Schlagwort-Archive: Zukunft

Gefährliche Erschöpfung

Wenn die ganze Energie durch den Abfluss gerauscht ist, sei es physische oder seelische, dann ist Gefahr im Verzug, denn wir sind besonders angreifbar! Von Esau heißt es in der Bibel: Er war erschöpft. Er ist vielleicht längere Zeit auf der Jagd gewesen, und nun kriegt er kaum noch einen Fuß vor den anderen. Wenn er nicht schnell was zu essen bekommt, dann wird er umkippen. Da zieht ihm der unwiderstehliche Duft roter Linsen in die Nase und führt ihn zu Jakob, der am Feuer steht und die Suppe rührt.

Jakob, der Koch, ist der Herr dieser Suppe. Und diese Suppe ist alles, was Esau jetzt braucht. Da sind die Linsen, die mein Leben retten! Mein Magen wird sich sonst selber auffressen! Jakob, bitte, gib mir was davon!

Jakob kennt sein Brüderchen. Er kann jetzt alles von ihm kriegen, und das wird er auch! Jede hungrige Minute mehr spielt ihm in die Hände! Wir machen einen Deal. Ich krieg dein Erstgeburtsrecht, und du kriegst meine Suppe! Esau hat keine Kraft mehr, um sich auszurechnen, wie viele zukünftige Suppen wohl in einem Erstgeburtsrecht enthalten sind. Überhaupt – was heißt zukünftig? Hunger ist jetzt! Und wenn der Hunger ihn umbringt, braucht er sowieso nie mehr was. Ja, meinetwegen! Und jetzt gib mir die Suppe! Aber Jakob muss sichergehen, denn Esau, dieser Augenblicks-Mensch, will sich vielleicht morgen nicht mehr an ihren Handel erinnern. Schwöre mir!  Und Esau kann gar nicht schnell genug schwören, denn er ist fertig, k.o., aus, wenn diese Linsen nicht SOFORT den Besitzer wechseln! Ich schwöre! Alles, was du willst!

Kann man Esau nicht verstehen? Liegen unsere Sympathien nicht eindeutig bei ihm statt bei Jakob, diesem Fuchs? Was hätte er machen sollen? Aber die Bibel sagt: “So verachtete Esau das Erstgeburtsrecht!” Keine mildernden Umstände!

Die schwierigsten Gegebenheiten und die brutalsten Anfechtungen zeigen immer, was uns wirklich wichtig ist. Sie bringen ans Licht, was wir ernst nehmen und was wir glauben. Das Problem Esaus – und unseres, denn die Geschichte steht zu unserer Warnung da –  ist, dass die Gegenwart sich uns so stark aufdrängt, dass sie die Priorität der ewigen Zukunft vernebelt. Geldnöte, Erschöpfung, Depressionen, Hunger, Verfolgung, Krankheiten, Einsamkeit sind Herausforderungen unseres Glaubens an die Verheißungen Gottes. Vertraue ich ihm, oder setze ich auf sofortige Erleichterung und werfe dafür die Treue zu Gott und seinem Wort über Bord? Gott zeigt uns dadurch unser Herz: Ist er unser größter Schatz, oder verachten wir ihn? Wenn er dieser Schatz ist, dann wird er uns die Kraft geben, auch in der tiefsten Erschöpfung und Bedrängnis an ihm festzuhalten.

Quellen: 1.Mose 25, Hebräer 12,12-17

Im Hebräerbrief unterwegs (1): Jesus, Gottes Stolz und Freude

In meiner Stillen Zeit bewege ich mich gerade im Hebräerbrief. Ich hab ihn mal “außer der Reihe” gewählt, weil ich mir schon vor längerer Zeit vorgenommen habe, ihn auswendig zu lernen, aber irgendwie bei Kapitel 7 hängen geblieben bin. Inzwischen habe ich sogar manches wieder vergessen. Für einen neuen Anlauf schien es mir am besten, ihn gleichzeitig noch mal intensiv zu lesen.

Dabei lese ich nicht als Theologe oder Bibellehrer, sondern als Schätzefinder und Antwortsucher. Und meine “Wow!”s, “Aha!”s und “Ach so!”s möchte ich gerne mit euch teilen. Alles kann man natürlich nicht aufschreiben, sonst würde es ein Buch. Meine größte Freude wäre es, wenn jemand, der so wie ich bis vor einigen Jahren, mit diesem Brief bisher nicht übermäßig viel anfangen konnte, auf den Geschmack käme und selbst auf Schatzsuche ginge!

Im ersten Kapitel sieht man, wer für Gott-Vater die Hauptperson ist im Himmel und auf Erden: Sein Sohn! Man hört förmlich den Stolz und die Wärme und Befriedigung in seiner Stimme, wenn er in Vers 5 sagt: „Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt“ und  „Ich werde ihm Vater und er wird mir Sohn sein“! Engel haben zwar ihre Funktion in seinem Dienst, aber sie sind überhaupt kein Vergleich! Er befiehlt ihnen, seinen Sohn anzubeten.

Was gefällt ihm denn so gut? Dass er ihm nicht nur ein bisschen ähnlich, sondern gleich ist. Der Sohn ist “Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und Abdruck seines Wesens” (Vers 3). Man kann sagen: Der Sohn hat keine andere Wesensart als Gott, und Gott hat keine andere Wesensart als der Sohn. Das ist gut zu wissen, damit kann ich einen ganzen Haufen Irrlehren abschmettern!

In den Versen 8 und 9 wird Gott noch mal etwas spezifischer darüber, was ihn so an seinem Sohn begeistert und warum er ihm den Thron über alles gibt: Seine Aufrichtigkeit, seine Liebe zur Gerechtigkeit, sein Hass gegen die Gesetzlosigkeit. Das also sind die Eigenschaften, die Gott schätzt! Wenn wir Jesus ähnlicher werden wollen: Das ist die Richtung, in die es geht. Hört sich nicht nach Wischi-Waschi-Liebe an, oder? Wie er das mit seiner Liebe zu uns in Übereinstimmung gebracht hat, steht in Vers 3: Er hat selbst unsere Reinigung von den Sünden bewirkt.

Ich bin so froh, dass ich so einen Herrn habe. Er ist aufrichtig und gerade. Er ist unveränderlich (Vers 12), ganz im Gegensatz zu dieser Welt. Ich kann mich auf das verlassen, was er sagt. Er wird morgen immer noch derselben Meinung sein wie heute. Er ist nicht progressiv oder konservativ, sondern ewig – nicht links oder rechts, sondern oben! Die demokratische Mehrheitsmeinung der aufmüpfigen Erdenzwerge beeinflusst ihn nicht im Geringsten – er wird sie alle “zusammenwickeln” (Vers12). Gott wird ihm alle Feinde zu Füßen legen. Deswegen wäre ich ziemlich verrückt, wenn ich mich an den wechselnden Maßstäben dieser Welt orientierte! Die armen Menschen (von denen ich leider auch mal einer war) denken immer, Gott will ihnen den Spaß verderben. Aber die Herrschaft Jesu ist eine Freudenherrschaft. Gott hat ihn bei seiner Einsetzung als König “mit Freudenöl” gesalbt. Im Himmel ist alles Jubel und Begeisterung! Noch bin ich nicht da, noch lauf ich auf staubigen Straßen genau wie die Leute, an die dieser Brief geschrieben ist. Deswegen dürfen wir hier mal ein kleines bisschen schmecken und probieren, was, jetzt noch unsichtbar, auf uns wartet, damit wir nicht müde werden.

Predigt-Nachlese: Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten?

Predigttext: Lukas 24,1-35

Zufällig bin ich heute morgen bei meiner fortlaufenden Bibellese genau bei dem Predigttext von Ostern gelandet. Das war eine gute Gelegenheit, alles noch mal durchzuarbeiten und den Heiligen Geist Akzente setzen zu lassen. Deswegen wird sich aber auch diese Predigt-Nachlese mit persönlichen Gedanken mischen.

Es sind zwei Gedankenstränge, die sich wie eine rote Linie durch diesen Text ziehen: Der eine ist, dass die Bibel aus einem Guss ist, und es vom Anfang bis zum Ende um Christus geht. Der zweite ist, dass wir ein erleuchtetes Verständnis und eine Gesamtsicht brauchen, um zu verstehen.

Die Frauen kommen am ersten Wochentag nach dem Passahfest zum Grab und finden es leer. Dieser Tag war ein besonderer Tag im jüdischen Festkalender: Die ersten Feldfrüchte wurden dem Herrn geweiht, und zwar wurde eine Garbe zum Priester gebracht, und er sollte sie vor Gott hin- und herschwingen. Dazu wurde ein Lamm geopfert und verschiedene andere Dinge. Erst danach durfte überhaupt von der diesjährigen Ernte gegessen werden. Die Vorgehensweise ist in 3.Mose 23 beschrieben. Paulus nimmt in 1.Korinther 15,20-23 darauf Bezug: Nun ist Christus aber von den Toten auferweckt worden und zwar als „Erstling“ der Entschlafenen.Weil durch einen Menschen der Tod kam, kommt auch die Auferstehung vom Tod durch einen Menschen.Denn wie durch die Verbindung mit Adam alle sterben, so werden durch die Verbindung mit Christus alle lebendig gemacht werden und zwar jeder in der ihm bestimmten Reihenfolge: als Erstling Christus, bei seiner Wiederkunft dann die, die zu ihm gehören.

Die Frauen stellen also fest, dass das Grab leer ist, und eigentlich wäre es naheliegend, dass sie sich jetzt sagen: “Ach so, er ist doch tatsächlich auferstanden. Klar, davon hat er ja auch geredet!” Aber nein, sie sind nur völlig durcheinander! Sie brauchen die übernatürliche Belehrung und Erinnerung durch die Engel – dann fällt der Groschen! Aber auch nur bei ihnen! Als sie es den Aposteln berichten, reagieren die etwa so: “Hysterische Weiber und ihr Wunschdenken!” Immerhin schaut Petrus nach und wundert sich, dass außer den Tüchern nichts mehr in der Gruft liegt.

Dann finden wir die zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Sie gehören nicht zu dem engeren Kreis der Apostel, und das hat mein Herz besonders berührt. Es sind Leute aus der zweiten Reihe – solche, wie du und ich. Wenn irgendetwas sie auszeichnet, dann ihre Traurigkeit und Verwirrung. Sie haben sogar schon von dem leeren Grab gehört, aber das hat sie nur noch mehr aus der Fassung gebracht. (Was mir persönlich an ihnen gefällt: Sie reden darüber miteinander, sie überlegen zusammen, wie das alles Sinn machen könnte. Und Jesus kommt dazu! Vielleicht wenn wir manchmal nicht solche Einzelkämpfer wären und uns unsere Sorgen und Nöte mitteilen würden und dann miteinander beim Wort Gottes Antworten suchten……wäre uns dann nicht auch schneller geholfen?)

Nun hätte Jesus ja sagen können: Ey Leute, macht die Augen auf, hier bin ich! Aber das tut er nicht. Sie brauchen etwas viel Tiefergehendes, sie müssen den Gesamtplan und den Sinn dessen verstehen, was geschehen ist. Deshalb werden ihnen sozusagen die Augen zugehalten. Sie erkennen ihn nicht. Jesus lässt sie erst einmal erzählen, was sie so umtreibt (etwas was mir auch oft hilft, wenn ich von Gott Erklärungen brauche zu einer Sache: Ihm erst mal die Not genau beschreiben). Und da zeigt sich schon, was ihr eigentliches Problem ist: Sie haben eine stark verkürzte Sicht auf den Messias: Für sie war er “ein Prophet und hat in seinen Worten und Werken vor Gott und dem ganzen Volk seine Macht erwiesen”, sie hatten “gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen würde” und er war tot! Einige Frauen haben zwar behauptet, er lebe, aber naja….Was soll man nun davon halten?

Und nun sind sie die ersten nach der Auferstehung, die eine private Bibel-Entschlüsselungs-Stunde bekommen. Sie erleben, dass das Wort Gottes wirklich ein Licht auf unserem Weg ist. Jesus zeigt ihnen sich selbst in der Schrift, und das ist so toll und aufschlussreich und herzerwärmend, dass sie ihn am liebsten nicht mehr gehen lassen wollen. Alles fällt an seinen Platz. Jesus musste leiden, um in seine Herrlichkeit einzugehen – alle Opfer im Alten Testament weisen genauso auf ihn wie die Stellen über den kommenden König aus der Linie Davids. Schon Adam und Eva wurde ein Hinweis gegeben auf den Erlösungstod des Retters, Jesaja hat das Lamm Gottes angekündigt, Psalm 22 beschreibt den Herrn in seinem Leiden am Kreuz. Ob er ihnen vielleicht auch die Sache mit den „Erstlingen“ (s.o.) erklärt hat?

In diesem ganzen Unterweisungsprozess erkennen die beiden Jünger nicht, wer da mit ihnen spricht. Das merken sie erst, als sie sich zum Essen hinsetzen und er – nicht wie ein Gast, sondern wie der Hausherr- das Brot nimmt und den Segensspruch spricht. Danach ist der Herr weg, aber sie haben jetzt auch alles, was sie brauchen, und sehen werden sie ihn noch öfter vor seiner Himmelfahrt.

Sie haben auch vor diesem Gespräch an die Schrift geglaubt, für sie war das Gottes inspiriertes Wort. Auch war Auferstehung keine unbekannte Sache für sie – sie kannten vermutlich Lazarus. Was ihnen fehlte, war die Zusammenschau und ein geöffnetes Verständnis. Das Wort Gottes, durch den Heiligen Geist lebendig gemacht, kann uns beides geben. Dann suchen wir den Lebendigen nicht mehr bei den Toten, sondern wissen, dass sein Werk vollbracht ist, und dass auch alle noch ausstehenden Verheißungen Gottes sich erfüllen werden!

Älter werden

Heute bin ich 61 Jahre alt, und im Gegensatz zu vielen anderen Leuten, habe ich keine Lust, die Zahlen umzudrehen. Ich bin ausgesprochen froh, dass ich einige Dinge hinter mir habe und möchte sie nicht noch einmal erleben!

“Älter werden ist nicht mein Hobby, aber wir kommen Tag für Tag dem Ziel näher,” schrieb mir mein Bruder heute morgen. So ist es. Als mich vor einiger Zeit meine Tochter zum Hautarzt schickte wegen einer komischen Neuerscheinung in meinem Gesicht, von der sie meinte, die solle sich unbedingt mal ein Facharzt ansehen, warf er nur einen kurzen Blick darauf und meinte: ”Das ist eine Alterswarze.” Ich müsste lügen, wollte ich behaupten, dass mich das sonderlich beglückt hätte. Wie viele dieser widerlichen Dinge werden sich in den nächsten Jahren wohl noch einstellen? Die Kräfte lassen nach, die Stimme bricht weg, sobald man einen Ton lauter singen möchte – und dergleichen Kram mehr, der einen an die Endlichkeit vor dem Ende erinnert.

Aber dann gibt es so viel Gutes, für das ich Gott danke! Ich bin gesund und meine Arbeit macht mir an den allermeisten Tagen noch Freude. Ich habe die besten Freunde, die man sich nur wünschen kann. Ich habe reichlich zu essen, verdiene genug, um noch was abgeben zu können, habe eine wunderschöne Wohnung. Aber das sind noch die Peanuts! Das Allerbeste ist, dass ich Gott kennen und Vater nennen darf, dass sein Wort jeden Tag ein “Festmahl” für meine Seele ist, dass ich vertrauten Umgang mit ihm haben darf.

Und das ist in meinen Augen der größte Vorteil am Älterwerden: Die Welt ist nicht mehr so interessant wie früher. Vieles hat man geschmeckt, und es entpuppte sich als fader, als man erwartet hatte. Die Ewigkeit und die Gedanken Gottes treten in den Vordergrund.

Als wir Kinder waren, fuhren wir oft in Urlaub in den Westerwald. Wenn unterwegs mein Bruder – der sich im Gegensatz zu mir immer für Tiere und Landwirtschaft begeistern konnte und, sobald wir angekommen waren, in irgendeinen Bauernhof abtauchte – die erste Kuh sah, dann ging es los im Auto: Jippie! jippie!  tönte es dann bei jedem Rindvieh. Das war die Vorfreude, die er einfach nicht unterdrücken konnte. Er würde bald bei seinen geliebten Kühen im Stall sein.

So ähnlich geht es mir heute. Ich weiß ja nicht, wie weit der Weg noch ist. Ich kann ja vielleicht noch 40 Jahre leben, obwohl ich mir das nicht wünsche. Aber ich komme dem näher, wo ich hin will. Und vielleicht kommt sogar Jesus vorher wieder, und wir können uns diesen Umweg  über das Sterben sparen, wie Paulus (2.Korinther 4,5) gesagt hat: Solange wir nämlich in diesem Zelt leben, ächzen wir und sind beschwert, weil wir nicht erst entkleidet, sondern gleich überkleidet werden möchten, damit das Sterbliche vom Leben verschlungen wird. Die Voraussetzungen dafür haben wir von Gott, der uns als Anzahlung schon seinen Geist gegeben hat. Deshalb sind wir voller Zuversicht, auch wenn wir wissen, dass wir fern vom Haus des Herrn in der Fremde leben, solange wir in diesem Leib zu Hause sind -wir leben ja im Glauben und noch nicht im Schauen -, aber wir rechnen fest damit und ziehen es vor, fern von diesem Leib ganz beim Herrn zu Hause zu sein.

Und dann fügt er hinzu: Deshalb setzen wir unsere Ehre darein, ihm zu gefallen, ganz gleich, ob wir noch in der Fremde sind oder schon bei ihm zu Hause.

Und das ist genau mein Wunsch für meine verbleibende Zeit.

Predigt-Nachlese: Verfolgung – eine gute Sache?

Predigttext: Apostelgeschichte 4

An Jesus scheiden sich die Menschen. Die einen lassen sein Licht in ihr Leben und kehren um. Die anderen, die das nicht wollen, hassen ihn. Niemand kann auf Dauer wirklich neutral bleiben. Und wer ihn hasst, wird auch die hassen, die ihm nachfolgen – das ist ganz natürlich.

Durch die Predigten des Petrus haben sich Tausende bekehrt. Das jüdische Establishment empfand das als Bedrohung seiner Position. Petrus und Johannes waren die ersten, die sie verhafteten und die damit den vorgezeichneten Weg der christlichen Gemeinde aller Zeiten gingen.

Alle, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden Verfolgung erleiden, schreibt Paulus an Timotheus. Punkt. Keine Ausnahme. Nicht immer ist die Verfolgung physisch, manchmal äußert sie sich nur in Belächeltwerden, in Ablehnung, in Ausgrenzung. Das langt manchmal schon, um uns einzuschüchtern, so dass wir unsern Mund nicht mehr aufmachen, wenn die Menschenfurcht stärker wird als die Gottesfurcht. Dabei ist es ein Privileg, für Jesus zu leiden: Denn euch wurde, was Christus betrifft, die Gnade verliehen, nicht nur an ihn zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden, heißt es im Philipperbrief. Ein Privileg, wenn man angegriffen, abgelehnt, verlassen wird, vielleicht in der eigenen Familie? Ja, denn dadurch reifen wir im Glauben. Paulus, der wie kaum ein anderer Erfahrung im Leiden für das Evangelium hatte, sagt dazu: Wir rühmen uns auch in den Bedrängnissen, weil wir wissen, dass die Bedrängnis standhaftes Ausharren bewirkt, das standhafte Ausharren aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung; die Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist. Der griechische Ausdruck für Bedrängnis  umfasst ein weites Spektrum von Druck, Verfolgung, Problemen und Schwierigkeiten aller Art. Die richtige Reaktion darauf bringt gute Ergebnisse hervor, formt den Charakter nach den Gedanken Gottes und macht unsere Hoffnung umso stärker. Wir sollten in solchen Situationen  nicht gleich Richtung Notausgang stürzen, sondern auf Gott warten. Was wäre geschehen, hätten Paulus und Silas bei dem Erdbeben im Gefängnis von Philippi nur schnellstmöglich die Flucht ergriffen? Der Gefängniswärter hätte  die gute Botschaft nicht erfahren! Sie hatten nie die Motivation, sich selbst vor Schwierigkeiten zu schützen, sondern ihr Ziel war, Rettung weiterzugeben und die Gemeinde Gottes zu sammeln. Das war ihnen jedes Problem wert und dafür waren sie bereit, ihr Leben zu geben.

So merkwürdig es klingt: Wir sind mitten in unseren Schwierigkeiten gesegnete Menschen, weil Gott an uns arbeitet und uns die Krone des Lebens verspricht, wenn wir durchhalten. Das Leiden ist kurz, und der Lohn ist ewig! Zudem ist es hier schon eine Art der Gemeinschaft mit Christus und erfüllt unser Leben mit der Herrlichkeit Gottes.

Als Petrus und Johannes sich vor dem Hohen Rat zu Jesus bekennen, heißt es: ”Sie erkannten, dass sie mit Jesus gewesen waren.” Kann man das auch bei uns feststellen? Wissen das die Menschen in unserer Umgebung? Bieten wir jedem die Gnade und Wahrheit Jesu an?

Ich kann das von mir leider nicht so sagen; ich bin da doch oft sehr selektiv und achte darauf, wie ich “lande”. Aber ich wünsche mir den Freimut eines Petrus, weil der, der für uns gestorben ist, es wert ist, dass wir uns um seinetwillen Schwierigkeiten einhandeln!