Predigt-Nachlese: Heilung für Leib und Seele

In der jungen Gemeinde waren es die Apostel, die weitergaben, was Jesus sie gelehrt hatte. Aber abgesehen von ihren Worten war da noch die übernatürliche Bestätigung Gottes durch Zeichen und Wunder, die der Heilige Geist durch sie tat. Das eindeutige und unbestreitbare Mitwirken Gottes drückte ihrer Lehre sein Siegel auf.

Unser Bibeltext erzählt, wie Johannes und Petrus zum Tempel gingen, um zur Zeit des Abendopfers zu beten. Sie nahmen den Eingang bei der sogenannten “Schönen Pforte”, und dort saß heute, wie an vermutlich jedem Tag seines Lebens, ein gelähmter Mann, der keine andere Möglichkeit hatte, als sich seinen Unterhalt zusammenzubetteln. Diese Stelle war gut geeignet; die Menschen, die ihr Geld für den Tempel spendeten, hatten auch für ihn oft was übrig. Seit seiner Geburt war er in diesem Zustand; noch nie hatte er seine Beine gebrauchen können. Für  seine Umgebung war er abgestempelt – er oder seine Eltern mussten irgendetwas getan haben, dass Gott ihn so strafte. (Jesus hatte allerdings seinen Jüngern schon bei dem Blindgeborenen erklärt, dass diese Denkweise falsch war).

Jeder kannte ihn, aber keiner sah ihn mehr wirklich – er gehörte sozusagen zum Inventar. Aber Petrus und Johannes, die er auch um ein Almosen bat, sahen ihn an, und sie sahen ihn mit den Augen Jesu.  Der Mann hatte keinerlei Erwartungen an die beiden- außer dass sie ihm etwas Geld gaben. Den Gedanken an Heilung hatte er überhaupt nicht auf dem Schirm – das ging in diesem Fall allein von Gott aus. Diese Heilung vermittelten ihm nun die Apostel  im Namen Jesu-  ungefragt und ungebeten. Sie war sofort und vollständig. Er lief nicht nur ein bisschen wackelig herum, er sprang und lobte Gott! Seine Heilung war so offensichtlich und kein bisschen zweifelhaft, und mit seiner Explosion von Freude und Dankbarkeit erregte er solches Aufsehen, dass auch dieses Wunder, wie an Pfingsten, Petrus wieder eine wunderbare Plattform zum Predigen gab.

Heilt Gott auch heute noch? Ja, das tut er. Aber nicht immer heilt er den Körper; sein Schwerpunkt liegt auf unserem geistlichen Gesundwerden. Manchmal kann sich Gottes Herrlichkeit noch deutlicher in unserer physischen Schwachheit entfalten. Wie vielen Menschen sind Joni Earekson-Tada  oder Nick Vuijcic zum Segen geworden, obwohl  und gerade weil Gott sie nicht geheilt hat! Aber er hat ihre Herzen gesund gemacht, ihre Sünden vergeben, ihr Leben mit Sinn und Auftrag erfüllt – und das ist das größere Wunder.

Es gibt einiges, was ich von dieser Geschichte mitnehme:

  • Das Maß unserer Erwartungen ist nicht das Maß der Möglichkeiten und des Handelns Gottes, s. auch Epheser 3,20! (Das finde ich einen außerordentlich tröstlichen Gedanken!)
  • Der Heilige Geist will uns sensibel machen für die Nöte anderer, besonders derer, die man sonst übersieht.
  • Wenn Gott uns sein Heil und seinen Trost gegeben hat, ist das etwas, was wir weitergeben können und sollen. Er selbst rüstet uns dazu aus; alles, was er von uns braucht, ist unsere Verfügbarkeit.
  • Freude und Dankbarkeit, für das, was Gott an mir getan hat, zieht andere Menschen an und ist ein großartiger Ansatzpunkt für die Verkündigung des Evangeliums!

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