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Manchmal hilft nur Rennen

Warum nur musste sie mit Potiphar verheiratet sein, diesem Langweiler? Seit er diesen hebräischen Sklaven hatte, war er überhaupt nicht mehr zuhause, denn er brauchte sich um nichts mehr hier zu kümmern. Josef regelte alle Angelegenheiten für ihn, ob dienstlich oder privat. Ihr Mann tat gar nichts mehr hier, außer sich zum Essen an den Tisch zu setzen.

Dieser Josef war nicht nur kompetent und fleißig, sondern auch eine Augenweide. Je länger sie ihn betrachtete, desto mehr fragte sie sich, ob es nicht auch zu seinen Aufgaben gehören sollte, ihr, der armen vernachlässigten Ehefrau, gewisse Wünsche zu erfüllen?

Er schien sie aber gar nicht wahrzunehmen, obwohl sie seine Aufmerksamkeit zu gewinnen suchte. Hatte er nichts als Arbeit im Kopf? Er war freundlich-höflich-uninteressiert. Da musste sie wohl etwas deutlicher werden! Josef, ich bin so verknallt in dich! Ich kann ohne dich nicht mehr leben! Aber Josef schüttelte nur entsetzt den Kopf. Das kann ich nicht tun. Dein Mann vertraut mir. Ich hab hier über alles Verfügungsgewalt, aber du bist seine Frau, und das respektiere ich. Und außerdem wäre es auch vor Gott ein Unrecht.

Zuerst dachte sie, er ziert sich nur. Vielleicht war er zu schüchtern oder zu verklemmt? Vielleicht musste sie ihm ihre Bewunderung deutlicher machen? Vielleicht musste sie ihre Reize noch ein bisschen mehr zeigen? Wahrscheinlich hatte er einfach Angst, erwischt zu werden! Sie musste es arrangieren, dass mal wirklich niemand sonst im Haus war. Und tatsächlich: Eines Tages, als er zum Dienst kam, waren sie allein. Heute würde es so weit sein. Als er an ihr vorbeiging, hielt sie ihn fest: Josef, bitte! Wir sind heute sicher! Du willst es doch auch! Schlaf mit mir!

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Josef hatte schon so eine Ahnung, dass das heute nicht gut gehen würde. Mit ihr allein im Haus! Diese Frau quälte ihn wirklich! Ja, er war hier mehr als einsam! Ja, er wäre auch gerne mal mit einer Frau zusammen! Es wäre schön, wenn das Leben aus mehr bestünde, als für andere zu schuften und zuzuschauen, wie sie ihr Leben genießen und gar nicht wirklich zu schätzen wissen, was sie haben. Aber sie verstand nicht, dass er nicht konnte. Denn Gott war alles, was er noch hatte, und sein Wohlgefallen und die Freude an der Gemeinschaft mit IHM waren ein zu hoher Preis für ein bisschen Abwechslung. Doch was sollte er tun, wenn sie ihn so bedrängte?

Es kam, wie es kommen musste. Er konnte nicht vermeiden, in ihre Nähe zu kommen, und sie hielt ihn fest. Und da wusste er: Jetzt hilft nur noch Rennen, sonst werde ich schwach. Er stürzte panikartig aus dem Raum. Dabei hielt sie sein Gewand fest; es rutschte von ihm runter und blieb in ihrer Hand.

Als er mit klopfendem Herzen und am ganzen Körper zitternd draußen stand, war ihm schon klar, was nun geschehen würde. Er hatte sie mit seiner Abweisung tödlich beleidigt, und sie würde sich rächen. Er hatte ihr ein “Beweisstück” dagelassen, und es gab keinen Schutz gegen ihre Verleumdung. Er würde für seine Treue zu Gott einen hohen Preis bezahlen. Aber er war froh. Er war froh! Es sah aus wie eine Niederlage, aber es war ein Sieg. Komme, was wolle, Gott war auf seiner Seite, und das war das einzige, was zählte.

Die Geschichte steht in der Bibel in 1. Mose 39.

Predigt-Nachlese: Das Wirkprinzip des neuen Lebens

Der Predigttext für heute war Galater 5,16-25.

Geist und Fleisch, sagt unser heutiger Text, sind einander entgegengesetzt. Wir haben zwei Möglichkeiten, wie wir unser Leben führen: Im Geist oder im Fleisch. Es gibt nichts dazwischen, keine Grauzone, keinen neutralen Boden.

Nun kennen wir das alle nur zu gut, dass wir zwar wollen, was wir als richtig erkennen, aber es nicht schaffen, auch so zu leben, wie Paulus es so anschaulich in Römer 7 beschreibt: ” Denn was ich vollbringe, billige ich nicht; denn ich tue nicht, was ich will, sondern was ich hasse, das übe ich aus…….das Wollen ist zwar bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten gelingt mir nicht. Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will, das verübe ich.”

Woran liegt das? Wir sind doch Kinder Gottes, wiedergeboren durch den Heiligen Geist! “Wenn wir nun durch den Geist leben, so lasst uns auch durch den Geist wandeln!” antwortet uns Paulus. Und wie soll das gehen?

Was man wissen muss: Das neue Leben ist ein anderes Leben. Es funktioniert auf völlig verschiedene Weise.  Wenn wir zum Glauben kommen, wird nicht das alte Leben neu gestartet, die moralische Version in einem neuen Wertesystem sozusagen – sondern wir steigen ein in ein ganz neues Leben, das nicht auf unserer eigenen Kraft und Anstrengung beruht, sondern das der Heilige Geist in uns bewirkt. Das was als Frucht des Geistes beschrieben wird: Liebe, Friede, Freude, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit, sind keine Herausforderungen an unser Fleisch, jetzt alles besser zu machen. Es sind Verheißungen für den Wandel im Geist, Gottes eigene Wesenszüge, die er durch seine eigene Kraft in uns ausgestaltet.

Denn wir können es nicht. Unser Fleisch ist vollkommen kraftlos, Gottes Willen zu tun. Es gehört ans Kreuz. Da hat Gott das Urteil über unsere Leidenschaften und Begierden, das ganze selbstsüchtige Ich-Leben, gesprochen. An uns ist es, das anzuerkennen und darin einzuwilligen, und Gott machen zu lassen, Platz zu machen für ihn.

In der Praxis geschieht das, indem wir die Gemeinschaft mit Gott pflegen. Durch das Lesen der Bibel bekennen wir unseren Mangel: Wir haben keine Weisheit, aber wir suchen sie bei ihm. Wir wollen seine Wege lernen, wir brauchen seine Unterweisung und seine Zusagen. Und durchs Gebet geben wir unsere Hilflosigkeit und Abhängigkeit zu erkennen: Wir können nicht, aber er kann. Wir brauchen ihn, um dieses neue Leben zu leben. Und so wie wir in der Erkenntnis unserer Schwachheit zunehmen und uns Gott überlassen, wächst die Frucht des Geistes in uns.