Schlagwort-Archive: geistlicher Kampf

Manchmal hilft nur Rennen

Warum nur musste sie mit Potiphar verheiratet sein, diesem Langweiler? Seit er diesen hebräischen Sklaven hatte, war er überhaupt nicht mehr zuhause, denn er brauchte sich um nichts mehr hier zu kümmern. Josef regelte alle Angelegenheiten für ihn, ob dienstlich oder privat. Ihr Mann tat gar nichts mehr hier, außer sich zum Essen an den Tisch zu setzen.

Dieser Josef war nicht nur kompetent und fleißig, sondern auch eine Augenweide. Je länger sie ihn betrachtete, desto mehr fragte sie sich, ob es nicht auch zu seinen Aufgaben gehören sollte, ihr, der armen vernachlässigten Ehefrau, gewisse Wünsche zu erfüllen?

Er schien sie aber gar nicht wahrzunehmen, obwohl sie seine Aufmerksamkeit zu gewinnen suchte. Hatte er nichts als Arbeit im Kopf? Er war freundlich-höflich-uninteressiert. Da musste sie wohl etwas deutlicher werden! Josef, ich bin so verknallt in dich! Ich kann ohne dich nicht mehr leben! Aber Josef schüttelte nur entsetzt den Kopf. Das kann ich nicht tun. Dein Mann vertraut mir. Ich hab hier über alles Verfügungsgewalt, aber du bist seine Frau, und das respektiere ich. Und außerdem wäre es auch vor Gott ein Unrecht.

Zuerst dachte sie, er ziert sich nur. Vielleicht war er zu schüchtern oder zu verklemmt? Vielleicht musste sie ihm ihre Bewunderung deutlicher machen? Vielleicht musste sie ihre Reize noch ein bisschen mehr zeigen? Wahrscheinlich hatte er einfach Angst, erwischt zu werden! Sie musste es arrangieren, dass mal wirklich niemand sonst im Haus war. Und tatsächlich: Eines Tages, als er zum Dienst kam, waren sie allein. Heute würde es so weit sein. Als er an ihr vorbeiging, hielt sie ihn fest: Josef, bitte! Wir sind heute sicher! Du willst es doch auch! Schlaf mit mir!

******

Josef hatte schon so eine Ahnung, dass das heute nicht gut gehen würde. Mit ihr allein im Haus! Diese Frau quälte ihn wirklich! Ja, er war hier mehr als einsam! Ja, er wäre auch gerne mal mit einer Frau zusammen! Es wäre schön, wenn das Leben aus mehr bestünde, als für andere zu schuften und zuzuschauen, wie sie ihr Leben genießen und gar nicht wirklich zu schätzen wissen, was sie haben. Aber sie verstand nicht, dass er nicht konnte. Denn Gott war alles, was er noch hatte, und sein Wohlgefallen und die Freude an der Gemeinschaft mit IHM waren ein zu hoher Preis für ein bisschen Abwechslung. Doch was sollte er tun, wenn sie ihn so bedrängte?

Es kam, wie es kommen musste. Er konnte nicht vermeiden, in ihre Nähe zu kommen, und sie hielt ihn fest. Und da wusste er: Jetzt hilft nur noch Rennen, sonst werde ich schwach. Er stürzte panikartig aus dem Raum. Dabei hielt sie sein Gewand fest; es rutschte von ihm runter und blieb in ihrer Hand.

Als er mit klopfendem Herzen und am ganzen Körper zitternd draußen stand, war ihm schon klar, was nun geschehen würde. Er hatte sie mit seiner Abweisung tödlich beleidigt, und sie würde sich rächen. Er hatte ihr ein “Beweisstück” dagelassen, und es gab keinen Schutz gegen ihre Verleumdung. Er würde für seine Treue zu Gott einen hohen Preis bezahlen. Aber er war froh. Er war froh! Es sah aus wie eine Niederlage, aber es war ein Sieg. Komme, was wolle, Gott war auf seiner Seite, und das war das einzige, was zählte.

Die Geschichte steht in der Bibel in 1. Mose 39.

Der falsche Kampf

Es macht mich manchmal traurig, wenn Christen sich in den “Kampf gegen Fleisch und Blut” hineinziehen lassen. Es ist gut und richtig, die Sünde zu hassen. Gott hasst die Sünde, weil er die Menschen liebt, und weil Sünde uns ihm entfremdet. Manchmal habe ich aber das Gefühl, wir kämpfen nicht für, sondern gegen Menschen.

Das passiert, wenn wir nach Macht streben, weil wir denken, wir könnten so Gottes Ziele in dieser Welt durchsetzen. Wir wollen Stimmen sammeln; wir wollen auch eine Lobby. Aber so ist das Reich Gottes noch nie gebaut worden. Und dann greifen wir zu den Waffen dieser Welt: Wir greifen Politiker in entwürdigender Weise als Person an, wir reden von “Homos”, wir diffamieren und erniedrigen mit unseren Worten (und übernehmen, ganz nebenbei, das Feindbild, das die andere Seite uns zugedacht hat). So gewinnen wir vielleicht einen Machtkampf, aber niemandes Herz. Wir schließen lediglich Türen zu. Und nicht selten verbünden wir uns mit den Falschen, nur weil die auf den ersten Blick das selbe Ziel verfolgen. Als ich einmal dem “Anti-Abtreibungs-Video” auf einem großen christlichen Blog folgte, merkte ich, dass es von einer Nazi-Seite stammte. Den Erstellern ging es hauptsächlich darum, dass mehr deutsche Kinder das Licht der Welt erblicken!

Wir predigen nicht Moral, sondern Erlösung. Ich möchte hier noch mal jedem, der des Englischen mächtig ist, das Buch von Rosaria Butterfield empfehlen. Sie beschreibt sehr gut, wie abstoßend die selbstgerechten politischen “christlichen” Rechten auf sie gewirkt haben und wie anziehend Gnade, Liebe und die kompromisslose Wahrheit des Wortes Gottes in einer fairen und respektvollen Auseinandersetzung!

Wir kämpfen mit den Mächten der Finsternis, und das geht nicht durch Stimmenmehrheit, Lautstärke und Lobbyismus, sondern durch Gottes Wort und Geist und durchs Gebet. Das tun wir alle, auch ich, viel zu wenig. Aber das ist der Kampf, den ich kämpfen möchte, und seine Triebkraft ist die Liebe Gottes zu den Menschen.

“Zuallererst fordere ich die Gemeinde zum Gebet für alle Menschen auf: zum Bitten und Flehen, zu Fürbitten und Danksagungen, besonders für die Regierenden, und alle, die Macht haben. Wir beten für sie, damit wir in Ruhe und Frieden ein Leben führen können, das Gott in jeder Hinsicht ehrt und das auch von Menschen geachtet werden kann. Das ist gut, und es gefällt Gott, unserem Retter. Er will ja, dass alle Menschen gerettet werden und die Wahrheit erkennen. “ 1.Timotheus 2,1-4