Predigt-Nachlese: Hoffnung für Versager

Der Predigttext steht in Lukas 22,47-62.

Jesus hat seine Jünger gewarnt vor den Anfechtungen, die in dieser dunklen Stunde auf sie zukommen, aber sie haben es nicht geschafft, mit ihm zu wachen und zu beten. Am Ende steht er ganz allein da. Er hat sich durchgebetet, und für ihn ist der Kampf schon gewonnen. Er ist bereit für die Dinge, die ihm bevorstehen.

Das erste ist der Verrat durch einen seiner Vertrauten, Judas. Judas hat bei Jesus nicht bekommen, was er sich erhofft hatte. Sein Herz verlangte nicht nach der Gerechtigkeit des Reiches Gottes, sondern nach seinem eigenen Profit. Was er jetzt tut, ist für ihn folgerichtig, aber für Jesus ein tiefer Schmerz  – und für die anderen Jünger sicher höchst verwirrend. Petrus, entschlossen, für seinen geliebten Herrn zu kämpfen, nimmt das Schwert, um ihn zu verteidigen, aber er wird zurückgepfiffen: Jesus liefert sich aus in die Hände seiner Häscher, denn die Stunde, auf die er – eigentlich seit der Krippe – zugegangen ist, ist da. Dies, sagt er, ist eure Stunde und der Machtbereich der Finsternis. Jetzt kommt, was kommen muss.

Jesus wird verhaftet und in das Anwesen des Hohenpriesters gebracht. Petrus folgt von weitem. Johannes kennt jemand aus dem Haushalt des Hohepriesters und verschafft auch Petrus Zugang zum Hof, um von dort den Verlauf des Verhörs zu verfolgen. Die Leute, die sich dort aufhalten, haben ein Feuer gemacht, und Petrus setzt sich dazu. Von dort kann er Jesus sehen. Er kann seine Ankläger toben hören, er kann sehen, wie sie ihn schlagen und demütigen. Plötzlich schaut ihn eine der Dienstmägde an und sagt: Den kenn ich doch, der gehört auch dazu! Und Petrus, der sich so sicher war, dass er das niemals, niemals tun würde, bestreitet ihre Aussage ganz vehement: Frau, ich kenne den nicht!

Dabei ist er hier, weil er ihn kennt, weil er ihn liebt, weil er sein Leben an ihn gehängt hat, aber die Furcht ist stärker als die Treue.

Dasselbe passiert ihm noch zweimal im Lauf dieser Nacht. Wieder behauptet er, Jesus nicht zu kennen. Er schwört es! Da kräht der Hahn, und Jesus dreht sich um und schaut ihn an. Auch jetzt denkt er an Petrus!Wie ein Blitz durchzuckt es ihn: Jesus hat es gewusst. Jesus hat es mir gesagt, dass ich ihn verleugnen würde, und ich habe es ihm nicht geglaubt. Wie hab ich mein Maul so voll genommen! Was bin ich nur für ein Mensch!  Den, der mich liebt, wie mich nie jemand geliebt hat, meinen besten Freund, meinen Herrn habe ich verleugnet! Er verlässt den Hof und weint, dass es ihn nur so schüttelt….

Wie konnte es dahin kommen?

  • Er war sich seiner selbst so sicher gewesen. Ja, er meinte, Jesus kennt ihn nicht so richtig, dass er ihm so etwas zutraut! Er doch nicht! Nun muss er feststellen: Er hat die Schwachheit seines Fleisches  und die Kraft der Versuchung unterschätzt. Er war stolz auf seine Beziehung zu seinem Herrn, doch die Furcht war stärker als der Mut. Er war nichts weiter als ein Angeber.
  • Er hat die Warnschilder überrannt, die Jesus für ihn aufgestellt hat. Er ist seinem dringenden Rat nicht gefolgt, der Versuchung mit Wachen und Beten zuvorzukommen. Statt dessen hat er geschlafen.
  • Er war viel zu schnell und zu unüberlegt in seinem Handeln bei der Festnahme Jesu. Statt zu beten, wollte er aus eigener Kraft und menschlichem guten Willen helfen.
  • Er folgte Jesus “von ferne”. In Krisenzeiten neigen wir dazu, eine Distanz zum Herrn zu entwickeln, die uns geistlich noch mehr gefährdet. Unversehens finden wir uns dann mit seinen Feinden an ihrem Feuer sitzend wieder, wo wir eigentlich nicht hingehören.

Ist die Geschichte  des Petrus nicht auch unsere Geschichte? Haben wir nicht mehr als einmal die selben Fehler gemacht und machen sie immer wieder?  So wie wir uns im Versagen des Petrus wiederfinden, dürfen wir auch Hoffnung schöpfen aus der völligen Wiederherstellung des Petrus. Denn Jesus hat nie aufgehört, ihn zu lieben. Er hat sogar schon längst für Petrus gebetet, dass sein Glaube diese Krise übersteht. Und das tut er auch für uns.

Petrus hat sein Versagen nie verheimlicht. Wir sollten das auch nicht tun. Wie Petrus verkünden wir nicht unsere Vollkommenheit, sondern die Gnade und Liebe unseres Retters. Er hat diesen Feigling mit Kraft und Mut erfüllt, dass er an Pfingsten vor Tausenden verkündigen konnte: Gott hat diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und zum Christus gemacht!

Er wusste nun, wer er war, und er wusste, dass nur Jesus die Kraft hatte, ihn zum Ziel zu bringen. Er konnte die Gefahren richtig einschätzen. Im 2.Petrusbrief 3,17 schreibt er: “Weil ihr das alles jetzt schon wisst, liebe Geschwister, passt auf, dass ihr nicht von dem Irrsinn der Gesetzesverächter mitgerissen werdet und euren festen Stand verliert.” Und im 1. Petrus 1,5 sagt er: “Er wird euch, die ihr an ihn glaubt, durch seine Macht bewahren.”

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