Predigttext: Apostelgeschichte 21,1-17
Ich will meinen Lauf mit Freuden vollenden, hatte Paulus den Ältesten von Ephesus gesagt. Gott hatte ihm einen Dienst aufgetragen, nämlich durch Verkündigung und durch das Zeugnis seines ganzen Lebens das Evangelium von der Gnade Gottes bekannt zu machen. Diesem Ziel ordnet er alles andere unter. Sein Herr und Erlöser ist es ihm wert! Die Liebe und Vergebung Gottes hatte aus einem hassgetriebenen Verfolger der Gemeinde einen Menschen gemacht, der die Jesus-Jünger über alles liebte und sein Leben für sie hingab.
Nachdem er sich in einem tränenreichen Abschied von den Ältesten von Ephesus förmlich losgerissen hat, ist Tyrus seine nächste Station. Er weiß, dass es dort Jünger gibt. Wer die Gemeinde gegründet hat, wissen wir nicht, aber vermutlich sind es Gläubige auf der Flucht vor der Verfolgung gewesen – auf der Flucht vor ihm in seinem alten Leben als erbitterter Feind der Gemeinde Jesu. Jetzt hat er nichts Wichtigeres zu tun, als diese Jünger zu suchen, um sie zu ermutigen, und er findet sie auch und bleibt sieben Tage bei ihnen. Der Heilige Geist hat ihnen etwas gezeigt, was Paulus auch schon weiß: Dass er in Jerusalem in große Schwierigkeiten kommen wird. Weil sie ihn lieben, ermahnen sie ihn, doch dort nicht hinzugehen. Als er weiterziehen muss, begleiten sie ihn bis ans Ufer, wo sie niederknien und beten und so Abschied nehmen. Wo Kinder Gottes aufeinandertreffen, ist sofort dieses Band tiefer geistlicher Gemeinschaft geknüpft.
Die nächste Stadt auf seiner Reiseroute ist Ptolemäus – auch dort begrüßt er die Brüder – und dann geht es weiter nach Cäsarea. Hier trifft er den Evangelisten Philippus und seine vier weissagenden Töchter, die ihn ein paar Tage bei sich aufnehmen. In dieser Zeit besucht sie Agabus. Agabus ist schon als Prophet bekannt; er hatte die Hungersnot unter Klaudius vorausgesagt. (Er hat übrigens die Kennzeichen eines echten Propheten: Was er sagte, traf ein.) Ähnlich wie manche Propheten im Alten Testament stellt er das, was er sagt, bildlich dar: Er bindet sich mit Paulus Gürtel Hände und Füße und sagt: So spricht der Heilige Geist: Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem so binden und in die Hände der Heiden ausliefern! Alle, die dabei sind, fangen an, auf Paulus einzureden. Er soll doch bitte nicht nach Jerusalem gehen! Sie können sich vermutlich nichts anderes vorstellen, als dass dies eine Warnung ist. Aber Paulus sieht das anders. Es soll ihn nicht abhalten, sondern vorbereiten. Und es gibt ihm auch die Gelegenheit, seinen Leuten zu demonstrieren, dass Schwierigkeiten nicht dazu da sind, umgangen zu werden, sondern dass er ganz bewusst da hinein geht, um sein Ziel zu erreichen. Schon ganz am Anfang seines Glaubensleben war ja Ananias bezüglich Paulus gesagt worden: Dieser ist mir ein auserwähltes Werkzeug, um meinen Namen vor Heiden und Könige und vor die Kinder Israels zu tragen! Denn ich werde ihm zeigen, wie viel er leiden muss um meines Namens willen. (Apostelgeschichte 9,15.16) Bei seinem Auftrag war Leiden inklusive, aber er hatte ihn angenommen und es nie bereut. Es war alles so im Plan Gottes. Das müssen schließlich auch seine besorgten Freunde akzeptieren.
Wir wissen, dass Paulus auch später nicht ins Wanken gekommen ist. Aus dem Gefängnis haben seine Worte das Gewicht der Erfahrung, wenn er den Ephesern schreibt: Als einer, der für den Herrn im Gefängnis ist, ermahne ich euch: Lebt so, wie es der Berufung entspricht, die an euch erging. Seid euch der eigenen Niedrigkeit bewusst und begegnet den anderen freundlich, habt Geduld miteinander und ertragt euch gegenseitig in Liebe. Bemüht euch sehr darum, die Einheit, die der Geist Gottes gewirkt hat, im Verbund des Friedens zu bewahren. Ihr seid ja ein Leib; in euch lebt der eine Geist und ihr habt die eine Hoffnung bei eurer Berufung bekommen.
Er ermutigt uns, auch unser Rennen zielorientiert zu laufen, in der Einheit und Gemeinschaft, die uns Gott in seiner Gemeinde durch seinen Geist schenkt, und uns von nichts erschrecken und abbringen zu lassen.
