Predigt-Nachlese: Erkennst du IHN?

Die Predigt bezog sich heute auf Johannes 9,39-41 und 10,1-21.

Im Johannesevangelium kommt es immer wieder vor, dass zuerst ein Geschehnis berichtet und dann daran anknüpfend eine Ausführung von Jesus wiedergegeben wird. Im Vorfeld des heutigen Textes wurde die Geschichte der Heilung des Blindgeborenen erzählt. Dieser Mann, der eine überwältigende persönliche Erfahrung mit Jesus gemacht hat, lässt sich von den Pharisäern nicht einschüchtern und hält mit seiner Meinung nicht zurück: “Dieser Mann ist von Gott!” – was zur Folge hat, dass er aus der Synagoge geworfen wird. Das bedeutet, dass sein soziales Netz zerstört ist. Jesus gibt ihm die nötige Bestätigung: „An mir müssen die Geister sich scheiden!“, sagt Jesus. „Ich bin in die Welt gekommen, um solche, die nicht sehen können, zum Sehen zu bringen und denen, die sich für sehend halten, zu zeigen, dass sie blind sind.“ Obwohl er die Pharisäer nicht anspricht, fühlen sie sich irgendwie getroffen. “Willst du damit etwa sagen, dass wir blind sind?”

Ach, wenn sie wüssten, dass sie blind sind, dann könnte ihnen wohl geholfen werden! Aber weil sie sich für sehend halten, werden sie für ihre Falschwahrnehmung zur Rechenschaft gezogen werden.

Denn sie sehen zwar, aber sie erkennen nicht. Um das zu verdeutlichen, spricht Jesus vom guten Hirten. Hirten und Schafe waren alltägliche Dinge in der Lebenswelt seiner Zuhörer. Hirten zogen oft tagelang mit den Schafen von Weide zu Weide. Zum Schutz vor allem in der Nacht wurden die Herden in Hürden eingeschlossen. Wenn dann der Hirte am Morgen kam, ließ er sie durch die Tür hinaus und sie sammelten sich um ihn, weil sie ihn an seiner Stimme erkannten.

Gelegentlich gab es auch Tagelöhner, die Hirtendienste verrichteten. Aber ihre Beziehung zu den Schafen war eine andere. Im Falle eines Falles riskierten sie nicht ihr Leben, um mit Wölfen und Löwen zu kämpfen, sondern nahmen lieber Reißaus. Der “echte” Hirte aber fühlte sich ganz und gar für seine Schafe verantwortlich und setzte alles ein, um sie vor ihren Feinden zu schützen.

Im Alten Testament wird Gott als Hirte dargestellt, z.B. im bekannten Psalm 23.  In Hesekiel 34 macht Gott denen, die eigentlich die Verantwortung haben, sich um das Volk zu kümmern, heftige Vorwürfe, und sagt dann: „So spricht Jahwe, der Herr: ‚Passt auf! Ich selbst werde jetzt nach meinen Schafen sehen und für sie sorgen. Wie ein Hirt seine Herde wieder zusammensucht, wenn sich die Schafe zerstreut haben, so will auch ich mich meiner Schafe annehmen….”

Und nun ist dieser Hirte da, aber die Pharisäer erkennen ihn nicht. Seine Stimme ist ihnen fremd. Seine Lehren gehen ihnen gegen den Strich, und für die Gnade und Vergebung des Neues Bundes, in den er sie führen wollte, haben sie keine Verwendung. Sie verstehen nicht, von was er überhaupt redet.

3 Bilder benutzt Jesus hier:

  • Er selbst ist die TÜR. Er ist die Tür in die Freiheit aus der Enge des Gesetzes, das nicht zu erretten vermag. Wer aber durch ihn geht, der erlebt die Güte Gottes.
  • Er ist der HIRTE, der sein Leben einsetzt, um uns zu retten vor dem Wolf. Er befreit uns aus der Macht der Sünde und des Teufels. Das Kreuz war kein Unfall, dass man sagen müsste: “Dumm gelaufen!” Er gab sein Leben freiwillig und hatte auch die Vollmacht zur Auferstehung. Und weil er das getan hat, liebt ihn der Vater! Der Vater und Jesus teilen die Liebe zu den verlorenen Menschen, und der Vater freut sich an der Einstellung und der Opferbereitschaft seines Sohnes. Mehr als alles andere zeigt uns das, welche Zuneigung Gott zu uns hat!
  • Er macht aus allen Schafen EINE HERDE. Die Juden dachten, Gott sei für sie reserviert. Nein, sagt Jesus, ich habe noch andere Schafe, und ich will aus allen meinen Schafen eine Herde machen. Da gibt es noch mehr solche, die meine Stimme kennen, und die gehören auch dazu. Und dann wird eine Herde und ein Hirte sein. Das ist für die Pharisäer schwer verdaulich und passt ihnen nicht. In ihrer Welt ging es immer um sie, selbst wenn es um Gott ging. Jesus dagegen wollte geben, und zwar jedem Schaf Leben im Überfluss. Was ist nun dieses Leben? In Johannes 17,3 sagt er: “Das ewige Leben bedeutet ja, dich zu erkennen, den einzigen wahren Gott, und den, den du gesandt hast, Jesus Christus.”

Und damit sind wir wieder beim Ausgangspunkt. Denen, die wissen, dass sie blind sind, wird diese Erkenntnis geschenkt. Die sich für sehend halten, werden im Gericht merken, dass sie blind waren.

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