Früher habe ich, wenn ich ein biblisches Thema studieren wollte, in der ganzen Bibel vor und zurück nach den entsprechenden Antworten gesucht. Oft habe ich dann ein Buch zu dem Thema gelesen (heute sucht man eher auf YouTube) und die dort angeführten Bibelstellen studiert.
Dann ist es mir, vor allem bei kontroversen Nebenthemen, oft passiert, dass ich beim fortlaufenden Bibellesen auf Stellen gestoßen bin, die irgendwie nicht ins Bild passten und dann „passend gemacht werden“ mussten, damit nicht das ganze System zusammenbrach. Also konsultierte man die Experten, die das Ganze wieder ins Lot brachten, indem sie die entsprechenden Stellen auf dem Hintergrund ihres Systems erklärten und einpassten.
Irgendwann hat mich Sprüche 13,11 ermutigt, mir Zeit zu lassen mit den festen Standpunkten in Nebenfragen, die ich dann doch wieder revidieren muss: „Schnell erworbener Besitz wird schnell weniger; wer aber händeweise sammelt, vermehrt ihn.“ Ich sammle jetzt „händeweise“, und zwar mit meinem Zettelkasten.
Der Begriff „Zettelkasten“ kommt eigentlich aus der akademischen Welt, aber meiner ist schlichter und funktioniert folgendermaßen:
Ich lese die Bibel fortlaufend (d. h. ich lese immer abwechselnd ein Buch im Neuen und eins im Alten Testament, aber ohne irgendetwas zu überspringen) und mache mir täglich Notizen. Das kann alles Mögliche sein: Wortstudien, Verslisten, eigene Gedanken oder auch Fragen oder Zitate aus Kommentaren, alles, was mir beim Lesen so kommt. Hier mal ein ungeschöntes Beispiel:

Oben rechts notiere ich den Referenzvers. Der dient eigentlich hauptsächlich dem Wiederfinden, denn meist betrifft der Inhalt viel mehr als nur den einen Vers. Das Thema, um das es geht, markiere ich grün. Ich beschreibe jeden Zettel nur auf der Vorderseite, damit ich immer gleich sehe, um was es geht, und gebe ihm eine Überschrift. – Und so geht es weiter:

Ich habe ein paar Schuhkartons mit Registern für alle Bücher und Kapitel der Bibel (und einer Sektion A für „Allgemeines“ zum jeweiligen Buch) versehen. Dort ordne ich meine Notizen der Reihe nach ein. Auch Predigtnotizen kommen dort gleich an den richtigen Ort und fliegen nicht irgendwo herum. Wenn ich das nächste Mal das entsprechende Bibelbuch lese, kann ich sie mitverarbeiten. Die angemarkerten Themen sammle ich auf Referenzkarten im Kasten „Themen und Begriffe“. Wenn ich irgendwelche Themen unabhängig von einem speziellen Vers bearbeitet habe, finden sie auch dort ihren Platz. Dieser Kasten ist alphabetisch geordnet. Wenn ich mich dann mit einem Thema näher befassen will, kann ich so sehen, was ich schon dazu gesammelt habe.
Das System hat sich so nach und nach entwickelt, und für mich ist es wirklich hilfreich. Ich habe den Eindruck, meine Freude am Studium des Wortes ist damit noch mehr gewachsen. Und alles ist an einem Platz und sortiert: irgendwelche Erkenntnisse zwischendurch, die Vorbereitung für den Hauskreis, Predigtnotizen – nichts geht verloren und man weiß, wo es geblieben ist (nicht in 1000 halbvollen Notizbüchern). Ein paar Zettel und einen Stift kann man in jeder Tasche dabei haben.
Ist es nicht besser, das Ganze digital zu machen? Das geht auf jeden Fall (z. B. mit Obsidian) und hat auch einige Vorteile (wie z. B. Mobilität oder noch effektiveres Taggen und Verlinken). Ich hab das auch eine Zeitlang versucht, aber 1. kann ich besser denken, wenn ich von Hand schreibe, 2. hat mein Zettelkasten in der Nähe meines Schreibtisches einen sehr starken Aufforderungscharakter für mich, weil er halt auch physisch sichtbar wächst und das einfach Spaß macht, und 3. lädt er auch dazu ein, durchzublättern und damit zu interagieren.
Vielleicht ist das auch etwas für dich?
