alles zusammen. Er sendet den Messias, und er gibt Elisabeth ein Kind. All die Jahre war das sein Plan, aber das konnte sie nicht wissen. Wie gut, dass sie die Entscheidung getroffen hatte, nicht bitter zu werden über ihrem “Schicksal” und mit Gott zu hadern, sondern sich noch viel enger an ihn zu binden. Weil sie nach seinem Reich trachtete, wurde ihr alles andere hinzugefügt, ein unverdienbarer Gnadenbonus sozusagen.

Gott hört. Wenn der Himmel wie Blei scheint, können wir aufgeben oder uns durch die Not durch ihn verändern lassen. Warten ist schwer, aber nützlich für uns und macht uns mehr als irgendetwas anderes zu Menschen, deren Hände für die Gnade Gottes weit offen sind.

Manchmal hilft nur Rennen

Warum nur musste sie mit Potiphar verheiratet sein, diesem Langweiler? Seit er diesen hebräischen Sklaven hatte, war er überhaupt nicht mehr zuhause, denn er brauchte sich um nichts mehr hier zu kümmern. Josef regelte alle Angelegenheiten für ihn, ob dienstlich oder privat. Ihr Mann tat gar nichts mehr hier, außer sich zum Essen an den Tisch zu setzen.

Dieser Josef war nicht nur kompetent und fleißig, sondern auch eine Augenweide. Je länger sie ihn betrachtete, desto mehr fragte sie sich, ob es nicht auch zu seinen Aufgaben gehören sollte, ihr, der armen vernachlässigten Ehefrau, gewisse Wünsche zu erfüllen?

Er schien sie aber gar nicht wahrzunehmen, obwohl sie seine Aufmerksamkeit zu gewinnen suchte. Hatte er nichts als Arbeit im Kopf? Er war freundlich-höflich-uninteressiert. Da musste sie wohl etwas deutlicher werden! Josef, ich bin so verknallt in dich! Ich kann ohne dich nicht mehr leben! Aber Josef schüttelte nur entsetzt den Kopf. Das kann ich nicht tun. Dein Mann vertraut mir. Ich hab hier über alles Verfügungsgewalt, aber du bist seine Frau, und das respektiere ich. Und außerdem wäre es auch vor Gott ein Unrecht.

Zuerst dachte sie, er ziert sich nur. Vielleicht war er zu schüchtern oder zu verklemmt? Vielleicht musste sie ihm ihre Bewunderung deutlicher machen? Vielleicht musste sie ihre Reize noch ein bisschen mehr zeigen? Wahrscheinlich hatte er einfach Angst, erwischt zu werden! Sie musste es arrangieren, dass mal wirklich niemand sonst im Haus war. Und tatsächlich: Eines Tages, als er zum Dienst kam, waren sie allein. Heute würde es so weit sein. Als er an ihr vorbeiging, hielt sie ihn fest: Josef, bitte! Wir sind heute sicher! Du willst es doch auch! Schlaf mit mir!

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Josef hatte schon so eine Ahnung, dass das heute nicht gut gehen würde. Mit ihr allein im Haus! Diese Frau quälte ihn wirklich! Ja, er war hier mehr als einsam! Ja, er wäre auch gerne mal mit einer Frau zusammen! Es wäre schön, wenn das Leben aus mehr bestünde, als für andere zu schuften und zuzuschauen, wie sie ihr Leben genießen und gar nicht wirklich zu schätzen wissen, was sie haben. Aber sie verstand nicht, dass er nicht konnte. Denn Gott war alles, was er noch hatte, und sein Wohlgefallen und die Freude an der Gemeinschaft mit IHM waren ein zu hoher Preis für ein bisschen Abwechslung. Doch was sollte er tun, wenn sie ihn so bedrängte?

Es kam, wie es kommen musste. Er konnte nicht vermeiden, in ihre Nähe zu kommen, und sie hielt ihn fest. Und da wusste er: Jetzt hilft nur noch Rennen, sonst werde ich schwach. Er stürzte panikartig aus dem Raum. Dabei hielt sie sein Gewand fest; es rutschte von ihm runter und blieb in ihrer Hand.

Als er mit klopfendem Herzen und am ganzen Körper zitternd draußen stand, war ihm schon klar, was nun geschehen würde. Er hatte sie mit seiner Abweisung tödlich beleidigt, und sie würde sich rächen. Er hatte ihr ein “Beweisstück” dagelassen, und es gab keinen Schutz gegen ihre Verleumdung. Er würde für seine Treue zu Gott einen hohen Preis bezahlen. Aber er war froh. Er war froh! Es sah aus wie eine Niederlage, aber es war ein Sieg. Komme, was wolle, Gott war auf seiner Seite, und das war das einzige, was zählte.

Die Geschichte steht in der Bibel in 1. Mose 39.