Das ist ein Thema, über das ich oft nachgedacht habe. Warum habe ich mich hier und dort getäuscht – in Menschen, bezüglich biblischer Wahrheit? Was war da in meinem Herzen nicht in Ordnung?
Ich habe auf diese Fragen nicht alle Antworten, aber doch einige aus meiner persönlichen Erfahrung. Ich vermute, dass da auch jede Generation ihre eigenen Schwachpunkte hat. Manchmal sehen die einzelnen Punkte aus, als würden sie sich gegenseitig ausschließen. Verblüffenderweise tun sie das in der Praxis nicht. Meine waren (oder sind):
- Hochmut – man will eine Art geistlicher Elite sein und nicht einfach nur Gottes kleiner Fußsoldat
- Harmoniebedürfnis – die Wahrheit würde die Beziehungen zerstören, an denen man hängt. Stress oder gar Drohung liegt in der Luft, wenn man Standpunkte in Frage stellt.
- Mängel im “großen Bild” – verworrene Vorstellungen von der Heilsgeschichte oder vom Charakter Gottes
- Bedürfnis nach Anpassung an die Umwelt, um mit dem Evangelium nicht so anzuecken
- Verachtung von Lebenserfahrung und gesundem Menschenverstand, statt dessen “Übergeistlichkeit”
- die Vorstellung, dass man immer im emotionalen Höhenflug sein muss; Verwechslung von Glaube und Gefühl
- Langweile und die Sucht nach Neuem und Großartigen
- Individualismus und Eigenwilligkeit
- Machbarkeitswahn, z.B. in Bezug auf christliche Einheit
- Einschüchterung durch Gruppendruck und solche Sprüche wie: “Taste den Gesalbten des Herrn nicht an!”, was uns dazu bringt, unser geistliches Immunsystem auszuschalten, das normalerweise anschlägt, wenn etwas nicht stimmt
Fest steht: Wenn wir verführt werden, sind wir nie unschuldig. Das Böse und Falsche findet etwas in unserem Herzen, wo es andocken kann. Aber Gott, der uns kennt, hat auch Vorkehrungen zu unserem Schutz getroffen. Als der Apostel Paulus sich von den Ephesern verabschiedet, sagt er: Ich weiß, dass nach meinem Abschied gefährliche Wölfe bei euch eindringen und erbarmungslos unter der Herde wüten werden. Selbst aus euren eigenen Reihen werden Männer auftreten und die Wahrheit verdrehen, um die Jünger des Herrn zu ihren Nachfolgern zu machen. Seid also wachsam und denkt daran, dass ich mich drei Jahre lang Tag und Nacht um jeden Einzelnen in der Gemeinde bemüht habe, manchmal sogar unter Tränen. Und nun vertraue ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an, das die Kraft hat, euch im Glauben wachsen zu lassen und euch das Erbe unter denen zu geben, die auch zu seinem heiligen Volk gehören. (Apostelgeschichte 20,29 ff)
Daraus ergibt sich:
- Sei wachsam, nicht sorglos und vertrauensselig, weder dir selbst noch anderen gegenüber. Wölfe kommen! Wahrheitsverdreher stehen aus den eigenen Reihen auf! Sei nicht naiv!
- Kenne das Wort Gottes! Halte fest an der Überlieferung der Apostel! Prüfe alles daran!
- Lass das Wort der Gnade an dir wirken! Kehr niemals dazu zurück, dein Heil selbst erarbeiten zu wollen!
- Vertrau dich Gott an! Selbst wenn du von Natur ein Wirrkopf bist (wie ich) – wenn du dich ihm mit Haut und Haaren anvertraust, wird er dich korrigieren, erziehen und zurechtbringen!
