Archiv der Kategorie: Stille Zeit-Tipps

Bibellesen – warum und wie (2) im vollen Alltag einer Mutter?(Gastbeitrag von Barbara Escobar)

Weil das bei mir selbst schon so lange her ist, dass ich mich kaum erinnern kann, wie ich das mit dem Bibellesen gemacht habe, als meine Kinder noch sehr klein waren, habe ich Barbara, eine liebe Schwester aus meiner Gemeinde, mal gefragt, wie sie das macht. Ich weiß, dass sie das Wort Gottes liebt. Sie hat 4 kleine Kinder und erwartet in Kürze das fünfte. Sie leitet den Mutter-Kind-Kreis der Gemeinde, beherbergt einmal in der Woche einen Frauenhauskreis bei sich und dient öfters im Kindergottesdienst. Sie ist also nicht unterbeschäftigt. Sie hat mir erlaubt, ihre Antwort mit euch zu teilen, in der Hoffnung, dass es der einen oder anderen Mutter hilft und Mut macht.

„Ich kann gerne erzählen, wie ich es aktuell mache und was mir im Alltag hilft. Ich weiß aber nicht, ob das anderen Müttern hilft, die vielleicht ganz andere Persönlichkeiten haben als ich. Deshalb wollte ich auch ein paar allgemeine Erkenntnisse aufschreiben, die mir in erster Linie zu einer richtigen Einstellung verhelfen. Und wie man das dann konkret im Alltag umsetzt, kann ja tatsächlich ganz unterschiedlich aussehen.

Wie ich es mache: Im Moment stehe ich tatsächlich einfach superfrüh auf, um die ersten Stunden des Tages ganz meine Ruhe zu haben. Das war in der Vergangenheit auch immer der beste Zeitpunkt am Tag. Es hat nicht immer geklappt, vor allem wenn sich nach einem neuen Baby alles ändert und die Nächte unterbrochen sind und mein Schlaf schlecht ist.
Ich denke, man muss auch kein Frühaufsteher sein, ich bin das eigentlich ganz und gar nicht. Aber die Not machte mich diszipliniert, weil ich einfach gemerkt habe, dass ich Zeit mit dem Herrn so sehr brauche! Jetzt hängt ja nicht nur mein Leben davon ab, sondern auch die grundlegende Prägung meiner Kinder!
Ich habe eine Zeitlang abends viel Tee getrunken, damit ich morgens, wenn der Wecker klingelt, einfach auf die Toilette musste. Da fiel es mir leichter, gleich aufzubleiben. Im Moment setze ich abends ein Brot an, welches morgens in den Ofen muss, und auch rechtzeitig so abgekühlt, dass ich den Kindern davon die Schulbrote machen kann. Dann habe ich morgens genug Zeit zum Duschen und eine Stunde für das Wort und Gebet. Es hilft außerdem, dass ich einen Leseplan habe, und morgens nicht erst noch überlegen muss, was ich lese. Dann bin ich Teil von einer WhatsApp-Gruppe mit ein paar Frauen, die alle das Gleiche lesen, und wir tauschen uns regelmäßig darüber aus, was uns wichtig wurde aus dem Text und manchmal auch, wie es uns geht und wofür wir füreinander beten können.

Außerdem hilft es mir sehr, eine Verpflichtung in irgendeiner Form zu haben, also für den Hauskreis oder Andachten für den Mama-Treff oder für den Kindergottesdienst einen Bibeltext vorbereiten zu müssen.
Generell fällt es mir schwer, mich ins Chaos zu setzen, um Bibel zu lesen. Ich möchte dann immer zuerst alles „fertig“ machen. Aber es ist nie fertig :). (Morgens ist alles noch ordentlich, weil ich abends aufräume und außerdem zwischen 21 und 21:45 Uhr ins Bett gehe.) In Zeiten mit kleinem Baby hat es mir sehr geholfen, einen bestimmten Ort zu haben, von dem aus ich den Ausblick in eine ordentliche Ecke der Wohnung hatte, eine Kerze anzuzünden und einen Tee zu machen, und zwar am Vormittag, wenn das Baby schlief. Und dann ein Andachtsbuch oder einen Psalm zu lesen. Und übrigens habe ich diese Momente von 10–30 Minuten IMMER bekommen, wenn ich morgens dafür gebetet habe, dass es klappt!
Grundsätzlich habe ich es erst mit Kindern gelernt, ständig im Alltag im Gespräch mit dem Herrn zu sein: wenn ich morgens meinen Tag plane, Ihm das direkt hinzulegen, auch so banale Sachen zu fragen wie: „Herr, was soll ich heute kochen?“, und beim Wäschefalten und Badputzen Podcasts und Predigten zu hören.
Allgemein hilft es mir, gelernt zu haben, dass Stille Zeit und Bibelstudium als Mutter mit Kindern im Haus nicht damit zu vergleichen ist, wie man es vorher machen konnte. Kinder können jederzeit unterbrechen. Auch wenn ich von meiner Seite fleißig und diszipliniert alles vorbereitet habe. Und das ist ok. Man darf da nicht aufgeben, sondern muss sich dessen bewusst sein, dass der Herr genau diese Momente gebraucht, um uns praktisch leben zu lehren, was wir schon mit dem Kopf studiert haben. Kurz: Heiligung :)
Es ist auch ok, wenn es Tage gibt, an denen man es nicht schafft, Bibel zu lesen. Der Herr nutzt Nachrichten von Freunden, den täglichen Vers von der App, Musik, die im Alltag läuft, um zu mir zu sprechen. Man darf es nur nicht schleifen lassen. Man kann von zwei Seiten vom Pferd fallen: zu verbissen auf Biegen und Brechen die Zeit erzwingen – das geht nicht und endet im Frust, den am Ende noch die Kinder abbekommen. Oder resigniert aufgeben und faul werden unter dem Vorwand, dass es wegen der Kinder eben nicht geht. Ja, es gibt so Tage. Aber wer sehr ehrlich zu sich ist, findet auch heraus, ob er bequem ist oder es wirklich die Umstände gerade unmöglich machen, Bibel zu lesen.
Eine Bibel kann aber auch offen in der Küche liegen, und statt dem Handy kann man zwischendurch einen Vers darin lesen. Ja, es ist nicht das konzentrierte Bibelstudium. Aber das muss es auch nicht! Diese Phasen im Leben kommen früh genug wieder.

Wenn meine Kinder morgens wach werden, bevor ich fertig bin mit Lesen, nehmen sie sich ein Buch und sitzen leise bei mir. Wenn sie nicht leise sind, müssen sie zurück in ihr Bett. Das wollen sie nicht und deshalb sind sie leise :) und ich liebe es, wenn sie mich mit dem Wort sehen! Oft kann ich mich dann nicht mehr richtig konzentrieren, aber dann bete ich in dem Moment einfach für die Kinder, die sich gerade an mich kuscheln, und genieße dieses Geschenk in vollen Zügen! Die Harmonie in diesen Momenten spüren die Kleinsten schon, und es macht ihnen die Bibel und Jesus lieb, einfach wegen meiner Ausstrahlung, die durch die Einstellung kommt, dass ich gesegnet und nicht gestört bin durch die Kinder in dem Moment.
Wie schade, wenn man sich die Kinder vom Hals schafft, damit man Bibel lesen kann. Ziel verfehlt? Es spricht bestimmt nichts dagegen, sich mal einen Babysitter zu organisieren, wenn man eine Deadline hat für eine Andacht oder einen Vortrag! Aber es sollte von der regelmäßigen Zeit mit dem Herrn im Alltag unterschieden werden.
Am Ende ermutigt mich immer sehr der Vers aus Jesaja 40,11, dass der Herr die Mutterschafe sanft leitet. Er weiß um die Schwierigkeiten und Herausforderungen, und darin darf ich ruhen.“

Was ich an diesem Zeugnis so bemerkenswert finde: Da ist keine Gesetzlichkeit drin nach dem Motto: Der Herr segnet mich nur, wenn ich Stille Zeit mache, wie eine Leistung, mit der ich sein Wohlgefallen verdienen muss. Sondern die Erkenntnis: „Ich brauche das.“ Zweitens die Annahme der gegenwärtigen Lebenssituation im Wissen, dass jede Lebensphase ihre eigenen Chancen und Schwierigkeiten hat. Drittens, dass sie einen Plan strategisch und diszipliniert verfolgt, auch wenn der vielleicht nicht
jeden Tag klappt. Viertens, dass Gemeinschaft und Dienst eine anspornende Wirkung haben, wie diese WhatsApp-Gruppe, der Hauskreis oder der Mama-Treff. Es gibt einen Motivationsschub, wenn man die Beute mit anderen teilen kann. So wird
das Lob Gottes vermehrt.

Slowfood-Bibellesen

Ich lese die Bibel jetzt seit 51 Jahren immer wieder durch. Was ich dabei gelernt habe, dazu habe ich vor einigen Jahren schon mal eine kleine Serie von Tipps gepostet. Nun wollte ich mal etwas Neues ausprobieren, und das nenne ich “Slowfood- Bibellesen”, weil es sehr langsam geht, aber sich als geistlich sehr “nahrhaft” für mich erwiesen hat.

Wenn du die Bibel noch nie ganz durchgelesen hast, dann verschaffe dir erst einmal  einen Überblick über die Gesamtaussage der Heiligen Schrift. Aber wenn du das schon mehrmals getan hast, kannst du das Slowfood-Bibellesen ja mal ausprobieren für noch mehr Gewinn.

Was du brauchst:

  • eine gute, relativ genaue Bibelübersetzung. Meine Empfehlung wäre: Schlachter-, Elberfelder oder Menge- Übersetzung.
  • je nach Größe des Bibelbuchs, das du lesen möchtest, ein Heft oder eine Kladde, am besten im Stil eines Bullet Journals mit gepunktetem Papier (muss aber nicht sein, und schon gar nicht muss es etwas Teures sein). Man braucht dann nämlich für die Linien kein Lineal. Für das Matthäusevangelium habe ich ein Journal von 230 Seiten fast vollbekommen. Jetzt lese ich das Buch Ruth, und da das nur 4 Kapitel hat, wird ein Heft wohl reichen.
  • ein Bibellexikon und Kommentare sind nützlich, gibt es aber inzwischen auch online. Für den Laptop empfehle ich das kostenlose Programm e-sword, das man auch offline nutzen kann; für das Handy nutze ich gerne die meiner Ansicht beste Bibel-App MyBible. Ich habe ein Android-Handy, aber die App gibt es auch für andere Plattformen.
  • täglich mindestens eine halbe Stunde Zeit und ab und zu auch mal mehr.

Die ersten 2 Seiten bleiben frei für ein Inhaltsverzeichnis. Die Seiten werden durchnummeriert. Was ins Inhaltsverzeichnis kommt, erkläre ich gleich noch.

Ich teile mir die aktuellen Seiten in 3 Bereiche, wie auf dem Foto zu sehen ist. In die schmale Außenspalte kommt oben die Kapitelnummer. In die breite Spalte schreibe ich nun Vers für Vers mit eigenen Worten. Darunter ziehe ich eine gestrichelte Linie durch bis in die schmale Spalte, damit ich die Anmerkungen, Parallelstellen etc. immer gleich dem Vers zuordnen kann. Für diese Sachen ist die schmale Außenspalte da. In die trage ich Parallelstellen ein, die ich gefunden habe, Worterklärungen  und Hashtags, wenn ich Themen durch das ganze Buch verfolgen will. In Matthäus hatte ich z.B. die Hashtags #Reich, # Jünger,#Zitat AT, #böse Geister, #Wunder, #Gericht, #Frucht – um nur einige zu nennen. Immer, wenn eine erfüllte Verheißung vorkam, hab ich dort einen kleinen Kreis mit Häkchen drin gemacht; dort habe ich auch vermerkt, wenn etwas Sondergut von Matthäus ist  und notiert, wie Jesus jeweils dargestellt wird.

Die unterste Zeile ist für alles andere: Zusammenfassungen, Erklärungen, die oben nicht reinpassen usw.

Ab und zu will man sich in ein Thema auch mal mehr vertiefen. Dafür nutze ich dann einfach die nächste freie Seite und halte im Inhaltsverzeichnis fest, wo ich sie wiederfinde. Das Inhaltsverzeichnis ist also nicht für die Kapitel – die kommen ja sowieso hintereinander -, sondern für besondere Themen, Exkurse, Mindmaps usw.

Was ist nun der Vorteil des Ganzen? Man liest genauer und tiefer. Das Aufschreiben jedes einzelnen Verses hat etwas Meditatives; dadurch, dass man eigene Worte benutzt, kann man gar nicht anders, als sich mit jedem Vers auseinanderzusetzen. Man kann das, was man aufgeschrieben hat, nicht so leicht vergessen und seine Gedanken in Kleingruppen besser teilen. Jeder kann das System nach seinen Bedürfnissen anpassen, und man kann es auch von Buch zu Buch variieren. Ich werde sicher im Lauf der Zeit auch noch Erfahrungen sammeln und einiges ändern.

Hast du Lust bekommen, es auszuprobieren?

Nachtrag: jemand hat mich darauf hingewiesen, dass das e-sword-Programm und die MyBible App nur auf Englisch vorhanden wären. Tatsächlich kann man bei beidem die Menüführung auf Deutsch umstellen. In e-sword kann man dann aber nur deutsche Bibeln runterladen; alles andere ist englisch. In der MyBible App aber gibt es unter dem Menüpunkt Module einige Kommentare, Wörterbücher, Andachten etc.

Außerdem zu empfehlen, aber nur online verfügbar: Bibeln hier und eine reiche Auswahl an Kommentaren und Predigten hier.

.

Vom Wählen und Eintauschen

abundance-1868573_1920Am Sonntag hatten wir in unsrer Gemeinde ein Frauentreffen zum Thema “Gebet”. Im Austausch wurde klar, wie schwer es uns allen fällt, nicht nur hier und da spontan, sondern anhaltend  und ausdauernd zu beten und dafür Zeit einzuräumen.

Als ich darüber nachdachte, fiel mir eine Geschichte ein, die ich vor vielen Jahren mal in der Zeitschrift “Readers Digest” gelesen habe und die mich nachhaltig beeindruckt hat. Ich erinnere mich an keine Details mehr, aber der Autor berichtete, wie sein jüdischer Vater seine Kinder erzogen hat, Prioritäten zu setzen, um ihre Ziele zu erreichen. Wenn ich mich recht entsinne, wollte der Junge gerne Musikstunden nehmen, aber die Familie war sehr arm, und Musikunterricht war teuer. Außerdem liebte er süße Brötchen. Sein Vater rechnete ihm also aus, wieviel süße Brötchen eine Musikstunde kostete – wie oft er also verzichten musste. Es waren noch andere Dinge, die gegengerechnet wurden. Der Junge musste also wählen und eine Entscheidung treffen, was ihm wichtiger war, was er erreichen wollte – und diese Entscheidung immer wieder erneuern. Er entschied sich für den Verzicht. Wenn meine Erinnerung nicht trügt, wurde er später ein bekannter Musiker.

Ich bewundere die Weisheit dieses Vaters. Wir wünschen uns oft mehr Disziplin und sind immer wieder wütend auf uns selbst, wenn wir unsere eigenen Standards nicht einhalten. Aber Disziplin ist kein Wert an sich – die Motivation, etwas unbedingt haben oder tun zu wollen, ist der ausschlaggebende Faktor. Und dann müssen wir ein bisschen rechnen. Was haben wir zur Verfügung? Was könnten wir eintauschen? Ein Tag hat 24 Stunden, und mehr kriegen wir auch nicht. Jeder von uns hat Dinge zu tun, die nicht zur Disposition stehen. Und dann gibt es noch kleinere oder größere Wahlfreiheiten. Süße Brötchen sind lecker und in sich nichts Schlechtes. Einmal Verzicht langt nicht; man braucht einen ganz schön langen Atem. Die Frage ist: Wie wichtig ist mir das, was ich haben möchte – in unserem Fall Zeit zum Gebet. Wie überzeugt bin ich von der Notwendigkeit? Wie sehr will ich das? Wenn ich mir meiner Wahl sicher bin, werde ich vielleicht immer noch traurig hinter den Brötchen herschauen – aber mich auf die Musikstunde freuen.

Stille-Zeit-Tipps (11): Durststrecken, Hungerzeiten, Vorratshaltung

Das Leben verläuft in Phasen, und jede Phase hat ihre guten und schwierigen Seiten. Krankheiten, ein Haushalt voller kleiner Kinder, Arbeit noch und nöcher, Wechseljahre, seelische Tiefs und emotionaler Stress…..manchmal kommt es einem so vor, als ob in den Zeiten, wo man die Stille mit Gott am nötigsten brauchte, sie am schwersten zu finden ist. Was kann man tun?

Gott sieht das Verlangen unserer Herzen nach ihm, und er hat seine Liebe zu uns an keine Vorleistung geknüpft. Wenn er in uns wohnt, brauchen wir keinen “Anlauf”, um uns in eine heilige Stimmung zu beamen – er ist uns näher als unsere eigene Haut und für jeden Stoßseufzer erreichbar. Das sollte uns schon mal entspannen. Aber natürlich brauchen wir Input. Auch wenn ich im Allgemeinen kein Fan von Andachtsbüchern bin: Vielleicht ist jetzt die Zeit dafür (aber sieh zu, dass du keinen Schrott erwischst, nimm lieber etwas Altbewährtes). In unserem elektronischen Zeitalter gibt es die Bibel auch als Audioversion. Das kann man sich auch während der Arbeit oder im Auto anhören, wenn man sonst nicht dazu kommt. Man kann sich Predigten online anhören. Manche vielbeschäftigten Mamas lesen zusammen mit ihren Kindern die Kinderbibel.

Persönlich habe ich irgendwie immer versucht, eine Mindestmaß an fester Gewohnheit aufrechtzuerhalten. Eine Freundin musste neulich sehr lachen, als ich sagte, dass ich viele Stunden meines Lebens auf Knien schlafend verbracht habe. Ich wollte beten, aber ich war zu müde, oft auch seelisch zu müde. Jesus weiß, was menschliche Schwachheit ist – er macht uns keinen Vorwurf. In gewisser Weise habe ich aber so einen Platz in meinem Leben freigehalten, und als diese Lebensphase vorbei war, hatte ihn nichts anderes besetzt. Das muss mir nun niemand nachmachen, aber für mich war das gut so.

Wenn man verzweifelt genug nach einem ruhigen Plätzchen mit Gott sucht und ihn darum bittet, zeigt er einem auch Möglichkeiten – das habe ich auch erlebt in einem der schwierigsten Abschnitte meines Lebens. Wie ich da sonst geistlich überlebt hätte, weiß ich nicht.

Jetzt befinde ich mich in “fetten” Jahren. Mein Leben ist nicht mehr so stressig, und ich kann mir mehr Zeit nehmen. Was noch kommt, weiß man nicht. Deswegen sehe ich das jetzt als Möglichkeit zur Vorratshaltung. Ich versuche, viel auswendig zu lernen und aufzusaugen. Wenn vielleicht wieder magere Jahre kommen – und wer weiß, wie lange uns die Bibel noch zur Verfügung steht (die uns umgebende Kultur hegt ja nicht gerade Sympathien für dieses Buch) – möchte ich ein bisschen was “gelagert” haben in Kopf und Herz, an das mich der heilige Geist dann erinnern kann.

Mach das beste aus deiner gegenwärtigen Situation! Aber lass Gott nicht aus den Augen, und bitte ihn, dir einen Weg zu zeigen, der für dich gangbar ist!

Stille Zeit-Tipps (10): Die Links entdecken

Die Bibel ist ein “Word Wide Web”, wo alles miteinander verbunden ist.  Das ist eigentlich das Faszinierende und Überzeugende an der Bibel, dass so viele verschiedene Autoren über ein Thema schreiben,  dass sich nach und nach immer mehr entfaltet. Dabei legt eine Bibelstelle die andere aus, und alles steht in Beziehung zueinander. Nun müssen wir nur die Links noch finden, denn optisch hervorgehoben und anklickbar wie im Internet sind sie leider nicht.

Persönlich stehe ich nicht so auf Studienbibeln, in denen der Begleittext mehr Platz einnimmt als der eigentliche Bibeltext. Ich neige dann dazu, mich gar nicht so sehr selbst um den Text zu bemühen, sondern gleich die Anmerkungen zu lesen. Aber ein Tool, das ich wirklich liebe, sind Parallelstellen-Angaben; sie sind oft sehr hilfreich, um Zusammenhänge zu entdecken und zu verstehen. Kürzlich z.B. habe ich Hebräer 3 gelesen. Dort wird Bezug genommen auf Fehler, die Israel zur Zeit Moses´ in der Wüste gemacht hat. Ohne Parallelstellen müsste ich sehr lange suchen, bis ich die Originalberichte in den 5 Büchern Moses ausfindig gemacht hätte. Durch die Parallelstellen-Angabe konnte ich sofort sehen, wo ich die ursprüngliche Geschichte finde, und die Beziehung zu meinem Text herstellen und ihn dadurch besser verstehen.

Mit Bibelprogrammen für den PC, z.B. e-Sword (kostenlos!), kann man auch nach bestimmten Begriffen in der Bibel suchen, ähnlich wie mit einer Konkordanz. Auch mit vielen Bibel-Apps für Smartphones geht das prima. So kann man feststellen, wo und in welchen Zusammenhängen ein Begriff sonst noch vorkommt. Noch besser geht das mit den Strong-Nummern, die sich auf die Worte im Urtext beziehen. Allerdings sind sie zumindest in meinem Bibelprogramm nur für die alte englische King James-Bibel verfügbar.

Im Lauf der Jahre findet man aber selbst immer mehr Links, und wenn man so ein Glückspilz ist wie ich und eine Bibel mit Schreibrand besitzt, kann man sie sich die entsprechenden Stellen neben dem Bibeltext vermerken, auch die, die man bei Predigten und Vorträgen mitkriegt. Es entwickelt sich so ein immer besseres und ausbalancierteres Verständnis der Wahrheit Gottes.

Damit ist noch eine andere Art von Verlinkung angesprochen, auf die ich hinweisen möchte. Wir dürfen und müssen zwar  ein selbstständiges Glaubensleben haben, das direkt an der Quelle des Wortes Gottes trinkt, aber selbstständig heißt nicht unabhängig. Wir brauchen die Lehre der Gemeinde, um nicht eigene Ideen und Steckenpferde zu pflegen, um Zusammenhänge zu sehen und Korrektur von Missverständnissen zu empfangen. Predigt, Bibelstunde, Jüngerschaftsgruppen – unsere Geschwister in vielen Ländern gehen ins Gefängnis, weil sie sich so danach sehnen, dass sie nicht darauf verzichten wollen, und wir nutzen unsere Chancen nicht! Kann sein, dass wir das noch mal bedauern, wenn sich die Zeiten ändern! Wenn du keine Gemeinde in deiner Nähe hast, die das Wort Gottes verkündigt, dann bete darum, dass dort eine entsteht! Internetpredigten (z.B. hier oder hier oder auf der Seite meiner Gemeinde) sind nicht wirklich ein Ersatz, aber besser als nichts.