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Nuggets in Daniel (2): Die Identität bewahren

Nuggets2aBabylon versuchte, die Identität Daniels und seiner Freunde aufzuheben und umzupolen, was besonders daran deutlich wird, dass sie andere Namen bekamen. Namen sind “zugesprochene Identität”. Ihre Eltern hatten sich bei der ursprünglichen Namensgebung daran orientiert, dass sie zum Volk Gottes gehörten. In jedem ihrer Namen steckte ein Hinweis auf den Gott Israels. Jetzt sollte ihre Identität mit den Göttern Babylons verknüpft werden. Deshalb wurden sie umbenannt und konnten nichts dagegen machen. Dahinter steckt die Hoffnung, dass sie sich vollkommen in Babylon einfügen und eines Tages vergessen, wer sie sind.

Nun ist Identität ein weiter Begriff mit vielen philosophischen, psychologischen und sozialen Aspekten. Aber Zugehörigkeit spielt immer eine entscheidende Rolle, auch wenn ihr nicht in jeder Gesellschaft  gleich großes Gewicht zugemessen wird.

Daniels Zugehörigkeit hat einen gewaltigen Knacks erlitten (wie es heute Millionen von Menschen erfahren). Er ist eine “displaced person”, allerdings eine sehr intelligente. Er kann die babylonische Kultur verstehen, sich ihr anpassen, darin gut überleben, sogar Karriere machen. Man könnte ihn für einen Babylonier halten, wenn man ihn als Beltschazar kennenlernt und nicht – wie wir – seinen Hintergrund kennt.

Aber Daniel ist nicht bereit, seine Identität aufzugeben. Wie hält er sie aufrecht? Er hält fest am Gott seiner Väter

  • durch das Gesetz
  • durch Gebet und Lobpreis
  • durch Sehnsucht.

Man kann ihn nicht dazu bringen, gegen Gottes Wort zu verstoßen. Das wissen sogar seine Feinde: “Wir können keinen Anklagegrund gegen ihn finden außer im Gesetz seines Gottes.” Manchmal hat er damit Erfolg, wie ganz am Anfang, als er die Tafelkost des Königs verweigerte, ein andermal geht es auf Leben und Tod. Das macht für ihn keinen Unterschied. Daniels Identität zeigt sich darin, dass er ein Mensch ist, der dem Wort Gottes Beachtung schenkt.

Er befolgt aber das Gesetz nicht dem Buchstaben nach, sondern er hat eine lebendige persönliche Beziehung zu Gott. Er nennt Gott “den Gott des Himmels”, “den Gott meiner Väter”, “den Höchsten”, aber auch “mein Gott”. Und das sehen auch die Menschen in seiner Umgebung. Seine Feinde finden ihn betend und flehend vor seinem Gott. Und ist es nicht interessant: Nachdem Gott Babylon abgeräumt hat, und die Perser und Meder das Reich übernommen haben, nennen auch die Menschen ihn wieder Daniel! Verzweifelt und ängstlich ruft Darius in die Löwengrube hinab: “Daniel, du Knecht des lebendigen Gottes, hat dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, dich von den Löwen retten können?” (Daniel 6,21). Schöner und eindeutiger hätte er Daniels Identität nicht beschreiben können! Er war immer noch Daniel. Er war immer noch der Knecht des lebendigen Gottes, der seine eigentliche Identität bewahrt hatte. Babylon ist gefallen, aber Daniel steht!

Und schließlich bewahrt Daniel sich seine Sehnsucht. Es hätte die Heimat leicht vergessen können. Es ging ihm ja nicht schlecht. Das Leben an der Spitze der Gesellschaft war sicher mit Annehmlichkeiten verbunden. Aber immer wenn er betete, betete er in Richtung Jerusalem. Da war die Heimat, noch zerstört, Aber er hatte Verheißungen, und auch wenn er die irdische Erfüllung  nicht erleben sollte, so kultivierte er seine Sehnsucht und seine Hoffnung doch unablässig und rang darum mit Gott im Gebet.

Als Christen sind wir in dieser Welt auch Menschen mit fremder Identität. Manchmal verfolgt, manchmal geachtet und gut integriert wegen unserer Zuverlässigkeit und guten Arbeit. Wir sollten unsere primäre Identität, Kinder Gottes zu sein, nie vergessen und an Gottes Wort festhalten, die Beziehung zu ihm im Gebet pflegen und die Sehnsucht nach der wahren Heimat kultivieren. Dann werden wir noch stehen, wenn Babylon längst gefallen ist.

Zachäus und ich

bible-2695615_1280Dass er immer einen Kopf kleiner war, als die anderen, mag ihm in seiner Jugend manche Hänselei eingetragen haben. Aber er hatte es ihnen allen gezeigt. Die Römer hatten ihn mit der Macht eines Ober-Zolleinnehmers ausgestattet, und er hatte sich damit ein privates kleines Imperium aufgebaut. Die “Sonder- und Strafgebühren”, die in seine eigene Tasche flossen, hatten ihn reich gemacht. Wie alle anderen Zolleinnehmer war er im Volk unbeliebt, weil er mit der verhassten Besatzungsmacht nicht nur kooperierte, sondern seine Position schamlos ausnutzte.

Er hatte von Jesus gehört. Ein interessanter Mann. Manche hielten ihn für den Messias. Er heilte und sprach vom Reich Gottes. Wie man hörte, mied er die Zöllner und Sünder nicht und predigte gegen die Heuchelei und Selbstgerechtigkeit der Pharisäer. Man sagte aber auch, dass er vor den Gefahren des Reichtums warnte und selbst nichts besaß und keinerlei finanzielle Interessen verfolgte. Und er sollte heute nach Jericho kommen.

Ich möchte ihn gerne mal mit eigenen Augen sehen, dachte Zachäus, selbst hören, was er sagt, und ob das alles so ist, wie man erzählt. Als er sich allerdings der Volksmenge näherte, erkannte er sein Problem. Nach vorne durch würde er nicht kommen, und hinten konnte er nichts sehen, weil er so klein war. Es gab nur eine Lösung: Er musste auf einen Baum steigen. Ein bisschen peinlich vielleicht, aber egal! Vielleicht bekam er diese Chance nie wieder.

Und da sah er ihn, umgeben und eingezwängt von Menschentrauben, die ihn hören, sehen und anfassen und ihre Anliegen vortragen wollten. Und just unter seinem Baum blieb er stehen, blickte hoch und sagte: Zachäus, komm schnell da runter! Ich muss heute bei dir übernachten! Ich stelle mir vor, dass das Herz des Zachäus für einen Moment stillzustehen schien und dann wie wild zu klopfen begann. Er kennt mich? Er will mich besuchen? Er weiß meinen Namen? Wenn er meinen Namen weiß, weiß er auch, wer ich bin und was ich getan habe.

Der Name Zachäus bedeutet tatsächlich der Gerechte, Reine, Unschuldige. Vielleicht hatten sich seine Eltern das für ihn gewünscht. Und nun, als Jesus seinen Namen aussprach und sich bei ihm einlud, lag da so viel Hoffnung drin, dass er genau das werden könnte, dass es Vergebung und eine Chance zur Umkehr für ihn gab. Eine große Freude erfüllte ihn. Von Jesus angenommen zu sein, hieß, bei Gott angekommen zu sein.

Er rutschte im Eiltempo von diesem Baum herunter. Ja, schrie sein Herz und sagte sein Mund, komm zu mir! Alles, was ich bin und habe, soll dir gehören, denn du heilst mich von Schuld und Scham und dem Ausgestoßensein vom Volk Gottes!

Die Umstehenden aber regten sich auf, nicht über Zachäus, sondern über Jesus. Sonderbare Freundschaften pflegte dieser angebliche Sohn Gottes! Sollte der Messias sich nicht weghalten von den Sündern und vor allem von solchen, die mit Rom paktierten? In den Kategorien ihrer “Sündenschubladen” war Zachäus “unterste Schublade”.

Zachäus aber platzte fast vor Freude. Ihm war vergeben. Und deswegen verspürte er plötzlich ein tiefes Bedürfnis, Dinge in Ordnung zu bringen und seinem neuen Herrn Ehre zu machen. Prioritäten hatten sich in einem Augenblick total verschoben. Geld war nicht mehr wichtig, Ehrlichkeit und Gerechtigkeit und Gott zu gefallen war wichtig. Und es war überhaupt nicht mehr schwer, sich vom Geld zu trennen, denn es war Überflüssig geworden. Er musste sich nicht mehr durch seinen Reichtum und seine Macht definieren.

Herr, sagte er zu Jesus,  ich gebe die Hälfte meiner Güter den Armen, und was ich durch falsche Anklage genommen habe, werde ich vierfach erstatten!  Jesus hatte kein Wort davon gesagt, aber Zachäus Herz war verändert. Er war frei geworden.

Jesus bestätigte ihm das noch mal: Heute ist diesem Haus Heil widerfahren. Auch Zachäus ist ein Sohn Abrahams. Der Sohn des Menschen ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist. Das war der Identitätswechsel: Der Verlorene war ein Geretteter geworden, der Ausgestoßene wiederhergestellt als Sohn des “Vaters des Glaubens”.

Die Geschichte erinnert mich an mich selbst. Nie werde ich den Augenblick vergessen, als es in mich einsank, dass mir vergeben ist. Ich hatte Gott noch nicht einmal drum gebeten. Wie auch, ich dachte ja, er sei mein Feind! Aber er kam mir entgegen und sagte: Ich nehme dich auf. Überwältigt von seiner Liebe war ich bereit, mein Leben auf den Kopf zu stellen, alles rauszuschmeißen, was ihm missfiel und zu tun, was er sagen würde. Das alles änderte sich in einem einzigen Augenblick, als ich ihm glaubte. Es war nicht so, dass ich mich erst verbesserte und allmählich ein Christ wurde (das hatte ich lange versucht und längst aufgegeben). Es war noch nicht mal so, dass ich erst ein Sündenbekenntnis ablegte oder um Vergebung bat. Das kam später. In diesem einen kleinen Moment, als ich seine Liebe dankbar im Glauben annahm, war ich geheilt und gerettet. Wie Zachäus.

Die Geschichte steht in der Bibel in Lukas 19.