R.: Debora, du hast ja einen Beruf ausgeübt, der in Israel nicht gerade üblich war für eine Frau: Du warst Richterin. Wie bist du denn dazu gekommen?
Debora: Irgendwann als ich älter wurde, kam der Erste zu mir und fragte: Kannst du mir einen Rat geben? Du hast doch schon viel erlebt und gesehen. Dann kam der Nächste und fragte, ob ich für ihn beten könne. Ob ich vielleicht eine Weisung von Gott für ihn hätte? Und das hat sich dann rumgesprochen. „Ja, ich war bei Debora, und sie hat mir das und das geraten“, oder „Wir haben unseren Streit bei ihr geschlichtet. Sie hat uns gezeigt, was Gott darüber denkt“, – so haben die Leute weitererzählt. Als das immer mehr wurde, habe ich eine regelmäßige Sprechstunde abgehalten. Ich saß dann zwischen Rama und Bethel unter einer bestimmten Palme; die Leute haben sie bald die Debora-Palme genannt.
R.: Da hast du sicher viel Kummer und Not mitbekommen – das war bestimmt manchmal belastend. Wie hast du das verarbeitet?
Debora: Es fiel mir wirklich schwer mitanzusehen, wie unser Volk gelitten hat. Viele Leute weinten bei mir über die Bedrückung durch Jabin, den König von Hazor. Er hat die Menschen sehr gequält, und wir waren so hilflos. „Warum?“, wurde ich oft gefragt. Ich habe den Leuten die Wahrheit nie verschwiegen: Dass wir Gott verlassen hatten, das war der Grund für unser Elend. Und dann war es ganz natürlich, dass ich all diese Lasten und Kümmernisse vor Gott ausgeschüttet habe. In einer solchen Gebetszeit hat Gott mir schließlich gezeigt, dass er sich über uns erbarmen will und mir genaue Anweisungen für Barak gegeben.
R.: Aber Barak war gar nicht so begeistert?
Debora: Er hatte Angst und war unsicher. Er wollte nur gehen, wenn ich mitgehe.
R.: Hast du ihn da nicht ausgelacht? Er war doch schließlich der Mann!
Debora: Nein. Es ging ja nicht um Barak und nicht um mich; es ging um Hilfe für das Volk und einen Auftrag Gottes. Und ich dachte: Wenn es mein Job ist, ihm Mut zu machen und ihm das die Sache erleichtert, dann bitteschön! Gott hätte ihn wahrscheinlich mehr geehrt, wenn er glaubensmutiger gewesen wäre……aber wir sind alle, wie wir sind, und man muss das Beste draus machen.
R.: Barak konnte ja von dir nicht wirklich Hilfe im Kampf erwarten. Warum wollte er eine Frau im Kampf dabei haben? Warst du nicht eher ein Klotz am Bein?
Debora: Ich glaube, er hat mich als so eine Art Bindeglied zur Hilfe Gottes gesehen. Er dachte: Mutter Debora wird beten, und wenn’s knifflig wird, kann ich sie um Rat fragen. Gott hatte mich ja auch als Bindeglied zu ihm benutzt. Tatsächlich konnte ich ihm noch mal Mut machen, als der richtige Zeitpunkt zum Angriff gekommen war. Und dann hat Gott selbst alles gemacht! Und am Ende hat er eine einfache Frau, Jael, benutzt, um den Feind endgültig zu vernichten.
R.: Hatte das was zu bedeuten?
Debora: Vielleicht, dass es nicht so drauf ankommt, was wir sind, Männer oder Frauen, sondern darauf, dass jeder an seinem Platz zum Wohl des Ganzen mit Gott zusammenarbeitet? Die einen führen, die andern unterstützen, die dritten kämpfen nach ihrem Vermögen. Wichtig ist, dass keiner sich verweigert. Und letztlich ist es Gott, der alles tut.
R.: Debora, ich verstehe jetzt, warum man dich „eine Mutter in Israel“ genannt hat! Vielen Dank für dieses Gespräch!
Hier geht’s zur Originalgeschichte!
