Predigt-Nachlese: Würden doch alle wie ich!

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Predigttext: Apostelgeschichte 25 und 26

Würden doch alle wie ich!

Der Mann, der das ausruft, ist gefangen und gefesselt. Aber er weiß, dass er das größte Glück besitzt, weil seine Sünden vergeben sind, und er Gott seinen Vater nennen kann. Und er wünscht diese Freude jedem, Freunden und Feinden, und auch dem König Agrippa, vor dem er zum Verhör erschienen ist.

Paulus hatte sich auf den Kaiser in Rom berufen, als er merkte, dass er in Gefahr stand, den jüdischen Führern ausgeliefert zu werden, bei denen Festus Pluspunkte sammeln wollte. Willst du dich in Jerusalem verantworten? hatte Festus ihn gefragt. Nein, da würde ihm kein Recht werden, das war ihm klar, dann lieber nach Rom! So bleibt er also in Gewahrsam, bis eine Möglichkeit gefunden würde, ihn zum Cäsar zu senden.

Nun ist es etwas schwierig, jemand ohne überzeugende Anklagepunkte in ein Berufungsverfahren zu schicken. Da trifft es sich gut, dass Festus hohen Besuch bekommt, den er um eine Stellungnahme und Rat bitten kann. König Agrippa der Zweite und seine Schwester Berenike sind seine Gäste, und ja, Agrippa ist neugierig: Ich würde diesen Mann gern kennenlernen und hören, was er zu sagen hat.

Und dann steht der treue Zeuge Jesu vor ihm und seinem ganzen Tross im Gerichtssaal und bekommt die Gelegenheit, zu reden. Ich schätze mich glücklich, dass ich mich vor dir verteidigen kann, beginnt Paulus. Wirklich? Weiß er nicht, dass der Urgroßvater dieses Mannes die Kinder von Bethlehem hat abschlachten lassen, sein Großvater Johannes, den Täufer, auf dem Gewissen hat, und sein Vater Jakobus hinrichten ließ? Erwartet er etwa Gerechtigkeit von ihm?  – Nein, Paulus ist nicht naiv, aber er sieht eine Chance für Agrippa! Er wird heute das Evangelium hören und die Gelegenheit bekommen, sich zu Christus zu bekehren.

Bei Agrippa muss Paulus nicht bei Null anfangen. Er weiß viel aus der Heiligen Schrift. Er ist zwar In Rom erzogen worden, aber in allen jüdischen Gebräuchen und Streitfragen wohl bewandert. Genau genommen ist er von Rom als Oberaufsicht über den Tempel eingesetzt. Paulus erzählt ihm nun von seinem eigenen Leben: Wie fromm er war und doch so verloren, weil er Jesus bekämpft hat. Die bösen Dinge, die er den Gläubigen getan hat. Wie der Auferstandene ihm begegnet ist und sein Leben auf den Kopf gestellt hat. Von dem Auftrag, den er bekommen hat. Und ja, für alle Menschen und auch für Agrippa gilt das Angebot, umzukehren und aus der Finsternis zum Licht und aus der Gewalt Satans zu Gott zu kommen!  Vergebung der Sünden und ein ewiges Erbe – dafür hat Christus gelitten und stellvertretend unsere Strafe auf sich genommen. Es gab Gnade für den Sünder Paulus wie es auch Gnade für den Sünder Agrippa geben kann.

Festus ist das alles ein bisschen zuviel. Paulus, du hast den Verstand verloren! Dass Christen verrückt sind, ist keine unübliche Anklage, um die Ablehnung unserer Botschaft zu rechtfertigen. Aber wir könnten gar nicht vernünftiger sein, denn das, was wir glauben, steht auf der festen Grundlage uralter Verheißungen! Paulus wendet sich wieder an den König: Agrippa, glaubst du den Propheten? Ich weiß doch, dass du glaubst!  Agrippa, so herausgefordert, antwortet etwas nervös: Du überredest mich noch, ein Christ zu werden!

Ach, wie gerne täte Paulus das!  Es ist sein tiefster Herzenswunsch, dass alle würden wie er, nur ohne diese Fesseln! Aber Agrippa übergeht diesen Ruf an sein Herz. Der Mann ist interessant und seine Lebensgeschichte berührend, da ist was dran – aber werden wie er? Die Kosten sind ihm zu hoch. Er geht zur Tagesordnung über.

Eine tragische Geschichte! Gott bietet Versöhnung an, es geht um Himmel oder Hölle, Licht oder Finsternis, Leben im  Reich Gottes oder im Machtbereich Satans. Wer nicht wählt, wählt auch – es gibt keinen neutralen Boden. Lass das nicht deine Geschichte sein! Weise deinen Erlöser nicht ab! Wenn ihr heute die Stimme Gottes hört, verschließt euch seinem Reden nicht! (Hebräer 3,15)

Bild: Nikolai Korniliewitsch Bodarewskie [Public domain], via Wikimedia Commons

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