Schlagwort-Archive: Liebe

Dickköpfen kann geholfen werden!

goats-692660_1280

Ich vermute, als der Brief von Paulus an die Philipper vorgelesen wurde, schossen zwei Frauen plötzlich aufrecht in die Höhe, und zwar in den zwei entgegengesetzten Ecken des Raumes! Sie hatten ihre Namen gehört!

Ich ermahne Evodia, und ich ermahne Syntyche, einmütig zu sein im Herrn. Ja, ich bitte auch dich, treuer Gefährte, nimm dich ihrer an! Sie haben mit mir für das Evangelium gekämpft, zusammen mit Klemens und meinen anderen Mitarbeitern. Ihre Namen stehen im Buch des Lebens. (Philipper 4,2.3 EÜ)

Man muss sich das mal vorstellen! Öffentlich! Manchmal müssen die Probleme auf den Tisch, und Paulus war da nie zimperlich. Wahrscheinlich wussten es sowieso schon alle, dass die zwei Zoff hatten. Paulus will sie auch nicht demütigen, er spricht im Gegenteil im gleichen Atemzug seine tiefste Wertschätzung aus. Diese Frauen sind nicht irgendwer. Sie lieben Jesus. Sie sind treue und bewährte Mitarbeiterinnen. Sie sind ganz ohne Zweifel Gottes geliebte Kinder, und das alles macht es wichtig, sich mit ihrem Streit zu befassen. Denn wer mitarbeitet, hat Einfluss auf andere. Wer für das Evangelium kämpft, zeigt durch sein Leben, was das Evangelium ist. Wer zu Gottes Familie gehört, wirft durch sein Verhalten ein gutes oder schlechtes Licht auf den Vater.

Nun stell ich mir so vor, ich wäre eine der beiden. Das ist ja eine tolle Ermahnung: Seid einmütig! Ja, das wäre ich ja gerne, Dieser Zwist macht mir auch keinen Spaß! Seit Wochen kann ich nachts nicht schlafen! Aber wenn ich recht habe, kann ich doch nicht einfach meine Meinung wechseln! Es gibt doch noch so was wie richtig und falsch! Ich nehme nicht an, dass die beiden Schwestern einfach nur zickig waren, und es um persönliche Befindlichkeit ging. Diese Sorte Frauen waren sie nicht. Sie sahen etwas vollkommen verschieden, und das war nicht überein zu bringen. Paulus wusste übrigens, wie das ist. Er und Barnabas hatten auch mal einen fürchterlichen Streit gehabt wegen eines Mitarbeiters. Der hatte sich nicht bewährt, und Paulus wollte ihn nicht mehr mitnehmen. Barnabas mit seinem weichen Herzen hatte in seinen Augen einfach keine Prinzipien! Im Werk Gottes kann nicht jeder ohne Charakter einfach mitmachen! Das ging so weit, dass sie sich trennten. Später musste Paulus allerdings seine Meinung über diesen Mitarbeiter revidieren und lud ihn wieder in sein Team ein.

Ja, was macht man, wenn man Dinge einfach verschieden sieht? Die gute Botschaft ist: Hilfe ist möglich! Bei einer Meinungsverschiedenheit muss man nicht gleich die Flinte ins Korn werfen und getrennte Wege gehen! Und wenn man selbst vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht, braucht man Hilfe von außen – durch jemand, der in den Konflikt nicht verwickelt ist (und sich auch nicht verwickeln lässt), der alle beide lieb und Mut hat, die Wurzeln der Probleme aufzudecken und anzugehen. Kein Job für Feiglinge und Besserwisser und auch nicht für Diplomaten, die nur Waffenstillstand wollen, sondern für Beter, die wissen, dass diese Aufgabe sie völlig überfordert, aber dass Gott kann!

Vielleicht lässt sich, wenn man miteinander das Wort Gottes studiert, eine echte Lösung finden. Vielleicht kann auch jemand helfen zu erkennen, dass man einen anderen Standpunkt einfach mal stehen lassen und es in Gottes Hände geben kann, damit Er – falls es wirklich wichtig ist – es dem Bruder/ der Schwester (oder mir!!) zu Seiner Zeit klar macht. Vor allem braucht man Hilfe für den richtigen Blick auf den “Kontrahenten”, um den anderen immer noch als wertvollen Mitarbeiter und Gottes Kind zu sehen und zu lieben. Die Einheit ist in Jesus. Man braucht unter Umständen Beistand, um sein Herz zu erforschen und seine eigentlichen Motive zu sehen: Warum will ich das unbedingt durchdrücken? Bin ich vielleicht doch einfach streitsüchtig? Kann es sein, dass ich aus einer Mücke einen Elefanten mache? Geht es hier um mich oder um Gott? (Da kann man sich gewaltig was einreden und sich über sich selbst täuschen!) Kann ich mich auch mal unterordnen? Hab ich Geduld? Höre ich dem anderen richtig zu? Hab ich mich genug bemüht, die Dinge aus seiner Perspektive zu betrachten? Bedenke ich seine Einwände, oder fege ich sie einfach vom Tisch? Wie hoch schätze ich die Einheit der Gemeinde, dass ich ihr unseren Streit nicht antun will, der sie vielleicht zerreißen kann? Oder genieße ich am Ende heimlich den Gedanken, dass Leute sich auf meine Seite schlagen könnten?

Ich habe leider viel Streit in Gemeinden gesehen, seit ich mit Jesus auf dem Weg bin, sogar eine Gemeinde, die sich “totgespalten” hat, und zwar nicht wegen Irrlehre – das wäre ja ein guter Grund –, sondern wegen Rechthaberei in Nebendingen. Man kann sich wegen so vielem gegenseitig zerfleischen: Musikstil, Kindererziehung, Gemeindestruktur, Kleiderordnung, Geld, Diensten … Zurück bleiben  gebrochene Herzen bei denen, die mit dem eigentlichen Streit gar nichts zu tun hatten. Schwache bleiben ganz auf der Strecke. Gottes Name und der Ruf der Gemeinde wird beschmutzt. Ist es das wert? Wer möchte ernsthaft für so etwas verantwortlich sein? Dann doch lieber einmal öffentlich rotwerden, Hilfe annehmen – und die Einheit in Jesus neu umfassen!

Erlöst! (Predigt-Nachlese)

martinique-206916_1280

Jesus ist unser Erlöser – was heißt das?

Es gibt in der Bibel mehrere Begriffe, die aus verschiedenen Winkeln beleuchten, was Gott für uns getan hat.

  • Rechtfertigung (gr. dikaios) = wir haben von Gott als Richter den Freispruch empfangen und sind für unschuldig erklärt worden – weil Jesus unsere Schuld und Strafe auf sich genommen hat. Der Lohn der Sünde ist der Tod. Christus ist unseren Tod für uns gestorben, so dass wir freigesprochen werden können. Sein Opfer ist für alle unsere Sünden für immer ausreichend. Wenn wir “in IHM” sind, sind wir um seinetwillen zu Gerechten gemacht.
  • Vergebung (aphesis) = das, was wir Gott schuldig waren, hat er uns erlassen. Unsere Sünden sind weggetragen. Im Alten Testament gab es für Israel den sogenannten Großen Versöhnungstag. Dabei wurde ein Ziegenbock für das Volk geschlachtet und sein Blut auf den Deckel der Bundeslade und den Altar gesprengt. Das war der eine Teil der Sühne. Dann gab es aber noch einen zweiten Ziegenbock. Der Hohepriester legte seine Hände auf seinen Kopf und bekannte die Sünden des Volkes. Symbolisch legte er sie damit auf den Ziegenbock, und anschließend wurde das Tier aus dem Lager in die Wüste geschickt, um dort zu bleiben. Beide Ziegenböcke sind Bilder von dem, was Jesus getan hat. Unsere Sünden wurden auf ihn gelegt, und er hat sie weggetragen, und jetzt wird nie mehr davon gesprochen! Das ist der Maßstab dafür, wie auch wir einander vergeben sollten!
  • Adoption (uihothesia) = wir werden, obwohl wir von Natur “Kinder des Zorns” sind, in die Stellung von Kindern Gottes eingesetzt, irreversibel und mit allen damit verbundenen Rechten und Pflichten!
  • Versöhnung (katallassō) = Gott macht aus Feinden Freunde. Er versöhnt uns in Christus mit sich selbst, und wir bitten jetzt jeden Menschen in seinem Auftrag: Lass dich versöhnen mit Gott!
  • Erlösung (apolutrōsis) = der Loskauf oder Freikauf. Wir waren unter die Sünde verkauft wie Sklaven, Christus hat durch sein Blut das Lösegeld bezahlt. Wir müssen der Sünde nicht mehr dienen und unseren sinnlosen alten Lebensstil nicht weiterleben.

Nichts von all dem konnten wir für uns selbst tun. Die Initiative ging von Gott aus, der uns geliebt, erwählt und angenommen hat. Unsere absolute Unfähigkeit, irgend etwas hervorzubringen, was vor Gott annehmbar war, wird so beschrieben: tot in Übertretungen und Sünden. Die ganze Erlösung ist Gottes Plan, den er gefasst hat, weil er ist, wer er ist. Er liebt es, gnädig zu sein.

Die Frage ist: Bist du erlöst? Bist du “in Christus”? Wenn du ihm heute sagst, dass du deine Sünden loswerden, sein Opfer annehmen und ein neues Leben haben möchtest, dann wird er dich aus der Finsternis ins Licht bringen, dich freisprechen, deine Sünden in die Wüste schicken und dich adoptieren!  Und dann wird er dir als Bestandteil all dieser Gnadengeschenke Erkenntnis und Einsicht geben, um dieses neue Leben mit ihm zu leben.

Der göttliche Adoptions-Beschluss (Predigt-Nachlese)

hands-72570_1280

Bibeltext: Epheser 1, 1-14

Es ist Gott, der uns auserwählt hat, seine Kinder zu sein. Wir konnten nichts dazu tun.

Schon ehe er die Welt geschaffen hat, hat er diesen Beschluss gefasst: Er wollte Kinder haben, die seine eigenen Charakterzüge tragen sollten: Heilig und tadellos. Er nahm sich vor, uns mit jedem geistlichen Segen zu segnen, und uns zu Erben einzusetzen, die alles genießen sollten, was er hat.

Heilig und tadellos hat er mich allerdings nicht vorgefunden, sondern sündig und rebellisch, feindselig und verloren und absolut unfähig, zu dem zu werden, was ich werden sollte! Aber gerade diese meine Hilflosigkeit brachte seine ganze Gnade und Herrlichkeit ans Licht! Denn ER hat alles für mich getan durch Jesus Christus!

Jesus Christus hat mich durch sein Blut vom gerechten Gericht freigekauft. Was ich getan habe, ist vergeben – nie mehr muss Sünde mich von der Gegenwart Gottes ausschließen. Wenn ich verzweifelt bin über meine Unfähigkeit, den “Familienstandards” zu genügen, sagt der Vater nicht: “Sei mehr! Tu mehr!”, sondern er erinnert mich daran, was Er für mich getan hat und wozu Er mich gemacht hat. Er möchte, dass ich meine Reichtümer, die er mir gegeben hat, kennen und genießen lerne und nicht mit meinem Denken und Trachten immer noch an dieser Welt und meinem vorigen Leben festklebe.

Ich bin in seiner Familie akzeptiert “In dem Geliebten”, d.h. in Jesus, der nie etwas anderes war als die Freude seines Vaters. Er war immer heilig und tadellos. Er hat am Kreuz mit mir den Platz getauscht: Er empfing mein Urteil, und ich erhielt die Kindschaft. Und nun sieht Gott mich “In Christus”, und mir bleibt nur die dankbare Freude! Und damit ich ganz sicher bin, dass sich daran nie mehr etwas ändert, hat er mir und allen anderen, die ihr gläubiges Vertrauen auf Jesus setzen, ein Siegel aufgedrückt und ein Pfand gegeben: den Heiligen Geist als Sicherheit und Bestätigung.

Warum tut Gott so etwas? Nun, es hat ihm gefallen, seine Gnade zu zeigen. Er hat es getan, weil er ist, wie er ist: Gnädig und gerecht, barmherzig und voller Liebe. Und er wünscht sich das Echo unserer Herzen: Dankbarkeit, Freude und Lobpreis seiner herrlichen Gnade!

Predigt-Nachlese: Plötzlich hast du einen Bruder– wie das Evangelium Beziehungen verändert

Predigttext: Der Brief an Philemonimage

Seinen kürzesten Brief schrieb Paulus an Philemon, einen wohlhabenden Christen in Kleinasien, der auch Sklaven besaß. Der Anlass und Überbringer war Onesimus, Sklave eben dieses Mannes, der ihm – warum und wann wissen wir nicht – weggelaufen war. Sklaven waren in der Antike rechtlos und abhängig in jeder Beziehung und schufteten oft in der Landwirtschaft der Großgrundbesitzer. Dass sie wegliefen, war an der Tagesordnung, Manchmal suchten sie Asyl in heidnischen Tempeln.

Onesimus hatte es aus unbekannten Gründen nach Rom und zu Paulus verschlagen, der sich dort als Gefangener aufhielt. Durch den Apostel hatte er Jesus kennengelernt. Ich habe ihn in meinen Fesseln gezeugt, sagt Paulus, und seine völlige Lebensveränderung beschreibt er in einem kleinen Wortspiel mit dem Namen Onesimus, was “nützlich” bedeutet: der dir einst unnütz war, jetzt aber dir und mir nützlich ist.

Was uns verblüffen mag: Weder Jesus noch Paulus haben je ein Wort gegen Sklaverei gesagt. Zwar ermutigt Paulus Sklaven, die Freiheit anzunehmen, wenn sich ihnen die Möglichkeit bietet, aber ansonsten ermahnt er sie zu Respekt und Gehorsam gegen ihre Herren und guter Arbeitsmoral. Im Gegenzug werden die Herren aufgefordert, ihre Sklaven gut zu behandeln und ihnen nicht zu drohen. Es gab also keinen Aufruf zu sozialer Revolution und politischer Veränderung, sondern zur Buße und Herzensverwandlung! Das Evangelium hat nicht die Umgestaltung der Gesellschaft für die beschränkte Zeit auf dieser Erde im Fokus, sondern die unsterbliche Seele des Menschen. (Dennoch war das Christentum mitverantwortlich für die Abschaffung der antiken Sklaverei, weil es durch ein neues Menschenbild das Denken von innen heraus veränderte.)

So richtet Paulus auch an Philemon keinen moralischen Appell, die Sklavenhaltung aufzugeben, sondern er spricht ihn an als die neue Kreatur, die er in Christus ist. Er dankt Gott für ihn und erbittet und erwartet, dass das Gute, das durch Christus in ihn hineingelegt wurde, auch zum Ausdruck kommt. (Wie sprechen wir uns gegenseitig an, und haben wir eine positive Erwartungshaltung gegenüber unseren Geschwistern als durch Gott erneuerte Menschen?)

Und dann kommt er auf den Punkt: Onesimus war jetzt ein Bruder. Als Sklave hatte er an Wert verloren – weggelaufene Sklaven ließen sich nur unter Preis weiterverkaufen. Aber Jesus hatte einen Preis für ihn bezahlt – den gleichen wie für Philemon!

Paulus könnte es anordnen als Apostel, aber er bittet. Er will, dass echte Bruderliebe das Motiv ist. Onesimus ist sein Kind und sein Herz und er wünscht sich, dass Philemon ihn gleichermaßen als geliebten Bruder sieht. Er hat das Vertrauen, dass die Bruderschaft in Christus die scharfe gesellschaftliche Trennlinie zwischen Herrn und Sklaven aufheben wird, und er ist bereit, alles dafür zu tun, was er kann, auch eventuelle Schadensersatzforderungen zu begleichen.

Paulus wusste: Wenn er seine Autorität ausspielte, würde der Gehorsam vielleicht “die Liste abhaken”. Aber die Liebe weiß auch ohne Anweisung, was zu tun ist und kann des Guten gar nicht genug tun. Auf diese Liebe vertraut er bei Philemon, weil der Heilige Geist sie in sein Herz ausgeschüttet hat, und er deutet vorsichtig die Hoffnung an, dass die Bruderschaft sich zu einer Freilassung “auswächst”.

Gnade

Ich habe Fehler und mehr als Fehler gemacht.
Ich habe Missbrauch mit deinen Gaben getrieben,
mein Herz war kalt und steinern, anstatt zu lieben.
ich habe dir frech in dein Gesicht gelacht.

 

Doch du bist ein Gott, der sogar seine Feinde liebt.
Du gabst den geliebten Sohn an meiner Stelle,
du ziehst mich aus tiefstem Dunkel zu dir ins Helle,
ein Richter, der dem Angeklagten vergibt.

 

Ich will nicht vergessen, dass du mich aus dem Schlamm
der allertiefsten Grube herausgerettet,
in liebende Arme in Frieden hast gebettet –
dass alles von dir und von mir gar nichts kam.