Der Predigttext zum 1. Advent war Lukas 1.
Lukas, ein gebildeter Arzt mit griechisch heidnischem Hintergrund, hatte nach seiner Bekehrung eine Passion:Das Evangelium. Als einer, der selbst aus der Not seines Lebens zur Freude gefunden hatte, war ihm die Weitergabe ein Herzensanliegen. Das Ziel seiner Niederschrift war, durch historische Genauigkeit das Vertrauen des Adressaten in die gute Botschaft zu stärken.
Dieses Evangelium von Jesus war ein strahlendes Licht, das in einer Zeit tiefster Dunkelheit und Verzweiflung aufging, wie es der Prophet Jesaja vorausgesagt hatte. Das Volk Israel lebte unter der bluttriefenden Herrschaft Herodes des Großen, die geprägt war von Intrigen, Paranoia, Großmannssucht und und rücksichtsloser Beseitigung echter oder eingebildeter Feinde. Und auch geistlich war es dunkel, denn Blinde führten die Blinden, wie Jesus den Pharisäern vorwarf. Umso heller hoben sich vor diesem dunklen Hintergrund die ab, die von Herzen auf den Trost Israels, den verheißenen Messias warteten. Zu ihnen gehörten auch der Priester Zacharias und seine Frau Elisabeth, von denen bezeugt wird, dass sie gerecht und aufrichtig lebten. Dennoch blieben ihnen Kinder versagt – für Israeliten ein schweres Los und vor allem für die Frau eine Schmach.
Und nun erlebt Zacharias den Tag aller Tage in seinem Leben. Er hat das Los gezogen, im Heiligtum zu räuchern. Das war ein außerordentliches Privileg, denn es gab zu dieser Zeit so viele Priester, dass sie sich glücklich schätzen konnten, wenn sie einmal in ihrem Leben diesen Dienst tun durften.
Während Zacharias in der Stille des Tempels das Räucherwerk darbringt, steht eine große Volksmenge draußen und betet und hofft, dass mit dem Räucherwerk ihr Flehen um die Erlösung Gottes zum Himmel aufsteigt und vor den kommt, der allein helfen kann. Zacharias aber hat im Tempel eine lebensverändernde Begegnung. Der Engel Gabriel sagt ihm die Erhörung seiner Gebete, die Geburt eines Sohnes an. Und nicht nur das, sondern dieser Sohn wird dem Messias den Weg bereiten. Und wo der Wegbereiter ist, ist der Erlöser nicht weit! So viel gute Nachrichten auf einmal! Zacharias kann es nicht fassen, es fällt ihm schwer zu glauben. Und doch ist es wahr! Das Beten war nicht umsonst; die Geduld, das Flehen, das Ausharren – jetzt ist die Zeit der Antworten gekommen.
Oft will das Dunkel, die Not, das Elend uns ersticken. Es sieht aus, als käme Gott zu spät oder nie. Die Erlebnisse von Zacharias machen uns Mut, durchzuhalten, dran zu bleiben, weiter zu beten, die Hoffnung festzuhalten. Wenn die Nacht am dunkelsten ist, ist die Erlösung nahe. Das Volk Israel damals wartete auf das erste Kommen Jesu; wir warten heute auf sein Wiederkommen in Herrlichkeit. Und oh – wie sehne ich mich danach!
