Wenn man nach “geistlichen Übungen” googelt landet man schnell in den Programmen von Klöstern und Seminaren mit Meditation, Schweigen, Stille, Selbsterfahrung, Stundengebet, Fasten und eventuell noch Auseinandersetzung mit biblischen Texten. Oft ist auch Fernöstliches beigemixt, und das Ganze läuft dann unter dem schillernden Oberbegriff “Spiritualität”.
Nun kennt auch die Bibel geistliche Übungen. Paulus legt dem jungen Timotheus nahe, sich zur Gottseligkeit zu üben. Dabei ist der Begriff “üben” aus der Welt des Sports übernommen und am besten mit “trainieren” zu übersetzen. Es hat also gar nichts mit Passivität zu tun, sondern ganz im Gegenteil mit dem aktiven Anstreben eines Trainingserfolgs, und der wäre: Gottseligkeit.
Nun, was soll das denn sein? Das Wort scheint ja wirklich recht zugestaubt und aus einem anderen Zeitalter übriggeblieben zu sein….Wollen wir es also mal abstauben.
Es geht um einen Lebensstil (Gott gemäß, heilig) und um eine Herzensrichtung (Gott als Wichtigstes und Höchstes, seine Ehre das Ziel unsres Lebens). Kurz, gottselig ist ein Mensch, der Gott liebt, aber nicht nur mit dem Gefühl, sondern mit allem, was er ist und tut.
Und weil das nichts ist, was sich in unserem Leben kampflos ereignet, muss es geübt werden. Zwar haben wir von Gott bei unsrer Bekehrung ein neues Herz bekommen, das in der Lage ist, sich diesem Ziel hinzugeben, aber trotzdem brauchen wir Training.
Als erstes brauchen wir mal Aufklärung, damit wir überhaupt die Trainingsziele und das Programm kennen. Die bekommen wir aus Gottes Wort. Und dann müssen wir es in mühsamer Kleinarbeit in unser praktisches Leben umsetzen. Dabei wird unser Gewissen geschult, und unsere Denkweise verändert sich (Römer 12:2). Irgendwann gewöhnen wir uns an die Maßstäbe Gottes und unser Urteilsvermögen wird reifer (Hebräer 5,14). Das Ganze ist ein lebenslanger Prozess.
Dazu gehört nicht zuletzt das Lernen aus Fehlern und Misserfolgen durch die Zuchtmaßnahmen Gottes. Im Hebräerbrief steht (12,11): “Alle Züchtigung aber scheint für die Gegenwart nicht ein Gegenstand der Freude, sondern der Traurigkeit zu sein; hernach aber gibt sie die friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die durch sie geübt sind. “ Das Training besteht im Darauf-Eingehen. Wir wissen: Das Leben ereignet sich nicht nur einfach. Gott hat seine Finger im Spiel, und er meint es gut. Er will, dass wir was lernen, nach dem Fehler suchen, neue Strategien entwickeln, näher zu ihm kommen. Das ist durchaus manchmal mühsam, vor allem in Zeiten, wo es einem sowieso nicht gut geht.
Aber das ist eben das Training. Ein Spaziergang führt hier nicht zum Ziel. Ich muss wissen, wo ich hin will, und was es mir wert ist. Allerdings hat es nichts mit menschlicher Willensstärke zu tun; es geht mehr darum, dass ich mich dem Trainer anvertraue und mit ihm mitgehe.
Das ist das, was ich in der Bibel zum Thema “geistliche Übungen” gefunden habe, und es ist nichts, was sich in eine Woche “Exerzitien” oder in ein Seminar pressen lässt, sondern es ist ein Projekt für jede Minute des Lebens.
