
Weil das bei mir selbst schon so lange her ist, dass ich mich kaum erinnern kann, wie ich das mit dem Bibellesen gemacht habe, als meine Kinder noch sehr klein waren, habe ich Barbara, eine liebe Schwester aus meiner Gemeinde, mal gefragt, wie sie das macht. Ich weiß, dass sie das Wort Gottes liebt. Sie hat 4 kleine Kinder und erwartet in Kürze das fünfte. Sie leitet den Mutter-Kind-Kreis der Gemeinde, beherbergt einmal in der Woche einen Frauenhauskreis bei sich und dient öfters im Kindergottesdienst. Sie ist also nicht unterbeschäftigt. Sie hat mir erlaubt, ihre Antwort mit euch zu teilen, in der Hoffnung, dass es der einen oder anderen Mutter hilft und Mut macht.
„Ich kann gerne erzählen, wie ich es aktuell mache und was mir im Alltag hilft. Ich weiß aber nicht, ob das anderen Müttern hilft, die vielleicht ganz andere Persönlichkeiten haben als ich. Deshalb wollte ich auch ein paar allgemeine Erkenntnisse aufschreiben, die mir in erster Linie zu einer richtigen Einstellung verhelfen. Und wie man das dann konkret im Alltag umsetzt, kann ja tatsächlich ganz unterschiedlich aussehen.
Wie ich es mache: Im Moment stehe ich tatsächlich einfach superfrüh auf, um die ersten Stunden des Tages ganz meine Ruhe zu haben. Das war in der Vergangenheit auch immer der beste Zeitpunkt am Tag. Es hat nicht immer geklappt, vor allem wenn sich nach einem neuen Baby alles ändert und die Nächte unterbrochen sind und mein Schlaf schlecht ist.
Ich denke, man muss auch kein Frühaufsteher sein, ich bin das eigentlich ganz und gar nicht. Aber die Not machte mich diszipliniert, weil ich einfach gemerkt habe, dass ich Zeit mit dem Herrn so sehr brauche! Jetzt hängt ja nicht nur mein Leben davon ab, sondern auch die grundlegende Prägung meiner Kinder!
Ich habe eine Zeitlang abends viel Tee getrunken, damit ich morgens, wenn der Wecker klingelt, einfach auf die Toilette musste. Da fiel es mir leichter, gleich aufzubleiben. Im Moment setze ich abends ein Brot an, welches morgens in den Ofen muss, und auch rechtzeitig so abgekühlt, dass ich den Kindern davon die Schulbrote machen kann. Dann habe ich morgens genug Zeit zum Duschen und eine Stunde für das Wort und Gebet. Es hilft außerdem, dass ich einen Leseplan habe, und morgens nicht erst noch überlegen muss, was ich lese. Dann bin ich Teil von einer WhatsApp-Gruppe mit ein paar Frauen, die alle das Gleiche lesen, und wir tauschen uns regelmäßig darüber aus, was uns wichtig wurde aus dem Text und manchmal auch, wie es uns geht und wofür wir füreinander beten können.
Außerdem hilft es mir sehr, eine Verpflichtung in irgendeiner Form zu haben, also für den Hauskreis oder Andachten für den Mama-Treff oder für den Kindergottesdienst einen Bibeltext vorbereiten zu müssen.
Generell fällt es mir schwer, mich ins Chaos zu setzen, um Bibel zu lesen. Ich möchte dann immer zuerst alles „fertig“ machen. Aber es ist nie fertig :). (Morgens ist alles noch ordentlich, weil ich abends aufräume und außerdem zwischen 21 und 21:45 Uhr ins Bett gehe.) In Zeiten mit kleinem Baby hat es mir sehr geholfen, einen bestimmten Ort zu haben, von dem aus ich den Ausblick in eine ordentliche Ecke der Wohnung hatte, eine Kerze anzuzünden und einen Tee zu machen, und zwar am Vormittag, wenn das Baby schlief. Und dann ein Andachtsbuch oder einen Psalm zu lesen. Und übrigens habe ich diese Momente von 10–30 Minuten IMMER bekommen, wenn ich morgens dafür gebetet habe, dass es klappt!
Grundsätzlich habe ich es erst mit Kindern gelernt, ständig im Alltag im Gespräch mit dem Herrn zu sein: wenn ich morgens meinen Tag plane, Ihm das direkt hinzulegen, auch so banale Sachen zu fragen wie: „Herr, was soll ich heute kochen?“, und beim Wäschefalten und Badputzen Podcasts und Predigten zu hören.
Allgemein hilft es mir, gelernt zu haben, dass Stille Zeit und Bibelstudium als Mutter mit Kindern im Haus nicht damit zu vergleichen ist, wie man es vorher machen konnte. Kinder können jederzeit unterbrechen. Auch wenn ich von meiner Seite fleißig und diszipliniert alles vorbereitet habe. Und das ist ok. Man darf da nicht aufgeben, sondern muss sich dessen bewusst sein, dass der Herr genau diese Momente gebraucht, um uns praktisch leben zu lehren, was wir schon mit dem Kopf studiert haben. Kurz: Heiligung :)
Es ist auch ok, wenn es Tage gibt, an denen man es nicht schafft, Bibel zu lesen. Der Herr nutzt Nachrichten von Freunden, den täglichen Vers von der App, Musik, die im Alltag läuft, um zu mir zu sprechen. Man darf es nur nicht schleifen lassen. Man kann von zwei Seiten vom Pferd fallen: zu verbissen auf Biegen und Brechen die Zeit erzwingen – das geht nicht und endet im Frust, den am Ende noch die Kinder abbekommen. Oder resigniert aufgeben und faul werden unter dem Vorwand, dass es wegen der Kinder eben nicht geht. Ja, es gibt so Tage. Aber wer sehr ehrlich zu sich ist, findet auch heraus, ob er bequem ist oder es wirklich die Umstände gerade unmöglich machen, Bibel zu lesen.
Eine Bibel kann aber auch offen in der Küche liegen, und statt dem Handy kann man zwischendurch einen Vers darin lesen. Ja, es ist nicht das konzentrierte Bibelstudium. Aber das muss es auch nicht! Diese Phasen im Leben kommen früh genug wieder.
Wenn meine Kinder morgens wach werden, bevor ich fertig bin mit Lesen, nehmen sie sich ein Buch und sitzen leise bei mir. Wenn sie nicht leise sind, müssen sie zurück in ihr Bett. Das wollen sie nicht und deshalb sind sie leise :) und ich liebe es, wenn sie mich mit dem Wort sehen! Oft kann ich mich dann nicht mehr richtig konzentrieren, aber dann bete ich in dem Moment einfach für die Kinder, die sich gerade an mich kuscheln, und genieße dieses Geschenk in vollen Zügen! Die Harmonie in diesen Momenten spüren die Kleinsten schon, und es macht ihnen die Bibel und Jesus lieb, einfach wegen meiner Ausstrahlung, die durch die Einstellung kommt, dass ich gesegnet und nicht gestört bin durch die Kinder in dem Moment.
Wie schade, wenn man sich die Kinder vom Hals schafft, damit man Bibel lesen kann. Ziel verfehlt? Es spricht bestimmt nichts dagegen, sich mal einen Babysitter zu organisieren, wenn man eine Deadline hat für eine Andacht oder einen Vortrag! Aber es sollte von der regelmäßigen Zeit mit dem Herrn im Alltag unterschieden werden.
Am Ende ermutigt mich immer sehr der Vers aus Jesaja 40,11, dass der Herr die Mutterschafe sanft leitet. Er weiß um die Schwierigkeiten und Herausforderungen, und darin darf ich ruhen.“
Was ich an diesem Zeugnis so bemerkenswert finde: Da ist keine Gesetzlichkeit drin nach dem Motto: Der Herr segnet mich nur, wenn ich Stille Zeit mache, wie eine Leistung, mit der ich sein Wohlgefallen verdienen muss. Sondern die Erkenntnis: „Ich brauche das.“ Zweitens die Annahme der gegenwärtigen Lebenssituation im Wissen, dass jede Lebensphase ihre eigenen Chancen und Schwierigkeiten hat. Drittens, dass sie einen Plan strategisch und diszipliniert verfolgt, auch wenn der vielleicht nicht
jeden Tag klappt. Viertens, dass Gemeinschaft und Dienst eine anspornende Wirkung haben, wie diese WhatsApp-Gruppe, der Hauskreis oder der Mama-Treff. Es gibt einen Motivationsschub, wenn man die Beute mit anderen teilen kann. So wird das Lob Gottes vermehrt.



