Archiv der Kategorie: geistlicher Kampf

Wofür beten–für die Gemeindeleitung?

olivia-snow-CPPFtCHY6mo-unsplash

Eine Gemeinde braucht Männer, die die Verantwortung übernehmen, und das sind hoffentlich solche, die der Heilige Geist eingesetzt hat (Apostelgeschichte 20,28) und die sich der Verantwortung bewusst sind, dass Gott ihnen sein allerhöchstes und mit dem Blut seines Sohnes teuer erkauftes Gut in dieser Welt anvertraut hat.

Aber wir anderen haben auch Mitverantwortung. Unsere Aufgabe ist es, für unsere Leiter zu beten. Wenn wir das nicht tun, zeigen wir damit, dass wir auf Fleisch vertrauen. Wir denken: Die machen das schon, und vergessen, dass nur Gott sie dazu befähigen kann, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Oder wir “helfen” mit Kritik oder, schlimmer noch, Reden hinter dem Rücken. Aber wenn unsere Leiter ihren Dienst nicht mit Freuden tun können, haben wir den Schaden davon. Deswegen ist unser Anteil an der Sache, dass wir uns unterordnen, und dass wir beten (Hebräer 13,17-18).

Um was also sollten wir beten? Ich stütze mich dabei meist auf die Abschnitte in der Bibel, die die Aufgaben der Ältesten beschreiben.

Ich bete, dass sie es aus der rechten Herzensmotivation tun, dass sie es nicht als Zwang und Last empfinden, sondern als etwas, das sie für Gott gerne und aus Liebe tun; dass weder Geld noch Machtbedürfnis oder Ansehen eine Rolle spielen (1.Petrus 5,2-3).

Ich bete, dass sie das rechte Aufgabenverständnis haben, nämlich die „Herde“ zu beschützen vor Menschen, die Eigeninteressen vertreten, die Irrlehre oder Spaltung in die Gemeinde bringen (Apostelgeschichte 20,29-30) oder auch Sünden, die die ganze Gemeinde infizieren (1.Korinther 5, Hebräer 12,15). Dabei bete ich, dass sie wachsam sind, und dass auch die nötigen Informationen, über die Dinge, die falsch laufen, bis zu ihnen durchdringen. In einem Zeitalter, wo ein Großteil der Gemeinde seinen geistlichen Input aus einer unübersichtlichen Fülle an YouTube- und TikTok-Kanälen bezieht, ist das eine fast unmögliche Aufgabe. Ich bete, dass sie gastfrei und zugänglich sind, schon damit sie überhaupt ihre „Schafe“ kennen, dass sie offene Augen und Ohren haben.

Ich bete, dass ihr Familienleben ihnen kein Bein stellt durch Rebellion im eigenen Haus, dass sie weise sind und sich Zeit vorbehalten für Ehe und Kinder, also eine gute Church-(Work)-Family-Balance hinkriegen und ihre Prioritäten nicht aus dem Auge verlieren; dass ihre Ehefrauen von ganzem Herzen mit ihnen an einem Strang ziehen.

Ich bete, dass sie sich Zeit nehmen, die Schrift zu studieren und dort alle Antworten zu suchen, damit sie lehrfähig sind und das nötige Handwerkszeug haben, um die Gemeinde im Wort Gottes zu unterrichten, ein Bollwerk gegen Irrlehre aufzubauen, Menschen in der Seelsorge weiterzuhelfen und Widerspruch zu entkräften.

Ich bete, dass sie teamfähig sind, nicht eigenmächtig, nicht streitsüchtig, aber auch wahrheitssuchende Auseinandersetzung innerhalb der Leiterschaft offen führen und zum Schluss immer – wie beim Apostelkonzil in Jerusalem – einstimmig werden und sagen können: „Es hat dem Heiligen Geist und uns wohlgefallen …“ (Apostelgeschichte 15,28).

Und schließlich bete ich, dass sie beten! Dass sie sich ihrer Abhängigkeit von Gott bewusst sind und wissen, dass sie ohne Jesus nichts tun können – damit sie am Ende mit dem Oberhirten Jesus sagen können: „Die du mir gegeben hast, habe ich behütet, und keiner von ihnen ist verlorengegangen …” (Johannes 17,12).

Schlaflos gesegnet

night-196252erleuchtetefenster2Es ist nicht das erste Mal, dass ich über dieses Thema schreibe, aber im Moment ist es gerade wieder aktuell. Wenn man um 2 Uhr nachts immer noch knallwach ist, kann man sich entscheiden, ob man verzweifeln und sich schon mal vor dem Tag morgen fürchten will, oder ob man beschließt: Der Teufel kriegt meine Nacht nicht. Ich muss dazu sagen, dass Schlaflosigkeit bis jetzt bei mir nie ein langfristiger täglicher Zustand gewesen ist – wenn also jemand dauerhaft nicht schlafen kann, braucht er sicher auch andere Hilfen. Wenn du aber einfach mal aus einer Nacht  des rastlosen Hin- und Herwälzens eine wunderbar gesegnete machen willst, dann folge meinem Tipp: Denke über Jesus nach, und hangele dich dabei als Gedankengeländer am Alphabet entlang.

Letzte Nacht sah das so aus  (gekürzt, denn mir fielen noch mehr Dinge ein):

Er, der Abdruck des Wesens Gottes, wurde angespuckt. Das Bild des unsichtbaren Gottes wurde beschimpft, um mein Befreier zu werden. Unter all denen, die er zu seinen Brüdern gemacht hat, ist er, Christus, der Chorleiter des Lobes Gottes geworden (Hebräer 2,12). Von Herzen demütig, dornengekrönt, macht er sich zu unserem Diener, erniedrigt sich, um uns zu erlösen. Furchtlos und freundlich steht er vor seinen Feinden; freiwillig gibt er sein Leben, gerecht und schuldlos, Gott gehorsam bis hin zum Tod am Kreuz. Nun ist er, der so tief herabgekommen ist, hoch erhöht – immerdar besitzt Jesus den Thron.

Er ist der König, der Löwe aus Juda, das Lamm Gottes, Liebe und Licht in Person. Der Messias ist der Menschensohn aus Nazareth; er hat sich selbst als ewig gültiges Opfer gebracht, als das wahre Passalamm . Sein Tod ist für uns die Quelle des Lebens, er ist unser Retter. Der Schöpfer wurde unser Sühnopfer, die Tür zum Vaterhaus. Der Urheber unserer Rettung wurde durch Leiden vollkommen gemacht. Er war willig, diesen Weg für uns zu gehen – zu leiden, um uns wohlzutun. Darum ist er mein Ziel; ich strebe ihm nach und möchte ewig bei ihm sein.

Ich bin immer wieder verblüfft: Was ich mehr oder weniger als Beschäftigung für meinen Kopf anfange, wird zu einer Beschäftigung für mein Herz, die fast automatisch einige Fragen, Unklarheiten und Zweifel vom Tisch fegt und mich neu ausrichtet. Irgendwann nach drei Uhr morgens bin ich endlich eingeschlafen – und heute morgen aufgewacht mit dem Bedürfnis, das alles noch mal zu rekapitulieren und zu vervollständigen. Es gibt nichts Besseres und Heilsameres, als über Jesus nachzudenken. Probier´s aus!

Vom Wählen und Eintauschen

abundance-1868573_1920Am Sonntag hatten wir in unsrer Gemeinde ein Frauentreffen zum Thema “Gebet”. Im Austausch wurde klar, wie schwer es uns allen fällt, nicht nur hier und da spontan, sondern anhaltend  und ausdauernd zu beten und dafür Zeit einzuräumen.

Als ich darüber nachdachte, fiel mir eine Geschichte ein, die ich vor vielen Jahren mal in der Zeitschrift “Readers Digest” gelesen habe und die mich nachhaltig beeindruckt hat. Ich erinnere mich an keine Details mehr, aber der Autor berichtete, wie sein jüdischer Vater seine Kinder erzogen hat, Prioritäten zu setzen, um ihre Ziele zu erreichen. Wenn ich mich recht entsinne, wollte der Junge gerne Musikstunden nehmen, aber die Familie war sehr arm, und Musikunterricht war teuer. Außerdem liebte er süße Brötchen. Sein Vater rechnete ihm also aus, wieviel süße Brötchen eine Musikstunde kostete – wie oft er also verzichten musste. Es waren noch andere Dinge, die gegengerechnet wurden. Der Junge musste also wählen und eine Entscheidung treffen, was ihm wichtiger war, was er erreichen wollte – und diese Entscheidung immer wieder erneuern. Er entschied sich für den Verzicht. Wenn meine Erinnerung nicht trügt, wurde er später ein bekannter Musiker.

Ich bewundere die Weisheit dieses Vaters. Wir wünschen uns oft mehr Disziplin und sind immer wieder wütend auf uns selbst, wenn wir unsere eigenen Standards nicht einhalten. Aber Disziplin ist kein Wert an sich – die Motivation, etwas unbedingt haben oder tun zu wollen, ist der ausschlaggebende Faktor. Und dann müssen wir ein bisschen rechnen. Was haben wir zur Verfügung? Was könnten wir eintauschen? Ein Tag hat 24 Stunden, und mehr kriegen wir auch nicht. Jeder von uns hat Dinge zu tun, die nicht zur Disposition stehen. Und dann gibt es noch kleinere oder größere Wahlfreiheiten. Süße Brötchen sind lecker und in sich nichts Schlechtes. Einmal Verzicht langt nicht; man braucht einen ganz schön langen Atem. Die Frage ist: Wie wichtig ist mir das, was ich haben möchte – in unserem Fall Zeit zum Gebet. Wie überzeugt bin ich von der Notwendigkeit? Wie sehr will ich das? Wenn ich mir meiner Wahl sicher bin, werde ich vielleicht immer noch traurig hinter den Brötchen herschauen – aber mich auf die Musikstunde freuen.

Lieblingsverse (2): Geduldig festhalten und nicht irritieren lassen!

curtain-2757815_1920Heute kommt ein weiterer Lieblingsvers von mir. Er steht in Römer 8,24 und 25, und man muss ihn unbedingt in Verbindung mit dem ganzen Abschnitt lesen, um ihn zu verstehen. Er ist deswegen ein Lieblingsvers, weil er mir mein Leben erklärt hat, wie ich hier schon mal geschrieben habe.

Es gibt immer Leute, die uns weismachen wollen, dass mit uns was nicht stimmt, wenn wir noch an unseren Unvollkommenheiten leiden, wenn wir noch krank sind, wenn wir noch Angst haben, wenn unsere Bemühungen noch mit Disteln und Dornen kämpfen – aber hier steht: Das ist normal. Auch wenn wir die volle Gewissheit haben, dass wir erlöst sind, auch wenn der Heilige Geist uns leitet, auch wenn wir die Kraft Gottes erfahren haben und auf unserem Weg immer wieder erleben, wie Gott eingreift, befreit und unsere Herzen mit überfließender Freude füllt, so ist das doch mehr oder weniger nur das Taschengeld für die Reise – das volle Erbe wird uns ausgezahlt, wenn wir am Ziel sind. Dann werden wir die ungebremste Fülle der göttlichen Herrlichkeit erleben.

Und bis dahin kämpfen wir. Die ganze Schöpfung seufzt, und wir seufzen mit. Aber die gewisse Hoffnung hilft uns, auszuhalten, standhaft zu sein, geduldig zu warten und aus Leidensfäden hier Gold für die Zukunft zu spinnen. Jesus ist uns darin vorangegangen. Er hat um der vor ihm liegenden Freude willen das Kreuz erduldet (Hebräer 12,2). Jesus ist jetzt schon in die Herrlichkeit eingegangen und ist dort Anker unserer Seele.

Unsere Hoffnung ist kein purer Optimismus. Es geht nicht um wohlgemeinte “Kopf hoch – alles wird gut!” – Phrasen ohne Grundlage. Es geht um konkrete und beeidigte Versprechen Gottes, auf die wir uns verlassen können. Welcher Sturm uns hier auch immer schüttelt – zu gegebener Zeit wird er den Anker einholen und unser Schiff an Land ziehen.

.

Vorsicht, Fälschung! (Predigt-Nachlese)

attention-303861_1280So wie Schafe die Wölfe anziehen, so wittern falsche Lehrer unbefestigte Gläubige und versuchen sie unter ihre Kontrolle zu bringen. Dazu suggerieren sie uns, dass sie uns mehr bieten können, als wir durch Jesus bekommen haben, wenn wir unserem Glauben noch dieses und jenes hinzufügen. Es ist immer ihre Taktik, Jesus als Erlöser in den Hintergrund zu rücken und zusätzliche Regeln, Erkenntnisse oder Erfahrungen zu verkaufen. Paulus will uns vor diesen Fallen schützen und erklärt in Kolosser 2, 11-23 den Unterschied zwischen dem göttlichen Original und der Fälschung.

 

Das göttliche Original Die Fälschung
Die Grundlage ist das Kreuz Jesu. Dort hat er durch seinen Tod den Frieden zwischen uns und Gott hergestellt, unsere Schuld gelöscht, und den Teufel, unseren Feind, Sklavenhalter und Ankläger, entwaffnet. Die Grundlage ist religiöse Bemühung, der Versuch, Gott näher zu kommen durch das Befolgen von Regeln und Ritualen, durch Askese und besondere spirituelle Erlebnisse.
Der “Macher” ist Gott in Christus. Durch den Tod Jesu ist unsere Sünde “erledigt”. Wir sind befreit von der Sklaverei der Sünde und müssen ihr nicht mehr gehorchen. Durch Jesu Auferstehung und durch den Heiligen Geist, der in uns lebt, sind wir wiedergeboren worden, haben ein neues Herz und eine neue Gesinnung bekommen, so dass wir Gott dienen wollen und können. Nichts von all dem ist auf unserem Mist gewachsen. Der Macher ist der Mensch, der sich durch Halten von Vorschriften, Enthaltsamkeit und übernatürliche Erfahrungen zu Gott “hochzuhangeln” versucht.
Die Auswirkung ist ein heiliges Leben, ein wachsendes Verlangen Jesus ähnlicher zu werden, ein Hunger nach Gottes Wort und der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten, ein Leben im Gehorsam, Ablegen der Sünde, Orientierung auf die Ewigkeit, Dankbarkeit und freudiger Dienst für Gott und andere. Die Auswirkung ist Stolz  auf die eigene “Geistlichkeit”  und ein aufgeblähtes religiöses Ego, das sich als demütig verkleidet, das sich aber weder Gott unterordnen noch in seine Gemeinde einfügen kann.