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Warum ich eine Bibel auf Papier brauche – und du vielleicht auch

Ich bin mir bewusst, wie privilegiert ich bin, dass ich mich überhaupt entscheiden kann, ob ich die Bibel digital oder analog lesen will, und dass ich sie überhaupt schriftlich und in meiner Muttersprache vorliegen habe. Viele Christen auf dieser Welt haben da gar keine Wahlmöglichkeit. Viele Sprachen haben noch gar keine Bibel, manche nur Teile davon, manche nur digitale oder Hörbibeln. Aber da ich dieses Privileg nun mal habe, bin ich auch verantwortlich, mir darüber Gedanken zu machen, wie ich das am sinnvollsten nutze.

Ich bin sehr begeistert von meiner Bibel-App. Sie enthält in Deutsch und vielen anderen Sprachen eine gute Auswahl an Übersetzungen und Kommentaren und Wörterbüchern. Man kann all diese Module kostenlos herunterladen. Ich benutze sie jeden einzelnen Tag, um Wörtern und Ausdrucksweisen auf die Spur zu kommen, und oft sind auch die Kommentare hilfreich. Und das Beste: Sie kostet nichts, und sie läuft komplett offline.

Wenn ich meine Bibelstudierzeit habe, läuft das folgendermaßen ab: Ich habe auf meiner dicken alten Schreibrand-Bibel einen NFC-Tag. Den scanne ich mit dem Handy, und dann schickt ein Kurzbefehl mein Handy in den Flugmodus und öffnet meine MyBible-App. D. h., ich kann mich jetzt ganz auf das konzentrieren, wofür ich sie eigentlich benutzen will und werde nicht von WhatsApp und E-Mails abgelenkt. Seit einiger Zeit habe ich außerdem angefangen, das Kapitel, das ich gerade lese, aufzunehmen. Zu Beginn meiner nächsten Sitzung liest mir das Handy die Aufnahme dann automatisch vor. So finde ich gleich wieder den Anschluss an das letzte Mal.

Und dann lese ich in meiner Papierbibel und kann die Handy-App ablenkungsfrei als Konkordanz, Kommentar und Wörterbuch und zum Übersetzungsvergleich benutzen, denn für diese Zwecke ist das Digitale dem Analogen einfach weit überlegen.

Warum nutze ich also überhaupt noch eine Papierbibel?

1. Wegen der Vertrautheit. Ich besitze diese Bibel jetzt seit ca. 20 Jahren. Vieles ist unterstrichen; die Ränder sind vollgeschrieben, Zettel dazwischen geklebt. Ich kenne mich darin auch optisch aus, so wie man in einem Haus, in dem man viele Jahre gewohnt hat, weiss, wo die Möbel stehen und was in welcher Schublade liegt. Wenn von einem Vers die Rede ist, weiß ich zwar oft die Versangabe nicht , aber was ich weiß: Das steht in der linken Spalte oben. Oder: Das steht rechts unten und ist gelb markiert. Das hilft mir, die Stellen schnell wiederzufinden. Oft habe ich sogar noch mehr vom Seitenlayout vor meinem inneren Auge, zum Beispiel den Kapitelbeginn mit der zugehörigen Zahl – vor allem bei Texten, die ich schon einmal auswendig gelernt habe. Meine große Bibel ist mir für unterwegs meistens zu schwer, und ich wollte auch dort auf meine gewohnte Orientierung zurückgreifen können. Und tatsächlich bin ich fündig geworden. :)

2. Wegen des Textzusammenhangs. Das Handy oder Tablet zeigt immer nur einen kleineren Ausschnitt des Textes – und der befindet sich auf dem Display jedes Mal an einer anderen Stelle. Bei meiner Papierbibel habe ich dagegen den Kontext auf zwei Seiten vor mir liegen. Außerdem kann ich schnell vor- und zurückblättern, ohne den aktuellen Text aus den Augen zu verlieren – der Finger bleibt einfach drin. Vor allem während der Predigt ist mir das wichtig, wenn ich schnell etwas nachschlagen möchte.

3. Wegen der Ablenkungsfreiheit. Ich beobachte manchmal bei anderen, die in der Gemeinde auf dem Handy mitlesen, dass sie zwischendurch doch auf WhatsApp oder wer-weiß-wo sind. Ich will das nicht beurteilen; es mag lebenswichtige Situationen geben, wo man schnell reagieren muss, aber wahrscheinlich sind die doch relativ selten. Ich denke, dass die Versuchung für mich auch groß wäre, während der Predigt „zu multitasken“ – deswegen will ich ihr diese Chance gar nicht erst geben.

Erzähle mir doch in den Kommentaren gerne, wie du das siehst und handhabst!