Bileam(1): Lässt sich Gott vor meinen Karren spannen?

Balak, der König der Moabiter, hatte ein Problem. Er hatte Angst vor diesen Israeliten. Sie waren zu viele und zu nah an ihm dran. Er wollte sie da nicht haben, aber mit ihnen anlegen mochte er sich auch nicht. Da hatten schon ganz andere den Kürzeren gezogen. Es musste doch noch eine andere Lösung geben, eine, die höhere Kräfte ins Spiel brachte! Da fiel ihm Bileam ein.

Bileam hatte den Ruf, mit eben diesen höheren Kräften in Verbindung zu stehen und sie für menschliche Zwecke nutzbar machen zu können. Wenn er jemand segnete, dann hatte derjenige Erfolg, und wenn er jemand verfluchte, dann war derjenige erledigt. Man musste nur ein bisschen Geld in die Hand nehmen, damit er seine Dienste zur Verfügung stellte. Aber das soll nicht das Problem sein, dachte Balak, wenn er mir dafür dieses vermaledeite Volk vom Hals schafft!

Er schickt also eine mit Bargeld ausgerüstete Delegation zu diesem Spezialisten für wirksame Flüche. Bileam kriegt glänzende Augen, als er das Geld sieht, aber er weiß auch: So einfach geht das nicht. Er braucht erst die Erlaubnis Gottes. “Übernachtet hier,” lädt er die Abgesandten ein, “ich klär das mal bis morgen früh.”

Er ruft Gott an, denn er möchte ja, dass die Sache funktioniert; das ist schließlich die Geschäftsgrundlage. Aber zu dumm: Gott antwortet ihm – und ER ist dagegen. “Das Volk ist gesegnet,” sagt Gott. Basta! Keine Diskussion! Schweren Herzens sagt Bileam den Männern Balaks am Morgen: “Es geht nicht. Gott hat sich geweigert. Geht wieder heim; es hat keinen Zweck, wenn ich mitkomme!”

Glitzern da kleine Tränen in seinen Augen, als er ihnen nachschaut, wie sie hinter dem Horizont verschwinden? Ach, da ziehen sie hin mitsamt dem schönen Geld! Es war so nah! Aber was kann man machen….Gott kann so stur sein!

Balak aber vermutet andere Gründe hinter Bileams kategorischem Nein. Vielleicht muss er doch noch ein bisschen mehr investieren? Vielleicht muss die Delegation hochkarätiger sein? Er schickt also noch einmal eine Abordnung zu Bileam. Sein Angebot spiegelt seine Verzweiflung wieder: “Lass dich doch nicht abhalten, zu mir zu kommen! Ich will dich sehr belohnen, und alles, was du sagst, will ich tun!” Ach, das geht Bileam runter wie Öl…. Da muss er doch noch einmal mit Gott verhandeln. Und siehe, diesmal scheint Gott ein bisschen zugänglicher zu sein! “Geh,” sagt er. “Aber lass dir nicht einfallen, etwas zu tun, was ich dir nicht sage!”

Das hört sich nicht wirklich eindeutig gut an, aber es lässt Raum für die Hoffnung, dass Gott vielleicht noch ein Einsehen hat und ihm diesen herrlichen Verdienst nicht vermasselt. Voller Optimismus sattelt Bileam seine Eselin und macht sich mit den Moabitern auf den Weg. Wenn das klappt, ist er ein gemachter Mann!

In der unsichtbaren Welt aber spielen sich merkwürdige Dinge ab. Gott wird zornig, als er sieht, dass Bileam tatsächlich loszieht in der Hoffnung, sein Geld mit der Verfluchung des Volkes zu verdienen, das er so sehr liebt. Der Engel Gottes stellt sich Bileam an einer engen Stelle mit gezücktem Schwert in den Weg, aber Bileam sieht ihn nicht. Wer ihn sieht, ist seine Eselin, die versucht, ihm auszuweichen und dabei Bileams Fuß gegen die Wand quetscht. Er prügelt auf das arme Tier ein, aber irgendetwas stimmt nicht mit diesem Esel heute: Plötzlich legt er sich hin und tut keinen Schritt mehr. Wutentbrannt wendet Bileam wieder Gewalt an – soll es jetzt an diesem blöden Vieh scheitern? Da tut Gott etwas, was meines Wissens sonst noch nie vorgekommen ist: Er lässt den Esel reden. “Was soll das?“ fragt er seinen Besitzer, “was habe ich dir getan? Habe ich so was jemals gemacht? Es gibt einen Grund dafür!” Und nun sieht Bileam ihn auch, den Gottesboten mit seinem Schwert, und der Schrecken fährt ihm in die Glieder, so dass er vor ihm niederfällt.

“ Was schlägst du deine Eselin?” fragt der Engel. “Ich bin dir entgegengetreten, und wenn sie mir nicht ausgewichen wäre, dann wärst du jetzt tot. Du bist auf dem Weg ins Verderben.” “Oh,” sagt Bileam, “Entschuldigung! Ich habe Unrecht getan. Ich habe nicht gemerkt, dass du dich mir entgegengestellt hast. Wenn du was gegen die Sache hast, dann kehr ich jetzt um.“ “Nein,” sagt Gott, “du gehst jetzt. Und du wirst nichts reden, als nur das, was ich dir sage!”

Wenn du was dagegen hast, sagt Bileam. Na, wenn er das bis jetzt noch nicht gemerkt hat! Ja, er weiss es schon; er vermutet auch stark, dass Gott ihn nicht tun lassen wird, was sich in Barem auswirken würde….und das findet er weiterhin sehr bedauerlich.

Schließlich ist er am Ziel, und er muss Balak gestehen, dass er sich nicht so sicher ist, ob er den Auftrag wunschgemäß ausführen kann. Er lässt sich aber von ihm auf die Baals-Höhen führen, nachdem der moabitische König seinen Göttern geopfert hat, denn Balak findet, dass das ein wunderbarer Platz zum Verfluchen ist. Es ist ein geweihter Ort, und von hier  kann man Israel prima überschauen. Bileam hat auch nichts dagegen einzuwenden; er überlegt nur, wie er sich Gott vielleicht doch noch für seine Zwecke verfügbar und wohlgesonnen machen kann und fordert: ”Nun baut mal noch sieben Altäre, und dann opfern wir auf jedem Altar einen Widder und einen Stier. Und du, Balak, stellst dich neben dein Opfer, und ich gehe auf jene kahle Anhöhe und rede mit dem Herrn. Und dann komme ich zurück und sage, was er mir gesagt hat.”

Fortsetzung folgt. Wer´s nicht abwarten kann, oder den biblischen Text nachlesen möchte: Die Geschichte steht in 4.Mose 22 ff.

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