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Predigt-Nachlese: Ein Leben rückhaltloser Hingabe

Apostelgeschichte 20

Paulus war ein unermüdlicher Evangelist, der Menschenseelen zu gewinnen suchte. Aber damit endete es für ihn nicht. Er war auch und vor allem durch und durch ein Hirte. Er liebte die Gemeinde Gottes leidenschaftlich und war bestrebt, nicht nur durch Worte, sondern durch sein ganzes Leben zu zeigen, wie Nachfolge Jesu aussieht. Dabei ging es ihm immer um die Ehre Gottes. Er wollte keine Bewunderer seiner eigenen Person um sich sammeln, sondern lebendiges Anschauungsmaterial für ein Leben der Hingabe an unseren Gott und Retter sein.

In Ephesus war sein Dienst so effektiv gewesen, dass die ganze Provinz Asien nach zwei Jahren von der Botschaft durchdrungen war. Schließlich wurde die Abkehr so vieler Menschen vom Götzendienst zu einer wirtschaftlichen Bedrohung für die Devotionalien-Händler des Artemis-Tempels. Sie zettelten einen Aufruhr an, und Paulus musste Ephesus verlassen. Er durchzog dann Mazedonien und Griechenland, besuchte die Gläubigen und ermutigte sie. In dieser Zeit entstanden vermutlich auch einige seiner Briefe, die uns bis heute mit dem reichen Schatz seiner Theologie versorgen. Wir erfahren darin aber auch viel über seine Lebensführung und die Art, wie er die Beziehungen in der Gemeinde gelebt hat: Seine Liebe, seine Arbeit, sein Leiden, seine Hingabe, seine Nachfolge ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben. Wir gewinnen Einblick in seine äußere Bedrängnis und in seine emotionalen Belastungen. Er kennt Anfechtungen durch Ängste und Mutlosigkeit, aber er nutzt seine Erfahrungen mit dem tröstenden und barmherzigen Gott, um andere zu trösten.

In unserem Kapitel finden wir einen Mann, der weiß, dass er für diesen Dienst nicht mehr viel Zeit hat. Man spürt ihm eine gewisse Dringlichkeit ab. In Troas versammeln sich die Gläubigen am ersten Tag der Woche, um das Brot zu brechen und der Unterweisung des Apostels zuzuhören. Was er ihnen noch sagen will, das packt er alles in dieses Treffen hinein! Mitternacht ist längst vorbei, und die angezündeten Öllampen verbrauchen den Sauerstoff in der Luft. Da kann man schon mal müde werden! Ein junger Mann namens Eutychus wird vom Schlaf überwältigt, fällt aus dem Fenster aus dem 3. Stock und wird tot aufgehoben. Wie Elia im Alten Testament wirft Paulus sich betend über ihn, beruhigt die Geschwister und versichert ihnen, dass der junge Mann lebt. Dieser Zwischenfall bremst aber seinen Eifer keineswegs (und ich vermute, jetzt waren auch alle wach!!), und er redet weiter bis zum Morgen! Dann reist er ab.

Während die übrigen seines Reise-Teams mit dem Schiff lossegeln, geht Paulus eine Strecke zu Fuß (über die Gründe habe ich hier mal gemutmaßt) und trifft dann in Assos wieder mit ihnen zusammen. Obwohl er für die Gemeinde in Ephesus noch so viel auf dem Herzen hat, beschließt er, dort nicht Station zu machen, weil er es eilig hat, nach Jerusalem zu kommen. Er ruft aber die Ältesten von Ephesus nach Milet herüber, um noch einige wichtige Dinge mit ihnen zu besprechen. Er muss sie noch einmal an sein Beispiel erinnern. Er hat dem Herrn bei ihnen gedient in Mühen, Demut und Tränen. So sollen sie auch dienen! Er hat das Wort treu verkündigt und nichts ausgelassen. Er hat ihnen die Gnade verkündigt, die er selbst als der größte der Sünder erfahren hatte, aber auch den Ernst der Heiligkeit Gottes und den Preis der Nachfolge – und er hat ihnen gezeigt, dass dieser Weg der Weg der Freude ist! Er ist in aller Traurigkeit immer fröhlich, und in seiner Armut macht er – nach dem Muster seines Meisters – viele reich. Sein Leben wirft er gerne in die Waagschale für das Evangelium. Ein lebendiges Opfer zu sein – das war nach allem, was Jesus für ihn getan hat, ein alternativloser Lebensstil! Dazu fordert er auch uns auf.

Wollen wir das?

Predigt-Nachlese: Leben oder sterben zur Ehre Gottes

Apostelgeschichte 12,1-17

Die erste Verfolgung der Gemeinde Jesu war von der religiösen jüdischen Elite ausgegangen. Sie hatten Petrus zweimal festgesetzt (in Apostelgeschichte 4 und 5,17ff). Nun aber trat Herodes Agrippa I. auf den Plan, ein Enkel Herodes des Großen, unter dessen Regentschaft Jesus geboren war. Er war ein König von Caligulas Gnaden, mit guten Beziehungen nach Rom, aber er wollte sich auch die Gunst der Juden verschaffen.

Die Herrscher dieser Welt neigen ganz besonders dazu,  Gott abzulehnen; sein Anspruch stört sie in ihrem Gewissen, in ihren Affären  und Intrigen, im Ausbau ihrer Macht. Das macht sie zu natürlichen Feinden der Herrschaft Gottes, und sie müssen sie bekämpfen. Das erleben Christen bis heute in vielen Ländern der Erde. In Psalm 2 (NEÜ) heißt es: Die Großen der Welt lehnen sich auf. Sie tun sich zusammen gegen Jahwe. Gegen seinen Messias gehen sie an: „Los, wir zerreißen die Fessel, befreien uns von ihrem Strick.“ Doch der im Himmel thront, lacht…

Herodes also lässt Christen gefangen nehmen und misshandeln. Er tötet Jakobus, der zu dem innersten Kreis um Jesus gehörte, mit dem Schwert – nach dem Talmud die passende Strafe für Ketzer -, und macht sich so Freunde bei der jüdischen Führung. Der politische Erfolg beflügelt ihn zu neuen Taten: Jetzt kommt Petrus an die Reihe und wird verhaftet. Nun ist Petrus, wie man weiß, schon einmal auf rätselhafte Weise aus dem Gefängnis entwichen, und das soll nicht noch einmal passieren! Er kommt sozusagen in den Hochsicherheitstrakt: Je 4 Soldaten sind in mehreren Schichten für seine Bewachung zuständig. Zwei  werden mit ihm zusammengekettet, und zwei stehen vor der Tür.

Herodes verlässt sich auf seine Gewalt, Petrus jedoch verlässt sich auf Gott. Aber hat dieser Gott nicht gerade eben zugelassen, dass Jakobus getötet wurde? Wie kann Petrus in dieser Nacht tief und fest einen gesunden Schlaf schlafen? Er verrät uns das Geheimnis in 1.Petrus 5, 6.7 (NEÜ): Demütigt euch deshalb unter Gottes mächtige Hand, dann wird er euch auch zur richtigen Zeit erhöhen. Und werft in Demut alle eure Sorgen auf ihn, denn er sorgt sich um alles, was euch betrifft. Petrus hat Gott alles hingegeben. Er ist bereit, seinen Herrn zu verherrlichen, sei es nun durch sein Leben oder durch seinen Tod.

Die Gemeinde aber betet unaufhörlich zu Gott. Der Ausdruck, der für die Natur ihres Gebets gebraucht wird, ist ektenēs und bedeutet: ernstlich, mit vollem Einsatz, in unablässig zielgerichteter Anspannung. So wird auch das Gebet Jesu im Garten Gethsemane beschrieben. So sollen wir beten, lieben, dienen (an all diesen Stellen steht im Urtext ektenēs). Von ganzem Herzen betend, liebend und dienend sollen wir die Gnade, die Gott uns gegeben hat, als gute Verwalter weitergeben an unsere Glaubensgeschwister und an die Welt und unser Leben ausschütten. Nicht unser Übriges an Liebe, Zeit und Kraft gehört Gott, sondern das Beste.

Das Gebet eines Gerechten vermag viel und erweist sich als wirksam, heißt es in Jakobus 5,16. So geschieht es auch im Fall von Petrus. Gott führt ihn durch einen Engel aus diesem Gefängnis heraus, löst seine Ketten und bringt ihn zurück zu der betenden Gemeinde. Denn er hat noch Arbeit für Petrus; er wird noch leben und dienen. Denn keiner von uns lebt für sich selbst, und keiner von uns stirbt für sich selbst. Wenn wir leben, leben wir für den Herrn, und wenn wir sterben, gehören wir dem Herrn. Im Leben und im Tod gehören wir dem Herrn. Dazu ist Christus ja gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende der Herr sei. (Römer 14,7-9 NEÜ)

Wenn wir für den Herrn leben, kann uns nichts geschehen, als was Gott erlaubt. Wenn er uns befreien will, wird nichts uns halten. Aber er handelt an seinen Leuten sehr verschieden. Nicht die Länge unseres Lebens und Dienstes ist entscheidend, sondern dass wir IHM leben oder sterben zu seiner Verherrlichung.

Fast nichts

Seit ich neulich die Geschichte von der Speisung der Fünftausend gelesen habe, “gärt” sie in mir.

Zuerst kurz die Handlung: Die Volksmengen strömen aus den Städten zu Jesus an einen verlassenen Ort und schleppen ihre Kranken mit. Und Jesus predigt und heilt, und plötzlich ist es Abend, und die Leute werden hungrig. Die Jünger machen sich Gedanken, weil es da, wo sie sind, nichts zu essen gibt. Die Leute sollten sich jetzt besser auf den Weg machen, um irgendwo was einzukaufen, ehe es völlig dunkel wird. ”Schick sie mal lieber heim, Herr!” fordern sie ihn auf.

Jesus aber ist anderer Meinung. “Gebt ihr ihnen doch was zu essen,” sagt er. “Unmöglich,” antworten die Jünger. “Was denn? Wir haben nichts; beziehungsweise haben wir mal gerade 5 Brote und 2 Fische.” Das ist nun nicht gerade üppig zu nennen, das ist sogar für sie selbst eher wenig – aber für 5000 Menschen ist es praktisch gar nichts, noch nicht mal ein Krümel pro Person.

Und dann nimmt Jesus die paar Brote, dankt Gott dafür, und bricht sie; und die Jünger verteilen sie, und alle werden satt, und 12 Körbe voll bleiben übrig.

Man sieht, dass Jesus die Kraft hat, aus fast nichts mehr als genug zu machen.

Unser Blickwinkel ist: Das reicht nicht; das können wir gleich ganz lassen. Das hat sowieso keinen Zweck. Gottes Antwort ist: Gib erst mal her! Lass mich mal machen!

Und nun fällt mir das dauernd auf, dass ich genau diesen falschen Blick auf mein “fast nichts” habe, und dass Gott mich ständig auffordert, ihm genau das zu geben.

Es gibt viele  Beispiele, jeden Tag, wo Fähigkeiten, Hilfeleistungen, Worte, Zeit, Gebete, Geld von uns gebraucht werden, und wir argumentieren: “Was ich einbringen könnte, ist ja fast nichts!” Und Gott sagt: “Dann gib mir deine hilflosen Worte, deine Mini-Kraft, deine Viertelstunde, deine paar Cent, dein bisschen Liebe!”

Es ist wirklich merkwürdig. Jesus braucht ja meine 5 Brote und 2 Fische nicht. Wer daraus genug für alle machen kann, der kann das auch aus garnichts. Aber Gott will uns beteiligen, und er will unsere Hingabe. Und obwohl wir so überzeugt sind, dass wir wenig haben, fällt es uns doch oft seltsam schwer, ihm dieses wenige anzuvertrauen. Aber wenn wir es tun, erleben wir ihn, und wenn wir es nicht tun, verpassen wir seinen Überfluss an Segen!

Predigt-Nachlese: Hingabe und Freude

Der heutige Predigttext steht in Philipper 2,19ff und 3,1-16

Im Gefängnis in Rom macht Paulus sich Gedanken….nicht um sich, sondern um die Gemeinde in Philippi. Er wüsste gerne, wie es bei ihnen läuft. Deswegen möchte er Timotheus zu ihnen schicken. Er vermutet schon, dass die Nachrichten aus Philippi ihn froh machen werden – er hat ein großes Vertrauen in diese Gemeinde (und das ist nicht bei allen Gemeinden so, s. Korinth). Timotheus ist der richtige Mann für diesen Auftrag, er hat das Herz eines Dieners. Da ticken sie gleich, er und Paulus: Sie haben immer das Wohl der anderen im Sinn, wie sie helfen können – nicht wie sie herrschen und sich bedienen lassen können.

Paulus nimmt nicht einfach jeden; ihm kommt es auf die Gesinnung an und auch auf die Bewährung. Wie schnell wird heute jeder “Frischling” im Glauben an jedwede Arbeit gestellt! Timotheus dagegen hat schon eine “Dienst-Geschichte” – “wie ein Kind dem Vater” hat er mit Paulus unter dessen Anleitung gedient. Wenn ich meine Lage übersehe (deren Ausgang noch völlig offen ist, auch ein Todesurteil ist nicht undenkbar), werde ich ihn baldmöglichst zu euch schicken, verspricht Paulus, obwohl er ihn doch selbst gut gebrauchen könnte.

Einer ist schon zu ihnen unterwegs: Epaphroditus. Auch er ist einer mit einem liebenden und dienstwilligen Herzen. Er war nach Rom gekommen als Abgesandter der Philipper, um Paulus in seiner schwierigen Lage beizustehen, und dann dort schwer krank geworden. Und um was hat er sich Sorgen gemacht? Dass seine Krankheit anderen zu Beunruhigung (und vielleicht Anfechtung) Anlass geben könnte! Nun ist er auf dem Heimweg, und die Philipper werden sich freuen, ihn wohlbehalten wieder zu sehen – und dieser Gedanke macht auch Paulus froh.

Solche Menschen sollt ihr ehren, sagt Paulus. Sie geben ihr Leben hin für das Werk Christi. Sie sind nicht fehlerfrei; sie sind auch nur begnadigte Sünder. Nicht ihre Fehlerlosigkeit ist uns ein Vorbild, sondern ihre Dienstbereitschaft und Hingabe, die vor keiner Schwierigkeit zurückschreckt.

Paulus hat von Problemen und Traurigkeiten und Unruhe gesprochen, und ehe er sich jetzt wieder einem schwierigen Thema zuwendet, sagt er den Philippern noch einmal: Freut euch! Freut euch im Herrn! Christen haben in allen Umständen immer Grund zur Freude. Sie sind Gottes Kinder und genießen Gottes Freundschaft! Sie besitzen ein so unzerstörbares Erbe, dass sie sagen können: Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn! Eine solidere Grundlage für unaufhörliche Freude kann es nicht geben!

Aber es gibt einen “Freudenfeind”, durch den wir immer gefährdet sind, und der heißt Stolz und Selbstgerechtigkeit. Paulus nennt das “auf Fleisch vertrauen”. Wenn wir unsere Gerechtigkeit selbst herstellen wollen, anstatt uns auf die Gnade zu verlassen, wird das Herz hart und richtend und die Freude geht flöten. Nein, alles was ich angestellt habe, um vor Gott gerecht zu sein, stellt der Apostel fest (und er war ein Power-“Gerechter-nach-dem-Gesetz”!), verdient im Rückblick nur das Urteil “Dreck” und “Schaden”. Aber ich schaue gar nicht mehr zurück. Jesus Christus hat mich gepackt, und jetzt schaue ich nur noch auf ihn. Ich möchte ihn erkennen und die Kraft seiner Auferstehung erfahren. Ja, sogar die Gemeinschaft seiner Leiden will der Apostel erleben, wenn ihn das dem Ziel näher bringt. Die Philipper sollen sich nur nicht verführen lassen, sondern wachsam sein gegen die Gesetzlichkeit und ihre Lehrer! Jesus hat sie ergriffen, und Jesus ist die Ziellinie, und so muss es bleiben! Und dann hat auch die Freude Raum und kann aus ihnen herausstrahlen.