Kennst du diese Tage, wo dir alles über den Kopf wächst, wo du zuschauen kannst, wie deine Kraft durch den Abfluss rinnt, wo du dich so schwach fühlst, dass du gerne aussteigen würdest aus dem Dienst des Herrn und sagen: “Ich kann nicht mehr! Wer bin in ich eigentlich, dass du sowas von mir erwartest?”
Ich hatte solch einen Tag (oder mehrere). Ich saß im Bus, dachte über alles nach und schaute dabei aus dem Fenster. Da zog ein junger Mann meinen Blick an, der mit einer Hand einen Kinderwagen vor sich her schob. Sein Kind lag aber nicht darin, sondern er hielt es in einer Decke auf dem anderen Arm, das kleine Gesicht seinem gegenüber, und sah es an. Vielleicht hatte das Kleine geweint und konnte sich nicht beruhigen und brauchte seinen besonderen Trost und seine Ansprache. Durch diesen Anblick sprach der Herr zu meinem Herzen: So halte ich dich. Ich bin dein Vater! Es ist nicht schlimm, wenn du schwach und hilflos bist, weil ich stark bin!
Ist das nicht wunderbar? Schwach sein zu dürfen, gehalten zu sein, getröstet zu werden? Mit solch einem Vater wird es zu einer guten Sache, klein und hilflos zu sein, weil es uns das Privileg seiner freundlichen Nähe und Zuwendung verschafft! Und dann können wir wieder weitermachen.
Das Leben verläuft in Phasen, und jede Phase hat ihre guten und schwierigen Seiten. Krankheiten, ein Haushalt voller kleiner Kinder, Arbeit noch und nöcher, Wechseljahre, seelische Tiefs und emotionaler Stress…..manchmal kommt es einem so vor, als ob in den Zeiten, wo man die Stille mit Gott am nötigsten brauchte, sie am schwersten zu finden ist. Was kann man tun?
Gott sieht das Verlangen unserer Herzen nach ihm, und er hat seine Liebe zu uns an keine Vorleistung geknüpft. Wenn er in uns wohnt, brauchen wir keinen “Anlauf”, um uns in eine heilige Stimmung zu beamen – er ist uns näher als unsere eigene Haut und für jeden Stoßseufzer erreichbar. Das sollte uns schon mal entspannen. Aber natürlich brauchen wir Input. Auch wenn ich im Allgemeinen kein Fan von Andachtsbüchern bin: Vielleicht ist jetzt die Zeit dafür (aber sieh zu, dass du keinen Schrott erwischst, nimm lieber etwas Altbewährtes). In unserem elektronischen Zeitalter gibt es die Bibel auch als Audioversion. Das kann man sich auch während der Arbeit oder im Auto anhören, wenn man sonst nicht dazu kommt. Man kann sich Predigten online anhören. Manche vielbeschäftigten Mamas lesen zusammen mit ihren Kindern die Kinderbibel.
Persönlich habe ich irgendwie immer versucht, eine Mindestmaß an fester Gewohnheit aufrechtzuerhalten. Eine Freundin musste neulich sehr lachen, als ich sagte, dass ich viele Stunden meines Lebens auf Knien schlafend verbracht habe. Ich wollte beten, aber ich war zu müde, oft auch seelisch zu müde. Jesus weiß, was menschliche Schwachheit ist – er macht uns keinen Vorwurf. In gewisser Weise habe ich aber so einen Platz in meinem Leben freigehalten, und als diese Lebensphase vorbei war, hatte ihn nichts anderes besetzt. Das muss mir nun niemand nachmachen, aber für mich war das gut so.
Wenn man verzweifelt genug nach einem ruhigen Plätzchen mit Gott sucht und ihn darum bittet, zeigt er einem auch Möglichkeiten – das habe ich auch erlebt in einem der schwierigsten Abschnitte meines Lebens. Wie ich da sonst geistlich überlebt hätte, weiß ich nicht.
Jetzt befinde ich mich in “fetten” Jahren. Mein Leben ist nicht mehr so stressig, und ich kann mir mehr Zeit nehmen. Was noch kommt, weiß man nicht. Deswegen sehe ich das jetzt als Möglichkeit zur Vorratshaltung. Ich versuche, viel auswendig zu lernen und aufzusaugen. Wenn vielleicht wieder magere Jahre kommen – und wer weiß, wie lange uns die Bibel noch zur Verfügung steht (die uns umgebende Kultur hegt ja nicht gerade Sympathien für dieses Buch) – möchte ich ein bisschen was “gelagert” haben in Kopf und Herz, an das mich der heilige Geist dann erinnern kann.
Mach das beste aus deiner gegenwärtigen Situation! Aber lass Gott nicht aus den Augen, und bitte ihn, dir einen Weg zu zeigen, der für dich gangbar ist!