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Vom Sorgenwerfen

Kennt ihr den Spruch: „Sorge ist wie ein Schaukelstuhl – sie hält dich immer in Bewegung, aber bringt dich nirgendwo hin“? Das ist wirklich wahr. Sorgen sind echte Energieräuber. Sie sind das Uneffektivste, womit du dein Leben verbringen kannst. Gewöhnlich drehen sie sich um Dinge, die sich unserer Kontrolle entziehen. Wir bilden uns allerdings oft ein, wenn wir uns lange genug das Gehirn zermartern, alle Leute und die KI fragen und uns durchgooglen bis zu Ergebnis 7.354, dass wir es dann vielleicht doch schaffen, irgendwie Herr der Lage zu werden.

Petrus hat ein besseres Rezept für uns.

In 1. Petrus 5,6.7 empfiehlt er uns:

Demütigt euch nun unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöht zur rechten Zeit, indem ihr alle eure Sorge auf ihn werft! Denn er ist besorgt für euch.

Das ist kein Vorschlag aus einem Lebenshilfe-Ratgeber, sondern ein Befehl an Gottes Kinder. Das müssen wir uns klarmachen. Es geht nicht nur um unser Wohlbefinden – das tatsächlich auch – aber es geht auch um das Wohlbefinden der Menschen um uns her (ist dir schon mal aufgefallen, dass Sorgen keine gute Laune machen?), um unsere Funktionsfähigkeit im Alltag und last but not least um Gottes Ehre.

Erst vor einigen Jahren ist mir aufgefallen, dass der zweite Vers nicht ohne den ersten funktioniert. In vielen Bibeln sieht das aus, als seien das zwei unabhängige Verse, aber die Elberfelder Bibel und auch die englischen Bibeln zeigen, dass sie von einander abhängen, und dieser Zusammenhang ist wichtig.

Zuerst wollen wir uns mal den Gesamtkontext des Briefes anschauen. Petrus schreibt an verfolgte Christen, die leiden. Er sagt ihnen nicht, sie sollen zusehen, dass sie ihre Situation verbessern, oder Petitionen für Religionsfreiheit unterschreiben oder einen Freiheitskampf führen. Stattdessen rät er ihnen immer wieder zur Unterordnung unter die Situation und unter die menschlichen Einrichtungen, d.h. Regierungen, Steuern, Könige, Beamte  usw. Die Sklaven sollen sich ihren Herren unterordnen, die Frauen ihren Männern, die Jüngeren den Ältesten, alle sich gegenseitig. Das Leiden als Christen sollen sie auf sich nehmen mit der Hoffnung auf das himmlische Erbteil. Unterordnen heißt dabei nicht, apathisch und resigniert alles über sich ergehen zu lassen, sondern voller Hoffnung auf Gott und den himmlischen Lohn unbeirrt das Richtige zu tun.

Das ist also der Kontext dieser Verse im 1.Petrusbrief. Und die Angesprochenen hatten Sorgen! Sorgen wie: Wie ist mein Herr wohl morgen drauf? Krieg ich wieder Prügel? Ich bin schwanger – wie kann ich in so eine feindselige Umwelt ein Kind gebären? Welche Chancen hat das im Leben? Werde ich meinen ungläubigen Mann zu Christus führen können, oder wird er sich vielleicht von mir scheiden lassen und mir meine Kinder wegnehmen? Wenn sich meine Familie um des Glaubens willen von mir abwendet, wer versorgt mich im Alter (es gab ja noch keine Rentenversicherung)? Wie soll ich mich vor Gericht verteidigen gegen die Verleumdungen? Und dazu das allgemein menschliche Kopfkino, das wir auch kennen: Kommen wir aus mit dem Einkommen? Wie sollen wir die Rechnungen bezahlen? Was, wenn ich meinen Job verliere? Die politische Lage, Krieg und Unruhen, Angst um die Kinder, Krankheit unserer Lieben, unsere eigene Gesundheit und und und …

Also – was tun? Petrus sagt: Demütigt euch nun unter die mächtige Hand Gottes. Wenn er sagt: Demütigt euch nun, dann heißt das: „in Anbetracht von allem, was ich euch bis jetzt geschrieben habe.“ Und er hat zwar viel übers Leiden geschrieben, aber auch viel über die Herrlichkeit, über den ewigen Lohn, das ewige Erbteil, über die Möglichkeit, durch ihr Leben zu zeigen, wie Gott ist, ein Zeugnis zu sein, Menschen für Jesus zu gewinnen. Das liegt alles mit in diesem „nun“.

Was bedeutet es, sich unter die mächtige Hand Gottes zu demütigen? Es bedeutet, dass er der Herr und Meister ist, dass nicht ich die Kontrolle beanspruche, dass ich nicht bestimmen will, was er wann zu machen hat. Ich überlasse ihm den Ausgang der Angelegenheit, das Wann, Wie und Wo. Das mache ich aber nicht, weil er ein willkürlicher Tyrann ist, dem ich mich zwangsweise unterordnen muss, weil er ja die Macht hat, sondern weil er ein guter Vater ist. Ich vertraue ihm, dass er das tut, was er verspricht, nämlich mich erhöht „zur rechten Zeit“. Das Wort, das hier steht, ist Kairos, das ist der von Gott bestimmte ideale Zeitpunkt. Gott verspricht, dass er das Problem rechtzeitig löst.

Gottes Vorstellung von „rechtzeitig“ und meine Vorstellung von „rechtzeitig“ sind manchmal etwas unterschiedlich. Gott hat nämlich Zeit. Sarah kann mit ihren 90 Jahren nur noch darüber lachen, dass sie noch ein Kind bekommen soll. Der Zug ist abgefahren, denkt sie. Aber falsch gedacht! 400 Jahre lässt Gott sein Volk leiden in Ägypten. Mose schickt er 40 Jahre in die Wüste, bis er ihn beruft, und dann noch mal 40 Jahre auf Wüstenwanderung. Zacharias und Elisabeth werden alte Leute, bis Johannes geboren wird. Aber Gott sagt: Alles geschieht rechtzeitig, nicht nur so ungefähr, mit einem kleinen bisschen Verspätung, sondern haargenau. Gottes Abwarten liegt nicht daran, dass er uns vergessen hat oder unsere Not und unsere Sorgen ihm egal sind. Er fühlt die ganze Zeit mit uns, aber er verfolgt einen Plan, den wir nicht sehen. Wie Hiob seine Situation empfand, das wird uns ja in seinem Buch beschrieben. Er hatte nicht den Eindruck, dass Gott mitfühlend und barmherzig ist, sondern beschwerte sich, dass Gott ihn als Zielscheibe aufgestellt hätte, denn so hat es sich angefühlt. Aber so war es nicht.

Wir haben mit der Bibel ein ganzes Buch, das uns bei den Lebensgeschichten anderer Leute (z.B. Hiob, Joseph, Moses, Daniel, Paulus … ) immer wieder einen Blick hinter die Kulissen erlaubt. Nur bei uns selbst ist uns das im Allgemeinen verwehrt. Aber Gott gewährt uns diesen Blick, damit wir wissen, dass er auch in unserer Geschichte derselbe Gott ist.

Interessanterweise wird auch von Jesus gesagt, dass er sich erniedrigte (und das ist im Griechischen genau dasselbe Wort wie „demütigt [euch]“ hier) und gehorsam wurde bis zum Tod am Kreuz (Philipper 2,8). Wir wissen, dass er im Garten Gethsemane betete: Nicht mein Wille, sondern der deine soll geschehen. Das gehört dazu: Die Hingabe an Gottes Willen, an seine höheren Pläne und die Bereitschaft, dafür zu leiden. Übrigens vertraute auch Jesus darauf, dass er erhöht werden würde zur rechten Zeit!

Wenn man sich nun unter Gottes Hand gedemütigt hat, seine Macht und Überlegenheit anerkannt, aber auch seine Weisheit und seine Güte – wie funktioniert dann das „Sorgenwerfen“? Werfen ist ein interessantes Bild. Ich war immer sehr schlecht im Sport. Die Bundesjugendspiele waren ein Tag der Schmach und Schande für mich. Ich war immer froh, wenn der Ball nach dem Werfen irgendwo vorne und nicht hinter mir landete. Ich habe mir jetzt mal so ein Video angeschaut: Wie wirft man eigentlich? (Leider war ich lange vor YouTube Kind.) Aber ein paar Sachen sind klar: Ich muss den Ball wirklich loswerden wollen. Ja, will denn nicht jeder seine Sorgen loswerden?

Manchmal nicht. Manchmal haben wir Bedenken, was Gott mit unseren Sorgen macht. Am Ende macht er das nicht so, wie ich es gerne hätte? Vielleicht sollte ich mich doch lieber selbst drum kümmern? Dann habe ich vielleicht ein bisschen mehr Einfluss darauf …

Schlag dir das aus dem Kopf! Du musst den Ball loslassen, und zwar ganz und gar und mit Schwung, so dass du ihn nicht mehr einholen kannst. Dein ganzer Mensch muss das Problem auf Gott legen wollen, egal was er damit macht. Und – das habe ich aus diesem Video gelernt – du musst dahin schauen, wo der Ball landen soll. Schau auf den Gott, der seinen Sohn für dich gegeben hat. Auf den Gott, der versprochen hat, dass dir alles zum Besten dienen wird, dass er dich ans Ziel bringt, dass du seinem Sohn gleichgestaltet wirst! Auf den Gott mit dem guten Plan und der großen Macht.

Wenn ich werfe, dann berufe ich mich auf alles, was Gott verheißen hat und was er ist, und ich akzeptiere auch, was er nicht verheißen hat: Er hat nicht verheißen, dass ich auf dieser Erde nicht leiden werde, aber er hat versprochen mich nie zu verlassen, mir jeden Tag zu geben, was ich brauche, und er hat versprochen, mich zur rechten Zeit zu erhöhen.

Es gibt noch eine weitere Wurf-Anleitung in Philipper 4,6. Da heißt es:

Seid um nichts besorgt, sondern in allem sollen durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden; und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus.

Wie lässt man seine Anliegen vor Gott kundwerden? Gebet, Flehen und Danksagung. Das hört sich recht ausführlich an. Wir agieren manchmal bei Gott so seltsam, wie wir es sonst nie tun würden, wenn wir Hilfe suchen. Wir wollen das so nebenbei erledigen. Wir sind wie kranke Leute, die jeden Tag beim Arzt anrufen und ins Telefon schreien: „Helfen Sie mir!“ Ehe er fragen kann bei was und wieso, haben wir schon wieder aufgelegt. Wir müssen unser Anliegen kundwerden lassen! Das heißt: Ich muss ihm alles sagen. Ich brauche einen Termin mit Gott, bei dem ich alles rauslasse, was mich quält, womit ich nicht klarkomme, wovor ich Angst habe. Das geht nicht nebenbei. Es ist nicht so, als käme Gott ohne unsere Information nicht zurecht. Er will das so, weil wir das brauchen. Wir brauchen das Bewusstsein: Ich hab´s ihm gesagt. Ich habe den Ball geworfen. Er ist jetzt bei ihm. Er kümmert sich, er ist für mich besorgt, wie Petrus sagt. Und wenn dir später noch was einfällt, gehst du noch mal hin. Und sprich ihm dein Vertrauen aus! Danke ihm, dass er das alles erledigen wird, dass er es perfekt und zuverlässig machen wird.

Was Gott nicht braucht – genau wie der Arzt, der schätzt das meist auch nicht – sind unsere Vorschläge, mit welchen Schritten er das Problem lösen könnte. Ich erwische mich manchmal dabei, dass ich sage: Vielleicht könntest du das doch so und so machen (nur für den Fall, dass ihm die Ideen ausgehen). Maria, die Mutter Jesu, ist uns da ein großes Vorbild bei der Hochzeit zu Kana. Zur ultimativen Peinlichkeit für das Brautpaar war der Wein ausgegangen. Noch bis zur goldenen Hochzeit hätten die Leute Videos davon gepostet, wie alle heimgegangen sind, weil die Party vorzeitig zu Ende war. Da geht Maria zu Jesus und sagt: „Sie haben keinen Wein.“ Dann weist sie die Diener an: „Macht, was er euch sagt.“ Sie sagt nicht: „Guck mal Jesus, da steht jede Menge Wasser zum Füßewaschen – könntest du da nicht Wein draus machen? Ich gebe dir die Tipps, und du vollbringst das Wunder.“

So machen wir das leider oft.

Es gibt verschiedene Arten zu beten. Es gibt das Kämpfen für das Reich Gottes mit Anliegen, die uns in Gottes Wort vorgegeben sind. Es gibt das Gebet des Glaubens, wenn Gott uns die Gewissheit für einen bestimmten Ausgang gibt, weil er uns etwas versprochen hat. Das Sorgenwerfen ist ein Gebet, wo wir uns mehr auf Gottes Charakter und Fürsorge verlassen als auf eine spezifische Lösung.

Ich muss den Ausgang nicht wissen und kontrollieren. Ich muss nicht alles überschauen. Es langt, wenn Gott es überschaut. Er ist immer da und trägt mich durch alles durch. Er macht das rechtzeitig. Ich kann mich darauf verlassen.

Wo ist dein Herz?

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Randy Alcorn, Autor des Buches Geld, Besitz und Ewigkeit, hat auf seinem Blog eine interessante Frage aufgeworfen. Christen legen einander manchmal Rechenschaft ab, ob sie regelmäßig die Bibel lesen, anderen von Jesus erzählen oder sich sexuell rein halten. Aber kaum einmal fragen wir einander, ob wir den Kampf gegen den Materialismus kämpfen und unsere Augen abwenden von den Angeboten der Welt, die uns immer noch etwas zeigt, was wir noch brauchen könnten. Warum ist das so?

Jesus stellt fest: “Wo dein Schatz ist, wird auch dein Herz sein.” Unser Herz folgt unserem Schatz, sagt Alcorn. Willst du dein Herz an einem bestimmten Platz haben, dann investiere dort dein Geld.

Tatsächlich warnt uns die Bibel an vielen Stellen davor, reich werden zu wollen oder unsere materiellen Güter nicht zu teilen. Ich finde es interessant, was Paulus den Ephesern sagt:

Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern bemühe sich vielmehr, mit den Händen etwas Gutes zu erarbeiten, damit er dem Bedürftigen etwas zu geben habe. (Epheser 4,28)

Würden wir nicht sagen: Jetzt arbeite, damit du dir das, was du früher geklaut hast, ehrlich leisten kannst? Aber Paulus sagt, wir sollen arbeiten, um etwas abgeben zu können! Er hat das auch selbst umgesetzt (Apostelgeschichte 20,34):

Silber oder Gold oder Kleidung habe ich von niemand begehrt;  ihr wisst ja selbst, dass diese Hände für meine Bedürfnisse und für diejenigen meiner Gefährten gesorgt haben. In allem habe ich euch gezeigt, dass man so arbeiten und sich der Schwachen annehmen soll, eingedenk der Worte des Herrn Jesus, der selbst gesagt hat: Geben ist glückseliger als Nehmen!

Um das mit Freuden  und von Herzen tun zu können, helfen diese Gesichtspunkte:

1.  In die Ewigkeit zu investieren ist das Klügste, was man tun kann. Weltliche Güter bieten keine Sicherheit. Wir kriegen das gerade deutlich zu spüren. Die Inflation frisst Ersparnisse auf. Ich las die Woche den Tipp an Rentner, lieber in Aktien zu investieren. Aber Gott bietet uns eine bessere Rendite an, wenn wir auf der Himmelsbank investieren. Dort ist das Geld sicher. Wohlhabenden Menschen empfiehlt Paulus:

Sie sollen Gutes tun, reich werden an guten Werken, freigebig sein, bereit, mit anderen zu teilen, damit sie das ewige Leben ergreifen und so für sich selbst eine gute Grundlage für die Zukunft sammeln. (1.Timotheus 6,18.19)

Ähnliches empfiehlt Jesus in dem Gleichnis von dem untreuen Haushalter.

2. Gottesfurcht, verbunden mit Genügsamkeit, ist ein großer Gewinn. Genügsamkeit heißt, dass ich das Vertrauen zu Gott habe, dass er weiß, was ich brauche und gibt, was ich brauche. Sie macht das Herz unbeschwert und frei für wichtigere Dinge. Sie bewahrt uns davor, dass die Sorgen dieses Lebens die gute Saat Gottes ersticken.  Sie befreit uns davon, immer nach dem zu schielen, was der andere hat.

3. Andere Menschen danken Gott. Willst du, dass Gott gelobt wird?  Dann hilf anderen in ihrer Not. Sie werden nicht nur Gott danken, sondern auch dich segnen.

4. Gott liebt einen fröhlichen Geber. Das bedeutet nicht, dass ich mir mit Geben die Liebe Gottes erkaufen kann. Es bedeutet, dass es Gott Freude bereitet, wenn er jemanden sieht, der von Herzen, freiwillig und gerne gibt, so, wie er selbst es auch tut.

5. Ich darf den Charakter Gottes spiegeln und ein bisschen was von dem tun, was er an mir getan hat. Jesus wurde arm um unsertwillen, damit wir durch seine Armut reich wurden. Gottes Charakter ist Gebefreudigkeit:

Er, der sogar seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht auch alles schenken? (Römer 8,32)

6. Uns wird nichts mangeln, wenn wir geben. Wir müssen keine Angst haben und uns keine Sorgen machen, dass wir dann am Ende dastehen und das Lebensnotwendige nicht mehr haben, weil wir nicht selbst für uns vorgesorgt haben:

Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen?, oder: Was werden wir trinken?, oder: Womit werden wir uns kleiden?  Denn nach allen diesen Dingen trachten die Heiden, aber euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles benötigt.  Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch dies alles hinzugefügt werden! (Matthäus 6,31-33)

Das steht in unseren Bibeln. Auch in deiner und meiner. Glauben wir es?