Schlagwort-Archive: Polygamie

Leah: Unerfüllte Sehnsucht

Ein Lebensbild (nachzulesen in 1. Mose ab Kapitel 29)

Ihre Kindheit und Jugend hat sie im Schatten ihrer hübschen und anmutigen kleinen Schwester verbracht. Und dann kommt dieser Cousin, der sich sofort in Rahel verliebt. Sieben lange Jahre darf sie zusehen, wie er um sie herumschwänzelt und sich mit Begeisterung für sie abschuftet. Rahel! Immer ist alles für Rahel!

Sieben Jahre lang kommt niemand vorbei, der sich auch nur im geringsten für sie interessiert. Immer ist sie diejenige, für die nichts übrig bleibt.

Aber ihr Vater findet, sie müsse irgendwie versorgt werden, und so beschließt er, sie Jakob einfach unterzuschieben. Sie hat Angst, aber er meint, sie müsse einfach nur die Klappe halten, dann wird das schon funktionieren. Er kann sich nicht ewig um sie kümmern. Ob Jakob nicht wütend werden wird über den Betrug? Ich sehe Laban grinsen: “Der soll mal was sagen! Der hat sich selbst für jemand anders ausgegeben, um zu kriegen, was er wollte. Dem werd´ich schon das Maul stopfen.”

Sie tut, wie ihr geheißen. Und obwohl sie tief in sich drin weiß, dass Jakob sie nicht lieben kann, so kann sie doch von der Hoffnung nicht lassen. Vielleicht gefalle ich ihm ja doch, wenn er mich erst mal kennenlernt?

Was für ein Gefühl, wenn man nach der Hochzeitsnacht aufwacht und als erstes als unwillkommen begrüßt wird! Und nun beginnt der Kampf: Eine Woche hat sie Zeit, um Jakob von sich zu überzeugen.

Aber nach einer Woche kommt Rahel dazu, und natürlich ist sie mehr oder weniger abgeschrieben. Und die Turteltäubchen turteln direkt vor ihrer Nase. Die Einsamkeit ist schlimmer als je zuvor.

Zwar bemüht sich Jakob, den Frieden in seinem Haushalt aufrecht zu erhalten und jede seiner Frauen zufrieden zu stellen, aber es ist unübersehbar, an wem sein Herz hängt.

Leah wird als Erste Mutter, und sie empfindet das als Gottes gerechten Ausgleich. Offenbar gibt es im Himmel einen, den es interessiert, was für ein grausames Spiel hier mit ihr gespielt wird. Sie nennt ihren Sohn Ruben und hofft: “Jetzt wird mein Mann mich lieben.” Vielleicht merkt er jetzt, dass Rahel zwar ein schönes Spielzeug ist, aber ich die wirklich Wertvolle?

Und nun gebärt sie in schneller Folge Simeon, Levi und Juda. Dass ihre Fruchtbarkeit nicht zu dem Ergebnis führt, von dem sie träumt, zeigt der Ausruf bei Levis Geburt. “Diesmal wird sich mein Mann an mich anschließen!” Ja, sie ist verheiratet und 4fache Mutter, aber immer noch ein störender Fremdkörper in der Beziehung zwischen Jakob und Rahel.

Nun geht der Kampf erst richtig los. Rahel  glüht vor Eifersucht. Denn Leah hat zwar keine Liebe gefunden, aber doch die gesellschaftliche Anerkennung als Mutter einiger Söhne.

In ihren Kampf spannen sie nach damaliger Sitte ihre jeweiligen Mägde als “Leihmütter” ein.  Jetzt geht es nur noch darum, wer die meisten Kinder auf seinen Namen verbuchen kann. Alle Zuneigung zwischen den Schwestern ist erloschen. Rahel aber empfindet tiefer als je, dass nur eigene Kinder ihr den Vorrang auf Dauer sichern können, und so kommt es zu einem merkwürdigen Handel “Mann gegen Aphrodisiaka”, der nur dazu führt, dass Leah noch zwei Mal schwanger wird. Und nach dem 6. Sohn bricht aus ihr heraus: “Diesmal wird mein Mann mich erheben, denn ich habe ihm 6 Söhne geboren.” Die Sehnsucht will einfach nicht sterben!

Vergebens! Alles, was geschieht, ist, dass Rahel endlich auch ein Kind bekommt. Nun halten andere Ereignisse sie erst einmal in Atem: Sie fliehen bei Nacht und Nebel aus ihrer Heimat, weg von ihrem Vater. Und auch Jakob hat den Kopf voll – er muss Esau begegnen und Dinge mit Gott ausfechten.

Und jetzt bekommt Leah noch einmal die Bestätigung, dass sie für immer die 2. Wahl bleiben wird, nicht nur sie, sondern auch ihre Kinder: Als Jakob die Familie arrangiert für das gefürchtete Zusammentreffen mit Esau lässt er sie und ihre Kinder vor Rahel und Josef gehen – das ihm Kostbarste stellt er am weitesten nach hinten an den sichersten Platz.

Nicht lange danach stirbt Rahel bei der Geburt ihres 2. Sohnes. Jakobs Sympathie für sie scheint sich auf Josef zu übertragen, und der Kampf der Mütter setzt sich in den Kindern fort. Leahs Spur verliert sich; die Geschichte der Söhne tritt in den Vordergrund. Wir erfahren nur, dass auch sie vor ihrem Mann stirbt und in der Begräbnisstätte der Familie beigesetzt wird. Endlich hat sie im Tod ihren Platz als die legitime erste Ehefrau gefunden, während Rahel unter einem Gedenkstein am Wegrand liegt.

+++

Als ich vor Jahren auf einer Frauenfreizeit mit jungen Frauen war, gab es Workshops zu verschiedenen biblischen Frauengestalten. Eine Gruppe trug dann ihre Ergebnisse über Leah vor. Ich war betroffen, wie sehr diese Frauen die Sehnsucht Leahs nachvollziehen konnten, obwohl sie nicht in Polygamie lebten und christliche Ehemänner hatten. “Was muss ich tun, damit mein Mann mich liebt?”

Manche meiner Freundinnen warten seit Jahren darauf, dass ein Mann vorbei kommt, der sie annimmt wie sie sind, aber ihre Sehnsucht geht Jahr um Jahr ins Leere.

Was ich Leah und ihnen gerne gesagt hätte: Auch die Liebe eines Mannes kann deine tiefste Sehnsucht nicht wirklich erfüllen. Das sehen wir bei einer anderen biblischen Gestalt, mit der ich demnächst ein “Interview” machen will. (Raten erlaubt!)

Dem brennenden Wunsch unsrer Herzen nach Annahme begegnet nur Gott durch seine bedingungslose Liebe. Durch den Tod Jesu hat er uns einen unschätzbaren Wert verliehen, den kein Mensch uns jemals zumessen wird. Im allerbesten Fall ist die Liebe eines Mannes ein Abglanz davon. Aber “the real thing” kannst du heute von Gott entgegennehmen.

Querbeet

Eine interessante Frage: Macht man sich schuldig, wenn man Steuern zahlt, die für unrechte Dinge ausgegeben werden? R.C. Sproul Jr. meint: Nein! Ich bin zwar dafür verantwortlich, meine Stimme gegen das Unrecht zu erheben, aber nicht dafür, was der Staat mit meinen Steuern macht. Die Verantwortung dafür liegt in anderen Händen. Jesus hat befohlen, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist – obwohl der römische Staat seine Kreuzigung mit allem Drum und Dran finanziert hat.

Den Toleranzbegriff hat Josef Bordat untersucht und meines Erachtens sehr zutreffend definiert. Ich erinnere mich dunkel, dass in meiner Jugend jedermann ihn so verstanden hat; irgendwann auf dem Weg hat sich die Interpretation gewandelt, so dass er heute zu einer Art Keule geworden ist, mit der man Harmonie-störende Überzeugungen erschlägt.

Wenn Muslime von Jesus träumen ist das oft der Anfang ihres Weges in die Vaterarme Gottes. Viele Iraner haben sich in Deutschland in den letzten Jahren taufen lassen, aber auch im Iran selbst kommen viele zu Christus – sie überschlagen die Kosten und sind bereit, den Preis zu zahlen.

Mt. 18:20 Today hat angefangen,  Video-Interviews mit ehemaligen fundamentalistisch-mormonischen Polygamisten einzustellen. Ein Buch möchte ich in dem Zusammenhang empfehlen (englisch): “Illegitimate: How a loving God rescued a son of polygamy” von Brian Mackert. Er erzählt, wie es ist, eines von 31 Kindern zu sein, von seiner Sehnsucht nach dem unerreichbaren Vater, von der Heuchelei und Unbarmherzigkeit innerhalb der Sekte, von der Entwertung der Mädchen. Er hat schließlich in Gott den Vater gefunden, nach dem er sich gesehnt hat, und in Christus den Erlöser, durch den wir aus Gnade gerechtfertigt werden.

Querbeet

Auf dem Beet des Internets habe ich heute wieder ein kleines Sträußchen gepflückt.

Mt. 18:20 Today hat diese Woche den Beginn einer Videoserie gepostet über Menschen, die aus polygamistischen Mormonenkreisen (nicht identisch mit der offiziellen LDS-Kirche) zum Evangelium gefunden haben. Schon diese erste Einleitung hat mich so berührt, dass ich fast weinen musste. Welch großer Unterschied ist es doch, ob man sich sein Heil erarbeiten muss, oder ob einem Gnade widerfährt, weil Jesus alles getan hat! Man spürt das diesen Leuten ab, wie sehr sie diese Gnade zu schätzen wissen.

Als ich auf der Quellseite herumstöberte fand ich diesen Film, wo hauptsächlich junge Männer erzählen wie sie aus der offiziellen Kirche der Heiligen der letzten Tage herausgefunden haben.

Wer Englisch kann, sollte sich das ansehen! Diese Zeugnisse geben auch Gedankenanstöße, wie man mit den jungen „Missionaren“ mit den „Elder“-Schildchen, die einem hier und da begegnen, hilfreich umgehen kann.

Auch dieses Thema hängt zusammen mit dem Unterschied von Werkgerechtigkeit und Gnade:  Sexuelle Sauberkeit ist nicht genug. „Wahre sexuelle Reinheit, die Freiheit von Lust im Herzen ist, kommt nicht durch Enthaltsamkeit. Freiheit wird gefunden, wenn ein leeres, verhungertes und miserables Herz von der Liebe Gottes erfüllt wird.“

Sehr interessant für Eltern und Pädagogen finde ich Hanniels scharfsichtige Gedanken zum Thema: Warum werden aus Buben keine Männer? . Ich habe mich auch schon oft gefragt, warum das heute so ist (und früher mal anders war). Seine Analysen scheinen mir durchaus zutreffend.