Archiv der Kategorie: Stille Zeit-Notizen

Dem Frieden nachjagen

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Als ich kürzlich den Philipperbrief gelesen habe, ist mir das Wort nachjagen aufgefallen. Paulus sagt da, dass er dem Ziel nachjagt, nämlich dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben.

Bei dem Wort nachjagen bin ich dann hängen geblieben. Das ist schon ein starkes Wort, oder? Es bedeutet auch verfolgen. Wenn z.B. Paulus schreibt, dass er früher die Gemeinde Gottes mit aller Energie verfolgte und zu vernichten suchte, dann ist das genau der selbe Ausdruck.

Da hat es mich dann doch interessiert, ob es noch mehr Dinge gibt, denen wir so mit allem Einsatz nachjagen sollen, und ich bin auch fündig geworden. Dabei ist mir ein Ziel besonders ins Auge gesprungen, weil es wiederholt erwähnt wird:

Jagt dem Frieden mit allen nach und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn schauen wird; und achtet darauf, dass nicht jemand an der Gnade Gottes Mangel leide, dass nicht irgendeine Wurzel der Bitterkeit aufsprosse und euch zur Last werde und durch sie viele verunreinigt werden (Hebräer 12, 14)

Denn wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der halte Zunge und Lippen vom Bösen zurück, dass sie nicht Trug reden; er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach! (1.Petrus 3,11)

So fliehe nun die jugendlichen Lüste, jage aber der Gerechtigkeit, dem Glauben, der Liebe, dem Frieden nach zusammen mit denen, die den Herrn aus reinem Herzen anrufen! (2.Tim. 2,22)

So lasst uns nun dem nachjagen, was dem Frieden, und dem, was der gegenseitigen Erbauung dient. (Römer 14, 19)

Der Frieden, dem wir nachjagen sollen, ist dabei keine friedliche Gleichgültigkeit, die jeden nach seiner Fasson leben lässt.  Heiligkeit, Reinheit, Gerechtigkeit und Liebe spielen darin keine Nebenrolle. Gott erwartet realistischer Weise nicht, dass wir, selbst wenn wir uns bemühen, mit jedem Gottlosen in Frieden leben können. Aber dass die, die ihn lieben, gemeinsam diesem Frieden mit aller Kraft nachstreben, das erwartet er wohl. Das Wort nachjagen impliziert einiges an Schwierigkeiten und Hindernissen. Dass es einfach wird, ist nirgends versprochen. Aber wenn Gott uns ein Ziel vor Augen stellt, dann lohnen sich alle Tränen und Gebete, alle Geduld und alle investierte Zeit, weil es das wert ist.

Buchführung nach Gottes Weise

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Der Philipperbrief gibt uns einen interessanten Einblick in die Art und Weise, wie Gott Buch führt. Die Gemeinde in Philippi hatte Paulus Geld geschickt, das er auch dringend brauchte. Was mir auffällt: Paulus sagt nirgends “Danke!” – sondern er hat eine ganz andere Perspektive auf diese Gabe, die wir uns, denke ich, auch zu eigen machen sollten.

Er sagt, er hat sich “Im Herrn” gefreut. Nicht für sich (wahrscheinlich auch), sondern für die Philipper! Da war eine Blüte aufgegangen bei den Philippern. Gott hatte die Anteilnahme an den Bedürfnissen des Apostels in ihre Herzen gesät und Knospe und Blüte entwickelt. Es war ein längerer Wunsch bei ihnen vorausgegangen, das zu tun, und nun hatten sie endlich die Mittel. Paulus sah nie einen Anlass, “die Knospen zu massieren” und etwas zu fordern, sondern er konnte auf Gott warten, weil er bereit war, mit jedem Lebensumstand zurechtzukommen. Er sagt hier, dass er es gelernt hat, was wohl bedeutet, dass es nicht immer einfach war. Gott musste ihm definitiv die Kraft dazu geben.

Übrigens: Dadurch, dass Paulus nicht den Philippern dankt, entgeht er einer häufigen Falle: Er wird von seinen Gebern nicht abhängig.  Ihre Gabe verleiht ihnen weder Macht noch Weisungsbefugnis in seinem Dienst. Der Herr steht immer zwischen ihnen und ihm – als der, der alles gibt, und der, der die Konten führt.

Von seiner Seite aus gibt es also keinen Anspruch und keine Forderung und von ihrer Seite auch nicht. Trotzdem wird hier von einer Buchführung des gegenseitigen Gebens und Nehmens gesprochen: Wer Geistliches empfängt, für den ist es recht und billig, Materielles zurückzugeben, sofern er es hat. Wer bedient wird, soll auch seinerseits dienen, nicht aus Zwang, sondern aus innerem Bedürfnis. Es soll eine Frucht sein, keine Gesetzeserfüllung. Und jetzt macht Paulus eine interessante Rechnung auf: Obwohl eigentlich nichts passiert ist, als dass die “Konten” nun ausgeglichen sind, bucht Gott diese Frucht – die er ja selbst gewirkt hat – auf die Haben-Seite der Philipper! Wenn das mal nicht Gnade ist! Und er verspricht, ihnen alles zu geben, was sie bedürfen.

Am Ende dieser Kalkulation sind alle von Gott beschenkt und im Plus, und der Überfluss an Dank geht an ihm.

Gelesen habe ich das in Philipper 4,10-20

Dickköpfen kann geholfen werden!

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Ich vermute, als der Brief von Paulus an die Philipper vorgelesen wurde, schossen zwei Frauen plötzlich aufrecht in die Höhe, und zwar in den zwei entgegengesetzten Ecken des Raumes! Sie hatten ihre Namen gehört!

Ich ermahne Evodia, und ich ermahne Syntyche, einmütig zu sein im Herrn. Ja, ich bitte auch dich, treuer Gefährte, nimm dich ihrer an! Sie haben mit mir für das Evangelium gekämpft, zusammen mit Klemens und meinen anderen Mitarbeitern. Ihre Namen stehen im Buch des Lebens. (Philipper 4,2.3 EÜ)

Man muss sich das mal vorstellen! Öffentlich! Manchmal müssen die Probleme auf den Tisch, und Paulus war da nie zimperlich. Wahrscheinlich wussten es sowieso schon alle, dass die zwei Zoff hatten. Paulus will sie auch nicht demütigen, er spricht im Gegenteil im gleichen Atemzug seine tiefste Wertschätzung aus. Diese Frauen sind nicht irgendwer. Sie lieben Jesus. Sie sind treue und bewährte Mitarbeiterinnen. Sie sind ganz ohne Zweifel Gottes geliebte Kinder, und das alles macht es wichtig, sich mit ihrem Streit zu befassen. Denn wer mitarbeitet, hat Einfluss auf andere. Wer für das Evangelium kämpft, zeigt durch sein Leben, was das Evangelium ist. Wer zu Gottes Familie gehört, wirft durch sein Verhalten ein gutes oder schlechtes Licht auf den Vater.

Nun stell ich mir so vor, ich wäre eine der beiden. Das ist ja eine tolle Ermahnung: Seid einmütig! Ja, das wäre ich ja gerne, Dieser Zwist macht mir auch keinen Spaß! Seit Wochen kann ich nachts nicht schlafen! Aber wenn ich recht habe, kann ich doch nicht einfach meine Meinung wechseln! Es gibt doch noch so was wie richtig und falsch! Ich nehme nicht an, dass die beiden Schwestern einfach nur zickig waren, und es um persönliche Befindlichkeit ging. Diese Sorte Frauen waren sie nicht. Sie sahen etwas vollkommen verschieden, und das war nicht überein zu bringen. Paulus wusste übrigens, wie das ist. Er und Barnabas hatten auch mal einen fürchterlichen Streit gehabt wegen eines Mitarbeiters. Der hatte sich nicht bewährt, und Paulus wollte ihn nicht mehr mitnehmen. Barnabas mit seinem weichen Herzen hatte in seinen Augen einfach keine Prinzipien! Im Werk Gottes kann nicht jeder ohne Charakter einfach mitmachen! Das ging so weit, dass sie sich trennten. Später musste Paulus allerdings seine Meinung über diesen Mitarbeiter revidieren und lud ihn wieder in sein Team ein.

Ja, was macht man, wenn man Dinge einfach verschieden sieht? Die gute Botschaft ist: Hilfe ist möglich! Bei einer Meinungsverschiedenheit muss man nicht gleich die Flinte ins Korn werfen und getrennte Wege gehen! Und wenn man selbst vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht, braucht man Hilfe von außen – durch jemand, der in den Konflikt nicht verwickelt ist (und sich auch nicht verwickeln lässt), der alle beide lieb und Mut hat, die Wurzeln der Probleme aufzudecken und anzugehen. Kein Job für Feiglinge und Besserwisser und auch nicht für Diplomaten, die nur Waffenstillstand wollen, sondern für Beter, die wissen, dass diese Aufgabe sie völlig überfordert, aber dass Gott kann!

Vielleicht lässt sich, wenn man miteinander das Wort Gottes studiert, eine echte Lösung finden. Vielleicht kann auch jemand helfen zu erkennen, dass man einen anderen Standpunkt einfach mal stehen lassen und es in Gottes Hände geben kann, damit Er – falls es wirklich wichtig ist – es dem Bruder/ der Schwester (oder mir!!) zu Seiner Zeit klar macht. Vor allem braucht man Hilfe für den richtigen Blick auf den “Kontrahenten”, um den anderen immer noch als wertvollen Mitarbeiter und Gottes Kind zu sehen und zu lieben. Die Einheit ist in Jesus. Man braucht unter Umständen Beistand, um sein Herz zu erforschen und seine eigentlichen Motive zu sehen: Warum will ich das unbedingt durchdrücken? Bin ich vielleicht doch einfach streitsüchtig? Kann es sein, dass ich aus einer Mücke einen Elefanten mache? Geht es hier um mich oder um Gott? (Da kann man sich gewaltig was einreden und sich über sich selbst täuschen!) Kann ich mich auch mal unterordnen? Hab ich Geduld? Höre ich dem anderen richtig zu? Hab ich mich genug bemüht, die Dinge aus seiner Perspektive zu betrachten? Bedenke ich seine Einwände, oder fege ich sie einfach vom Tisch? Wie hoch schätze ich die Einheit der Gemeinde, dass ich ihr unseren Streit nicht antun will, der sie vielleicht zerreißen kann? Oder genieße ich am Ende heimlich den Gedanken, dass Leute sich auf meine Seite schlagen könnten?

Ich habe leider viel Streit in Gemeinden gesehen, seit ich mit Jesus auf dem Weg bin, sogar eine Gemeinde, die sich “totgespalten” hat, und zwar nicht wegen Irrlehre – das wäre ja ein guter Grund –, sondern wegen Rechthaberei in Nebendingen. Man kann sich wegen so vielem gegenseitig zerfleischen: Musikstil, Kindererziehung, Gemeindestruktur, Kleiderordnung, Geld, Diensten … Zurück bleiben  gebrochene Herzen bei denen, die mit dem eigentlichen Streit gar nichts zu tun hatten. Schwache bleiben ganz auf der Strecke. Gottes Name und der Ruf der Gemeinde wird beschmutzt. Ist es das wert? Wer möchte ernsthaft für so etwas verantwortlich sein? Dann doch lieber einmal öffentlich rotwerden, Hilfe annehmen – und die Einheit in Jesus neu umfassen!

Der Realismus der Bibel

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Ich liebe die Bibel nicht zuletzt darum, weil sie nichts weichzeichnet, auch und vor allem dann nicht, wenn es um das Volk Gottes geht. Ich habe gerade das Buch der Richter durchgelesen. Es ist so realistisch, dass es einem fast übel wird: Ein Gideon, der so gut anfängt und dann selbst die Tür zum Götzendienst wieder aufstößt, Mord und Totschlag unter seiner Nachkommenschaft, ein triebgesteuerter Held Gottes wie Simson, der schließlich blind und gefangen das Mühlrad dreht, synkretistische Kulte in Privatheiligtümern, käufliche Priester, die sich dem Meistbietenden verdingen, Massenvergewaltigung  – eine Abwärtsspirale von  zunehmendem Götzendienst und geistlicher Verwirrung bis dahin, dass sie sich schlimmer aufführen als die Völker um sie her und jegliche Vollmacht verlieren, im Namen ihres Gottes zu handeln.

Was mich so betroffen macht, ist wie “klein” das ganze Elend anfängt: Ein bisschen Trägheit, ein bisschen Vergesslichkeit. Hier ein paar Kanaaniter übrig gelassen und da ein paar Götzen nicht umgehauen …. so wie wir uns manchmal mit “kleinen” Sünden und Halbheiten arrangieren, bis wir sie nicht mehr als solche empfinden. Wenn wir dann Konsequenzen erfahren müssen, heulen, und wenn Gott uns rausgehauen hat, weitermachen wie gehabt. Der Prozess ist nicht plötzlich, sondern schleichend. Irgendwann findet man seinen Zustand normal und fürchtet den Retter mehr als den Feind. Hauptsache, es wird nicht ungemütlich!

So realistisch, wie das Elend und das Böse geschildert werden, so realistisch wird auch die mitleidige Geduld Gottes beschrieben, der es nicht lassen kann, diesem Volk immer wieder Retter zu schicken. Die sind selbst unvollkommene, verdrehte Persönlichkeiten, die neben Gutem fast noch mehr Falsches tun.

Ach, das kommt mir doch alles irgendwie bekannt vor! Gibt es nicht auch unter uns Praktiken und Lehren, bei denen die Grenzen zum Aberglauben und zur Sünde sich immer mehr verwischen, bis wir manchmal schlimmer sind als die Welt? Wir sollten  uns keine Illusionen machen: Gott übt auch an seinen eigenen Leuten Gericht und hasst die Sünde bei Israel nicht weniger als bei den Kanaanitern! Er liebt die, die er erwählt hat, mit einer feuerspeienden Eifersucht – und mit einem unerschütterlichen Erbarmen. Er macht definitiv einen Unterschied zwischen “fremden” und eigenen Kindern: Wenn Gott euch nicht mit strenger Hand erziehen würde, wie er das bei allen macht, dann hätte er euch nicht als Kinder anerkannt (Hebräer 12,8).  Zu ihm zu gehören ist zugleich gefährlich und sicher. Aber nicht zu ihm zu gehören, ist hoffnungs- und heimatlos und endet in einem Gericht, aus dem es keine Rettung mehr gibt.

Wie finde ich meine Gabe und Gottes Plan für mein Leben?

question-556104_1280Das ist sind Fragen, die immer wieder auftauchen: Wie finde ich denn nun heraus, was meine Gabe ist? Was ist Gottes Plan für mein Leben? Was ist meine Funktion? Sollte ich einen “Gabentest” machen? Brauch ich vielleicht einen geistlichen Karriere-Coach? Diese Fragen sind berechtigt, aber sie haben oft einen kleinen Schönheitsfehler: Der Akzent liegt auf “ich” und “mein”.

Gestern und heute habe ich 1.Korinther 13 studiert, das berühmte Kapitel über die Liebe. Man kann es sicher ganz allgemein anwenden, aber es steht hier in einem ganz besonderen Zusammenhang: Es geht davor und dahinter um geistliche Gaben und den Aufbau der Gemeinde.  Das 14. Kapitel fährt nämlich fort: Strebt nach der Liebe! Bemüht euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber um die Gabe der prophetischen Rede!

Der Weg zu den Gaben führt über die Liebe. Liebe die Gemeinde! Studiere die Bibel, um herauszufinden, was Gottes Pläne mit seiner Gemeinde sind! Was wird dafür gebraucht? Paulus führt z.B. auf: Erbauung, Ermahnung und Trost. Gottes Plan für dein Leben ist, dass du daran mitarbeitest – geduldig, selbstlos, leidensbereit, immer bemüht, auch den Schwächsten mitzunehmen, mit einer Passion für die Wahrheit und gegen das Böse und Verkehrte.

Wenn wir wirklich eine leidenschaftliche Liebe zur Gemeinde haben, merken wir ganz schnell, dass wir da mit unseren natürlichen Mitteln nichts bewirken können. Alles, was wir zum Aufbau der Gemeinde brauchen, kann nur von Gott kommen. Das treibt uns vor ihm auf die Knie: Rüste uns aus! Gib uns Evangelisten, Hirten, Lehrer, Leiter, Verwalter, Diener im Hintergrund, Seelsorger, Leute mit einem Auge für geistliche und praktische Bedürfnisse usw. usw. Dann kommt es uns nicht mehr darauf an, wer von uns nun welche “wichtigere” Gabe bekommt – die Liebe neidet nicht und bläht sich nicht auf. Aber wir verweigern uns natürlich auch nicht, sondern stellen uns zur Verfügung. Wir lassen das “Schwert des Geistes”, das Wort Gottes, in uns herumschneiden und unsere Motive prüfen. Geht es mir um mich? Will ich wirklich dienen? Muss das einer sehen außer IHM?

Wir wachsen über dieses Prüfen der Motive nie hinaus. Ich weiß von mir selbst, wie Selbstgefälligkeit und die Suche nach Beifall von Menschen, Lieblosigkeit und Selbstgerechtigkeit wie so kleine Essigfliegen immer um die “Frucht” kreisen und sie mit ihren Bakterien zu beimpfen versuchen. Dann funktioniert alles nur noch äußerlich, und Gaben und Dienst werden faulig. Selbstlose Liebe ist der Anfang, der Motor und das, was übrig bleibt. Selbstlose Liebe klebt an keinem Stuhl und an keiner Gabe und kann sich auf wechselnde Bedürfnisse und Gegebenheiten einstellen. Gottes Plan für mein Leben heißt also: Lieben –  mit ihm und durch ihn und um seinetwillen.