Neulich war ich urlaubshalber zu Gast in einer anderen Gemeinde. Weil ich da mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht hinkommen konnte, holte mich ein freundlicher junger Mann mit dem Auto ab. Nachdem wir geparkt hatten, sagte er mir, ich müsse am hinteren Eingang rein, immer dem Volksstrom nach. Er selbst verschwand mit anderen jungen Leuten in einer anderen Tür.
Ich erfuhr dann später von der Mutter meines Fahrers, dass es in dieser Gemeinde einen Jugendgottesdienst parallel zum normalen (?) Gottesdienst gibt, komplett mit Anbetungsteil, Lehre und Abendmahl. Diesen hält ein Jugendpastor, denn der ältere Pastor sei ein bisschen trocken. Der Jugendgottesdienst sei auch wirklich gut, mit gesunder Lehre. Aber wenn es den nicht gäbe, würde ihr Sohn z.B. nicht mehr in die Gemeinde kommen.
Ich war wirklich erschüttert. Teilt man das so ein: trocken und lehrmäßig für die Alten, leidenschaftlich und praktisch für die Jungen? Was würde passieren, wenn ich in den falschen Gottesdienst wollte? Ist da ein Schild: Ü30 verboten, passt nicht zu uns? Und was lehrt die “gute Lehre” über Gottes Bild von Gemeinde? Und wie wäre es, wenn wir vielleicht noch einen Gottesdienst für Männer und einen für Frauen halten? Die sind ja auch so ein bisschen verschieden?!
Und was passiert, wenn jemand die Altersgrenze erreicht? Muss er dann doch die trockene Predigt hören oder geht er dann endgültig gar nicht mehr zum Gottesdienst, weil nicht alles nach seinem Geschmack ist? Und wie übt man das, was in 1.Petrus 5,5 steht: Ebenso ihr Jüngeren, ordnet euch den Ältesten unter; ihr alle sollt euch gegenseitig unterordnen und mit Demut bekleiden! Denn »Gott widersteht den Hochmütigen; den Demütigen aber gibt er Gnade«?
Bei einem Familientreffen ist es normal, dass die Kinder zusammen spielen und die Jugendlichen miteinander rumhängen. Aber wenn man sich noch nicht mal zur Hauptmahlzeit trifft, wird das Familienbewusstsein bald flöten gehen. Denke ich. Mir jedenfalls macht das Bauchschmerzen.
