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Wie man immer genug hat

money-494160_1280 Ich habe in meinem Leben noch nie Mangel gelitten. Zwar habe ich auch nie in Saus und Braus gelebt, aber ich hatte immer zu essen, Kleidung, Wohnung und sogar viele nicht lebensnotwendige Dinge. Für mich ist es einfach, von Genügsamkeit zu reden.

Bei Paulus war das anders. Manchmal hatte er alles mehr als ausreichend, aber Hunger und Durst waren auch gute Bekannte für ihn. Wenn sich die Gelegenheit bot, ernährte er sich von seiner Hände Arbeit, aber das war  gar nicht immer möglich. Ständig unterwegs, oft auf der Flucht, bisweilen im Gefängnis … kein Wunder empfand er als gewaltigen Vorteil, keine Verantwortung für die Versorgung einer Familie zu haben!

Schon damals hatten viele Christen eine Konsumenten-Mentalität. Sie nahmen den Dienst von Paulus gerne an, aber machten sich keine Gedanken darüber, wie er wohl über die Runden kam. Nur die Gemeinde von Philippi zeigte mehr Realitätssinn und praktische Liebe. Wenn sie konnten, schickten sie ihm was, und im 4. Kapitel des Philipperbriefes schreibt er ihnen, wie sehr er sich darüber freut. Die Art, wie er das tut, ist ein Lehrstück in “Gottseligkeit mit Genügsamkeit”.

Ich habe nicht unbedingt etwas gebraucht, sagt er, denn ich habe gelernt, mit dem zufrieden zu sein, was ich habe. Aber er freut sich und nimmt ihr Geschenk mit Dankbarkeit an. Was ihn am glücklichsten daran macht, ist nicht, dass er jetzt endlich mal wieder Geld hat, sondern dass er Gott im Leben der Philipper am Werk sieht. ER hat diese Anteilnahme in ihrem Herzen bewirkt! Er weiß, dass da jetzt so ein wunderbarer Kreislauf in Gang kommt: Die Philipper haben aus Liebe gegeben, er hat Freude dadurch bekommen und gibt sie in Lob und Dank an Gott zurück. Gott wird den Philippern das, was sie gegeben haben, irgendwie erstatten, indem er für ihre Bedürfnisse sorgt, und spätestens in der Ewigkeit wird er es ihnen lohnen. Und dann wird wieder Gott die Ehre bekommen!

Warum also ist Paulus, das was er hat, immer genug? Er ist ja kein Asket – er kann auch Überfluss dankbar annehmen. Er kriegt kein schlechtes Gewissen, wenn er mal ein anständiges Steak isst oder ein Stück Kuchen, sondern dankt Gott dafür. Der Schlüssel liegt in Vers 20: Unserem Gott und Vater aber sei die Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit!  Ob er Gott durch Genießen ehrt oder durch Hunger – das sind für ihn nur verschiedene Variationen eines Themas. Genauso ist es mit Leben oder Sterben. Hauptsache ist, dass “Christus hoch gepriesen wird an meinem Leib, es sei durch Leben oder durch Tod.”  Dann ist er zufrieden.

Mit so einer Einstellung hat man immer genug an allem, was Gott fügt. Ist das nicht schwer, fast unmöglich?  Paulus verrät uns das Geheimnis: “Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Christus.”  Christus hatte genau diese Gesinnung, und wenn wir IHM in uns Raum machen, haben auch wir in Mangel oder Überfluss, in Leben oder Tod, immer genug!

Alt werden und glücklich sein

Mein Papa wird heute 88 Jahre alt. Am Donnerstag konnte ich ihn besuchen, und wir hatten einen langen Gedankenaustausch über das Kreuz Jesu: Was da geschehen ist, was es für Gott bedeutet hat, wie Jesus den Willen Gottes so vollkommen erfüllt hat. Als ich nach Hause fuhr, dachte ich: Wie viele alte Väter wird es wohl geben, deren Freude es ist, sich mit ihrer Tochter über dieses Thema zu unterhalten? Die die Heilige Schrift ein- und ausatmen? Die dankbar sind? Ich bekomme es manchmal bei Kollegen mit, wie unerträglich um sich selbst kreisend und dickschädelig alte Eltern sein können.

Es ist nicht so, dass ich meinen Vater idealisieren will. Aber so zu sein im Alter, genügsam, zufrieden und mit den Dingen Gottes in Herz und Sinn – das scheint mir ein erstrebenswertes Ziel.

Es gibt so viele verschiedene Arten, wie man alt werden kann. Man kann wie Salomo von einem weisen jungen Mann zu einem halbherzigen alten Synkretisten werden, oder wie Eli am Schluss feststellen, dass man schreckliche und unwiderrufliche Fehler gemacht hat. Man kann wie Mose bis zum letzten Tag im Dienst stehen und einen Nachfolger heranziehen oder wie Paulus, alt und im Gefängnis, immer noch vor Liebe zum Herrn und zu den Geschwistern brennen und sich für andere einsetzen. Wie Isaak kann man in “Torschlusspanik” versuchen, in seinem Testament den eigenen Willen durchzusetzen, oder sich wie Jakob dabei von Gott leiten lassen.

Wie wir alt werden, entscheidet sich in den meisten Fällen nicht von heute auf morgen. Salomos Abtrünnigkeit hat sich schleichend entwickelt, weil er Gottes Wort nicht beachtete. Der Eifer eines Paulus, die Treue eines Mose sind im Alter wie reife Früchte, die lange vorher geknospt und angesetzt haben. Jakob hat sich von Gott durch alle Nöte seines Lebens zum “Israel” formen lassen.  Aber auch das gibt es, dass ein alter Manasse sich noch bekehrt, selbst wenn der Schaden, den er angerichtet hat, nicht mehr zu kitten ist.

Der große Vorteil des Alters ist, dass die Dinge der Welt, wie Barsillai feststellte, “geschmacklos” werden. Wenn die Erde verblasst, wird der Himmel deutlicher und farbiger. Gebe Gott, dass wir keine selbstsüchtigen, egozentrierten alten Narren werden, die versuchen, aus dem letzten bisschen Erdenleben so viel Vergnügen wie möglich rauszuholen, sondern ihm in “Gottseligkeit mit Genügsamkeit” dienen bis zum Schluss!