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Predigt-Nachlese: Leben im Geist – ganz praktisch

Predigttext: Galater 6

Wir sind frei vom Gesetz und leben durch den Heiligen Geist. Aber wie sieht das im Alltag aus?

Wir werden immer noch versucht und können von der Sünde überrascht und überrannt werden. Niemand sollte denken, dass ihm das nicht passieren kann! Wir brauchen dann weder jemand, der unsere Sünde kleinredet oder ignoriert, noch jemand, der noch drauftritt, wenn wir am Boden liegen. Wir brauchen jemand, der uns zurechthilft, und das braucht manchmal Zeit. Und deswegen müssen wir auf der einen Seite wachsam sein und beten, dass wir nicht selbst versucht werden, und auf der anderen Seite bereit sein, dem beizustehen, der in Sünde gefallen ist. Allerdings setzt das voraus, dass derjenige das auch will und nicht etwa an seiner Sünde festhält und einen Friedensvertrag mit ihr geschlossen hat.

Das Gesetz Christi ist sein neues Gebot der Liebe zueinander. Dazu gehört, dass man das mit trägt, was der Bruder oder die Schwester alleine nicht tragen kann. Allerdings muss man sich vor dem Umkehrschluss hüten, dass die anderen für meine Probleme zuständig und sozusagen verpflichtet sind, mir zu helfen, und ich das fordern könnte. Das Evangelium befreit von dieser “Ich-im-Zentrum”-Perspektive. Wir können die sein, die damit anfangen, uns nach hinten zu stellen und den Nächsten nach vorn!

Was uns daran hindert, ist unser Stolz. Sind wir uns zu gut, um anderen zu dienen? Unser Stolz ekelt Gott – er ist ihm widerlich. Stolz ist der Grund, warum Menschen in die Hölle gehen. Den Ungläubigen hindert er, seine Verlorenheit und Schwachheit anzuerkennen und zu Jesus um Hilfe zu schreien.  Aber auch wir Gläubigen können geistlichen Stolz entwickeln, und das war das Problem der Galater. Stolz macht uns blind für unsere eigene Sünde und lässt uns auf denen herumhacken, die unsere Gesetze nicht befolgen. Wenn wir mal genau in den Spiegel gucken, werden wir unsere Schwachpunkte schon sehen, und dann haben wir genug an der Verantwortung für unsere eigenen Fehler und können uns über niemanden erheben.

Die Liebe gebietet uns auch, die zu unterstützen, die uns das Wort Gottes lehren. Sie nehmen damit eine gewaltige Verantwortung auf sich, denn Gott verlangt von ihnen Rechenschaft für das, was sie sagen (oder nicht sagen). Deswegen ist das auch nichts, worum man sich reißen sollte! Hier ist vor allem an materielle Güter gedacht, aber auch an geistliche Gemeinschaft, an Fürbitte, an das Abnehmen von Tätigkeiten, die den  zum Lehrdienst Beauftragten an seiner eigentlichen Aufgabe hindern (vgl. Apg.6).

Unser ganzes Leben funktioniert eigentlich nach dem Natur-Prinzip von Saat und Ernte. Wenn du Weizen säst, wächst kein Mais. Aus Apfelkernen entsteht kein Kartoffelbaum. Wer auf seine eigene Natur sät, wird von ihr den Tod ernten. Wer auf den Geist Gottes sät, wird von ihm das ewige Leben ernten. Das was du erntest, wird wesensmäßig dem entsprechen, was du gesät hast. Wir denken da oft unlogisch. Wir leben unserer eigenen Lust und wundern uns, dass wir die Gemeinschaft mit Gott verlieren. Wenn wir jede Gelegenheit ergreifen, um Gutes zu investieren, vor allem in die Gemeinde, die Familie Gottes, dann wächst auch Gutes. Wenn wir uns gehen lassen und unsere eigenen Interessen verfolgen, wird eine vergiftete Atmosphäre das Ergebnis sein.

Bei den Galatern gab es solche Menschen, die die ganze Gemeinde durcheinander brachten. Paulus deckt hier ihre wahren Motive auf. Sie wollen Ansehen in der jüdischen Community, und dafür opfern sie die Freiheit der anderen und drängen sie, sich beschneiden zu lassen. Sie wollen die Verfolgung und das Ärgernis des Kreuzes vermeiden. Der Teufel will uns immer einreden, es ginge auch ohne das Kreuz, und mit ein paar Kompromissen könnten wir die Härten entspitzen und das Ansehen der Gesellschaft gewinnen. Für Paulus dagegen ist das Kreuz die Mitte seines Lebens und seiner Botschaft. Es verurteilt sowohl die zügellose Sünde als auch die selbstgerechte Religiosität. Diese Dinge liegen hinter ihm; er ist ihnen gegenüber tot. Er weiß, dass vor Gott nicht zählt, wer wir sind und was wir tun, sondern nur die neue Schöpfung, Gottes eigenes Werk. Gottes Gnade genügt uns, und auf diesem Weg ist Frieden und Barmherzigkeit. Für diese Erkenntnis und für dieses Evangelium hat er so viel gelitten, und darum wünscht er sich nichts sehnlicher, als dass die Galater und auch wir fest dabei bleiben!

Predigt-Nachlese: Tränen am Krönungstag

Predigttext: Lukas 19,37-44

Ist das nicht ein wunderbarer Tag, als die feiernde Menge Jesus als König begrüßt? Die Menschenmenge hofft auf ihn. Sie hat seine Wunder gesehen. Zuletzt hat sich die Nachricht  von der vollmächtigen Auferweckung des Lazarus von den Toten wie ein Lauffeuer verbreitet. Er ist der Messias, das ist klar! Die Atmosphäre der Erwartung, dass er sie jetzt von den Römern befreien und das davidische Königreich wiederherstellen wird, macht sich Luft in lauten Jubelrufen, dem Krönungslied des Messias aus den Psalmen:

Gepriesen sei der König, der kommt im Namen des Herrn! Frieden dem, der im Himmel ist,  Ehre dem, der in der Höhe wohnt!

Die lautstarke Freude reißt alle mit außer den religiösen Führern. Die sehen diesen Jubel eher als Blasphemie an. Für sie ist Jesus nicht der Retter, der durch das ganze Alte Testament versprochen wurde, nicht der Sohn Gottes. Aber sie sehen sich nicht in der Lage, dem Lobpreis der Volksmenge Einhalt zu gebieten. Das könnte jetzt höchstens Jesus selber, und so appellieren sie an ihn: Rabbi, bring deine Jünger doch zur Vernunft! Aber Jesus sieht dazu keinen Anlass, denn er ist der Messias. Er kann diese Huldigung nicht zurückweisen. Wenn sie schweigen, antwortet er, werden die Steine schreien.

(Zur Frage, was die schreienden Steine bedeuten, lies bitte hier).

Jesus akzeptiert die Anbetung der Volksmenge, aber er schaut tiefer und weiter. Er weiß, dass die selben Leute bald Kreuzige ihn! schreien werden, wenn sie merken, dass ihre Erwartungen nicht erfüllt werden. Wie viel von dem, was wir heute als Anbetung erleben, hat wohl seinen Grund lediglich in falschen Erwartungen an Gott? Die Aufforderung, sich als Jünger Jesu selbst zu verleugnen und sein Kreuz auf sich zu nehmen, wird überhört – statt dessen soll Jesus unser Ego boosten und unsere Wünsche erfüllen, und wenn nicht, dann hat er keinen Wert mehr. Und das liegt daran, dass wir unser eigentliches Problem – unser Verlorensein in unseren Sünden – genau wie die Menschen damals nicht erkannt haben.

So kommt es, dass Jesus in Tränen und lautes Weinen ausbricht, als er Jerusalem sieht. In ihm hat Gott sein Volk besucht, um es von seinen Sünden zu retten. Aber sie haben ihn, die fleischgewordene Barmherzigkeit Gottes, nicht erkannt. Er wollte ihnen Frieden mit Gott geben, aber sie haben gegen sein Licht einen Wall aufgeschüttet. Jetzt muss er ihnen das Gericht ankündigen:

Es kommt für dich eine Zeit, da werden deine Feinde einen Wall um dich bauen; sie werden dich belagern und dich von allen Seiten bedrängen. Sie werden dich und deine Bewohner niederwerfen und in der ganzen Stadt keinen Stein mehr auf dem anderen lassen, weil du die Gelegenheit, in der Gott dich besuchte, verpasst hast.

Das alles ist 70 n.Chr. über Jerusalem gekommen. Genauso sicher kommt das Gericht über jeden, der nicht Buße tut. Schützen wir uns auch mit einer Mauer aus Selbstgerechtigkeit vor Jesus, oder lassen wir uns warnen und kehren um?  Muss er über uns weinen, weil wir seinen Frieden ablehnen, oder lassen wir uns retten?

Das Kreuz mit dem Stolz und das Kreuz

Stolz ist eine sehr gefährliche Sache. Wir wissen, dass Gott Stolz und Hochmut hasst. Er ekelt ihn an. Niemand weiß besser als er, wie absolut unberechtigt Stolz außerdem ist, weil wir sowieso nichts haben und können, was er uns  nicht zuvor gegeben hat.

Der Stolz kommt in vielen Verkleidungen. Er kann sogar einen Kopfstand machen – dann sieht er fast wie Demut aus. Aber wie er sich auch dreht und wendet, er dreht sich immer um die selbe Person: um mich – meine Ehre, meine Stellung, meine Frömmigkeit meine Heiligkeit, mein Können, mein Wissen.

Wenn wir Jesus nachfolgen wollen, kriegen wir deshalb manchmal Angst vor uns selbst, weil wir merken, wie viel von diesem Mist in uns steckt. Immer wenn uns etwas gelingt, steigt es uns zu Kopf. Wenn uns jemand lobt, können wir uns gar nicht mehr freuen, weil wir gleich merken, wie uns das aufbläst. Was kann man da machen?

In unserer Not entwickeln wir interessante Strategien. Auf anerkennende Worte antworten wir stereotyp: “Gott allein die Ehre!” Oder wir hören auf, manche Dinge zu tun. Vielleicht sollte ich nicht mehr singen, wenn ich eine gute Stimme habe? Ich könnte ja stolz werden. Vielleicht sollte ich niemand mehr einen Rat geben? Er könnte ja helfen, und die Person könnte auf die Idee kommen, was von mir zu halten. Vielleicht sollte ich mein Bibelwissen lieber für mich behalten? Steht nicht geschrieben, dass Wissen aufbläht?

Am besten warten, bis es besser mit uns wird! Wir werden in den Dienst einsteigen, wenn unsere Heiligung Fortschritte gemacht hat. Irgendwann müssen wir doch wohl unseren Stolz unter die Füße kriegen?! – Du merkst schon, ich rede aus Erfahrung. Und nun sag ich dir was: Es wird nie besser. In unserem sündigen “Fleisch” bleibt alles, wie es ist.

Na, Ruth, du machst mir ja Hoffnung! Was soll ich denn tun? Es muss doch eine Lösung geben?

Ja! Die gibt es auch, sonst wäre das Evangelium keine gute Botschaft. Mein Stolz ist am Kreuz Jesu verurteilt, gerichtet und abgetan, und alles was ich tun muss, ist dieser TATSACHE im Glauben zuzustimmen. Dann kann der Stolz sich regen, wie er will, ich ignoriere ihn eiskalt und lass ihn nicht über mich regieren. Ich sage zu ihm: Du bist gerichtet, und das zu Recht! Mein Herr heißt Jesus, und ihm diene ich durch die Kraft des Heiligen Geistes mit allem, was ich bin und habe. Und dann verschwindet diese merkwürdige Angst-Lähmung, die davon kommt, dass man auf seine eigene Sündhaftigkeit starrt wie das Kaninchen auf die Schlange.

Werde ich nun nie mehr sündigen? Ich werde. Und der Heilige Geist wird mich darauf aufmerksam machen, und ich werde meine Sünde bekennen und wieder aufstehen und weitermachen im Dienst Gottes.

Mirjam, die rebellische Prophetin

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Feuerbach „Mirjam“

Ich, Mirjam, bin die große Schwester von Mose. Ich bin diejenige, die auf ihn aufgepasst hat, als  unsere Mutter ihn im verpichten Körbchen auf dem Nil aussetzen musste. Ich habe  ihn wieder nach Hause gebracht durch mein diplomatisches Geschick, so dass er wenigstens bis zum Abstillen bei seiner Familie bleiben konnte, Dann habe ich von fern sein Aufwachsen am Hof beobachtet und mit meiner Mutter gebetet, dass er seine Blutsbande und seinen Gott nicht ganz vergisst. Ich habe mich gefreut, als ich merkte, dass unsere Gebete erhört wurden, und er sich für sein Volk zu engagieren begann.

Dann verschwand er für viele Jahre in die Wüste Midians. Niemand wusste, ob er überhaupt noch lebte, bis zu dem Tag, als Aaron sagte: Gott hat zu mir gesprochen! Ich soll Mose entgegen gehen in die Wüste! Da waren wir alle schon nicht mehr jung und Aaron und ich gezeichnet durch ein langes Leben in der Sklaverei, und doch begann unser Puls zu rasen. Was hatte das zu bedeuten? Und plötzlich waren meine beiden Brüder die bedeutendsten Männer im Land, und jeder sprach von ihnen! Niemand konnte nicht mitbekommen, wie Gott durch sie – endlich! – sein Gericht an Ägypten vollstreckte und unsere Befreiung erwirkte. Ich war stolz auf sie.

Nie werde ich den Tag vergessen, als die Ägypter mit Mann und Maus im Schilfmeer ersoffen! Wir waren das Volk eines lebendigen Gottes, der sich zu unseren Gunsten stark machte! Der Geist Gottes erfüllte mein Herz, und ich nahm mein Tamburin und begann zu singen und den Höchsten zu preisen! Ich konnte gar nicht anders, es floss aus mir heraus, und alle Frauen schlossen sich mir an. Wir tanzten, bis wir nicht mehr konnten. Staunend erkannte ich, dass ich eine Führerin geworden war, eine Prophetin, durch die Gott sprach. Was war das mit unsrer Familie? Wir schienen alle eine besondere Beziehung zu Gott zu haben, Mose natürlich am meisten, aber wir wurden so eine Art Führungsteam.

Die Leute bewunderten Mose – manchmal. Manchmal beschimpften sie ihn auch und klagten ihn an. Immer stand er im Mittelpunkt. Bisweilen, vor allem, wenn mich weiter keiner beachtete, kam mir der Gedanke: Wo, Brüderchen, wärst du wohl ohne mich? Hätte ich dir nicht das Leben gerettet …. Ich fand, dass er sich ein bisschen aufspielte, so als wäre er Gott persönlich. Dabei gab es in seinem Leben durchaus dunkle Flecken. Seine Frau zum Beispiel … eine Ausländerin! War das etwa richtig?  Ich begann, mit Aaron darüber zu reden, dass mir das alles auf die Nerven ging. Er und ich – wir waren doch ebenfalls mit Gott verbunden. Er war Priester, ich war Prophetin. Gesprochen hatte Gott schon zu beiden von uns. Wir müssten das mal klarstellen, dass Mose auch nichts Besseres war als wir.

Wir sprachen solange darüber, bis wir genug Mut hatten, ihn öffentlich anzugreifen wegen seiner Frau. Die Frau war aber nur die Spitze des Eisbergs. Würde man erst mal den ganzen Mann ans Licht bringen, würde man sehen, dass er keine Extrawurst verdiente. Was sagte Mose dazu? Gar nichts. Heute weiß ich, dass er nie das Bedürfnis nach einer herausgehobenen Position hatte. Das war eher eine Last, die Gott ihm aufgelegt hatte – und die wir ihm gerade noch ein bisschen schwerer machten.

Dann kam Gott. Er sprach zu jedem von uns Dreien, dass wir uns vor dem heiligen Zelt einfinden sollten, und wir gingen hin. Ich war mir immer noch sicher, dass ich recht hatte … Die Wolkensäule kam herab, und Gott hieß Aaron und mich vortreten. Er war zornig! Wir hatten nicht Mose attackiert, wie wir meinten, sondern ihn. Denn er war es, der Mose in diese Position gebracht hatte. Er war es, der beschlossen hatte, mit ihm auf eine ganz andere, besondere und intime Weise zu reden. Und wir hatten uns nicht gefürchtet?

Als die Wolke weg war, sah ich meine Strafe. Ich war voller Aussatz, d.h. ich war aus der Gemeinschaft des Gottesvolkes ausgeschlossen. So schlimm war meine Sünde? ich hatte doch nur mit meinem kleinen Bruder ein ernstes Wörtchen reden wollen!

Aaron sah mich entsetzt an – er selbst hatte nichts. Ich glaube, sein Herz war nicht so stur wie meins, er sah seinen Fehler sofort ein. Er war betroffen und verzweifelt. Oh, bitte, sagte er zu Mose, wir waren verrückt und haben uns versündigt. Sie sieht ja aus wie ein totgeborenes, halb verwestes Kind! Bitte, tu was! Mose fiel sofort auf seine Knie. Er schrie zu Gott: Heile sie doch bitte! Ja, er sagte nicht: Siehste, das kommt davon! Er war selbst erschrocken über diese Maßnahme seines himmlischen Verteidigers.

Aber Gott sagte: Nein. Sieben Tage muss sie das jetzt mal ertragen. Sie hat meine Ehre verletzt. Schließt sie außerhalb des Lagers ein, und nach sieben Tagen kann sie zurückkommen. Und was soll ich sagen? Ich brauchte diese sieben einsamen, angsterfüllten Tage. Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken. Wie konnte es dazu kommen, dass ich, eine Dienerin Gottes, mich so mit ihm überwarf? Ich zeichnete die Spuren meines Weges zum Hochmut nach. Gott hatte mich begnadigt, und ich hatte mir ein Verdienst daran zugeschrieben. Er hatte mir Grenzen gesetzt, und ich war nicht mehr zufrieden damit. Ich wollte gar nicht mehr Gott dienen, ich wollte, dass er mir diente, indem er mir zu Ansehen und Ehre verhalf. Ich wurde ein Vergleicher und Fehlersucher (und fand natürlich etwas). Die nächste Stufe war Klatsch und Tratsch, um Verbündete und Rechtfertigung für meine Rebellion zu finden. Wenn Aaron dieselbe Sicht hatte, dann musste sie ja wohl stimmen. Irgendwann war ich in meinem Hochmut so selbstsicher geworden, dass ich bereit war, für meinen vermeintlich rechtmäßigen Platz zu kämpfen.

In der ganzen Zeit hatte ich mit Gott nicht über diese Sache geredet, sonst wäre es vielleicht nie so weit gekommen. Jetzt hatte ich sieben Tage Zeit, meine Scherben aufzusammeln. Keine Rechtsansprüche mehr vor Gott, nur die Bitte um Gnade. Keine große Prophetin mehr, nur eine Sünderin, die um Wiederaufnahme und Vergebung fleht.

Und ich bekam sie. Sie warteten auf mich, das ganze Volk und Mose, mein Bruder, der mich liebte  und für mich betete. Und dann zogen wir weiter.

Biblische Referenzstellen: 2.Mose 2, 2.Mose 15,20, 4.Mose 12

 

Predigt-Nachlese: Das Haus muss voll werden!

Predigttext: Lukas 14,15-24

Jesus war am Sabbat eingeladen bei der jüdischen High Society, in das Haus eines Ober-Pharisäers. Hier waren die Experten in puncto Gesetz versammelt, die, die alles richtig machten, und denen dafür (wie sie meinten) Ehre und Wohlstand zukam. Nicht weil sie ihn so nett fanden, hatten sie ihn eingeladen, sondern weil sie darauf lauerten, dass sie ihn bei einem Fehler erwischten, den sie gegen ihn verwenden konnten.

Er beobachtete sie und stellte fest, wie sie nach den Ehrenplätzen gierten, was offenbarte, um was es ihnen ging: Image und Position. Er forderte sie heraus und zeigte ihnen, wie dumm so ein Verhalten ist. Sie hielten es für selbstverständlich, dass sie auch im Reich Gottes zu Tisch sitzen würden. Das hatten sie sich ihrer Meinung nach verdient, denn sie hielten sich an alle Gesetze und Verordnungen, im Gegensatz zu denen, die sie für Abschaum hielten, und mit denen sie nichts zu tun haben wollten.

Nun erzählte Jesus eine Geschichte. Ein Gastgeber plant ein riesiges Bankett mit vielen Gästen. Im Orient war damals eine zweistufige Einladung üblich. Wenn man ein Fest feiern wollte, lud man die Leute ein und plante dann entsprechend ihrer Zusagen, kaufte ein, schlachtete Tiere etc. Wenn dann alles soweit zubereitet war, erging die 2. Einladung: Kommt jetzt, es ist alles fertig!

In Jesu Erzählung nun bereitet der Gastgeber das Mahl für die Geladenen; als es aber so weit ist, lassen sie ihn mit fadenscheinigen Ausreden hängen. Das war gegen alle Etikette und eine große  Beleidigung. Dass es nicht nur einer ist, der absagt, lässt eine Verschwörung vermuten, um das Fest zu torpedieren und dem Gastgeber eins auszuwischen. Zudem waren die Entschuldigungen einfach lachhaft. Wer schaut ein Stück Land an, nachdem er es gekauft hat? Wer probiert die Ochsen aus nach dem Erwerb? Jeder Mensch mit Verstand würde das vorher tun. Und man heiratet normalerweise auch nicht so spontan, dass man es bei der ursprünglichen Einladung nicht schon gewusst hätte. So ist der Zorn des öffentlich zur Schau gestellten Gastgebers nur zu verständlich. Aber wenn die Geladenen auch nicht kommen – das Essen ist bereit, und Gäste wird er haben! Und seine neue Gästeliste entspricht der, die Jesus schon vorher den Pharisäern empfohlen hatte: Lahme, Blinde, Krüppel, Arme. Sie haben keinen Besitz, der sie abhalten könnte, und wenn sie etwas erschreckt und ungläubig reagieren, so werden sie herein genötigt. Der Knecht, der sie ins Haus bringt, hat das Herz seines Herrn verstanden. Er stellt fest, dass noch Plätze frei sind und sagt zu ihm: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast, aber es ist noch Platz für weitere Gäste! Und so geht die Einladung in die nächste Runde, diesmal außerhalb der Stadt, wo alle die Ausgestoßenen leben, die man im Stadtgebiet nicht haben will. Auch sie sollen genötigt werden. Ein Nein aus höflicher Zurückhaltung ist nicht akzeptabel. Das Haus muss voll werden!

Das eine sage ich euch: Keiner von denen, die ich zuerst eingeladen hatte, wird an meinen Tisch kommen! Dieses Fazit des Hausherrn drückt sowohl seinen tiefen Schmerz über die Ablehnung aus als auch seinen berechtigten Zorn über diese Kränkung. So lehnte die Elite Israels die Einladung zur Gnade Gottes durch Jesus ab. Er kam in sein Eigentum, aber sein Volk wollte nichts von ihm wissen (Johannes 1,11 NEÜ). Doch allen, die ihn aufnahmen, die an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden. (V12) Das waren die, die sich ihrer Unwürdigkeit bewusst waren, die sich nach der Gnade sehnten, die “Zöllner und Sünder”. Paulus erinnert die Korinther: Denkt einmal an das, was ihr vor eurer Berufung wart, liebe Geschwister! Da gab es nicht viele, die nach menschlichen Maßstäben weise, einflussreich oder prominent gewesen wären, sondern Gott hat das ausgewählt, was nach dem Maßstab der Welt einfältig und schwach ist – um die Weisen und Mächtigen zu beschämen. Er erwählte das, was in der Welt als niedrig und bedeutungslos gilt; das, was für sie nichts zählt, um das, was für sie zählt, zunichte zu machen (1.Korinther1,26-28 NEÜ). Und schließlich hat Gott auch die Heiden in sein Reich eingeladen, die in den Augen frommer Juden gar kein Anrecht darauf hatten, die – im Bild gesprochen – außerhalb der Stadt ein gottentfremdetes Leben führten.

Gott ist es ernst damit, dass sein Haus voll werden soll. Er wartet immer noch, bis alle seine Gäste Platz genommen haben. Er hat Geduld mit euch, denn er will nicht, dass irgendjemand ins Verderben geht, sondern dass alle Gelegenheit haben, zu ihm umzukehren  (2.Petrus 3,9 NEÜ). Wir sind seine Knechte, die alle mit  Dringlichkeit hereinnötigen sollen. Wer an den Sohn glaubt, wer ihm vertraut, hat ewiges Leben.  Das ist die Einladung. Wer dem Sohn aber nicht gehorcht, wird das ewige Leben nie zu sehen bekommen, denn Gottes Zorn wird auf ihm bleiben (Johannes 3,36 NEÜ). Das Gericht ist die ernüchternde Kehrseite von Gottes großer Barmherzigkeit.

Wirst du die Einladung annehmen?