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In guter Gesellschaft

Ich habe schon einige Arten der gottesdienstlichen Anbetung kennengelernt – mit (mal mehr, mal weniger) wunderbarem vierstimmigem Gesang alter Lieder ohne Instrument, in größeren Versammlungen mit moderner Lobpreis-Musik, mit einer Handvoll Leute und Gitarren, die so schräg klangen wie die Sänger, mit christlicher Marschmusik á la Heilsarmee (mein persönlicher Anti-Favorit), mit afrikanischen Geschwistern, die singend um eine Trommel herumtanzten – aber die Form war nie das Wesentliche. In jeder dieser Formen konnte ich die “Anbetung im Geist und in der Wahrheit” finden, wenn alle Herzen auf Jesus ausgerichtet waren und in Dankbarkeit sein Opfer bewunderten und den “Namen über alle Namen” priesen, den Gott ihm gegeben hat. Dann fühlt man sich trotz aller menschlicher Unvollkommenheiten verschiedenster Couleur “im Himmel”.

Ist das nur ein Gefühl? Nein. Denn wir sind nie nur “unter uns”, wenn wir Gott anbeten. Wir sind, sagt die Heilige Schrift, einer himmlischen Festversammlung beigetreten. Wir leben in einer unsichtbaren geistlichen Realität, die unser Vorstellungsvermögen sprengt. Mit uns versammelt sind Myriaden anbetender Engel, die Gemeinde aller Christus liebenden Menschen überall auf dieser Welt, Gott selber als “verzehrendes Feuer” in all seiner richtenden Majestät und Jesus als Mittler, dessen Blut uns zur Teilnahme befähigt. Mit dabei sind auch die, die uns schon vorangegangen und vollendet sind. (Hebräer 12,22-24)

Deswegen ist die gemeinschaftliche Anbetung so wichtig. Sie bindet uns da ein, wo wir eigentlich hingehören. Sie tränkt uns mit Herrlichkeit, damit wir die Stürme des Alltags überstehen. Sie lässt uns die Wirklichkeit Gottes und der himmlischen Welt erfahren und rückt das Irdische, Vergängliche ins richtige Licht, wie es in einem alten Lied heißt: “Ewigkeit! In die Zeit leuchte hell hinein, dass uns werde klein das Kleine, und das Große groß erscheine.”

Es ist ein Privileg, sich sonntags mit dem Volk Gottes zusammenzufinden. Aber selbst wenn das aus irgendeinem Grund nicht möglich ist, weil jemand krank oder alt ist, weil es in seinem Land verboten ist, weil er im Gefängnis sitzt, weil es keine anderen Gläubigen in seiner Nähe gibt, weil er arbeiten muss: An diese himmlische Versammlung können wir immer andocken, ob allein oder gemeinsam. Dieses Bewusstsein verschafft uns noch mal eine Extraportion Freude!

In diesem Sinne: Einen schönen Sonntag!

Jung und Alt in der Gemeinde (3)

Beim Zusammenleben der Generationen in der Gemeinde werden einige ganz konkrete Problemfelder sichtbar, die oft zu Auseinandersetzungen führen. Eins davon ist die Musik.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie mein Vater mich am liebsten vor die Tür gesetzt hätte, weil ich zuhause ein von ihm als allzu Rhythmus-orientiert wahrgenommenes geistliches Lied spielte und sang. Und das nicht, weil er ein totalitärer Diktator war, sondern weil er diese Art zu singen als fast blasphemisch empfand.

Musik ist naturgemäß mit Emotionen verknüpft, und jeder von uns mit einer gewissen Art von Musik sozialisiert worden. Ich selbst habe oft Probleme mit neuen Liedern, deren Melodie mir einfach nicht eingeht. Ein Freund, der auch so etwa in meinem Alter ist, sagte mal: Die singen Lieder, da erkennst du gar keine Melodie. Ich weiß, was er meint!

Was nun? Vielleicht doch 2 Gottesdienste, nach Alter und Liedgut getrennt?

Ich kann jetzt nur sagen, wie ich persönlich damit umgehe. In meiner Gemeinde sind hauptsächlich junge Leute, und von daher möchte ich mich ihnen anpassen. Ich fände es schrecklich, wenn der Mehrzahl Sonntag für Sonntag die Lieder “hochkämen”. Aber ich freue mich natürlich auch, wenn wir mal etwas singen, das mir mehr entgegenkommt.

Was wäre jetzt, wenn ich in einen anderen Kulturkreis umziehen würde? Dann würde ich auch versuchen, mich anzupassen. Ein theologisch einwandfreier Inhalt ist natürlich nicht verhandelbar, genauso wenig wie eine “fromme Disco”, wo die Musiker sich selbst zur Schau stellen. Da wäre dann meine Kompromissbereitschaft erschöpft. Aber viele der neuen Lieder sind besser als ihr Ruf.

Wenn jetzt eine Gemeinde gut gemischt ist oder der Anteil der Älteren höher ist, sieht das sicher anders aus. Aber auch da sollten die Älteren ihre Reife beweisen, indem sie der Jugend entgegen kommen. Schließlich haben wir den größten Teil unseres Lebens “unsere” Lieder schon gesungen. Und die Jüngeren dürfen Liebe und Respekt beweisen, indem sie es nicht übertreiben, vor allem mit der Lautstärke.

Das Wichtigste ist, dass Inhalt und Herzenshaltung wirklich der Anbetung Gottes dienen, dass niemand ernsthaft in Gewissenskonflikte kommt und dass alle Beteiligten wirklich nach Liebe und Einheit streben. Dann dürfte auch dieses Problem nicht unüberwindlich sein.