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Predigt-Nachlese: Gerettet – und dann?

Text: Apostelgeschichte 10, 43-48

Den heilshungrigen Herzen, die bei Cornelius zusammengekommen waren, predigte Petrus drei Punkte:

  • Gottes Heil ist für jeden zugänglich.
  • Das Heil kommt durch Christus.
  • Jedem, der an ihn glaubt, werden die Sünden vergeben in seinem Namen.

Das genügte. Jeder der Anwesenden konnte das fassen und wurde bekehrt. Petrus hatte noch gar nicht ausgesprochen, da fiel der Heilige Geist auf alle, die das Wort hörten.

Was geschieht, wenn Gott uns rettet? Der Heilige Geist kommt, um in uns Wohnung zu machen. Gott lässt uns nicht allein; er gibt uns die Kraft zu einem neuen Leben, einen neuen Sinn und ein neues Herz, das seinen Willen tun kann.  Und er gliedert uns – Juden oder Griechen, egal aus welcher sozialen Klasse – in seinen Leib ein. Das Getränktsein mit dem einen Geist macht uns eins.

Die Begleiter von Petrus gerieten außer sich. Sie hörten diese neuen, heidnischen, unbeschnittenen Gläubigen in Sprachen reden und Gott preisen, genauso, wie sie es selbst an Pfingsten erlebt hatten. Das hier war das Pfingsten der Heiden!  Es war die klare Bestätigung Gottes, dass er diese Menschen ohne Vorbedingungen ángenommen hatte, dass er nicht erwartete, dass sie erst zum Gesetz Moses´ umkehrten, sondern dass er sie hier und heute in sein Volk aufnahm.

Damit stand ihrer Taufe nichts mehr im Weg. Wem die Sünden vergeben sind, der will das öffentlich kundmachen und sich zu seinem neuen Herrn bekennen. Die Taufe ist das Symbol, das das innere Geschehen abbildet: Ich bin mit Christus gestorben, begraben und auferstanden. Ich habe Gnade gefunden. Mein altes Leben hat ein Ende, und mein neues Leben ist das Leben Jesu. Ich stehe der Sünde nicht mehr zur Verfügung – ihre Macht über meinem Leben ist gebrochen. Alles, was ich bin und habe, steht jetzt im Dienst Gottes.

Gerettet, mit dem Geist Gottes erfüllt und getauft, wussten die neuen Gläubigen, dass sie noch viel lernen mussten. Und so baten sie Petrus: Bleib noch ein bisschen hier! Unsere Herzen schreien nach mehr vom Wort Gottes!

Petrus hat ihre Bitte erfüllt. Er wusste: Wie ein Baby, so hat auch ein “neugeborener” Christ das Bedürfnis nach geistlicher Nahrung, nach Liebe und Zugehörigkeit. Er braucht Belehrung, um zu wachsen, um immer mehr zu erkennen, was er in Jesus hat. Die Heilige Schrift lehrt uns die Wahrheit zu erkennen, überführt uns von Sünde, bringt uns auf den richtigen Weg und erzieht uns zu einem Leben, wie es Gott gefällt. Mit der Schrift ist der Mensch, der Gott gehört und ihm dient, allen seinen Aufgaben gewachsen und zu jedem guten Werk gerüstet. (2.Timotheus 3,16.17) Das ist das Ziel.

Predigt-Nachlese: Gott bricht die Mauer ab

Predigttext: Apostelgeschichte 10,1-24

Die Gemeinde, an Pfingsten durch den Heiligen Geist “geboren”, wuchs durch die Verkündigung der Apostel in Jerusalem. Als dann eine heftige Verfolgung ausbrach, und die Jesus-Leute sich überallhin zerstreuen mussten, wurde die Botschaft unter den Juden in anderen Städten verbreitet, und auch dort kamen viele zum Glauben. Schließlich hörte auch das Mischvolk der Samariter von Jesus; auch dort erkannten Menschen die Wahrheit, ließen sich taufen und empfingen den Heiligen Geist. Damit wurden sie hineingepflanzt in das neue Volk Gottes. Aber noch fehlten die Heiden. Jesus hatte zwar gesagt: Verkündigt das Evangelium allen Völkern!, aber um das zu verwirklichen, mussten die Herzen seiner Mitarbeiter einem Prozess des Umdenkens unterzogen werden.

Bei Petrus war da schon einiges geschehen, sonst hätte er nicht bei einem Gerber wohnen können. Aber er sah sich immer noch als Juden. Er hatte die Gnade erfahren, aber das Gesetz Israels war für ihn Teil seiner Identität. Die Speisegesetze z.B.zogen eine scharfe Linie zwischen Juden und Heiden, Gesetze die Gott einst erlassen hatte, um sein Volk aus seiner heidnischen Umwelt auszusondern und als heilig zu kennzeichnen. Durch diese und andere Vorschriften war eine Mauer zwischen dem auserwählten Volk und dem Rest der Welt, die für eine Zeit einen Sinn hatte, aber jetzt abgebrochen werden musste, weil die Gläubigen durch Tod und Auferstehung Jesu eine neue, gemeinsame Identität bekamen. Den Heiden-Christen in Ephesus schreibt Paulus später (Epheser 2,11ff): Ihr wart damals von Christus getrennt, vom Bürgerrecht Israels ausgeschlossen und standet den Bündnissen Gottes und den damit verbundenen Zusagen als Fremde gegenüber. Ihr hattet keine Hoffnung und lebtet ohne Gott in der Welt. Doch jetzt seid ihr, die ihr damals Fernstehende wart, durch die Verbindung mit Jesus Christus und durch sein Blut zu Nahestehenden geworden. Denn er selbst ist unser Friede, er, der aus beiden eine Einheit gemacht und durch sein körperliches Sterben die Mauer der Feindschaft niedergebrochen hat.

In unserem Text sehen wir nun, wie Gott zwei Männer vorbereitet und zusammenbringt, um seinen Plan umzusetzen.

  • Da ist Cornelius, ein heidnischer Hauptmann, an dessen Herzen er schon gewirkt hat. Cornelius ist ein gottesfürchtiger Mann: Er hat den heidnischen Götzenkult hinter sich gelassen, er betet zum Gott Israels, er ist freigebig, er sucht den wahren Gott aus ganzer Seele. Gott, der ihn erwählt hat, ist schon dabei, ihn zu sich zu ziehen. Nun ist die richtige Zeit gekommen: Ein Engel erscheint ihm, ermutigt ihn und sagt ihm, wo der Mann zu finden ist, den er holen soll, damit er ihm die Worte sagen kann, nach denen er sich schon lange sehnt.
  • Dieser Mann ist Petrus. Auch Petrus hat eine Erscheinung, während er betet. Ein Tuch mit unreinen Tieren kommt aus dem Himmel herunter, und er wird aufgefordert, zu schlachten und zu essen. Aber das kann er doch nicht tun! Was verlangt Gott denn da von ihm? Nie im Leben hat er so etwas angerührt! Da wird ihm erklärt: Was Gott für rein erklärt hat, halte du nicht für unrein. Das passiert dreimal und lässt ihn ziemlich verwirrt zurück. Dann stehen die Boten von Cornelius vor seiner Tür, und der Heilige Geist spricht zu ihm: Da sind drei Männer, die dich suchen. Steh auf und geh nach unten! Du kannst ihnen ohne Bedenken folgen, denn ich habe sie geschickt. Die Männer tragen das Anliegen von Cornelius vor, und er nimmt sie in das Haus auf, isst mit ihnen, und zieht am nächsten Tag mit ihnen fort.

Gott hätte Cornelius ja auch gleich das Evangelium “verraten” können, aber er benutzt Petrus dazu. Es ist ein wunderbares Privileg, in seine Pläne eingebunden zu werden. Er will sie durch menschliche Instrumente ausführen, und er will die die Einheit seiner Gemeinde deutlich machen.

Wenn Gott uns aus unseren Traditionen und tief verwurzelten Denkmustern (die auch nicht immer komplett falsch sein müssen) herauslöst, um uns in der Gnade zu verankern, läuft das nicht immer komplikationslos. Wir sehen auch im Lauf der Jahre, dass Petrus da leicht zu verunsichern war und dem Druck der Gestzestreuen nicht immer stand hielt. Auch in unserem Leben bleibt es ein ständiger Kampf, für unsere Annahme bei Gott nicht auf Regel- und Gesetzeserfüllung zu vertrauen, sondern allein auf die Reinigung durch das Blut Jesu.

Predigt-Nachlese: Lernen von Barnabas

Früher wurden Leute manchmal umbenannt, wenn sie einen hervorstechenden Wesenszug hatten. So geschah es Josef, einem Mann aus dem Stamm Levi, aus Zypern gebürtig. Er erhielt von den Aposteln den Beinamen Barnabas, was bedeutet: Einer, der andere ermutigt und aufrichtet. Wie er das tat, davon können wir lernen, wenn wir auch solche Menschen werden wollen.

  • Barnabas besaß ein Grundstück in Jerusalem. Israeliten, die im Ausland lebten, hatten gerne etwas Land in Jerusalem, weil sie dort begraben werden wollten, um bei der Ankunft des Messias gleich am richtigen Platz zu sein, wenn die Auferstehung stattfände. So einen Besitz veräußerte man eigentlich nicht, aber Barnabas tat es, als er die Bedürftigkeit der ärmeren Glaubensgeschwister in Jerusalem sah. Er bekannte damit auch, dass für ihn der Messias schon gekommen und die Hoffnung Israels erfüllt war. Den Erlös übergab er den Aposteln zur Verteilung. Was für eine Ermutigung für diejenigen in der Gemeinde, die zur weniger wohlhabenden Randgruppe der Gesellschaft gehörten! In der Familie Gottes werden Nöte wahrgenommen und mit Fürsorge und Liebe beantwortet – das zeigten ihnen Barnabas und die anderen Gläubigen, die es ihm gleich taten. Wenn wir Not sehen – wie reagieren wir? Sind wir auch bereit, durch großzügiges Geben anderen Mut zu machen?
  • Als nach dem Tod von Stephanus in Jerusalem die Verfolgung begann, zerstreuten sich die Christen, aber wo immer sie hinkamen, verkündigten sie die gute Botschaft. Im Allgemeinen sprachen sie dabei nur mit anderen Juden, aber in Antiochia gab es einige, die anfingen, den Griechen zu predigen. Eine große Anzahl kam zum Glauben. Als die Jerusalemer Gemeinde davon erfuhr, beauftragten sie Barnabas, dorthin zu reisen, und sich die Sache mal anzusehen. Schließlich war dort nie ein Apostel gewesen! Barnabas erkannte ganz klar, dass Gott selbst hier an der Arbeit gewesen war. Er war nicht defizitorientiert und suchte nach Fehlern, sondern freute sich über die Gnade, die diesen Geschwistern zuteil geworden war. Über ihn wird gesagt: Er war ein guter Mann – sein Herz war weit und groß. Er war voll Heiligen Geistes und Glauben – er traute Gott etwas zu in Bezug auf diese jungen Christen und förderte sie in dem, was Gott bei ihnen angefangen hatte. Können wir uns auch freuen, wenn Gott (ohne uns) etwas tut? Sehen wir das Positive und bestärken es? Oder sind wir kritisch und pessimistisch?
  • Auch in Bezug auf Einzelpersonen hatte Barnabas ein gutes Auge für das Potential, das Gott in jemand hineingelegt hatte. Als Paulus nach seiner Bekehrung nach Jerusalem kam, traute ihm niemand so recht über den Weg; selbst die Apostel hatten Angst vor ihm. Aber Barnabas sah, dass Gott wirklich etwas im Leben dieses Mannes verändert hatte und vermittelte den Kontakt. Er erkannte, dass Paulus von Gott berufen und begabt war, und als das Werk in Antiochia wuchs, holte er ihn dorthin (er war inzwischen in Tarsus), um mitzuarbeiten. Ein ganzes Jahr evangelisierten und lehrten sie dort, dann machten sie einen Besuch in Jerusalem, um den Gläubigen dort die finanzielle Hilfeleistung der Christen aus Antiochia zu überbringen. Nach ihrer Rückkehr wurden sie dann auf ihre erste Missionsreise gesandt. War dabei Barnabas am Anfang mehr die führende Persönlichkeit, so trat im Lauf der Zeit Paulus immer mehr in den Vordergrund. Sind wir auch bereit, Talente zu heben und zu fördern mit dem Ziel, dass sie uns irgendwann überholen? Oder kleben wir an unserer Position?
  • Über einen ihrer Mitarbeiter haben Paulus und Barnabas sich später vorübergehend so entzweit, dass sie die Zusammenarbeit aufgaben. Es ging um Johannes Markus, der zur Unterstützung mit auf die erste Missionsreise gezogen war und aus irgendeinem ungenannten Grund  schlapp machte und aufgab. In den Augen von Paulus hatte er sich nicht bewährt; er wollte ihn daher nicht mehr mitnehmen, Barnabas dagegen wollte ihm noch einmal eine Chance geben. Er sah trotz seines Versagens noch Potential bei ihm und machte sich allein mit ihm auf den Weg. Und er behielt Recht damit. Später bittet Paulus den Timotheus: “Wenn du kommst, bring Markus mit, denn ich könnte ihn hier gut gebrauchen.” (2.Timotheus 4,12) und Petrus entwickelt zu ihm ein besonders enges Verhältnis. Aus der außerbiblischen patristischen Literatur erfahren wir, dass das Markusevangelium aufgrund der Informationen verfasst wurde, die Markus von Petrus bekommen hat. Geben wir Versagern noch einmal eine Chance? Investieren wir uns in das Leben der nächsten Generation, um sie zu Multiplikatoren zu machen? All das können wir von Barnabas lernen, um solche zu werden, die in der Kraft des Heiligen Geistes mit einem weiten Herzen trösten, ermutigen, Chancen geben, fördern und unsere eigenen Interessen dafür aufgeben.

Predigt-Nachlese: Paulus und Petrus – Diener Gottes

Predigttext: Apostelgeschichte 9,26-35

Paulus und Petrus, deren Weg wir in diesem Abschnitt folgen, sind beides Diener Gottes mit einer Vorgeschichte.

Die von Paulus ist geprägt von religiösem Selbstbetrug, bis Jesus ihm in den Weg tritt. Er fällt geradewegs in die völlig unverdiente Gnade hinein. Die Folge ist Sündenerkenntnis und tiefe Demütigung und dann die völlige Hingabe an dieses Evangelium, das er ohne Aufschub zu verkündigen beginnt. Sofort wird der ehemalige Jäger zum Gejagten, dessen Leben man auslöschen will. Er nimmt die Staffel des Stephanus auf, dessen Hinrichtung er vor Kurzem noch gutgeheißen hat, und beginnt wie dieser mit den Hellenisten (griechisch sprechenden Juden, zu denen er selbst auch gehörte) zu reden und zu diskutieren. Genau wie Stephanus erfährt er ihre Feindschaft (V.29). Zuvor versucht er, das Vertrauen seiner neuen Brüder zu gewinnen – ein schwieriges Unterfangen! Ihnen ist dieser plötzliche Seitenwechsel nicht geheuer. Ist das echt oder nur ein Trick, um sich als Wolf im Schafspelz in ihre Reihen einzuschleusen, um sie dann umso besser angreifen zu können? Einer jedoch glaubt ihm, Barnabas, dessen Name “Sohn des Trostes” bedeutet und sein Wesen sehr zutreffend bezeichnet. Ihm gelingt es, zwischen Paulus und den Aposteln zu vermitteln und seine Geschichte so überzeugend darzustellen, dass sie ihn aufnehmen. Nach einer Todesdrohung gegen Paulus schaffen sie ihn aber aus der Stadt, um ihn zu retten. Allerdings wird Verfolgung das Leben von Paulus kennzeichnen bis zum Ende.

Auch Petrus hat eine Vorgeschichte von Selbstüberschätzung, Schuld und Vergebung. Auch ihn hat die Gnade zu einem demütigen Menschen gemacht, der sein Vertrauen nicht mehr auf sich selbst setzt. Niemand kann Gott dienen ohne eine echte Bekehrung. Nachdem er so völlig versagt und seinen Herrn verleugnet hat, setzt Jesus ihn in den Dienst ein: “Weide meine Schafe!” In 2.Petrus 1 gibt er uns einen Einblick in das, was ihn motiviert und antreibt: Ein Gefühl von Dringlichkeit und echte Sorge für die ihm anvertrauten Menschen. Es brennt ihm auf der Seele, sie mit dem Wort Gottes auszurüsten und sie durch Erinnerung darin zu befestigen, so dass sie stark und krisenfest werden. Die Liebe bahnt ihm dabei den Weg in Ohren und Herzen.

Hier in der Apostelgeschichte finden wir ihn in Lydda, wo er auf einen Mann namens Äneas trifft. Der ist seit acht Jahren gelähmt – nach menschlichem Ermessen ein hoffnungsloser Fall. Aber Petrus kann ihm sagen: “Jesus Christus heilt dich! Steh auf!” Äneas gehorcht und wird sofort und vollständig gesund. Nicht Petrus heilt ihn – und er hat auch nicht vor, da den Ruhm abzusahnen – sondern Christus ist der Handelnde, und Petrus steigt sozusagen mit ein, in das, was der Herr tut. Das ist das Geheimnis der Effektivität seines (und unseres) Dienstes. Die Folge dieses Ereignisses ist, das viele zum Glauben kommen und sich bekehren.

Die eben berichteten Dinge geschehen in einer Art “Verschnaufpause” der Gemeinde. Sie hat (V.31) für eine Weile Ruhe und nutzt sie. Das Wort wird gepredigt, das Leben wird daran ausgerichtet, die Gemeinde wird befestigt – Wachstum ist die Folge. Auch wir haben momentan eine relative Freiheit, während in vielen Ländern der Welt eine ungeheure Christenverfolgung tobt. Was machen wir damit?

Petrus lässt uns sagen, dass wir nicht mehr viel Zeit haben, und was wir damit anfangen sollen: “Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. So seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet. Vor allem aber habt innige Liebe untereinander; denn die Liebe wird eine Menge von Sünden zudecken. Seid gegeneinander gastfreundlich ohne Murren! Dient einander, jeder mit der Gnadengabe, die er empfangen hat, als gute Haushalter der mannigfaltigen Gnade Gottes: Wenn jemand redet, so [rede er es] als Aussprüche Gottes; wenn jemand dient, so [tue er es] aus der Kraft, die Gott darreicht, damit in allem Gott verherrlicht wird durch Jesus Christus. Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.” (1.Petrus 4,7-11)

Stille Zeit-Tipps (10): Die Links entdecken

Die Bibel ist ein “Word Wide Web”, wo alles miteinander verbunden ist.  Das ist eigentlich das Faszinierende und Überzeugende an der Bibel, dass so viele verschiedene Autoren über ein Thema schreiben,  dass sich nach und nach immer mehr entfaltet. Dabei legt eine Bibelstelle die andere aus, und alles steht in Beziehung zueinander. Nun müssen wir nur die Links noch finden, denn optisch hervorgehoben und anklickbar wie im Internet sind sie leider nicht.

Persönlich stehe ich nicht so auf Studienbibeln, in denen der Begleittext mehr Platz einnimmt als der eigentliche Bibeltext. Ich neige dann dazu, mich gar nicht so sehr selbst um den Text zu bemühen, sondern gleich die Anmerkungen zu lesen. Aber ein Tool, das ich wirklich liebe, sind Parallelstellen-Angaben; sie sind oft sehr hilfreich, um Zusammenhänge zu entdecken und zu verstehen. Kürzlich z.B. habe ich Hebräer 3 gelesen. Dort wird Bezug genommen auf Fehler, die Israel zur Zeit Moses´ in der Wüste gemacht hat. Ohne Parallelstellen müsste ich sehr lange suchen, bis ich die Originalberichte in den 5 Büchern Moses ausfindig gemacht hätte. Durch die Parallelstellen-Angabe konnte ich sofort sehen, wo ich die ursprüngliche Geschichte finde, und die Beziehung zu meinem Text herstellen und ihn dadurch besser verstehen.

Mit Bibelprogrammen für den PC, z.B. e-Sword (kostenlos!), kann man auch nach bestimmten Begriffen in der Bibel suchen, ähnlich wie mit einer Konkordanz. Auch mit vielen Bibel-Apps für Smartphones geht das prima. So kann man feststellen, wo und in welchen Zusammenhängen ein Begriff sonst noch vorkommt. Noch besser geht das mit den Strong-Nummern, die sich auf die Worte im Urtext beziehen. Allerdings sind sie zumindest in meinem Bibelprogramm nur für die alte englische King James-Bibel verfügbar.

Im Lauf der Jahre findet man aber selbst immer mehr Links, und wenn man so ein Glückspilz ist wie ich und eine Bibel mit Schreibrand besitzt, kann man sie sich die entsprechenden Stellen neben dem Bibeltext vermerken, auch die, die man bei Predigten und Vorträgen mitkriegt. Es entwickelt sich so ein immer besseres und ausbalancierteres Verständnis der Wahrheit Gottes.

Damit ist noch eine andere Art von Verlinkung angesprochen, auf die ich hinweisen möchte. Wir dürfen und müssen zwar  ein selbstständiges Glaubensleben haben, das direkt an der Quelle des Wortes Gottes trinkt, aber selbstständig heißt nicht unabhängig. Wir brauchen die Lehre der Gemeinde, um nicht eigene Ideen und Steckenpferde zu pflegen, um Zusammenhänge zu sehen und Korrektur von Missverständnissen zu empfangen. Predigt, Bibelstunde, Jüngerschaftsgruppen – unsere Geschwister in vielen Ländern gehen ins Gefängnis, weil sie sich so danach sehnen, dass sie nicht darauf verzichten wollen, und wir nutzen unsere Chancen nicht! Kann sein, dass wir das noch mal bedauern, wenn sich die Zeiten ändern! Wenn du keine Gemeinde in deiner Nähe hast, die das Wort Gottes verkündigt, dann bete darum, dass dort eine entsteht! Internetpredigten (z.B. hier oder hier oder auf der Seite meiner Gemeinde) sind nicht wirklich ein Ersatz, aber besser als nichts.