Wie Beten uns verändert

Ich möchte heute mal keine Zusammenfassung der Predigt geben, sondern die Gedanken niederschreiben, die mir während und nach der Predigt so durch den Kopf gingen zum Thema Beten und Gebetserhörung. Der Predigttext war u.a. Lukas 1.

ich stelle mir so die junge frischvermählte Elisabeth vor, voller Optimismus und Erwartung eines normalen Ablaufs ihres Lebens. Sie war verheiratet – jetzt würde bald eine fröhliche Kinderschar die Bude füllen! Aber es dauerte und dauerte. Was war mit ihr los? Irgendwann begann sie die Fragen der Verwandten und Freunde zu hassen: “Und bei euch? Noch nichts unterwegs?” Nein, noch nichts … Nun, ich (Ruth) habe zwar Kinder, aber ich habe auch Defizite in meinem Leben. Es gibt Fragen, vor denen ich zurückscheue, weil sie in diesen Defiziten bohren. Ich habe mir den Verlauf meines Lebens auch gradlinig und normal vorgestellt, und es ist anders gekommen. Manche Gesprächsthemen möchte ich am liebsten umschiffen.

Irgendwann merkt Elisabeth, dass es nicht läuft, wie es laufen sollte. Sie fängt an zu beten. Sie fühlt sich isoliert. Alle Freundinnen reden nur noch von Windeln und Babyjäckchen und Stillproblemen … sie passt nicht dazu. Sie hat nichts dazu zu sagen. Zuhause ist es still, und raus mag sie eigentlich auch nicht mehr. Sie betet, sie betet mit Zacharias … aber der Himmel ist auch still, Jahr um Jahr um Jahr. Viele lange, leise Jahre. Jahre, in denen sie immer wieder vor Gott kniet und fragt: Warum? Warum verwehrst du mir diesen Segen? Habe ich gesündigt? Und ja, natürlich hat sie gesündigt, da fällt ihr viel ein. Sie hat keinen Anspruch auf Fruchtbarkeit. Zusammen mit Zacharias durchforscht sie die Schrift. Was sagt Gott zu ihrem Zustand? Gibt es eine Antwort auf das Warum? Sie schöpft Hoffnung, wenn sie an Sarah denkt oder Hanna oder Rebecca, Frauen, denen Gott nach Jahren der Unfruchtbarkeit gnädig war … Sie lernt Gott besser kennen durch diese ganze Auseinandersetzung mit dem Thema, aber auch ihr eigenes Herz und ihre Gnadenbedürftigkeit. Und ein ganz anderes und umfassenderes Gebet drängt sich immer mehr in den Vordergrund: Sende uns den Retter, den Trost Israels, den Messias! Wir brauchen IHN und nur IHN!

Ob sie jemals aufhörten, um ein Kind zu beten, wissen wir nicht. Man kann es fast annehmen. Irgendwann war sie durch mit den Wechseljahren. Manchmal muss man sich mit dem Nein abfinden. Aber das “größere” Gebet Dein Reich komme! – das würden sie niemals aufgeben, bis sie stürben oder die Erfüllung der Verheißungen sähen.

Und Gott fasst es alles zusammen. Er sendet den Messias, und er gibt Elisabeth ein Kind. All die Jahre war das sein Plan, aber das konnte sie nicht wissen. Wie gut, dass sie die Entscheidung getroffen hatte, nicht bitter zu werden über ihrem “Schicksal” und mit Gott zu hadern, sondern sich noch viel enger an ihn zu binden. Weil sie nach seinem Reich trachtete, wurde ihr alles andere hinzugefügt, ein unverdienbarer Gnadenbonus sozusagen.

Gott hört. Wenn der Himmel wie Blei scheint, können wir aufgeben oder uns durch die Not durch ihn verändern lassen. Warten ist schwer, aber nützlich für uns und macht uns mehr als irgendetwas anderes zu Menschen, deren Hände für die Gnade Gottes weit offen sind.

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