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Jona predigt den Niniviten – Gnade für die Feinde (Predigt-Nachlese)

Predigttext: Jona 3

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Jonah preaching to the Ninevites, by Gustave Dore (d. 1883) https://commons.wikimedia.org

Diener Gottes waren öfters mal müde und verzagt und baten Gott um Entlassung (z.B. Elia oder Mose). Aber kein anderer Prophet hat so wie Jona den Auftrag Gottes kategorisch abgelehnt und diese Ablehnung auch konsequent in die Tat umgesetzt. Warum eigentlich? Um das zu verstehen, müssen wir Israels Beziehung zu den Assyrern genauer unter die Lupe nehmen.

Die Assyrer waren durch die Jahrhunderte eingefleischte Feinde Israels. Jona lebte und wirkte zur Zeit Jerobeams II (781–742 v. Chr. ). Sein Zeitgenosse und Mit-Prophet Hosea kündigte die Verschleppung Israels nach Assyrien an, wenn Israel sich weigert, sich zu bekehren. Dazu ist es tatsächlich 722 v. Chr. gekommen, und es ist durchaus möglich, dass Jona das noch persönlich erlebt hat. Es stand also dem Interesse Israels völlig entgegen, dass Ninive Buße tat und nicht von Gott zerstört wurde. In Jonas Augen machte Gott hier etwas gravierend falsch!

Gott hat allerdings noch nie einen seiner Diener vom Haken gelassen. Man kann nicht sagen: “Ich bin raus!” Er “fischt” Jona aus dem Meer und stellt ihn wieder her. Der Ruf wird bestätigt und erneuert. Und diesmal lesen wir einfach: Da machte sich Jona auf und ging nach Ninive, nach dem Wort des Herrn.

Das historische Setting: Ninive war die größte Stadt der damaligen Welt mit 100.000 bis 150.000 Einwohnern. (Normalerweise hatten Städte maximal mehrere tausend Einwohner.) Vom Umfang her wird sie hier mit drei Tagereisen groß beschrieben, was wohl die Außenbezirke mit einschließt. Der Name der Stadt kann auf ein alt-akkadisches Wort für Fisch zurückgeführt werden. Die Niniviten verehrten einen Fisch-Gott (Dagon) und eine Fisch-Göttin. Die Tatsache, dass der Gott Israels ihnen Jona durch einen Fisch bringen ließ, zeigte ihnen deutlich, wer der Höchste ist, und dass sie sein Wort ernst nehmen mussten. Was auch zur Öffnung ihrer Herzen beigetragen haben mag, ist die Tatsache, dass es nach neueren astronomischen Forschungen 763 v.Chr. eine Sonnenfinsternis gab. Wir wissen allerdings nicht genau, wann Jona dort war.

Auf jeden Fall schlägt Jonas Bußpredigt ein wie eine Bombe! Eine ganze Stadt tut Buße. Der König ordnet an:

Menschen und Vieh, Rinder und Schafe sollen nichts genießen, sie sollen weder weiden noch Wasser trinken; sondern Menschen und Vieh sollen sich in Sacktuch hüllen und mit aller Kraft zu Gott rufen und sollen umkehren, jeder von seinem bösen Weg und von dem Unrecht, das an seinen Händen klebt!

Wenn man bedenkt, dass die Assyrer so stolz waren auf ihre eigene Grausamkeit, dass sie ihre Folter- und Unterwerfungsmethoden minutiös dokumentierten, dann muss man hier von echter Einsicht und Umkehr sprechen. Die größte Metropole fällt vor Gott auf die Knie, und Gott bläst das Gericht ab. Er zeigt damit seinen Charakter: Er hat Gnade für die Schlimmsten und Bösesten, wenn sie umkehren. Er hat auch Gnade für uns.

Jesus greift diese Ereignisse im Neuen Testament auf. Die Niniviten sind Zeugen dafür, dass Gott gnädig ist, wenn man sich demütigt und die Schuld bekennt. Sie sind Zeugen gegen die Religiösen und Selbstgerechten, die Jesus ablehnen, weil sie keine Gnade zu brauchen meinen.

Leider haben künftige Generationen Ninives sich wieder zum Bösen umgewandt. Der Prophet Nahum stellt fest: Weh der mörderischen Stadt, erfüllt mit Lüge und Gewalt!  Das Rauben lässt sie nicht. Er kündigt ihre endgültige Zerstörung an.

So ist es auch gekommen. Bis vor 150 Jahren lag die Stadt unter dem Staub begraben. Dann begannen archäologische Arbeiten. 2015 haben die IS-Dschihadisten die Stadtmauer und vieles andere zerstört.

Fazit: Gott liebt es, gnädig zu sein. Er bereitet Herzen und Situationen vor, und er trägt uns auf, diese Gnade zu verkünden.

Jona – drei Tage im Bauch eines Fisches? (Predigt-Nachlese)

Predigttext: Jona 2

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„Jonah Cast Forth By the Whale“ by Gustave Dore (d. 1883)

Jona war der erfolgreichste Erweckungsprediger aller Zeiten – und der widerwilligste! Soweit wir wissen, ist er der einzige Prophet, der zu Gottes Auftrag ein klares Nein gesagt hat, indem er davonlief, genau in die Gegenrichtung. Er beabsichtigte, viele tausend Kilometer zwischen sich und Gottes Auftrag zu bringen, aber es gelang ihm nicht. Gottes Pläne kann man nicht vereiteln.

Das Schiff, das er nahm, wurde von einem Sturm dermaßen gebeutelt, dass man Jona schließlich ins Meer warf, weil man erkannte, dass Gott den Sturm um seinetwillen geschickt hatte. Und dann bestellte Gott einen großen Fisch um Jona zu verschlingen. Drei Tage und drei Nächte verbringt er im Bauch des Fisches, und das 2. Kapitel des Buches Jona berichtet uns von seinem Gebet, dass er dort betete.

Nun erhebt sich die Frage: ist das Wahrheit oder Legende? Wie soll das funktionieren, dass ein Mensch drei Tage in einem Fischmagen überlebt? Müssen wir das nicht entmythologisieren?

Jesus zumindest hielt diese Geschichte für Realität, wie Matthäus 12,38–40 zeigt. Und wir können natürlich versuchen, wissenschaftliche Erklärungen oder ähnliche Erfahrungen zu finden, um zu rechtfertigen, dass auch wir daran glauben. Eigentlich aber liegt es an dem Bild, dass wir von Gott haben, ob wir ihn für fähig halten, so etwas zu tun.

Denn Gott ist

  • unbegreiflich – unser Wissen und Forschen kann ihn nicht erfassen. Wir sind auf seine Selbstoffenbarung angewiesen, um überhaupt etwas über ihn zu wissen
  • unerschaffen – ohne Herkunft, ohne eine Zeitlinie, der er unterworfen wäre
  • selbstgenügsam – Gott braucht nichts
  • ewig  und unendlich– unser Verstand dagegen kann nur innerhalb des Konzepts von Zeit und Begrenztheit operieren
  • allwissend
  • allmächtig
  • allgegenwärtig.

Dieser Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat, hatte offensichtlich kein Problem damit, einen Fisch zu “bestellen”, der Jona zwar schluckte, aber nicht verdaute. Das Problem haben nur wir mit unserem begrenzten Bild von Gottes Macht. Aber es war nicht gerade gemütlich in diesem Fisch. Jonas Situation ist hoffnungslos; er fühlt sich verstoßen und am Ende. Gott hat ihm gezeigt: Ich bring dich dahin, wo du nicht hinwillst. Ich bin souverän und setze meinen Willen durch. Man kann Gott nicht davonkommen.

In dieser Situation geht Jonas Sehnsucht nach dem Tempel. Wie der verlorene Sohn erinnert er sich daran, wie gut es bei Gott war. Und Gott versperrt ihm den Zugang zu sich nicht. Im  Fischbauch in der Tiefe des Meeres hört er ihn. Und schließlich hört Jona auf zu kämpfen:

Was ich gelobt habe, das will ich bezahlen. Die Rettung kommt von dem Herrn!

Er bekennt seine Schuld: Ich war untreu, aber ich werde nun gehorchen und meine Gelübde einlösen. Und Gott gibt Jona nicht auf. Er erneuert den Ruf. Der Fisch spukt Jona an Land. Wie Petrus wird er nach dem Versagen wieder in den Dienst eingesetzt.

Die Rettung kommt von dem Herrn , betet Jona im Bauch des Fisches. Genau das ist die Bedeutung des Namens Jesus! Jesus wird später vom Zeichen Jonas sprechen. Wie Jona drei Tage und Nächte im Bauch des Fisches war, so war er drei Tage und Nächte im Grab, um dann wieder aufzuerstehen und für uns die Rettung zu sein.

Ein frustrierter Prophet und ein unbeirrter Gott (Predigt-Nachlese)

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Predigttext war Jona 1.

Jeder kennt Jona. Die Geschichte von dem Mann, der vom Fisch verschluckt und ausgespuckt wurde, ist ein sehr beliebtes Thema für Kindergottesdienste und Bilderbücher. Aber wie kam Jona in den Fisch?

Jona war einer von mehreren Propheten, die zur Zeit Jerobeams Ⅱin Israel wirkten. Er wird außer in dem nach ihm genannten Buch auch in 2.Könige 14 erwähnt. Hosea, Amos, Micha und Jesaja waren Zeitgenossen.

Er bekommt einen Auftrag von Gott: Mache dich auf und geh nach Ninive! Verkündige das Gericht über sie! Ihre Bosheit ist bis zu mir aufgestiegen!

Ninive war eine große Stadt der Assyrer, und die Assyrer waren Israels Feinde. Ihre unaussprechliche Grausamkeit ist durch ihre eigenen Dokumente historisch belegt. Sie folterten besiegte Feinde auf bestialischste Weise durch Abhacken von Gliedmaßen, durch Pfählen und Häuten bei lebendigem Leib.

In Jonas Augen ist es ein Fehler, diesen Menschen Umkehr zu verkündigen. Er weiß, wenn Gott Gericht androhen lässt, dann weil er will, dass die Sünder sich bekehren und begnadigt werden können. Und Gnade für die Feinde Israels – das kann nicht richtig sein! Und so ist seine – wortlose – Antwort ein klares Nein. Er ist unseres Wissens der einzige Prophet, der das Gott gegenüber je gewagt hat.

Sein Nein kostet ihn einen hohen Preis. Er verlässt seine Heimat, sein Volk, die Verheißungen Gottes, ja, Gott selbst, um nach Tarsis zu gehen. Wenn die Vermutung stimmt, dass Tarsis im heutigen Spanien lag, dann versucht er, über 5000 km zwischen sich und den Auftrag Gottes zu bringen – so sehr war dieser Auftrag ihm ein Gräuel. Er entzog Gott das Vertrauen, und Vertrauensentzug ist immer auch Gehorsamsentzug. Ungehorsam gegen Gott aber ist ein schwieriger Weg. Denn Gott ist unbeirrbar.

Aber er lässt Jona erst mal losziehen. Jona findet ein Schiff. Es funktioniert! Auf dem Schiff schläft er prima. Sein Gewissen scheint ihn nicht zu beunruhigen. Manchmal nehmen wir diese Dinge – innere Ruhe und sich fügende Umstände – als Zeichen dafür, dass wir das Richtige tun. Aber an Jona sehen wir, dass das ein Trugschluss sein kann.

Und nun greift Gott ein. Er wirft einen Sturm auf das Meer, der die erfahrenen Schiffsleute in Panik versetzt, denn sie sehen, dass sie da nicht heil herauskommen werden. Als Heiden rufen sie ihre Götter an. Sie wecken Jona und wollen, dass auch er betet. Aber wie soll Jona beten? Er hat ja Gott den Rücken gekehrt! Die Schiffsleute werfen Lose, um herauszufinden, wer am Zorn der Götter schuld ist, und Gott benutzt ihre heidnische Methode. Jona wird vom Los getroffen. Wenn wir ungehorsam sind, leiden oft nicht nur wir, sondern auch unsere Umgebung.

Die Männer wollen nun wissen, was los ist. Wo kommt Jona her? Welcher Gott ist da im Spiel, und was hat er getan? Nun kann Jona seine Identität nicht verleugnen, die so existentiell mit dem wahren Gott verknüpft ist. Er ist der Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, vor dem er auf der Flucht ist. Wie unlogisch das ist, ist selbst diesen Heiden klar. Sie fürchten sich. Das Meer wird immer stürmischer. Was sollen sie tun? Werft mich ins Meer! sagt Jona. Es liegt an mir.  Er weiß, dass er die Konsequenzen tragen muss.

Den Männern gefällt dieser Gedanke nicht. Sie versuchen, noch härter zu rudern, aber sie kommen gegen das aufgewühlte Meer nicht an. Und nun geschieht etwas Interessantes: Sie beten, und zwar zu Jonas Gott! Sie bitten ihn, es ihnen nicht als Schuld anzurechnen, wenn sie nun vollziehen, was Jona vorgeschlagen hat. Vergessen sind ihre Götter! – Sie tun das Unvermeidliche, und das Meer wird schlagartig ruhig. Der Schöpfer und Herr der Elemente offenbart sich ihnen in dieser Stille, und ehrfürchtig opfern sie ihm und legen Gelübde ab. So dient nach Gottes Ratschluss der Unwillen Jonas der Bekehrung heidnischer Seeleute.